Ludwig Senfl – Forschungsprojekte

2008–2014 – Verzeichnis sämtlicher Werke und Quellen (Senfl Catalogue)
2015–2018 – Sämtliche Werke (New Senfl Edition) I: Die Motetten für 4 und 5 Stimmen

 

Ludwig Senfl – Verzeichnis sämtlicher Werke und Quellen (Senfl Catalogue)

(FWF Einzelprojekt P 20820; Folgeprojekt: P 23707)

Die besondere Wertschätzung Ludwig Senfls (ca. 1490–1543) durch seine Zeitgenossen und seine herausragende Kompositionstechnik weckten bereits kurz nach der Etablierung der Lehrdisziplin Musikwissenschaft den Bedarf einer ersten Gesamtausgabe seiner Werke (1903), die jedoch wie auch die zweite Werkausgabe (1937–1974) unvollendet bleiben musste. Trotz des nachhaltigen Interesses am musikalischen Schaffen Senfls und den verschiedentlich unternommenen Versuchen, seiner Person als Sänger, Schreiber und Komponist näher zu kommen, entzieht sich das Schaffen dieses Komponisten noch immer einer genaueren Charakterisierung. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der Unvollständigkeit der vorhandenen Werkausgaben, die eine genauere Beschreibung von Chronologie, Stil und Rezeption bis heute erschwert, zum anderen aber im Fehlen einer grundlegenden Übersichtsdarstellung seines enormen Œuvres von ca. 600 Kompositionen, das in über 350 Quellen erhalten und auf verschiedenste europäische Archive und Bibliotheken verstreut ist.

Das Projekt, das erstmals unter Sichtung sämtlicher erhaltener Quellen den Werkbestand eines deutschsprachigen Musikers des 16. Jahrhunderts in einem Gesamtverzeichnis erschließt, schafft nicht nur die Grundlagen für die zukünftige Senfl-Forschung, das Werkverzeichnis bietet auch die unentbehrliche Basis für eine Wiederaufnahme der in den 1970er Jahren abgebrochenen Gesamtausgabe der Werke Senfls. Ein solches Verzeichnis wird nicht nur das Schaffen von Ludwig Senfl in seinem gesamten Umfang dokumentieren, es erschließt auch die bisher eher vernachlässigten Quellen in Mittel- und Osteuropa und ermöglicht so Forschungen zur musik- und soziokulturellen Entwicklung zur Zeit der frühen Reformation. Ziel des Vorhabens ist es, die mannigfaltigen Facetten dieser zentralen Komponistenpersönlichkeit der Generation zwischen Josquin Desprez und Orlando di Lasso zu präsentieren, und das außergewöhnlich reiche musikalische Œuvre Senfls für zukünftige Forschergenerationen zugänglich und fruchtbar zu machen.

Das Folgeprojekt erarbeitet wichtige Teilbereiche des Katalogs, die aufgrund des unvorhergesehenen Quellenzuwachses auf das Doppelte nicht ausgeführt werden konnten. Neben der weiteren Identifizierung von anonym überlieferten Stücken Senfls betrifft dies die Anfertigung kurzer Werkcharakterisierungen (in Bezug auf Autorschaft und musikalische Struktur) und ausstehender Incipits sowie die Dokumentation verwandter Kompositionen von Zeitgenossen. Parallel zu dem in Druck befindlichen gedruckten Werk- und Quellenverzeichnis sind Auszüge der Projektarbeit auf der Website veröffentlicht. Beide Publikationen bilden die unabdingbare Grundlage für eine Neuausgabe der Werke Ludwig Senfls und stellen ein reichhaltiges Nachschlagewerk für Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen dar.

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes
Projektmitarbeiter: Mag. Dr. Stefan Gasch, Mag. Sonja Tröster

Das Projekt wurde gefördert durch den FWF. Gesamte Projektlaufzeit: 2008–2015.

 

Ludwig Senfl, Sämtliche Werke (New Senfl Edition) I:
Die Motetten für 4 und 5 Stimmen

(FWF Einzelprojekt P 27469)

In einem weiteren Forschungsprojekt entsteht auf Basis des aktuellen Werkverzeichnisses eine neue Gesamtausgabe der Werke Ludwig Senfls. Während der Laufzeit des ersten Moduls, das mit April 2015 angelaufen ist, werden die vier- und fünfstimmigen Motetten Senfls ediert. Gerade dieses Repetoire ist bislang noch kaum erschlossen, da momentan nur sehr wenige von Senfls Motetten in moderner Übertragung vorliegen. Die Bände der Gesamtausgabe werden in der Reihe Denkmäler der Tonkunst in Österreich erscheinen.

Projektleitung: Mag. Dr. Stefan Gasch
Projektmitarbeiter: Dr. Scott Edwards, Dr. Sonja Tröster

Projektteam New Senfl Edition

Das Projekt wird gefördert durch den FWF. Projektlaufzeit: 2015–2018.