Vorträge 2010

Die Vorträge finden jeweils im Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien
1190 Wien, Franz-Klein-Gasse, 3. Stock, Hörsaal 7 statt.

 

Jahreshauptversammlung, am 24. März 2010, 18 Uhr c. t.

 

im Anschluss Vortrag


Mittwoch, 24. März 2010, 18 Uhr c.t.


Paul COURTNEY, Dr.
(freiberuflich tätig)


Crossings of the River Trent: documents and archaeology for power, climate and economy in medieval England -
Übergänge über den Trent: Schriftliche und archäologische Quellen zu Macht, Klima und Wirtschaft im mittelalterlichen England

In 1993, three medieval bridges were excavated at Hemington on the River Trent, one of England's greatest rivers, following their discovery by a local amateur archaeologist. Documentary research by the speaker, working with an archaeological team, attempted to shed light on the bridge's history at local, regional and national levels. No direct reference to the bridge was ever found but documents suggest who built it and probably why and when the last bridge went out of use. A study was also made of the wider use of the River Trent, especially the numerous bridges, ferries and fords which crossed it and the light they shed on the history of a river often seen as the frontier between north and south.

1993 wurden in Hemington am Trent, einem der größten Flüsse Englands, drei mittelalterliche Brücken freigelegt, die zuvor von einem lokalen Amateurarchäologen entdeckt worden waren. Die in Kooperation mit einem archäologischen Team durchgeführten archivalischen Forschungen des Vortragenden sollten die Geschichte der Brücke auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene beleuchten. Zwar konnten keine direkten Quellen gefunden werden, doch lassen sich aus schriftlichen Dokumenten Rückschlüsse auf den Erbauer sowie die Ursachen beziehungsweise den Zeitpunkt für die Aufgabe der letzten Brücke ziehen. Zusätzlich erfolgte eine Studie über die Nutzung des Flusses Trent im größeren Kontext, speziell bezüglich der zahlreichen Brücken, Fähren und Furten, welche diesen kreuzten und die Geschichte eines Flusses illustrieren, der häufig als Grenze zwischen Nord- und Südengland angesehen wird.

Zur Person
Dr Paul Courtney FSA trained as an archaeologist and local/regional historian at the Universities of Cardiff and Leicester. He works as a free-lance specialist in the commercial archaeology in the UK. His publications include such subjects as excavations on Tintern Abbey, Welsh small towns, the origins of the English village, and theory in American and European post-medieval archaeology. He is currently co-editor of the journal, Post-Medieval Archaeology and is also researching the trade in medieval pottery between western France and NW Europe.

 

 

Mittwoch, 28. April 2010, 18.30 Uhr c.t.


Franz SAUER, Mag.

(Bundesdenkmalamt, Abteilung für Bodendenkmale)


Gartenarchäologie in Schloßhof

Seit den ersten von der Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes durchgeführten Sondagen im Park von Schloßhof sind beinahe zwei Jahrzehnte vergangen, eine Zeitspanne, in der durch umfangreiche Flächengrabungen fundamentale Erkenntnisse über Planung und Bau des „französischen Gartens“ im äußersten Osten Österreichs gewonnen wurden. Mittlerweile wurde die Gartenanlage auf das prächtigste wiederhergestellt. Gemeinsam mit dem Schloss und dem gleichfalls renovierten Meierhof bildet sie seit einigen Jahren wieder ein barockes Gesamtkunstwerk, ein Ensemble, das jährlich bis zu 100.000 Menschen verzaubert.

Zur Person
Seit 1992 am Bundesdenkmalamt/Abteilung für Bodendenkmale tätig, Aufgabenbereich Durchführung und Management von Denkmalschutzgrabungen in Ostösterreich.
Magisterstudium der Ur- und Frühgeschichte an der Universität Wien.

 

 

Mittwoch, 23. Juni 2010, 18 Uhr c.t.


Helena HAMEROW, Prof. Dr.
(Institute of Archaeology, University of Oxford)


The emergence of Adelshöfe in Anglo-Saxon England -
Die Entstehung der Adelshöfe im angelsächsischen England

The first half of the seventh century saw the emergence in Anglo-Saxon England of the first ‘princely burials’, the most famous of which were found at Sutton Hoo. Archaeological investigations have, in recent years, also identified a number of ‘princely settlements’ dating to the same era, and together these are shedding new light on the emergence of kingship in post-Roman Britain, a process which can only be dimly glimpsed through the written sources. Thanks to archaeological survey, excavation, but also the growing use of metal detectors, new information about the ‘idea’ of the early Anglo-Saxon villa regia is coming to light. This paper will focus on the buildings and layout of such settlements – in particular drawing on recent fieldwork in Oxfordshire – but also their position within a wider ‘ritual landscape’.

In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts treten im angelsächsischen England die ersten „Fürstengräber“ auf, deren bekanntestes Beispiel in Sutton Hoo freigelegt wurde. Archäologische Forschungen haben in den letzten Jahren in demselben Gebiet zur Aufdeckung einiger „fürstlicher Siedlungen“ geführt, die nun zusammen mit den Gräbern neue Blickwinkel zur Entstehung des Königtums – einem durch schriftliche Quellen kaum fassbaren Prozess – im nachrömischen Britannien eröffnen. Dank archäologischer Surveys und Grabungen, aber auch dem vermehrten Einsatz von Metalldetektoren wurden neue Informationen zur Konzeption der frühen anglo-sächsichen „villa regia“ gewonnen. Der Vortrag konzentriert sich auf die Gebäude und den Grundriss dieser Siedlungen, vor allem unter Berücksichtigung jüngster Feldforschungen in Oxfordshire, aber auch auf ihre Position innerhalb einer größeren „Rituallandschaft“.

