Olga Steindler (1879 - 1933)eine bemerkenswerte Gestalt unter den Frauen Wiens |
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So beschrieb ihr ehemaliger Studienkollege Philipp Frank in seiner Biograf über Albert Einsten Olga Steindler, die erste Physikabsolventin der Universität Wien.
Die Eltern von Olga Steindler, Carolyn und Leopold Steindler kamen aus Graslitz (Sudetendeutschland). Ihr Vater war Advokat. Olga Steindler wurde 28. Oktober 1879 in Wien geboren und hatte drei Geschwister. Sie besuchte das Mädchengymnasium des Vereins für erweiterte Frauenbildung. Da sie in Wien noch keine Matura ablegen konnte, maturierte sie am 7. Juli 1899 im k.k. Gymnasium in Kleinseiten, Prag als Externistin.
Anschließend ging sie zurück nach Wien, wo mittlerweile Frauen zum Studium an der Philosophischen Fakultät zugelassen worden waren. Sie studierte vom Wintersemester 1899/1900 als ordentliche Hörerin an der Universität Wien Physik und Mathematik. Ihre Dissertation "Über die Temperaturkoeffizienten einiger Jodelemente" wurde Ende April 1903 approbiert. Am 2. 5. 1903 legte sie die Fachprüfungen ab und schließlich wurde mit 22. 5. 1903 ihre Promotion bekanntgegeben. Ihre Referenten für Physik waren die Professoren F.S. Exner und L. Boltzmann.
Im Anschluß an ihr Studium war Steindler als Vortragende der Vereinigung österreichischer Hochschuldozenten "Athenäum" tätig und veröffentlichte 1906 eine wissenschaftliche Arbeit zu "Farbempfindlichkeit des normalen und des farbenblinden Auges".
Nachdem sie einige Zeit als Professorin an einem Wiener Mädchengymnasium lehrte, gründete sie das öffentliche Wiener Mädchengymnasium im zweiten Wiener Gemeindebezirk und gleichzeitig die Wiener Handelsakademie für Mädchen in der Schönborngasse. Zunächst als Privatschule geführt, hatte Steindler noch Schwierigkeiten mit dem Ministerium für Kultus und Unterricht zu überwinden, welches Titel und Charakter der Handelsakademie nicht gelten lassen wollten. Schlußendlich wurde die Schule anerkannt und ging in den Besitz des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft über.
Im Juli 1908 heiratete Olga Steindler ihren ehemaligen Studienkollegen Felix Ehrenhaft (24.4.1879-4.3.1952). Ehrenhaft hatte im selben Jahr wie Steindler an der Universität Wien in Physik promoviert, war anschließend Assistent am I. Physikalischen Institut und konnte sich 1905 habilitieren. 1920 wurde Ehrenhaft zum ordentlichen Professor ernannt und Vorstand des III. Physikalischen Institutes.
Olga Ehrenhaft-Steindler leitete weiterhin die Handelsakademie als Direktorin und war eine der ersten weiblichen Schuldirektorinnnen, die in den Staatsdienst übernommen wurden. Später führte sie weiters die ersten Verkäuferschulen in Österreich ein. In Anerkennung ihres Engagement auf dem Gebiet des Schulwesens und im speziellen der Mädchenbildung wurde ihr als einer der ganz wenigen Frauen der Titel eines Regierungsrates und 1931 der Titel Hofrat verliehen.
In einem Nachruf wird Steindler-Ehrenhaft wie folgt beschrieben:
"Eine Frau, die auf zahlreichen Wissensgebieten zu Hause war, von edlem Charakter, von scharfsinnigem Geist und wunderbarem Witz, bei Kollegen und Schülern beliebt, von den Behörden geschätzt, verstand sie es, auch neben ihrem Beruf immer Hausfrau zu bleiben."
Olga Steindler Ehrenhaft hatte zwei Kinder, einen Sohn, Johann Leo (1915 geboren) und eine Tochter, Annemarie (1917 geboren).
Steindler-Ehrenhaft führte einen relativ großen Haushalt, mit Dienstpersonal und Hauslehrern. Das Gästebuch der Familie Steindler-Ehrenhaft läßt weiters nachvollziehen, daß in diesem Haus viele bekannte Persönlichkeiten zu Besuch waren.
Bereits 1929 erkrankte Olga Ehrenhaft-Steindler schwer an Krebs und konnte sich nicht mehr richtig erholen. Sie starb 1933 nach fünfwöchiger Krankheit an grippaler Lungenentzündung. Der Bekanntheitsgrad dieser hervorragenden Persönlichkeit der Wiener Gesellschaft läßt sich nicht zuletzt auch durch die zahlreichen Berichte und Nachrufe in den verschiedensten Tageszeitungen erkennen. Heute scheint diese Frau, die "voll glühender Begeisterung für ihren Beruf sowie fürs Frauenstudium" gekämpft hatte, vollständig vergessen.
Quellen:
Rigorosenakt Nr. 1579, Universitätsarchiv
Rigorosenblatt 1579, Universitätsarchiv
Neue freie Presse, 22.12.1933 "Tod der Pädagogin Hofrat Olga
Ehrenhaft-Steindler"
Planer Franz (Hg) "Jahrbuch der Wiener Gesellschaft", Wien 1928 und 1929
Philipp Frank "Einstein, sein Leben und seine Zeit", Braunschweig, 1979, S289
Karl Przibram "Erinnerungen an ein altes physikalisches Institut",
Beiträge zur Physik und Chemie des 20. Jahrhunderts, Braunschweig 1959
Alle Texte sind der Broschüre zur Ausstellung "Physikerinnen - 100 Jahre Frauenstudium an den Physikalischen Instituten der Universität Wien" von Brigitte Bischof entnommen.Copyright bei Brigitte Bischof 1998.