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avunkulokale Residenz |
| Definition:
Bezeichnet die Aufnahme der Residenz beim Mutterbruder des
Mannes [Barnard/Good 1984:79-81]. Eine
Residenzregelung in einigen matrilinealen Gesellschaften, nach der ein Paar nach seiner Heirat mit dem maternalen
Onkel des Ehegatten
wohnt [Seymour-Smith 1986: 20].
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Untergeordneter Begriff:
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Verwandte Begriffe:
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Zum übergeordneten Begriff |
Anmerkungen:
- Zur Kurzform des Terminus "avunkulokale Residenz": Obgleich die
theoretische Möglichkeit der Residenz beim Mutterbruder der Frau nirgends
realisiert wird, müßte man genau genommen von viri-avunkulokaler Residenz
sprechen.
- Diese Residenzregel ist häufig in matrilinearen Gesellschaften
anzutreffen und hält die über die Matriline miteinander verbundenen Männer
zusammen und zerstreut die matrilinear verbundenen Frauen räumlich. Das heißt,
Mutterbrüder und Schwestersöhne bilden hier den Kern der residentiellen
Einheit. Die Schwestersöhne kommen zwar im Haus des Mutterbruders des
Ehemannes der Schwester zur Welt; als Jugendliche oder Erwachsene verlassen
sie jedoch diesen Haushalt und wohnen fortan bei ihrem eigenen Mutterbruder.
Avunkulokalität ist nach Harris [1971: 325] eher ein sekundärer Effekt der
Bildung matrilinearer Deszendenzgruppen als eine Bedingung für deren Entwicklung.
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| Beispiel: Trobriander (Boyowa und andere Inseln des Trobriand-Archipels/Papua Niugini)
Die Frauen eines Subclans (Dala) ziehen zu ihren Männern.
[Harris 1989: 231; Barnard/Good 1984:80f].
Daraus resultieren folgende
Gruppenkompositionen:
Ein Subclan besteht aus:
- matrilinear verbundenen Männern,
- den Schwestern dieser Männer und anderen matrilinear verbundenen Frauen,
- den Kindern dieser Frauen.
Ein Dorf besteht aus:
- den erwachsenen und jungen Männern des Subclans,
- deren Frauen, die verschiedenen Subclans angehören und
- den jungen Kindern und unverheirateten Töchtern des Subclans.
Obwohl es daher die Frauen sind, die die Deszendenzkontinuität garantieren
und deren Kinder die Mitglieder der nächsten Generation stellen sind es die
matrilinear verbundenen Männer (Mutterbruder, Schwestersohn etc.), die den
matrilinearen Kern der residentiellen Einheit
bilden [Malinowski 1919;
Keesing 1975].
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| VT: viri-avunkulokal
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| Englisch: avunculocal residence
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| Französisch: residence avunculocale
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