Symposion:
Geschichtsdenken
nach Paul Ricœur
Freitag,
6. März – Sonntag, 8. März 2009
Eine
Veranstaltung des Instituts für Wissenschaft und Kunst (IWK)
in Kooperation mit dem Institut Français de Vienne
Konzept und Organisation: Burkhard Liebsch (Universität Bochum)
Veranstaltungsort: Institut Français de Vienne, Währinger Straße
32, 1090 Wien
Dieses
Symposion ist Paul Ricœurs (1913-2005) umfangreicher Studie
„Gedächtnis, Geschichte, Vergessen“ (frz.
2000, dt. 2004) gewidmet, die wesentliche Denkmotive aus dem Gesamtwerk
des großen französischen Philosophen
bündelt. In der Vielzahl der in diesem Buch behandelten Themen
sind deutlich die Spuren der kollektiven Gewalterfahrungen des 20.
Jahrhunderts zu erkennen.
Im ersten Teil des Buches geht es um eine Phänomenologie des
Gedächtnisses (dabei etwa um sein Verhältnis zur
Einbildungskraft, um die Formen seines Gebrauchs und Missbrauchs, um
die Beziehung zwischen individuellem und kollektivem
Gedächtnis). Der zweite Teil befasst sich mit der
Epistemologie der Geschichtswissenschaften. Der dritte Teil entwirft
eine Hermeneutik der geschichtlichen Existenz des Menschen, fragt nach
der Möglichkeit von Geschichtsphilosophie heute und analysiert
die zeitgenössische Erinnerungskultur.
Die internationale Tagung zielt zum einen auf eine intensive
philosophische Auseinandersetzung mit diesem im deutschen Sprachraum
noch kaum rezipierten Werk, zum anderen auf einen Dialog mit
VertreterInnen von Nachbardisziplinen (Geschichtswissenschaft,
Psychoanalyse, Theologie), in dessen Rahmen die Fruchtbarkeit des
Ricoeur’schen Denkens für die einzelnen Disziplinen
erörtert werden soll.
Programm
Freitag, 6.
März, 16.30:
Begrüßung und Einführung:
Philippe Noble (Direktor des Institut
Français de Vienne)
Thomas Hübel (IWK)
Burkhard Liebsch (Universität Bochum)
17.00-18.00
Mirko Wischke (Poznan):
Conditio historica und die Asymmetrien des Verstehens.
18.15-19.15
Andris Breitling (Rostock):
Undarstellbar? Ricoeur und Lyotard über die Grenzen der
Repräsentation
19.30-20.30
François Dosse (Paris):
Paul Ricœur, l'histoire et les guerres mémorielles
Samstag, 7.
März:
10.00-11.00
Hans-Christoph Askani (Genève):
L'oubli fondamental comme don; oder: Die Frage des Zusammenhangs
zwischen Geschichtsschreibung und Fiktion
11.15-12.15
Nicolas Berg (Dresden):
Metaphorische Erinnerung – Zur historischen Hermeneutik von
Gerechtigkeit und Genauigkeit bei Paul Ricœur
Mittagspause:
14.15-15.15
Karen Joisten (Mainz):
Das Gedächtnis gibt zu denken. Treue und Wahrheit zum
Vergangenen?
Der Vortrag von Karen Joisten musste abgesagt werden. An Ihrer Stelle referiert Burkhard Liebsch (Bochum).
15.30-16.30
Philipp Stoellger (Rostock):
Das Vergessen des Vergebens. Chiasmus und Asymmetrien zwischen Vergeben
und Vergessen.
16.45-17.45
Andreas Hetzel (Innsbruck):
Schuld, Verzeihen und Geschichte im Ausgang von Ricœur.
Sonntag: 8.
März:
9.30-10.30
Ashraf Noor (Jerusalem):
Sprache und Rekognition
Der
Vortrag von Ashraf Noor muss leider ersatzlos entfallen. Die
Sonntagssitzung beginnt um 10.45 mit dem Vortrag von Ilka Quindeau.
