Vorträge 2011

Die Vorträge finden jeweils im Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien
1190 Wien, Franz-Klein-Gasse, 3. Stock, Hörsaal 7 statt.


Mittwoch, 26. Jänner 2011, 18 Uhr c.t.


Dr. Gerd RIEDEL (Stadtmuseum Ingolstadt)
, Claus VETTERLING, M.A. (Bamberg)


Die Hafner der Ingolstädter Herzöge

1392 wurde die Stadt Ingolstadt Haupt- und Residenzstadt des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt. Damit begann die glanzvollste Epoche der Stadt. Sie erhielt mit den Großbauten Münster und Neues Schloss ihr unverwechselbares Gepräge. Auch wenn die Ingolstädter Herzogslinie bereits 1447 wieder erlosch, wurde die Stadt bis ins frühe 16. Jahrhundert weiter ausgebaut. 1472 wurde sie zudem Sitz der bayerischen Landesuniversität, der heutigen Universität München.
Die in Süddeutschland einmaligen archäologischen Funde, die bei Ausgrabungen im Jahr 2006 entdeckt wurden, gehören in diese Zeit des Aufschwungs. Ende des 15. Jahrhunderts befand sich in unmittelbarer Nähe der Münsterbaustelle eine hoch spezialisierte Keramikwerkstatt, die offensichtlich für die Ausstattung der Herzogsschlösser, des Münsters und der Universität zahlreiche Bildwerke produziert hat. Befunde und Funde dokumentieren den damaligen Produktionsprozess in seiner ganzen Breite.

Zur Person
Dr. Gerd Riedel studierte Vor- und Frühgeschichte, Provinzialrömische Archäologie und Bayerische Geschichte an der Universität München, VFG und Archäologie des Mittelalters, Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen. Seit 1994 im Amt Archiv/Museum/Wissenschaftliche Bibliothek Ingolstadt als Sachgebietsleiter für das Stadtmuseum angestellt. 1998 Promotion über den Siedlungskomplex Ingolstadt im Mittelalter bei Prof. Dr. Barbara Scholkmann. Schwerpunkt der Arbeit ist die Siedlungsarchäologie des Mittelalters im Raum Ingolstadt sowie die Gebrauchskeramik des Mittelalters und der Neuzeit in diesem Raum.


Mittwoch, 13. April 2011, 18 Uhr c.t.


Vortrag im Anschluss an die Jahreshauptversammlung


Univ.-Prof. Dr. Mitja Guštin (Universität von Primorska, Koper)


Die Erforschung der osmanischen Kultur am Beispiel von archäologischen Ausgrabungen in der Festung von Skopje (Mazedonien) und in Bar (Montenegro)

Im Rahmen eines internationalen Universitäts-Projektes (Venedig, Innsbruck, Koper) wurde das gesamte Fundmaterial aus der alten venezianisch-osmanischen Festung Stari Bar (Antivari) aufgenommen. Daneben wurden die architektonischen Reste überprüft und einige neue Grabungen durchgeführt. Das Projekt ermöglicht erste stratigrafische Aufschlüsse zu dieser Epoche.

Im Inneren der Festung Kale in Skopje wurden in den letzten Jahren umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt, die massive urgeschichtliche Horizonte erbrachten. Ab dem 4. Jh. begann die Wiederbesiedelung des Gipfels über dem Vardar Fluss. Nach 1391 wurden in der Festung eine militärische sowie eine zivile Siedlung errichtet, die bis 1689 bestanden, als die österreichische Armee unter Piccolomini die osmanische Herrschaft in Mazedonien beendete.

Zur Person
Studium an der Philosophischen Fakultät der Universität in Ljubljana, Dissertation über die Eisenzeitlichen Kulturen Westsloweniens. Ehrendoktor der Universität Innsbruck.
1989–1996 Leiter der Abteilung für Archäologie der Philosophischen Fakultät in Ljubljana; seit 2004 Leiter des Instituts für das Erbe des Mittemeerraumes an der Universität von Primorska in Koper.
Forschungsschwerpunkte: Eisenzeit, Neolithikum und Mittelalter, seit 2003 v. a. auch die Genesis der Altstädte Piran und Koper und deren venezianisches Erbe.



Mittwoch, 11. Mai 2011, 18 Uhr c.t.


Mag. Nikolaus Hofer (Bundesdenkmalamt), Dr. Renate Holzschuh-Hofer (Bundesdenkmalamt) und Mag. Doris Schön (Wien)


Von der Wasserburg zum Renaissance-Schloss. Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte von Schloss Orth an der Donau (Niederösterreich)

Die Einrichtung des Besucherzentrums für den Nationalpark Donau-Auen in den Jahren 2004/2005 hat den „Dornröschenschlaf“ von Schloss Orth an der Donau (Niederösterreich) beendet. Bei den begleitenden archäologischen und bauhistorischen Untersuchungen konnten teils sensationelle neue Erkenntnisse zur Genese dieses bemerkenswerten Renaissance-Bauwerks gewonnen werden. Die historische Entwicklung des Schlosses begann bereits im Hochmittelalter und gipfelte in dem herausragenden Neubau nach der Zerstörung im Jahr 1529. Dabei wurde ein bislang von der Forschung kaum beachtetes Bauwerk der Früh-Renaissance geschaffen, das den Vergleich mit den bedeutendsten Adelssitzen der damaligen Zeit nicht zu scheuen braucht.

Zu den Personen
Mag. Nikolaus Hofer: Studium der Ur- und Frühgeschichte sowie Klassischen Archäologie an der Universität Wien. Seit 2004 Referatsleiter Fundberichte in der Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes. Forschungsschwerpunkte: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie.

