| Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie | |||||
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| Präferentielle Heiratsregel | |
| Definition: Bevorzugung von Heiratspartnern auf der Ebene der Empirie, während die präskriptive Heiratsregel auf der Ebene des Modells liegt. Statistischer Ausdruck der Heiratspräferenz ist die Frequenz der Heirat mit Verwandten bestimmter Kategorien. Die Allianztheorie betonte die kategoriale Ebene (Verwandtschaftsterminologie, -kategorien) und die Konzeptualisierung/Klassifizierung der Struktur. Dagegen favorisiert die Deszendenztheorie die Analyse der rechtlich-normativen Daten. | |
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Verwandte Begriffe: | |
| Zum übergeordneten Begriff | |
Anmerkungen:
Von der Art und Weise der Beziehung der Heiratsregeln, die sich auf der
rechtlich-normativen Ebene befinden, zum System der Kategorien, mithilfe
dessen die Verwandtschaft konzeptualisiert und klassifiziert wird, hängt ab,
ob es sich um präskriptive oder präferentielle Heiraten handelt, weiters
3 miteinander verbundene Ebenen:
Im Rahmen der Studien über Heirat und elementare Strukturen der Verwandtschaft stand die Frage der präferentiellen und präskriptiven Heiratsregeln während der 60er Jahre im Mittelpunkt der Debatte. Diese ist Ausdruck der fundamentalen Unterschiede zwischen der auf Grundlegendes orientierten strukturalistischen Theorie (u.a. Lévi-Strauss) und dem eher empirisch orientierten Strukturalismus, wie er von den britischen und US-Anthropologen entwickelt wurde. Lévi-Strauss beschäftigte sich 1949 (Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft) mit der präferentiellen Heirat: Er erklärt jedoch nicht genau den Unterschied zwischen terminologischer Präskription und rechtlich-normativer Präferenz und vermischt daher Daten über die Verwandtschaftsterminologie mit Informationen über Heiratsregeln. Die Kreuzkusinenheirat sei nach ihm in dem Sinn präferentiell und privilegiert, als sie im System des Frauentausches zwischen Männern das elementarste Produkt sei. [Seymour-Smith 1986:231]. Eine positive Regelung des Heiratsverhaltens (im Gegensatz zum Inzestverbot ), welche bestimmte Personen als Heiratspartner hochbewertet, ohne jedoch daraus eine Heiratsverpflichtung abzuleiten. Die am weitesten verbreitetste und kennzeichnendste Form einer präferentiellen Heiratsordnung ist die Kreuzkusinenheirat , welche entweder nur mit der Tochter des Bruders der Mutter oder mit der Tochter der Schwester des Vaters unter Ausschluß der anderen Base präferentiell sein kann. In den meisten Gesellschaften, in denen das Levirat bzw. das Sororat geübt werden, handelt es sich dabei um Fälle einer präferentiellen Heiratsordnung, obwohl das Levirat in der hebräischen Gesellschaft einwandfrei das Wesen einer präskriptiven Heiratsordnung aufwies. Im allgemeinen gilt der Brauch einer präferentiellen Heiratsordnung innerhalb einer bestimmten Gesellschaft nur für eine bestimmte Gesellschaftsschicht oder für eine Kategorie von Personen mit einem gewissen Status; die anderen Mitglieder der Gesellschaft verheiraten sich nach einer unterschiedlichen Regelung [Panoff/Perrin 1982: 246f.]. | |
| Englisch: preferential marriage | |
| Französisch: mariage préférentiel |
© Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97