| Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie | |||||
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| Bilaterale Kreuzkusinen-/vettern-Heirat | ||
| Definition:
Ein Mann heiratet eine Frau, die zugleich der Verwandtschaftskategorie
Mutterbrudertochter [MBD (ms)] als auch der Verwandtschaftskategorie
Vaterschwestertochter [FZD (ms)] angehört. Dieses Heiratsmuster kommt z.B.
in Dualsystemen mit exogamen (Patri- oder Matri-)moieties als Tauschgruppen
vor, wobei ein eingeschränkter/direkter Tausch zwischen Heiratsklassen,
deren Zahl zwei oder ein Vielfaches davon ist, praktiziert wird:
Abbildung: Bilaterale Kreuzkusinen-/vettern-Heirat | ||
| Zum übergeordneten Begriff | ||
| Beispiel: Kariera und andere
australische Aborigines
Diese Gruppen weisen Systeme mit vier Heiratsklassen (four-section systems)
auf, die - da sie zuerst bei den Kariera entdeckt wurden - nach diesen
benannt wurden (Karieratype). Die Richtung der Heiratsverbindungen bleibt
hier über die Generationen gleich.
Siehe Abbildung: System des unmittelbaren, reziproken Frauentauschs in einem symmetrischen Allianzsystem: Dualordnung mit bilateraler Kreuzkusinenheirat (MBD = FZD) und patrilinearer Deszendenz [Lukas 1990: 549].
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| Beispiel: Südindien, Singhalesen (Sri Lanka), Nord- und Südamerika, Moala (Fiji) und
andere Regionen im Südpazifik:
Diese Gruppen weisen nahe mit dem Kariera-System verwandte Heiratsklassensysteme mit zwei Sektionen (two-section systems) auf und besitzen in der Regel moieties (Hälften), die der Heiratsregelung dienen, sowie eine "dravidische Verwandtschaftsterminologie". Zum Teil dienen die moieties nicht der Heiratsregelung oder existieren überhaupt nicht. Die dravidischen Verwandtschaftsterminologien, die jenen vom Seneca-Iroquois-Typus ähneln und auf der bilateralen Kreuzkusinenheirat beruhen, sind durch die Art und Weise, wie sie terminologisch festlegen, welche Verwandten heiratbar sind und welche nicht, ein idealer Ausdruck
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| Beispiel: Aranda (Syn.: Arunta, Arunda) am
Oberlauf des Finke-Flusses (Zentralaustralien) und andere australische
Aborigines Diese Gruppen weisen Heiratsklassensysteme mit acht Sektionen (eight-section systems) auf, die - da sie zuerst bei den Aranda entdeckt wurden - nach diesen benannt wurden (Aranda-type). Das System beruht auf einer im Vergleich zum Heiratsklassensystem der Kariera weitergehenden Teilung der moieties und weiteren Einschränkung der Heiratsmöglichkeiten. Im Gegensatz zum Kariera-System wechselt hier die Richtung der Verbindungen von Generation zu Generation (alternierende Generationen), sodaß in der Regel ein einziger symmetrischer Zyklus von gegebener, d.h. feststehender, Länge entsteht. Vier tauschende Gruppen A, B, C und D und der Generationswechsel (1 und 2) ergeben acht Klassen (sections) A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D2. Die Heirat erfolgt in diesem System mit der bilateralen Kreuzkusine zweiten Grades (MMBDD = FMBSD): Siehe Abbildung [Lukas 1990:550] | ||
| Literatur: | ||
© Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97