Im November 2007 wurde einer der acht Start-Preise des FWF für das Projekt "Monastische Aufklärung und die benediktinische Gelehrtenrepublik" vergeben (Nr. Y-390). Als Antragsteller fungierte Dr. Thomas Wallnig, der das am 1. April 2008 angelaufene Projekt seither leitet. Zur Arbeitsgruppe zählen derzeit im Rahmen unterschiedlicher Arbeitsverhältnisse insgesamt zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie ein nichtwissenschaftlicher Mitarbeiter. Institutionell verankert ist die Forschungsgruppe sowohl am Institut für Geschichte der Universität Wien als auch am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Die Laufzeit des Projekts ist bis 30. Juni 2014 angelegt.
Zentrales Anliegen des Projekts "Monastische Aufklärung" ist die Edition der Korrespondenz von Bernhard und Hieronymus Pez, Geschichtsforscher im Kloster Melk in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die über 1000 erhaltenen Briefe zählen zweifellos zu den aussagekräftigsten Quellenbeständen der österreichischen Gelehrsamkeitsgeschichte in diesem Zeitraum. Ausgehend von der Pez-Korrespondenz sollen in unterschiedlich fokussierten Einzelstudien verschiedene Aspekte der monastischen Gelehrsamkeitskultur in ihrem politischen, sozialen, kulturellen, geistesgeschichtlichen und wissenschaftsgeschichtlichen Rahmen erörtert werden. Dies entspricht den unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Im Rahmen des Start-Projekts kann auf Erfahrungen und Ergebnisse aus einem vorangegangenen FWF-Einzelprojekt zurückgegriffen werden. Dieses trug den Titel "Die gelehrte Korrespondenz der Brüder Pez 1709–1715" und stand unter der Leitung von Prof. Winfried Stelzer am Institut für Österreichische Geschichtsforschung (Nr. P-16940). In diesem Rahmen konnten Thomas Stockinger und Thomas Wallnig zwischen 2004 und 2008 rund ein Viertel der Pez-Korrespondenz editorisch bearbeiten; seit 2010 liegt der Band vor.
Über die Edition der verbleibenden Pez-Briefe (1716–1762) sowie über die Erforschung der relevanten historischen Kontexte hinaus ermöglicht das Start-Projekt diverse disseminatorische Aktivitäten. Die Digitalisierung des Pez-Nachlasses aus Stiftsarchiv und Stiftsbibliothek Melk, der wichtige ergänzende Materialien zur Korrespondenz enthält, ist abgeschlossen; die Erschließung und Freischaltung in einer Online-Datenbank ist im Gange. In einer eigenen Veranstaltungsreihe des Projekts sollen moderierte Diskussionen über Quellentexte und Sekundärliteratur stattfinden. Zur Vermittlung einschlägiger Inhalte und Forschungsprozesse im schulischen Kontext werden weiters Lehrmaterialien für den Unterricht an höheren Schulen bereitgestellt.