Wer waren die Brüder Pez?

Bernhard (geb. 1683) und Hieronymus (geb. 1685) Pez stammten aus einer Gastwirtsfamilie in der niederösterreichischen Kleinstadt Ybbs an der Donau. Dass sie – ebenso wie ihre beiden Brüder Philipp und Zacharias – die geistliche Laufbahn einschlugen, ist für das Umfeld österreichischer und süddeutscher Kleinstädte um 1700 durchaus nicht ungewöhnlich. Bernhard und Hieronymus absolvierten die Jesuitenschulen in Krems und Wien, bevor sie im Kloster Melk das benediktinische Ordensgewand nahmen. Melk zählte zu den wichtigsten und einflussreichsten der in der Gegenreformation wieder erstarkten niederösterreichischen Prälatenklöster; es erlebte unter Abt Berthold Dietmayr (Abt 1700–1739) in der Lebenszeit der Brüder Pez eine kulturelle Blüte.

Elternhaus
Haus "Zur Goldenen Sonne", Ybbs.

Im Jahre 1709 wurde Bernhard mit der Leitung der Bibliothek betraut und fasste wohl um dieselbe Zeit den Entschluss, ein umfassendes Lexikon von benediktinischen Schriftstellern zu verfassen, das den Namen "Bibliotheca Benedictina" tragen sollte. Eine wesentliche Motivation für ein solches Unterfangen bildete einerseits das Bestreben, gegenüber den im Bildungswesen dominierenden Jesuiten die benediktinischen Verdienste um die Wissenschaften und die Literatur herauszustellen; andererseits das Anliegen, mit der Bereitstellung alter – "unverfälschter" – spiritueller Schriften ein historisch-theologisches Gegengewicht zu der als allzu spekulativ abgelehnten scholastischen Lehre zu erarbeiten.

Der Briefwechsel der Brüder diente ursprünglich der Beschaffung von Informationen für die "Bibliotheca Benedictina". Er entwickelte jedoch schon bald eine Eigendynamik, da Hieronymus begann, eigene, dezidiert landesgeschichtliche Forschungsinteressen zu verfolgen, und beide Brüder zu anerkannten Mitgliedern der europäischen Gelehrtengemeinschaft wurden. Weiters erwies sich der Informationsgewinn durch die Korrespondenz, später auch durch Forschungsreisen, als nicht ausreichend für die "Bibliotheca Benedictina", weshalb dieses Unternehmen nie zu einem befriedigenden Ende gebracht werden konnte. Die Brüder Pez brachten stattdessen umfangreiche Quelleneditionen aus dem von ihnen gesammelten Material heraus; Teile der Kollektaneen für die "Bibliotheca" wurden später in der "Historia rei literariae ordinis sancti Benedicti" von Magnoald Ziegelbauer und Oliver Legipont (1754) verarbeitet.

Auch äußere Umstände erschwerten mitunter die Forschungsarbeiten der Brüder: gelehrte Auseinandersetzungen mit Hofbibliothekspräfekt Gentilotti, den Jesuiten Hevenesi und Hansiz, sowie ein innerklösterlicher Konflikt mit Abt Dietmayr. Bernhard Pez starb zudem verhältnismäßig früh (1735), und Hieronymus Pez war mit der Weiterführung seiner eigenen Forschungsvorhaben bis zu seinem Tod (1762) ausgelastet.

Hinzu kommt der Umstand, dass sich um die Jahrhundertmitte die ursprünglichen Anliegen der Pezschen Forschungen – positive Theologie, Behauptung gegenüber den Jesuiten – überlebt hatten beziehungsweise in andere reformkatholische Strömungen eingeflossen waren, die viel später den Namen "katholische Aufklärung" erhalten sollten. 

FWF Institut für Geschichte
IOeG
Uni Wien