Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie

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Sommer, Grit; El Mogharbel, Christliebe; Deutsch, Werner; Laufs, Ingo: Über Stock und über Streiter... – Musikalische und sprachliche Liedreproduktionen bei Kindergartenkindern.
In: Behne K.-E., Kleinen G., Motte-Haber H. de la (Hrsg.): Musikpsychologie - Inter- und Multimodale Wahrnehmung. Band 18. Hogrefe, Göttingen 2006, Seite 125-143.

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Zusammenfassung
Kinder singen Lieder oft nicht perfekt. In der Singentwicklung nähern sich Kinder ebenso allmählich einer "musikalischen Zielsprache" an, wie es für den Spracherwerb bekannt ist. Unsere Forschung beschäftigt sich mit der Frage, was passiert, wenn beim Singen gleichzeitig Melodie und Text abgerufen werden müssen. Wir haben dafür mit 86 Kindern eine Querschnittstudie mit längsschnittlichen Anteilen in Kindergärten durchgeführt. Innerhalb eines Spiels wurden die Kinder aufgefordert, Kinderlieder vorzusingen. Kinder sind im Spiel deutlich eher bereit Kontrollaufgaben zu lösen als Singaufgaben. Wir vermuten, dass selbstbewertende Emotionen einen hemmenden Einfluss auf das Verhalten zur Singaufgabe und ihrer Bewältigung ausüben. Die bisherigen Ergebnisse für das Lied "Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp" aus dem Liedrepertoire unserer Untersuchung zeigen für den Liedtext, dass bei drei- bis vierjährigen Kindern die phonetischen und rhythmischen Elemente der Sprache wichtiger sind als die semantische Kohärenz. Die älteren Kinder der Untersuchung konnten den Liedtext häufiger vollständig reproduzieren als die jüngeren Kinder. Für beide Altersgruppen gilt, dass die musikalische Kompetenz für tonale Stabilität und genaue Beherrschung der Melodiekontur geringer ausgebildet ist als das Beherrschen von Rhythmus und Metrum eines Liedes. Kinder mit Reproduktionsunsicherheiten für Text und Melodie weichen meist in ein rhythmisches Sprechen aus.


Abstract
Children usually do not sing songs perfectly. Rather, children's singing is in a process of gradual assimilation to the "musical target language" much as in language development. Our research investigates what happens if text and melody have to be retrieved simultaneously in elicited song reproduction. For this purpose, we conducted a cross-sectional study with longitudinal additions with 86 kindergarten children in two age groups. The children were asked to sing certain songs as part of a board game. The children showed more compliance to non-singing tasks than to singing tasks of the game. We assurne that self-rating emotions exert a considerable influence on children's behaviour in face of the request to sing alone. Our results concerning text and melody reproduction of one of the songs are presented. The six-year-old children were more often able to ren der a complete reproduction of the song than the three- to four-year-old children. For the younger children, the phonetic and rhythmic elements of speech seem to be more important than coherence of meaning. In both age groups musical competence is less developed for tonal stability and melody contour than it is for the rhythm and metre of a song. Children with a great uncertainty in their reproduction of lyrics and tune often revert to rhythmic speaking.


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