Die Pez-Korrespondenz und die zeitgenössische Politik

Als gewöhnlichen Konventualen war es den Brüdern Pez nur in eingeschränktem Maße möglich, auch persönliche Außenkontakte zu pflegen und damit ebenso unmittelbar am politischen Geschehen der Zeit teilzuhaben, wie dies etwa Abt Dietmayr – zeitweilig Geheimer Rat Kaiser Karls VI. – tat. Dennoch waren die Forschungsanliegen der Brüder von unleugbarem Interesse auch für zahlreiche Persönlichkeiten am Wiener Hof sowie später an der Kurie, die ihrerseits wesentliche Rollen in der politischen Entwicklung des 18. Jahrhunderts spielten.

Unter den prominenten Staatsmännern des frühen 18. Jahrhunderts, die in direktem Kontakt mit den Brüdern standen, sind etwa zu nennen: der spätere Sekretär der Geheimen Konferenz und effektive Leiter der österreichischen Außenpolitik Johann Christoph Freiherr von Bartenstein; der Hofkanzler Philipp Ludwig Graf Sinzendorf; der Reichshofratspräsident Johann Wilhelm Graf Wurmbrand-Stuppach; der Reichshofrat Heinrich Christian Freiherr von Senckenberg; der kaiserliche Bibliothekar, spätere Auditor Rotae und schließlich (wenngleich vor Antritt des Amtes verstorbene) Bischof von Trient Johann Benedikt Gentilotti von Engelsbrunn; sowie die Kardinäle Angelo Maria Quirini und Domenico Passionei.

Kardinal Domenico Passionei
Domenico Passionei

 An mehreren Stellen verbindet sich die Biographie von Bernard Pez auch unmittelbar mit dem politischen Zeitgeschehen. So ist etwa die Rebellion des Konvents gegen Abt Berthold Dietmayr im Winter 1722/23 vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Abt um diese Zeit die Errichtung eines Bistums in Melk betrieb. Gentilotti brachte die Anliegen der unzufriedenen Konventualen unter Führung von Pez vor den Kaiser, dieser entschied jedoch – dank der Intervention Sinzendorfs – zu Gunsten des Abtes.

 Derselbe Sinzendorf war es freilich, der anlässlich seiner Entsendung als kaiserlicher Gesandter auf dem Friedenskongress von Soissons im Jahr 1729 Bernhard Pez mit sich auf die Reise nahm und ihm so den lange gehegten Wunsch erfüllte, eine Zeit bei den Maurinern in Paris leben und arbeiten zu können. Pez plante daraufhin die Herausgabe einer Quellensammlung unter dem Namen "Sinzendorfiana". Der Friedenskongress sollte der Stabilisierung der habsburgisch-bourbonischen Allianz gegen die Seemächte dienen, scheiterte jedoch an der aus Sicht des Reiches zu nachgiebigen Haltung Sinzendorfs gegenüber Kardinal Fleury.

 Schließlich sind die in Wien ventilierten Pläne zur Errichtung einer Akademie zu nennen, die auf Leibniz zurückgingen und in denen Bernhard Pez mehrfach eine Rolle spielte. Im Anschluss an die oben genannte Frankreichreise entwarf Pez sogar Akademiestatuten, die sich an der Maurinerkongregation orientierten. Hieronymus Pez erlebte noch die Errichtung der Kemptener Benediktinerakademie und wurde zum Mitglied der Bayerischen Akademie ernannt.

 Die Suche nach einer Anbindung an die höchsten Entscheidungsträger wurde aber bereits im Elternhaus der Brüder Pez, im "Gasthaus zur Goldenen Sonne" zu Ybbs, erkennbar, wo eine Nächtigung Karls VI. den Anlass dafür gegeben hatte, einen Stuckadler mit dem Motto "Constantia et fortitudine" an die Decke eines größeren Raumes zu applizieren.

FWF Institut für Geschichte
IOeG
Uni Wien