Auf diesem Stich des Augsburger Kupferstechers Georg Wilhelm Salmusmüller, der allen sechs Bänden des "Thesaurus anecdotorum novissimus" von Bernhard Pez vorangestellt ist, sieht man den Autor des Werkes im Ordensgewand in seiner Studierstube sitzend. Er kollationiert einen Text aus einer von Putten getragenen Handschrift mit einer von ihm selbst gehaltenen Vorlage. Weitere Putten verrichten verschiedene Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Quellenedition und stellen damit zugleich den gelehrten Arbeitsprozess in materieller Hinsicht und die Arbeitsziele Pez' in ideeller Hinsicht dar.
Drei Sinnsprüche sind auf dem Blatt zu sehen, die sich auf die alten, von Bernhard Pez neu herausgegebenen theologischen Schriften beziehen. Am Boden liest man "Ne pereant" – "Damit sie nicht zugrunde gehen", was auf Johannes 6,12 verweist ("Colligite fragmenta, ne pereant"). Treffend ist dabei die implizite Anspielung auf den fragmentarischen Charakter historischer Überlieferung.
Auf der von einem Putto betriebenen Druckerpresse liest man "Ut prosint" – "Damit sie nützen". Darin ist der in der Gelehrtenwelt weit verbreitete Topos des "Gemeinwohls" ("commodum publicum") ebenso deutlich erkennbar wie eine genuin benediktinische Auffassung des Begriffs "prodesse": Entsprechend Kapitel 64,8 der Benediktsregel soll der Abt "prodesse magis quam praeesse" – "mehr helfen als herrschen". Auch die alten Schriften sollen demzufolge einer nicht näher definierten Gemeinschaft helfen und nützen.
Schließlich befestigt ein weiterer Putto mit Hilfe eines Gefährten eine Kerze auf einem hängenden Leuchter. Darüber ist zu lesen: "Ut luceant" – "Damit sie leuchten". Hier ist die Anspielung um einiges komplexer. Bernhard Pez hatte 1715 die Vita der Klausnerin Wilbirg aus St. Florian herausgebracht, die ihr Beichtvater Einwik Weizlan im späten 13. Jahrhundert verfasst hatte. Einwik verglich Wilbirg mit einem verachteten Licht, das verborgen bleibt, bis es zum vorbestimmten Zeitpunkt auf den Kandelaber gestellt wird und vor allen Völkern erstrahlt. Dies ist eine eigenständige Erweiterung und Interpretation von Job 12,5, wo nur davon die Rede ist, dass das Licht auf seine gegebene Zeit vorbereitet sei ("Lampas contempta apud cogitationes divitum parata ad tempus statutum"). Der Kandelaber am Kupferstich stellt also eine Aneignung biblischer Lichtsymbolik in ihrer mittelalterlichen Interpretation dar; das Bild der Erhellung, Erleuchtung – "Aufklärung" – erscheint dabei in einer christlich-spirituellen Semantik.