LGBTIQ*-Wahlstudien 2017

Im Sommer 2017 wurde im Vorfeld der Bundestagswahl in Deutschland am 24. September  und im Vorfeld der Nationalratswahl in Österreich am 15. Oktober, die jeweils ersten Wahlstudien, die sich an die LGBTIQ*-Community in Deutschland bzw. Österreich richten, durchgeführt. Welche Parteien haben LGBTIQ*-Menschen bei der Bundestagwahl am 24. September 2017 bzw. der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 gewählt? Welche politischen und gesellschaftlichen Themen beschäftigten die LGBTIQ*- Community? Welche Themen waren für die Befragten wahlentscheidend? Auf diese und andere Fragen zu politischen Einstellungen und gesellschaftlicher Teilhabe gibt das Umfrageprojekt Antworten.

Die parteiunabhängigen Studien wurde von einem Team von Wissenschaftler*innen der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität Wien zusammen mit ihrem Kooperationspartner, dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) und der HOSI Wien durchgeführt. Die innovativen Studien werfen einen Blick auf einen Teil der Gesellschaft, der in den klassischen Wahlstudien bislang unter den Tisch fällt: die LGBTIQ*-Community. Die LGBTIQ*-Wahlstudien geben damit neue Impulse für politische Debatten und auch für die Wahlforschung.

Die Umfragen waren anonym und es wurden keine personenbezogenen Daten erhoben oder gespeichert. Zwei ähnliche Umfragen wurden als Pilotprojekte vom selben Forschungsteam zu den letzten Gemeinderatswahlen in Wien (2015) und zu den Abgeordnetenhauswahlen in Berlin (2016) durchgeführt. An diesem ersten innovativen Forschungsprojekt beteiligten sich damals bereits viele LGBTIQ*-Menschen. Die Ergebnisse sind ebenfalls auf dieser Website abrufbar.

 

Über den Fragebogen

Wir haben die regen Diskussionen und das Feedback zu unseren Pilotstudien in Wien und Berlin im Gespräch, sowie im Internet und den sozialen Netzwerken verfolgt und möchten nachfolgendend auf einige Punkte eingehen, um Missverständnissen vorzubeugen:

1.  Fragen
Die Fragen zu politischen Einstellungen und Meinungen, die wir in unserem Fragebogen stellen, haben wir zum allergrößten Teil nicht selbst erfunden, sondern aus Umfragen entnommen, die in der Meinungsforschung etabliert sind. Die häufig kontrovers aufgenommene „Führer“-Frage beispielsweise entstammt dem World Value Survey, dem weltweit wohl gängigsten und weitreichendsten Meinungsforschungsprojekt, das seit Anfang der 1980er Jahre regelmäßig in vielen Ländern Einstellungen zur Demokratie erhebt. Methodisch macht es für uns aus zwei Gründen Sinn, bestehende und statistisch erprobte Fragenformulierungen zu übernehmen: 1.) können wir davon ausgehen, dass diese Fragen wirklich messen, was sie messen sollen (die Formulierungen sind also ‚valide‘), und 2.) können wir so die Ergebnisse unserer Stichprobe mit denen anderer Studien vergleichen.

 2. Anwortmöglichkeiten
Natürlich sind wir bei der Konstruktion des Fragebogens bemüht gewesen, möglichst alle Lebensrealitäten zu berücksichtigen und haben die Fragen im Vorfeld der Studie mehrfach testen lassen. Gerade weil wir dichotome Geschlechterbilder überwinden wollen, fragen wir beispielweise separat nach dem Geschlecht bei der Geburt und nach heute gelebtem, sozialen Geschlecht bzw. Gender – bei beiden Fragen gibt es durch Freifelder jeweils die Möglichkeit, weitere Kategorien hinzuzufügen, um alle zu erfassen und niemanden „unsichtbar zu machen“. Selbstverständlich werden auch die Antworten in den Freifeldern ausgewertet und, sofern sinnvoll, zu weiteren Kategorien zusammengefasst.

3. Cookies
Unser Online-Fragebogen setzt aus zwei Gründen Cookies: Erstens, um Mehrfachantworten von derselben Person (und somit Verzerrungen) zu verhindern und zweitens, weil es die Möglichkeit gibt, den Fragebogen nicht „am Stück“ auszufüllen, sondern das Ausfüllen zu unterbrechen und zum späteren Zeitpunkt fertig auszufüllen. Dafür ist es notwendig, die bereits gegebenen Antworten zwischen zu speichern – dafür brauchen wir Cookies.

Wir hoffen, dass diese Ausführungen geholfen haben, unser methodisches Vorgehen transparent und nachvollziehbar zu machen. Auch möchten wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Motivation unserer Studie nicht ist, bestimmte Lebensrealitäten auszuschließen, bloßzustellen oder zu diffamieren, sondern im Gegenteil dazu einen Beitrag zu leisten, diesen Lebensrealitäten (mehr) politisches Gehör zu verschaffen.

 

Partner*innen der LGBTIQ*-Wahlstudie 2017

http://www.hosiwien.at/img/hosi-logo_glanz_cmyk+kontur.png

Zahlreiche Medien, Organisationen und Internetportale aus der LGBTIQ*-Community unterstützen dieses Projekt, indem sie die Umfrage bekannt machen. Wir möchten uns dafür herzlich bedanken.