Vorträge 2012
Die Vorträge finden jeweils im Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien
1190 Wien, Franz-Klein-Gasse, 3. Stock, Hörsaal 7 statt.
Mittwoch, 11. Jänner 2012, 18 Uhr c.t.
Mag. Astrid Steinegger (Verein Fiale)
Spurensuche auf Burg Eppenstein (Judenburg, Steiermark) -
Vorläufige Ergebnisse der Untersuchungen 2010–2011
Das 2010 begonnene Projekt „EPPENSTEIN – Ursprünge und Entwicklung der heutigen Gemeinde, erforscht anhand kulturhistorischer Denkmale“ soll eine kulturwissenschaftliche Untersuchung einer der interessantesten und historisch bedeutendsten mittelalterlichen Wehranlagen der Steiermark sowie des heutigen Gemeindegebietes von Eppenstein ermöglichen. Das Hauptaugenmerk des Projektes liegt auf der Burgruine Eppenstein, die vom örtlichen Burgverein liebevoll betreut wird. Burgruine und Gemeinde verdanken ihren Namen dem Geschlecht der Eppensteiner, einer bedeutende Adelsfamilie, welche im 11. und beginnenden 12. Jahrhundert nicht nur mehrmals den Herzog von Kärnten, sondern auch den Markgrafen der Mark an der mittleren Mur stellte. Ziel des Projektes, das vom Verein FIALE (Forschungsgruppe zur Interdisziplinären Aufarbeitung Landeskulturellen Erbes, www.fiale.at) durchgeführt wird, ist eine Erforschung und Erfassung der Geschichte von Eppenstein von der Urgeschichte bis in die Neuzeit.
Zur Person
Astrid Steinegger hat 2003 ihr Diplomstudium der Klassischen Archäologie und Kunstgeschichte an der Karl-Franzens- Universität Graz abgeschlossen. Von 2004 bis 2008 arbeitete sie für den Verein Archäologie Service als Grabungsleiterin (u.a. Tulln/Feuerwehrschule, Schallaburg). Zusammen mit zwei Kolleginnen aus unterschiedlichen Sparten gründete sie 2006 den Verein FIALE, der kulturwissenschaftliche Projekte mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung durchführt. Seit 2009 arbeitet sie als selbständige Archäologin in Südostösterreich mit Schwerpunkt Obersteiermark. Dem interdisziplinären Projekt Eppenstein steht sie als Projektleiterin vor.
Mag. Nina Liendl
Die Grabungen 2009–2011 auf der Turne (Villach-Land, Kärnten)
Vorstellung der Südkärntner Altburgstelle Ras, die in 635 Meter Seehöhe auf dem höchsten Plateau („Turne“ – Gradišče na Turnah) des schmalen Hügelzuges zwischen dem Dorf Schlatten und dem Ounitzabach liegt. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf den vorläufigen Ergebnissen der archäologischen Untersuchungen im Innenraum des Bergfriedes und des Palas. Auch die im späten 15. Jahrhundert angesiedelte Lokalsage um die Miklova Zala soll aufgrund ihrer Verbindung zur Grabungsstelle eine kurze Erwähnung finden.
Zur Person
Im April 2010 Abschluss des Diplomstudiums der Klassischen Archäologie an der Karl-Franzens Universität Graz. Seit Oktober 2010 Doktoratsstudium mit Spezialisierung auf das Gebiet der Mittelalterarchäologie. Im Rahmen der Dissertation werden die Funde und Befunde der Grabungen 2009–2011 auf der Turne/Burg Ras in St. Jakob im Rosental bearbeitet. Grabungsmitarbeiten auf der Turne, der Altburgstelle Schwanberg, der Villa Retznei, am Frauenberg bei Leibnitz sowie der römischen Villa von Rannersdorf.
