Der Begriff der "katholischen (Früh-)Aufklärung" wird in der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts oft zur Bezeichnung von Reformströmungen im katholischen Europa des 18. Jahrhunderts verwendet. Dabei wird zumeist unterstellt, dass eine anderswo vorhandene "Aufklärung" im katholischen Bereich übernommen und adaptiert wurde; in Bezug auf Österreich betreffen die drei traditionellen Narrative die Übernahme von "reformkatholischem" Gedankengut aus Italien (Muratori) bzw. aus Frankreich und den Niederlanden (Franz Stephan und sein Kreis, häufig verbunden mit dem Schlagwort "Jansenismus") sowie jene von "aufgeklärtem" Gedankengut aus Frankreich und Norddeutschland. Teil dieser Narrative ist zumeist die Entwertung oder die völlige Ausblendung der übernehmenden intellektuellen Kultur.
Während für das letzte Jahrhundertdrittel und für einen Bereich vornehmlich politischer Einstellungen durch die Forschungen insbesondere Harm Kluetings hinreichende begriffliche Klarheit geschaffen wurde, ist nach wie vor nicht reflektiert, wann und in welchem Kontext der Begriff "katholische Aufklärung" selbst auftaucht und in welchem Verhältnis er zu der wesentlich heterogeneren Situation der Zeit bis etwa 1770 zu sehen ist. Schlagwörter wie "Jansenismus", "Reformkatholizismus", "Naturphilosophie", "Aufklärung", "positive Theologie" müssen auf ihren jeweiligen semantischen und sozial-pragmatischen sowie medial-funktionalen Gehalt hin untersucht werden, ehe Aussagen über die geistesgeschichtlichen Entwicklungen an der Schwelle der "Aufklärung" zu treffen sind.
Das Start-Projekt führt den Begriff der "monastischen Aufklärung" in seinem Titel, weil in dem von der Pez-Korrespondenz abgedeckten Zeitraum (1709–1762) ein tiefgreifender epistemologischer Wandel von Gelehrsamkeit und Wissenschaft in der europäischen Gesellschaft Platz griff, der sich – so die Forschungsannahme – auch im gelehrten Briefwechsel der Brüder spiegelt. Dies bietet die Chance, anhand eines überschaubaren Textcorpus eine gesamteuropäische Entwicklung nachvollziehen zu können. Wie die Pezschen Forschungsvorhaben, so wandelt sich auch ihr sozial-institutioneller Raum, eben die "benediktinische Gelehrtenrepublik", im Verlauf des 18. Jahrhunderts vom zeitgemäßen Paradigma zum anachronistischen Ideal.
Beide Begriffe sind dabei mit mehreren Bedeutungsebenen zu denken: die "benediktinische Gelehrtenrepublik" als topisches Konstrukt, an dem stets die Frage haftet, in welchem Verhältnis es zu der laizistisch-späthumanistischen "res publica literaria" zu sehen ist; die "monastische Aufklärung" ihrerseits als Ausdruck einer Lichtmetaphorik, die im Lateinischen eine andere Semantik aufweist als in den Volkssprachen. In beiden Zusammenhängen bezieht diese sich zwar auf einen Erkenntnisprozess, welchem aber im lateinischen Sprachgebrauch der "illuminatio" explizit religiöse Inhalte anhaften, während sein volkssprachliches Bild sich deutlich in einem rational-laizistischen Bedeutungsumfeld bewegt. Diese Diskrepanz ist umso mehr im Blick zu behalten, als "Aufklärung" für die monastischen Gelehrten eben keine zeitgenössisch gebräuchliche Kategorie der Selbstwahrnehmung darstellte.