Vorträge 2008

Die Vorträge finden jeweils im Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien
1190 Wien, Franz-Klein-Gasse, 3. Stock, Hörsaal 7 statt.

 

Jahreshauptversammlung, 11. März 2008, 18 Uhr s. t.

 

Tagesordnung

1. Eröffnung und Begrüßung
2. Feststellung der Beschlussfähigkeit
3. Genehmigung der Tagesordnung
4. Jahresbericht und Mitgliederwerbung
5. Publikationen
6. Kassenbericht
7. Bericht der Rechnungsprüfer und Entlastung des Kassiers
8. Neuwahl des Vorstandes
9. Allfälliges

 

anschließend Vortrag


Prof. em. Dr. Werner MEYER (Universität Basel)


Der Krak des Chevaliers (Syrien)
Ergebnisse neuer archäologischer Forschungen

Der Krak des Chevaliers gehört zu den imposantesten und am besten erhaltenen Burgen Syriens aus der Zeit der Kreuzzüge. Seit etwa 1930 ist er Gegenstand baugeschichtlicher Untersuchungen, archäologische Grabungen sind indessen nie versucht worden.
Die Mission archéologique syro-suisse-luxembourgeoise (Leitung: W. Meyer, J. Zimmer, M.-L. Boscardin) hat von 2004 bis 2007 versucht, diese Forschungslücke wenigstens teilweise zu füllen. Das Forschungsprojekt befasst sich mit Fragen nach der Entstehungszeit der Burg, Bau- und Besiedlungsphasen vor dem Erdbeben von 1170, Auswirkungen des Erdbebens und Wiederaufbau, Bautätigkeit in der fränkischen Zeit (1170 bis 1271) und Lebensformen auf dem Krak. Diese Forschungsziele sind insgesamt erreicht worden und werden im Vortrag präsentiert.

Zur Person
Werner Meyer war nach seiner Habilitation 1970 zunächst außerordentlichen Professor, 1989-2004 Ordinarius für Allgemeine und Schweizer Geschichte des Mittelalters am Historischen Seminar der Universität Basel. Seine zahlreichen Forschungsprojekte und Publikationen betreffen im Bereich der mittelalterlichen Geschichte und Archäologie vor allem kulturhistorische Themen mit dem Schwerpunkt Burgenforschung. Werner Meyers jüngstes Forschungsprojekt betrifft die Untersuchung des Krak des Chevaliers (Syrien) mittels archäologischer Grabung und historischer Bauforschung.

 

Dienstag, 14. Oktober 2008, 18 Uhr c.t.


Astrid STEINEGGER, Mag. (Verein FIALE)


St. Georgen - das kirchliche Zentrum einer Kleinregion im Gebiet des Neumarkter Hochlandes (Steiermark).
Vorläufige Ergebnisse der Grabungskampagnen 2007 und 2008

Bei der Kirche St. Georgen handelt es sich um eine kleine romanische Eigenkirche, deren erstmalige urkundliche Nennung ins Jahr 1146 fällt. Der Erstbau ist um 1100 zu datieren, es fanden sich aber auch mehrere sekundär verbaute römische Spolien (u. a. ein römischer Meilenstein). Trotz Eigenkirchenstatus umgab ein ausgedehnter mittelalterlicher Friedhof die Kirche. Nach einem kurzen Intermezzo als Eigenkirche des Bistums von Gurk wurde die Kirche im Lauf des 13. Jahrhunderts eine Filialkirche von St. Marein. Sie fiel zwar der Josephinischen Reform zum Opfer, wurde aber bis zu einem Brand in der Mitte des 19. Jahrhunderts weiter gepflegt. Im Vortrag werden die jüngsten Grabungsergebnisse vorgestellt.

Zur Person
Astrid Steinegger hat 2003 ihr Diplomstudium der Klassischen Archäologie und Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz abgeschlossen. Neben einem Auslandsstudienjahr an der Universität von Athen beteiligte sie sich auch an archäologischen Surveys der Universität Heidelberg in Phlious/Griechenland. Seit 2004 arbeitet sie für den Verein Archäologie Service (u. a. Grabungsleitung in Tulln/Feuerwehrschule). Zusammen mit zwei Kolleginnen (Jasmine Wagner, Monika Küttner) aus der Steiermark gründete sie 2006 den Verein FIALE (Forschungsgruppe zur interdisziplinären Aufarbeitung landeskulturellen Erbes; www.fiale.at), der unter anderem auch das Grabungsprojekt St. Georgen betreibt. Die Grabungen in der Kirchenruine von St. Georgen sind Teil der Dissertation der Vortragenden.

