Die konfessionelle und religiös-polemische Dimension der Pez-Korrespondenz

Die Pez-Korrespondenz beschränkt sich nicht auf die Netzwerke innerhalb des Benediktinerordens oder der katholischen Kirche, sie umfasst auch katholische Laien sowie Gelehrte aus den protestantischen Teilen des Reichs. Der Umstand, dass es sich bei mehreren Pez-Korrespondenten um prominente Konvertiten handelte (etwa Bartenstein oder Eckhart), sollte nicht zu der Annahme führen, dass religiöse Themen auch Gegenstand des Gedankenaustausches waren. Die Fälle, wo dies tatsächlich zutrifft, sind marginal.

Streitschrift Gentilottis gegen Pez
Streitschrift Gentilottis gegen Pez.

Mehr Relevanz erhält die konfessionelle Thematik, wenn man das weitere Umfeld der Brüder Pez ins Auge fasst. Der Melker Abt Dietmayr ebenso wie der Göttweiger Abt Bessel gehörten zeitweilig zur engeren politischen Entourage Karls VI., Bessel war außerdem in die Vorgänge rund um die Konversion Kaiserin Elisabeth Christines involviert. Ein Einfluss von Bernhard Pez auf die Konversion Bartensteins ist aus den Quellen nicht greifbar, wohl ein Einfluss des französischen Benediktinergelehrten Bernard de Montfaucon; bei der Konversion Eckharts spielten wiederum gemeinsame Kontakte eine Rolle, namentlich Nuntius Passionei und der Historiker Schannat. Den Brüdern Pez kam wohl auch aufgrund ihrer Stellung im Kloster und der hiermit verbundenen Einschränkungen kein großer Handlungsspielraum zu.

Die religiöse Haltung der Brüder Pez selbst hat sich indessen weit eher an der Auseinandersetzung mit der vorherrschenden scholastischen Theologie denn an der antiprotestantischen Kontroverstheologie herausgebildet. Derartige innerkatholische Auffassungsunterschiede waren Gegenstand der Kontroversen zwischen Bernhard Pez und den Jesuiten sowie jener mit dem Hofbibliothekspräfekten Gentilotti. In der Auseinandersetzung mit der Societas Jesu ging es Pez um die Verteidigung seines Ordens und der darin gepflegten Lebensweise, ebenso um die Stärkung der positiven im Gegensatz zur (neu-)scholastischen Theologie; gegenüber Gentilotti um die unzensurierte Publikation historisch-theologischer Quellen, auch wenn diese nicht in Einklang mit römischen Positionen standen. Diese Haltung wurzelte ebenso in der positiv-theologischen Wertschätzung alter religiöser Schriften wie in der Überzeugung, dass der Historiker der Wahrheit verpflichtet ist.

Zudem verdienen die guten Kontakte der Brüder Pez zu den "Acta eruditorum" und anderen Leipziger Gelehrtenjournalen Erwähnung, in denen die Publikationen der Brüder mehrfach rezensiert wurden und in denen sie selbst Forschungsberichte sowie Aufrufe zur Mitarbeit inserierten. Bernhard Pez sorgte auch für die Aufnahme eines apologetischen Artikels der Mauriner in den "Acta eruditorum".

In seiner Kontroverse mit Gentilotti verwahrte sich Pez freilich dagegen, dass mit Mencke, dem Herausgeber der "Acta", ein Protestant als Schiedsrichter in religiösen Fragen angerufen wurde; die wissenschaftliche Autorität der Zeitschrift stand dabei hingegen außer Zweifel. Zugleich bleibt festzuhalten, dass in der Perspektive der protestantischen Gelehrten stets das verbindende Element der "deutschen" Historia patria in den Pezschen Forschungen hervorgehoben und die theologische Motivation derselben ausgeblendet wurde. Dies gelang umso leichter, als die Gepflogenheiten innerhalb der "Res publica literaria" erlaubten, die konfessionellen Unterschiede unerwähnt zu lassen.  

FWF Institut für Geschichte
IOeG
Uni Wien