Erving Goffman

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Quelle: [02.02.2003]

Erving Goffman (1922-1982) ist heute einer der weltweit meistgelesenen Soziologen. Sein Interesse galt nicht dem Versuch, eine umfassende, makrosoziologische Theorie der Gesellschaft zu entwerfen, sondern dem kleinräumigen, 'unspektakulären' Bereich der Face-to-Face-Interaktion (vgl. Krallmann et al.: 1/21 ). Seine Erfahrungen in ethologischer Feldforschung beeinflussten sein vielfältiges Werk ebenso wie die Arbeit von Gregory Bateson und ein großes Interesse für Linguistik , was in einer ausführlichen Beschäftigung mit verschiedenen Formen von Kommunikation Niederschlag fand. Wenngleich Sprache an sich auch nicht im Mittelpunkt seines Forschungsinteresses stand, ist sie doch ein grundlegender Bestandteil menschlichen Sozialverhaltens und muss damit in der soziologischen Analyse entsprechende Aufmerksamkeit erfahren, wie Burns (1992: 301) darlegt:

Talk is performance, a form of acting on and interacting with what is, and with what is going on around us. Also, it is a form of activity that is peculiarly human, and social in character. This gives it central importance as subject-matter for the kind of sociological analysis Goffman took as his special concern.

Goffman sah Sprache als Form von Handeln in sozialer Interaktion, deren Struktur und Funktionsweise im Mittelpunkt seines Interesses standen. Seine detaillierte Analyse der "form and meaning of the social and interpersonal contexts that provide presuppositions for the decoding of meaning" (Schiffrin 1994: 103 ), im Besonderen das von Bateson übernommene und in Frame Analysis [Rahmen-Analyse] (1974 [1980]) detailliert ausgearbeitete Konzept des Rahmens (frame) spielt eine zentrale Rolle in Gumperz' Theorie der conversational inference und damit der Kontextualisierungsforschung.


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© Alexandra Schepelmann 2002-2003