 

Dienstag, 11. November 2008, 18 Uhr c.t.


Rudolf PROCHAZKA, PhDr. (AI Brno, Archaia Brno)


Brno/Brünn – 25 Jahre systematische archäologische Forschung.
Ergebnisse und Aufgaben

Seit 1983 wird versucht, möglichst alle Bodeneingriffe im Stadtkern von Brno (Tschechische Republik) archäologisch zu dokumentieren. Diese Bestrebung hat sich vor allem seit 1997 entwickelt, als sich die Gesellschaft Archaia (jetzt Archaia Brno) dieser Problematik zu widmen begann. Das wissenschaftliche Interesse, das vor allem den Ergebnissen der Rettungsgrabungen galt, hat sich auch auf die historischen Vorstädte ausgeweitet und methodisch unter anderem die Bauforschung eingebunden. Es ist gelungen, die Hauptzüge der Entwicklung der präurbanen Agglomeration um die přemyslidische Verwaltungsburg zu klären (11.–12. Jh.). Weiters wurden zahlreiche Informationen über die Anfänge der kommunalen Stadt im 13. und 14. Jahrhundert gewonnen, insbesondere bezüglich der Entwicklung der Parzellenbebauung, des Ausbaus der Befestigung, der Mendikantenklöster und der Transformierung der keramischen Produktion. Die Aufarbeitung der Grabungsergebnisse wird von wissenschaftlichen Forschungsprogrammen unterstützt. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Forschungsresultate der letzten 25 Jahre.

Zur Person
1974 bis 1979 Studium an der Philosophischen Fakultät der Universität von Brno, Bereich Archäologie – Historie, 1978 bis 1983 Archäologe im Museum in Uherské Hradiště (Slovácké museum v Uherském Hradišti).
1983 bis 1993 Anstellung am Archäologischen Institut der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften in Brno (seit 1993 Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik), 1983 bis 1986 interne Aspirantur ebenda. 1993 bis 1997 am Institut der Bodendenkmalpflege in Brno, seit 1997 bei Archaia (2001 Archaia Brno, o.p.s.), seit 2003 Teilzeitbeschäftigung im AI Brno.
Seit 2003 externe Vorträge an den Universitäten von Brno und Plzeň.
Fachbereich: Archäologie des Mittelalters – frühgeschichtliche Befestigungen, Stadtarchäologie, Keramik

 

Donnerstag, 11. Dezember 2008, 18 Uhr c.t.


Orsolya MÉSZÁROS, PhD (Field Service for Cultural Heritage, Budapest)


Visegrád, the Royal Residential Town:
Court, Town, Manufacture in the 14-15th century (Vortrag in Englisch)

Visegrád that belonged to the central region of Hungary, was a royal residence in the late Middle Ages. As a Medieval residential town it was structurally and architecturally different from average burghers’ towns of Hungary. It combined the characteristics of an autonomous, self-governed burghers’ town and a royal and aristocrats’ residence. This duality was well represented by the town topography. By the act of locating the royal palace into an urban environment, the earlier itinerant court of the Arpad dynasty acquired a fixed geographical position.
During the reign of King Matthias Corvinus in the late 15th century the palace was reconstructed in an excellent way of late Gothic and early Renaissance style. The monarch invited artists and craftsmen from Italy and Florence to move and work here. One of the workshops that worked for the monarch, a Renaissance glass workshop was discovered in 2004 that has been, due to its technical quality and structure of the remains, unique in both Hungarian and European terms recently.
The lecture points out the special and unique role of Visegrád among Hungarian towns and presents the newly discovered glass workshop.

Zur Person
Von 2000 bis 2003 BA (in Englisch) und MA in Geschichte an der Katholischen Universität Pázmány Péter, Piliscsaba (Ungarn) sowie MA in Archäologie an der Eötvös Loránd Universität, Budapest. Seit 2002 Post-graduate-PhD-Studium in Mittelalterlicher Geschichte und Archäologie, voraussichtlicher Abschluss 2008.
Von 2003 bis 2007 Archäologin am Ungarischen Nationalmuseum, König Matthias Museum Visegrád. Von 2005 bis 2006 Mitarbeiterin an der Società Internazionale per lo Studio del Medioevo Latino, Firenze. Seit 2007 Archäologin und Projektkoordinatorin großer Surveys bei „Field Service for Cultural Heritage, Budapest“. Fachbereich: Geschichte und Archäologie des Spätmittelalters: ungarische Stadtgeschichte, Handwerk, v. a. mittelalterliches Glas.