Mittwoch, 28. März 2012, ca. 18.30 Uhr
Univ. Prof. Dr. Harald Stadler und Beatrix Nutz, Innsbruck
Von tuttenseck und gericket hemden …alles vnczuchtigk.
Fundort Schloss Lengberg, Osttirol - Neumodisches aus dem 15. Jahrhundert
Im Zuge umfangreicher Umbaumaßnahmen ab Juli 2008 in Schloss Lengberg bei Nikolsdorf wurden baubegleitende archäologische Beobachtungen und Untersuchungen in mehreren Bereichen des Baukomplexes notwendig. Bei den unter der wissenschaftlichen Leitung von Harald Stadler vom Institut für Archäologien, Fachbereich Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der Universität Innsbruck durchgeführten Arbeiten konnte im Südflügel des Schlosses im 2. Obergeschoss eine Gewölbezwickelfüllung lokalisiert, dokumentiert und geborgen werden. Die Einfüllung bestand aus trockenem Material in unterschiedlichen Schichten, darunter ein sehr hoher Anteil an organischem Material mit seltenen Artefakten aus Stroh, Papier, bearbeiteten Hölzern, Leder (vor allem Schuhe) und vielen Textilien. Schriftliche Hinweise auf Umbauten im Reisetagebuch des Paolo Santonino 1485 und die bauhistorische Untersuchung von Martin Mittermaier und Walter Hauser sowie der archäologische Befund legten eine Datierung der Funde ins 15. Jahrhundert nahe, die inzwischen auch durch vier Radiokarbondaten bestätigt wurde. Die Durchsicht des Materials ergab eine Fülle unterschiedlicher Textilformen. Darunter eine Reihe fast vollständig erhaltener Kleidungsstücke und mehr als 2700 weiterer Textilfragmente. Besonders Bemerkenswert ist der Fund von vier Leinentextilien, die nach eingehender Analyse wohl als älteste erhaltene Büstenhalter der Welt anzusprechen sind, ebenso wie eine vollständig erhaltene Herrenunterhose. Fragmente leinener Innenfutter ehemaliger Wollkleider, mehrerer Fragmente von Leinenhemden mit starker Fältelung an Kragen und Ärmel, Reste von Kopfbedeckungen sowohl aus Leinen als auch aus Stroh und Fragmente einer Hose – die Auflistung ließe sich beinah endlos fortsetzen.
Im Rahmen des Vortrags werden nun die aus diesen Funden neu gewonnenen Erkenntnisse über die Bekleidung im Osttirol des 15. Jh. dem interessierten Publikum vorgestellt.
Zu den Personen
Univ. Prof. Dr. Harald Stadler
Studium der Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Geschichte des Mittelalters an der Universität Innsbruck, 1985 Promotion.
Freier Mitarbeiter des Bundesdenkmalamtes, Wirkungsbereich Ost- und Nordtirol; Wiss. Mitarbeiter am Forschungsprojekt des Forschungs-Förderungsfonds "Mesolithische Jägerraststation am Hirschbühel, Gem. St. Jakob i. Defereggental"; Angestellter am Amt der Tiroler Landesreg. Abt. IV; Wiss. Mitarbeiter bei der Stadtarchäologie Wien sowie am Forschungsprojekt "Archäologie und Bauanalyse im Dom von Trient, Italien"; Angestellter am Bundesministerium f. Wissensch. u. Forschung.
Seit 1992 Univ.-Ass. am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck.
2000 Habilitation zum Univ.-Doz. für das Fach "Ur- u. Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie" (Habilitationsschrift "Untersuchungen zur neuzeitlichen Keramikproduktion im Pustertal am Beispiel der Hafnerei Höfer-Troger-Steger in Abfaltersbach, Osttirol. Bd. 1 - Die Familiengeschichte, die Baulichkeiten und das hafnereitechnische Inventar. Bd. 2 - Die Aufschreibbücher 1879-1941.").