10.45-11.45
Ilka Quindeau (Frankfurt am Main):
Erinnerung und Trauma
12.00-13.00
Gerald Hartung (Heidelberg):
Geschichte ohne Telos? Geschichts- und Kulturphilosophie bei
Ricœur.

ReferentInnen:
Liebsch,
Burkhard: apl.
Professor an der Universität Bochum.
Publikationen:
Subtile Gewalt.
Spielräume sprachlicher Verletzbarkeit. Eine
Einführung. (Weilerswist 2007);
Gegebenes Wort oder Gelebtes Versprechen. Quellen und Brennpunkte der
Sozialphilosophie (Freiburg, München 2008). Für eine
Kultur der Gastlichkeit.
Freiburg, München 2008; Menschliche Sensibilität.
Inspiration und Überforderung
(Weilerswist 2008)-
Wischke,
Mirko:
DAAD-Gastprofessor an der Adam Mickiewicz University Poznan, Polen
1993
Promotion: Kritik der Ethik
des Gehorsams. Zur Moralphilosophie von Th. W. Adorno, HU Berlin; 2000
Habilitation: Die Schwäche der Schrift und das Widerfahrnis
des Denkens. Eine
Untersuchung über die Philosophische Hermeneutik Hans-Georg
Gadamers
(Halle-Wittenberg), 2001 Gastdozent an der European Humanities
University
Minsk, Belarus; 2002-2005 Gastprofessor an der Philosophischen
Fakultät der
Palacky’s
University Olmütz/Olomouc im Rahmen des Fachlektorenprogramms
und der Dozentenfِörderung der
Robert Bosch Stiftung; 2003-2006 Gründungsdirektor und Leiter
des Deutschsprachigen Zentrums für Philosophie
„Scientia Humana“ an der Palacky’s University
Olmütz/Olomouc;
2006/07 DAAD-Gastprofessor an der „Kiev Mohyla
Academy” Graduate School und der
Solomon Universität Kiew, Ukraine; 2008 Fellow am
Forschungszentrum für
Philosophie Hannover.
Breitling,
Andris:
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der
Universität Rostock.
Publikationen:
Möglichkeitsdichtung – Wirklichkeitssinn. Paul
Ricœurs hermeneutisches Denken
der Geschichte (München 2007). Als Herausgeber u.a. (mit S.
Orth):
Erinnerungsarbeit. Zu Paul Ricœurs Philosophie von
Gedächtnis, Geschichte und
Vergessen (Berlin 2004). Forschungsschwerpunkte: Ethik der
Kommunikation,
Sprachphilosophie, Geschichtsphilosophie, Phänomenologie und
Hermeneutik.
Dosse,
François:
Professor
an der Universität Paris 12 (Créteil).
Publikationen:
Histoire du structuralisme (2. Bände, Paris: 1991/1992);
L'empire du sens,
l'humanisation des sciences humaines (Paris, La Découverte
1995); Paul Ricœur.
Les sens d’une vie (Paris 1997); Michel de Certeau, le
marcheur blessé (Paris
2002). Weitere
Informationen unter:
http://dossefrancois.free.fr/
Askani, Hans-Christoph: Professor für
systematische Theologie
an der Universität Genf.
Publikationen: Das Problem der
Übersetzung - dargestellt an Franz Rosenzweig. Die Methoden
und Prinzipien der
Rosenzweig’schen und Buber-Rosenzweigschen
Übersetzungen (Tübingen 1997);
Schöpfung als Bekenntnis (Tübingen 2006).
Berg, Nicolas: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der
Universität Leipzig.
Seine Promotion in Neuerer und Neuester Geschichte erfolgte an der
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg/Breisgau im Jahre
2001.1996–1999 war er Stipendiat der Studienstiftung des
deutschen Volkes (Bonn), zwischen 2000–2001
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der
Universität Freiburg. Seit 2001 am Simon-Dubnow-Institut, seit
November 2003 in leitender Funktion.
