Aktuelle Termine

Ein Bericht von Susanne Blumesberger

Parole(n). politische Dimensionen und ideologische Interferenzen von Kinder- und Jugendliteratur und –medien
31. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung in Bad Urach

Die heurige Tagung der GKJF fand heuer vom 31. Mai bis 2. Juni  an einem dem Tagungsthema angepassten politisch interessanten Ort statt, in Bad Urach  im Haus auf der Alb,  das als Tagungszentrum der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg dient und eine wechselhafte Geschichte aufweist.

Caroline Roeder, Leiterin des Zentrums für Literaturdidaktik an der PH Ludwigsburg und bisherige Schatzmeisterin der GKJF,  stellte in ihrer Keynote: „Eng vermessene Welt? Politische Dimensionen und ideologische Interferenzen von Kinder- und Jugendliteratur/-medien“ die Frage inwieweit politische Dimensionen in der gegenwärtigen KJL zu erkennen seien. 

Anschließend sprach Lies Wesseling (Maastricht) zum Thema  „‘Brown Cousins‘: Gender Segregation in Colonial Youth Literature about the Dutch East Indies (1890-1920)“.

Ernst Seibert (Wien) verwies in seinem Vortrag „Zum Problem ideologischer Stereotypen in KJL-Autorschaftskonstruktionen – mit Beispielen aus Österreich“ auf die Problematik des posthumen Verurteilungen und Verortungen von AutorInnen, die dazu führen, dass bestimmte Werke in ihrer zeittypischen Eigenart völlig verkannt werden.  So wird die Entstehung des  „Hatschi Bratschis Luftballon“ von Franz Karl Ginzkey fälschlicherweise in die NS-Zeit verlegt, obwohl  das umstrittene Kinderbuch jedoch bereits 1904 erschien.

Zwei Sektionen beschäftigten sich mit dem Thema „Ideologiekritik“, wo Susanne Blumesberger (Wien) unter anderem das Projekt „Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1933 und 1945 unter dem Titel „Die zahlreichen Facetten der politisch aufgeladenen KJL in Österreich zwischen 1933 und 1945“ präsentierte und darauf verwies, dass die in diesem Zeitraum in Österreich und in diversen Exilländern erschienene KJL sehr differenziert zu betrachten sei. Steffi Ebert (Halle Wittenberg) sprach über „Klischee oder Antiziganismus? Der Kinderfilm ‚Nellys Abenteuer‘“, der sehr kontrovers gesehen wird. Marlene Illies (Bielefeld) zeigte in ihrem Vortrag „Echt faschistoid? Ideologievorwurf an Wilhelm Speyers Kampf der Tertia. Eine Dekonstruktion“ auf, welche unterschiedlichen Zuschreibungen ein Werk erfahren kann.  Geraldine Schmidt-Dumont (Hamburg)  referierte über das  Thema  „Tierschutzbewegungen im Spiegel der Kinder und Jugendliteratur der 1920er Jahre“.

Weitere Sektionen beschäftigten sich mit historischen Zugängen, bzw.  mit „Ikonologie und Materialästhetik“, wo Peter Rinnerthaler (Wien) über das Thema „U-/Dys-/Heterotopie? Repräsentationen von Gesellschaft im Wimmelbild(erbuch)“  berichtete. Weitere Sektionen beschäftigten sich mit „Jugend als politische Figur“ und „Ideologische Einschreibungen“.

Julia Benner (Berlin) sprach über „Engagiert – radikal – revolutionär oder Muss Kinder- und Jugendliteratur politisch sein? Begriffliche Differenzierungen und ein Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ und diskutierte die Tauglichkeit des Begriffs „radical literature“.

Ingrid Tomkowiak, Professorin für Populäre Literaturen und Medien, Kinder- und Jugendmedien am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich, gab unter dem Titel „Narrative atomarer Bedrohung im Kalten Krieg“ einen Einblick in staatliche Aufklärungsbroschüren und -filme, die zwischen 1945 und 1970 im Angesicht atomarer Bedrohung in den USA entstanden sind und die zugleich einen Blick auf die gesellschaftlichen  Einstellungen und die Geschlechterrollen preisgeben.  Jedes Familienmitglied hatte - fast militärisch organisiert - gewisse Aufgaben zu übernehmen. Arno Meteling (Köln) referierte über „ Grenzen der Gemeinschaft – Zum Politischen in J.R.R. Tolkiens The Lord of the Rings und der epischen Fantasy“, Maren Conrad  (Erlangen) über ‚„Sieht so unsere Zukunft aus?“ Formen und Funktionen des Utopischen in der Kinder- und Jugendliteratur“  und zum Schluss  Manuela Kalbermatten (Zürich) über „Geschlechterpolitik  in der Future Fiction“.

Das abwechslungsreiche, aus 22 Vorträgen bestehende  Programm wurde noch ergänzt durch die Autorin Ingeborg Gleichauf, die aus ihren Biografien über Simone de Beauvoir und Gudrun Ensslin las und mit dem Publikum über das Schreiben von Lebensgeschichten diskutierte. Das Programm ist auf der Homepage der GKJF abrufbar: http://www.gkjf.de/

In der Mitgliederversammlung wurde Ute Dettmar als erste Vorsitzende, Ingrid Tomkowiak als zweite Vorsitzende erneut bestätigt. Die Schatzmeisterin Caroline Roeder, die sich nicht mehr für eine neue Funktionsperiode zur Verfügung stellte, wird durch Andre Kagelmann (Köln) abgelöst. Die nächste Ausgabe des Jahrbuchs, das erfolgreich auf open access umgestellt wurde und auf der Homepage der GKJF abrufbar ist, wird sich mit dem Thema „1968“ beschäftigen.

Die nächste Tagung der GKJF wird vom 30.5. bis 1.6. 2019 in Königswinter stattfinden.
Das Tagungsthema wird in Kürze bekanntgegeben

 Haus auf der Alb 1

Tagungsort: Haus auf der Alb

 Caroline Roeder Eröffnung 1   

Eröffnung: Caroline Roeder

Caroline Roeder Ute Dettmar Ingrid Tomkowiak 1

v.l.n.r: Caroline Röder, Ute Dettmar,
Ingrid Tomkowiak 

 

 Felix Giesa und Ingeborg Gleichauf 1         

Felix Giesa, Ingeborg Gleichauf

Julia Benner 1

Julia Brenner

 

 

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