2000 Ernennung zum außerordentlichen Univ.-Prof.
2005-2010 Vorsitzender des Fakultätsrates der Phil.-Hist.-Fakultät
Seit 2010 Professor mit der Venia legendi: Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie.
Forschungsschwerpunkte: Ur- und Früh- geschichte des inneralpinen Raumes, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit.
Seit 2000 Mit- und ab 2005 Alleinherausgeber der institutseigenen Reihen "Nearchos" und "Praearchos".
Mag. Beatrix Nutz
Studium der Erdwissenschaften, Anglistik/Amerikanistik, Geschichte und Ur- und Frühgeschichte an der Universität Innsbruck, 2006 Sponsion im Fach Ur- und Frühgeschichte.
1994 bis 2002 Tutorin an der Universität Innsbruck, 2002 bis 2004 Bibliothekarin an der Universitätsbibliothek Innsbruck, 2004 bis 2006 Studienassistentin an der Universität Innsbruck.
2007 bis 2011 Mitarbeit beim FWF-Sonderforschungsbereich HiMAT (Die Geschichte des Bergbaus in Tirol und seinen angrenzenden Gebieten - Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft) im Projektteil 05 (Urgeschichtlicher Silex- und Bergkristallbergbau in den Alpen).
Seit 2007 Mitglied der Arbeitsgruppe Bekleidung und textile Techniken (ABT) am Institut für Archäologien.
SS 2009 Lehrbeauftragte in externer Lehre: Lehrveranstaltung zum Thema: Archäologische Textilien und ihre Herstellung.
Mittwoch, 23. Mai 2012, 18 Uhr c.t.
Ronald Salzer, Wien
Die Burg Grafendorf in Stockerau
Ergebnisse der archäologischen und historischen Untersuchungen
Die Burg Grafendorf in Stockerau, Niederösterreich, wurde 1975 durch den Bau eines Altersheimes großteils zerstört – leider ohne baubegleitende Untersuchungen. In den Jahren 2002 und 2003 führte das Museum für Urgeschichte des Landes NÖ anlässlich weiterer Bauvorhaben zwei Grabungskampagnen durch. Diese dokumentierten bemerkenswerte wehrtechnische Adaptionen an einer Niederungsburg im anbrechenden Zeitalter der Feuerwaffen. Die archäologischen Funde, darunter so herausragende Objekte wie ein mit Habsburgerwappen ausgestatteter Model für Festbäckerei und eine Taschensonnenuhr, liefern außerdem einen spannenden Einblick in die Lebensverhältnisse in einem spätmittelalterlichen Kleinadelssitz. Ergänzt wird dieses Bild durch historische Quellen, die die Burg Grafendorf im Spannungsfeld von lokalen rittermäßigen Adelsfamilien und überregional bedeutsamen Akteuren zeigen.
Mittwoch, 13. Juni 2012, 18 Uhr c.t.
Dr. Ronald Risy, Wien
Der Domplatz von St. Pölten im Laufe der Jahrhunderte
Der Masterplan der Stadt St. Pölten beinhaltet als einen der Eckpfeiler die Sanierung und Neugestaltung des Domplatzes. Da von den geplanten Baumaßnahmen historisch relevante Schichten betroffen sind, werden seit August 2010 archäologische Grabungen durchgeführt.
Die bisherigen Grabungen haben Befunde von der Römerzeit bis in das 17. und 18. Jahrhundert zu Tage gebracht, die für das Verständnis der historischen Entwicklung des mittelalterlichen St. Pölten von großer Bedeutung sind. Hervorzuheben sind u.a. Reste des mittelalterlichen Klosters, in denen sich eine Latrine mit zum Teil einzigartigen Funden befand. Mehrere Bauphasen von der Romanik bis in die frühe Neuzeit der aus den Quellen bekannten, ehemaligen Pfarrkirche mit zugehörigem Stadtfriedhof, die über einen spektakulären römerzeitlichen Großbau liegen, wurden ebenfalls erfasst.