Publikationen: Luftmenschen – Zur Geschichte einer Metapher (
= Toldot – Essays zur jüdischen Geschichte und
Kultur, Bd. 3) Göttingen 2008; Der Holocaust und die
westdeutschen Historiker. Erforschung und Erinnerung,
Göttingen 2003; 2. u. 3. Aufl. 2004; (Hg., mit Dirk Rupnow),
"Judenforschung" - Zwischen Wissenschaft und Ideologie,
Schwerpunkt in: Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts/Simon Dubnow
Institute Yearbook 5 (2006), 257-598; (Hg. mit Bernd Stiegler und Jess
Jochimsen), Shoah. Formen der Erinnerung. Geschichte, Philosophie,
Literatur, Kunst, München 1996. Forschung: Sein derzeitiges Forschungsprojekt untersucht
völkerpsychologische Diskurse in der deutschsprachigen
Nationalökonomie im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Joisten, Karen:
außerplanmäßige Professorin und
Hochschuldozentin für Philosophie
am Philosophischen Seminar der
Universität Mainz.
Publikationen:
Die Überwindung
der Anthropozentrizität durch
Friedrich Nietzsche (Würzburg 1994); Philosophie der Heimat
– Heimat der
Philosophie (Berlin 2003); Philosophische Hermeneutik. Ein Studienbuch
(Berlin
2009).
Stoellger, Philipp: Professor
für Systematische
Theologie und Religionsphilosophie an der Theologischen
Fakultät der
Universität Rostock.
Publikationen:
Passivität aus
Passion. Zur Problemgeschichte einer categoria non grata
(Tübingen
2008);Metapher und Lebenswelt. Hans Blumenbergs Metaphorologie als
Lebenswelthermeneutik und ihr religionsphänomenologischer
Horizont (Tübingen
2000).
Hetzel, Andreas:
Lehrbeauftragter für Philosophie an den Universitäten
Darmstadt und
Innsbruck sowie für Medienwissenschaften in Klagenfurt.
Forschungs-
und
Veröffentlichungsschwerpunkte: Sprachphilosophie, antike
Rhetorik, Politische
Philosophie, Kultur- und Sozialphilosophie. Habilitationsprojekt zum
Sprachdenken der antiken Rhetorik.
Noor,
Ashraf: Research
Fellow am Franz Rosenzweig Zentrum für
deutsch-jüdische
Literatur- und Kulturgeschichte in Jerusalem.
Arbeitsschwerpunkte:
Deutsche und
französische Literatur und Philosophie, Literaturtheorie.
Publikationen:
Erfahrung und Zäsur. Denkfiguren der
deutsch-jüdischen Moderne (Hg., 1999);
Walter Benjamin und die französische Moderne (Hg., 2002);
,Jüdische’ und
,christliche’ Sprachfigurationen im 20. Jahrhundert (Mithg.,
2002).
Quindeau,
Ilka: Professorin
für Klinische Psychologie und Psychoanalyse an der
Fachhochschule Frankfurt am Main.
Dr.
phil. habil.,
Diplom-Psychologin, Diplom-Soziologin und Psychoanalytikerin (DPV/IPV),
arbeitet in eigener Praxis. zuletzt erschienen: Verführung und
Begehren. Die
Sexualtheorie nach Freud (Stuttgart 2008). Psychoanalyse.
Eine Einführung für
die Sozial- und Kulturwissenschaften (2008).
Hartung, Gerald: Leiter des
Arbeitsbereichs Theologie und Naturwissenschaft an der
Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V.
(Heidelberg).
Privatdozent;
2008/2009:
Gastprofessor für Philosophie an der Bergischen
Universität Wuppertal,
Publikationen: Philosophische Anthropologie. Grundwissen Philosophie
(Stuttgart
2008). Das Maß des Menschen. Aporien der philosophischen
Anthropologie und ihre
Auflösung in der Kulturphilosophie Ernst Cassirers
(Weilerswist 2003).
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