Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie
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Heirat
Definition:
Vorgang, der zur Ehe führt, wobei die Wahl möglicher Partner eingeschränkt ist.

Die Heirat ist meist mit Zeremonien verbunden, die ein formeller Ausdruck der Zustimmung der Gruppe sind. Im Unterschied zur Verlobung impliziert die durch eine Heirat begründete eheliche Beziehung weit umfangreichere und bedeutendere soziale und ökonomische Rechte und Pflichten zwischen den affinal verbundenen Familien bzw. Verwandtschaftsgruppen. Anläßlich der Heirat findet daher oft ein Austausch von Gütern statt, der den Beginn einer dauerhaften sozialen und wirtschaftlichen Beziehung anzeigt.

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Anmerkung:
Bedingt durch die im Englischen übliche Verwendung ein und des selben Terminus "marriage" für Heirat (als Vorgang) und Ehe (als Zustand) werden in den englischsprachigen Lexika und Glossaren unter dem Eintrag "marriage" die beiden Konzepte "Heirat" und "Ehe" vermischt präsentiert und besprochen.

Beispiel: Trobriander
Bei den matrilinear organisierten Bewohnern Boyowas und anderer Inseln des Trobriand-Archipels (Papua Niugini) schließt die Heirat das am Ende einer Kette von Liebschaften stehende, in rechtlicher und ökonomischer Hinsicht weitgehend unverbindliche Verlobungsverhältnis ab und begründet ein zwei matrilineare Verwandtschaftsgruppen verbindendes Netz wechselseitiger ökonomischer und sozialer Pflichten und Rechte, in deren Zentrum jährliche, obligatorische Erntegaben (urigubu) der Familie der Ehefrau an den Ehemann bzw. dessen Familie stehen.
Hiebei übersenden die Männer einer Matri-Lineage den Ehemännern ihrer Schwestern, die aufgrund der virilokalen postnuptialen Residenz meist in anderen Dörfern leben, beträchtliche Mengen an Yams, welche durch relativ unbedeutende Gegengaben erwidert werden [Malinowski1929:56; 1981:275-284].
Wesentlicher Bestandteil der Heirat selbst ist die feierliche Überreichung der ersten Erntegabe: "Auf Grund des Eherechts nämlich werden die matrilinearen Verwandten einer Frau für die Dauer der Ehe verpflichtet, ihrem Schwager den jährlichen urigubu-Tribut zu zahlen. Der Heiratskontrakt wird auf Grund eines reziproken Gabentauschs wirksam, der im ganzen allerdings eher zugunsten des Ehemannes, bzw. des neuen Haushalts ausschlägt, und zwar wesentlich dank der großen Taytugabe (Yams-Gabe) , die ihm bei der ersten Ernte nach der Heirat in dekorativen, länglich- prismatischen Behältern dargebracht wird, welche der Bruder der Braut vor dem neuen Yamshaus seines Schwagers aufstellt.
Diese Gabe heißt vilakuria und leitet die urigubu-Leistung en ein, die an eben dieser Stelle Jahr für Jahr eintreffen werden, wenn auch kleiner und nur zu einfachen Haufen aufgeschichtet. Der Ehemann wird dafür alle paar Jahre an den Bruder seiner Frau Wertgegenstände abgeben, die indes nie den Gesamtwert des urigubu erreichen." [Malinowski 1981:285f]
Symbolischer Ausdruck dieses durch die Heirat begründeten wechselseitigen sozialen und ökonomischen Verpflichtungszusammenhanges ist die Aufhebung des für die voreheliche Phase (Liebschaften, Verlobung) geltenden Verbots, gemeinsam eine Mahlzeit einzunehmen [Malinowski 1929:51f].
Literatur:
Englisch: marriage, wedding (ceremony)

  © Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97