Dr. Renate Holzschuh-Hofer: Studium der Kunstgeschichte und Klassischen Archäologie an der Universität Wien. Mitarbeiterin der Abteilung für Inventarisation und Denkmalforschung des Bundesdenkmalamtes. Forschungsschwerpunkte: Baukunst der Renaissance, Wiener Hofburg.

Mag. Doris Schön: Studium der Österreichischen Geschichte und Klassischen Archäologie an der Universität Wien. Freiberufliche Tätigkeit als Bauforscherin und Archäologin. Forschungsschwerpunkte: Bauforschung, Stadtkernforschung.



Mittwoch, 15. Juni 2011, 18 Uhr c.t.


Dr. Ingrid Mader und Mag. Ingeborg Gaisbauer (beide Stadtarchäologie Wien)


Ausgrabung Wien 1, Neutorgasse 4-8.
Erste Einblicke in mittelalterliche Besiedlung und neuzeitliche Stadtbefestigung

Im Jahr 2008 kam es im Bereich Neutorgasse 4–8 im 1. Wiener Gemeindebezirk zu einer Denkmalschutzgrabung. Erwartungsgemäß wurden Teile der Neutorbastion und der westlich anschließenden Kurtine der neuzeitlichen Stadtbefestigung aufgedeckt. Im Rahmen eines übergreifenden Projektes werden diese Ergebnisse im Vergleich mit anderen, kürzlich in Wien ergrabenen Befunden rund um die neuzeitliche Stadtbefestigung Wiens ausgewertet.

Weitgehend unerwartet kamen auch hoch- und spätmittelalterliche Befunde und Funde zu Tage. Somit konnten erstmals Einblicke in mittelalterliche Strukturen und Besiedlungs-entwicklung auf der dem Donaukanal zugewandten Seite der Stadt gewonnen werden.

Zu den Personen
Dr. Ingrid Mader: Studium der Klassischen Archäologie und Geschichte an der Universität Wien. Seit 2005 als Projekt- und Grabungsleiterin bei der Stadtarchäologie Wien. Forschungsschwerpunkt: Neuzeitarchäologie.

Mag. Ingeborg Gaisbauer: Studium der Ur- und Frühgeschichte und Fächerkombination an der Universität Wien. Seit 1998 Mitarbeiterin der Stadtarchäologie Wien. Forschungs-schwerpunkte: Frühe städtische Entwicklung Wiens, hochmittelalterliche Keramik.


Mittwoch, 14. Dezember 2011, ab ca. 18.30 Uhr

Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien 1190 Wien, Franz-Klein-Gasse, 3. Stock, Hörsaal 7


VORTRAGSREIHE


MITTELALTERARCHÄOLOGIE IN SÜDÖSTERREICH


Manfred Lehner (Institut für Archäologie der Universität Graz)

Moderation und Einführung

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Robert Pritz

Archäologische Forschungen im Grazer Franziskanerkloster

Der Vortrag soll ein kleiner Vorgeschmack auf die sich derzeit noch in Arbeit befindliche Publikation der Grabungsergebnisse des Franziskanerklosters in Graz sein. Nicht nur für die Klostergeschichte selbst, sondern auch für die Erforschung der mittelalterlichen Stadtentwicklung sind die dokumentierten Befunde (darunter auch ein Abschnitt der Stadtmauer) in Anbetracht des für Graz sehr kargen schriftlichen Quellenmaterials von wesentlicher Bedeutung. Aufgrund der großen Mengen von Gefäßkeramik kann auch ein Beitrag zur Bereicherung des keramischen Bildes im Südostalpenraum des Spätmittelalters geleistet werden.

Zur Person
Student der Provinzialrömischen Archäologie an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Grabungsmitarbeiter der Ausgrabungen im Grazer Franziskanerkloster 2009 unter der Leitung von Mag. Dr. C. Hinker und Projektmitarbeiter der daraus resultierenden Publikation. Diplomarbeit zu den mittelalterlichen Funden und Befunden der Grabungen im Grazer Stadtmuseum (ehem. Palais Khuenburg) in Arbeit.

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Johanna Kraschitzer

Kalksteinchengemagerte Lavantaler „Schwarzhafnerware“:
Chronologie und Verbreitung einer südostalpinen Keramikart der
frühen Neuzeit

Die kalksteinchengemagerte Scharzhafnerware der frühen Neuzeit ist eine von Form und Material her klar zu definierende Warenart. Als Herstellungsraum ist das Kärntner Lavanttal anzunehmen, die Gefäße wurden über hunderte Kilometer verhandelt und erscheinen häufig in frühneuzeitlichen Fundkomplexen Kärntens, der Steiermark und Osttirols. Die besonderen Eigenschaften des Lavanttaler Tons ermöglichten dünnwandige Gefäße von hervorragender Ergonomie. Mehrere Fundumstände mit verlässlichen termini ante quem ermöglichen die Erstellung einer Chronologie.

Zur Person
Studium der Klassischen Archäologie an der Karl-Franzens-Universität Graz, Sponsion im Jahr 2003. Thema der Diplomarbeit: „Zwei datierte frühneuzeitliche Fundkomplexe aus Graz“. Seit 2005 selbstständige Archäologin, Mitarbeit an zahlreichen archäologischen Ausgrabungen und Fundaufarbeitungen. 2010 und 2011 zeitlich begrenzte Anstellungen am Institut für Archäologie Graz. Mehrere Publikationen, vor allem zur neuzeitlichen Keramik.


Die Vortragsreihe wird im Jänner 2012 fortgesetzt.