Zur Person
Prof. Dr. Helena Hamerow is Lecturer and Professor of Early Medieval Archaeology at the Institute of Archaeology, University of Oxford since 1996. BA (Anthropology) from the University of Wisconsin-Madison, D.Phil. from the University of Oxford.

 

 

Mittwoch, 27. Oktober 2010, 18 Uhr c.t.


Univ.-Doz. Dr. Wolfgang CZYSZ (Bayer. Landesamt für Denkmalpflege)


Die Burg Mangoldstein in Donauwörth (D)
Erste Ergebnisse der Ausgrabungen 2008–2009

Im Jahr 1030 bestätigte Konrad II. „seinem treuen Manigoldus" jene alten Markt-, Zoll und Münzrechte des Ortes „Uueride/Werde", die schon sein Vater Aribo besaß. Zugleich erfahren wir zum ersten Mal von seiner Burg Manegoldstein. Ihre Reste konnten im Zuge von Rettungsgrabungen 2009-2010 untersucht werden. Im archäologischen Befund werden der Palas, die Burgmauer und ein Wassergraben fassbar.
Nicht wenige Kaiser und Könige haben hier genächtigt, Recht gesprochen und Urkunden unterzeichnet. Nach dem Tod des letzten Staufers Konradin fiel Schwaebischwerd an Bayern, doch forderte König Albrecht I. 1298 die Rückgabe des Lehens an das Reich. Bald nach Pfingsten 1301 zog er mit einer Streitmacht vor Donauwörth. Im 6 m tiefen Burggraben fanden sich Zeugnisse der Verteidiger und Belagerer. Der Palas wurde in Brand geschossen, die Asche stand kniehoch im Innenhof der Burg.
Zwar war bald der Friede wiederhergestellt, doch die Burg wurde 1308 zum Abbruch freigegeben und geschleift.

Zur Person
Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Czysz [Tschech] ist Leiter der Dienststelle Schwaben/Mittelfranken im ehem. Kloster Thierhaupten. Provinzialrömischer Archäologe, Studium der Klass. Archäologie, Alten Geschichte, Vor- und Frühgeschichte, Osteoarchäologie und Provinzialrömischen Archäologie in Mainz, Heidelberg, Oxford und München. Privatdozent am Institut für Archäologien der Universität Innsbruck. Ausgrabungen und Forschungen zur Römerzeit in Raetien, besonders Arbeiten zur Handwerksarchäologie (Töpfereien, Wassermühlen), Villenforschung, Vici, Gräberkunde. Aber auch Untersuchungen im Bereich der Mittelalterarchäologie (Siedlungen und Gräberfelder der Merowingerzeit) und zur Archäologie der Neuzeit (Steinzeugmanufaktur Aystetten, Gerberhaus Memmingen).

 

Mittwoch, 24. November 2010, 18 Uhr c.t.


Mag. Dr. Karina GRÖMER (Prähistorische Abteilung, NHM Wien)


Kleidung und Musik durch die Zeiten

Musik als ein Bestandteil menschlicher Ausdrucksweise ist eine Universalie; Gefühle und Botschaften werden damit kommuniziert. In diesem Vortrag verflechten sich Musik und das Thema historische Kleidung zu einem stimmungsvollen Ganzen. Ebenso ist das Anlegen von Kleidung neben dem Werkzeuggebrauch und der Verwendung des Feuers etwas typisch Menschliches. Kein Tier hat auch nur ansatzweise so etwas wie Kleidung entwickelt. An diesem Abend wird ein weiter Bogen durch Zeit und Raum gespannt, um einige Aspekte prähistorischer und historischer Textilproduktion zu vermitteln. Beginnend mit einem kleinen Streifzug durch die Modegeschichte vom Steinzeitkittel bis zum Frack wird auch Fragen nachgegangen wie: Wer macht Kleidung? Welches Körpergefühl hatte ein Römer in der Toga oder eine Rokokodame im Korsett? Was sagt uns Kleidung? Historische Musikstücke auf der Harfe runden die einzelnen Themenbereiche ab.

Zur Person
Mag. Dr. Karina Grömer studierte am Institut für Ur- und Frühgeschichte in Wien. Nach einer Magisterarbeit über die Steinzeitsiedlung Leonding bei Linz widmete sie sich – ausgehend von Erfahrungen mit Experimenteller Archäologie – den textilen Techniken. Zu diesem Spezialgebiet Lehrveranstaltungen (Experimentelle Archäologie) und Forschungsprojekte am Naturhistorischen Museum Wien. Derzeit im Bereich Textilanalytik tätig, vor allem im Rahmen des EU-Projektes DressID-Kleidung und Identität. Als Zusammenfassung der bisherigen Forschungen erscheint Ende Oktober 2010 eine Monographie: "Prähistorische Textilkunst – Geschichte des Handwerkes und der Kleidung vor den Römern".