Die Pez-Korrespondenz als Abbild einer (benediktinischen) "res publica literaria"

Beim Aufbau des Korrespondenznetzwerks konnten die Brüder Pez auf ein monastisches Kommunikationsgefüge zurückgreifen, das bereits seit mehreren Jahrhunderten Bestand hatte. Monastische Kongregationen, institutionalisiertes Gebetsgedenken an verstorbene Mitbrüder anderer Klöster, gemeinsame Studienorte (etwa die Benediktineruniversität Salzburg) und regionale Naheverhältnisse zwischen einzelnen Konventen beförderten den Austausch zwischen Klöstern über die Landesgrenzen hinweg. Hinzu kam noch, dass Melk durch die Einführung einer Ordensreform im 15. Jahrhundert (1. Melker Reform) unter den Benediktinerklöstern Süddeutschlands und Österreichs besonderes Ansehen genoss.

Der Horizont der Brüder Pez blieb jedoch nicht hierauf beschränkt. Von Beginn an betrieben sie intensiven Austausch mit den Maurinern in S.-Germain-des-Prés, einer benediktinischen Reformkongregation, die sich im späten 17. Jahrhundert zu einer der europaweit renommiertesten Werkstätten im Bereich der historischen Forschung entwickelt hatte. Die Brüder Pez pflegten weiters auch Kontakte zu benediktinischen Gelehrten in der Schweiz, in Italien, in Nord- und Mitteldeutschland sowie in Böhmen.

Briefwechsel unterhielten die Brüder Pez jedoch auch zu Gelehrten aus den protestantischen Teilen des Reichs, insbesondere zu Historikern, sowie zu Personen im engeren Umfeld des Wiener Hofes. Keine Berührungspunkte gab es hingegen mit Vertretern naturwissenschaftlicher Fächer außerhalb des katholischen Bereichs.

Bereits in den 1710er Jahren war Bernhard Pez an Initiativen beteiligt, durch welche die benediktinische Gelehrtengemeinschaft in Form einer benediktinischen Akademie institutionalisiert werden sollte. Diese Bemühungen erbrachten vorerst keine konkreten Resultate, mündeten in die bayerisch-österreichische Akademiebewegung, die um 1750 zu einer inhaltlichen und strukturellen Erneuerung der monastischen Gelehrsamkeit führte. Die von Magnoald Ziegelbauer ins Leben gerufene "Societas literaria Germano-Benedictina" und mehr noch die Bayerische Akademie der Wissenschaften sind dementsprechend in einem direkten Zusammenhang mit der Korrespondenz der Brüder Pez und der benediktinischen Gelehrsamkeit des frühen 18. Jahrhunderts zu sehen.

FWF Institut für Geschichte
IOeG
Uni Wien