Österreichische
Zeitschrift für Geschichtswissenschaften
23/2012/1: Historische Netzwerkanalysen
Sequenz: ÖZG - Einzelhefte /
ÖZG-Home Page
Claire
Lemercier
Formale Methoden der Netzwerkanalyse in den Geschichtswissenschaften:
Warum und Wie? ÖZG 23/2012/1, 16-41. [Abstract]
Francesca
Odella
A Network Perspective of Economic
Relations and Markets, ÖZG 23/2012/1, 42-71.
[Abstract]
Veronika Hyden-Hanscho
Ego-Netzwerke zwischen Paris und Wien. Kulturvermittlung
im 17. Jahrhundert am Fall Bergeret, ÖZG 23/2012/1, 72-98. [Abstract]
Ernst Langthaler
In
den Netzen des Entscheidens. Eine empirische Diffusionsstudie in theoretischer
Absicht,
ÖZG 23/2012/1, 99-125.
[Abstract]
Ulrich Eumann und Jascha März
Das
Schneeballsystem der Gestapo bei der Bekämpfung des Widerstandes. Eine
Kölner Fallstudie, ÖZG 23/2012/1, 126-154.
[Abstract]
Katrin Hirte
Würdigungs-Netzwerk,
gewolltes Nichtwissen und Geschichtsschreibung, ÖZG 23/2012/1, 155-185.
[Abstract]
The Power Grid. The Social Network of the Hungarian Elite in the Socialist Era Based on Hunting Habits, ÖZG 23/2012/1, 186-228. [Abstract]
Historische
Netzwerkanalysen
Anfang des Jahres 1972 erhielt der amerikanische, aus Wien stammende Professor - wie viele andere seiner Kollegen - einen Telefonanruf, in dem er gefragt wurde, welche die "most ‚creative and extraordinary' people" seien, die er persönlich kenne. Der Adressat des Anrufes, Heinz von Foerster, fand nicht nur Gefallen an der Frage und antwortete entsprechend, sondern er gab auch Hinweise, wie mit dem nun gesammelten Material verfahren werden könnte. Am 13. März 1973 schrieb er an den Leiter der Untersuchung:
"I suggest you do a ‚cluster analysis' on your data and represent this on a ‚dendrogram' as it was recently done in our School of Life Sciences. If you wish to do such a thing, and want to know more of how to do it, I can supply you with details (or even with help (computer time and programming)) […] Another possibility would be to draw a ‚friendship net' […]". 1
Nota bene: friendship bezeichnete
1973 wahrscheinlich etwas anderes als im Jahr 2012, in dem ‚Freundschaft'
durch den kollektiven und obsessiven Gebrauch bestimmter Kommunikationssoftware
wie Facebook gewissermaßen semantisch in Beschlag genommen wird. Das
Beispiel zeigt uns einerseits, dass Foerster versuchte, die Untersuchung von
der Vorstellung eines Rankings weg und hin zur Idee der Nachbarschaften (clusters)
und des Netzwerks zu bringen, andererseits zeigt es, dass in einem Forschungslabor,
das ganz anderen Zielen gewidmet war, Netzwerkbegriff und Netzwerkanalyse
zu den zur Auswahl stehenden Standardtermini und -methoden zählten. Dieser
Befund wird auch durch den Umstand gestützt, dass Foerster als Herausgeber
eines enzyklopädieähnlichen Kompendiums zur Kybernetik zweiter Ordnung
1974 einige seiner Studierenden zu den Autoren dieser Publikation Begriffsnetze
anfertigen ließ.2
Dieses Beispiel liegt aber auch ein wenig quer zur offiziellen Erzählung
der Geschichte der Sozialen Netzwerkanalyse, dergemäß es im Wesentlichen
ein Zentrum der Entwicklung und des Gebrauchs dieser Technik gegeben habe,
nämlich Harvard, mit Harrison White in führender Position (Stichwort:
Harvard revolution). Wir sind im Übrigen überzeugt, dass sich nach
kurzem Suchen viele weitere Elemente einer solchen dezentralen Geschichte
der Netzwerkanalyse finden ließen. Dabei muss die Ideengeschichte des
Begriffs Netzwerk von der engeren Geschichte der Entwicklung von Verfahren
der Netzwerkanalyse getrennt werden, obgleich beide Bereiche immer wieder
aufeinander verweisen.3
Die Soziale Netzwerkanalyse (SNA) hat einen allgemein akzeptierten und effizienten
Code zur Beschreibung von Netzwerken entwickelt, der bei der Untersuchung
komplexer Systeme seine Stärken ausspielt, indem er eine abstrakte und
sehr effiziente Beschreibungssprache, die man als "language of networks"
bezeichnen kann, mit einem Set von Verfahren verbindet, die Position, Einbettung,
Gruppierung oder auch strukturelle Besonderheiten von Akteuren und Akteursgruppen
sichtbar machen kann. Von Anbeginn verbindet Netzwerkanalyse Strukturbeschreibung,
-messung und -visualisierung. Diese analytische "Sprache des Netzes"
(language of networks) beschreibt die Transformationsregeln von der empirischen
Beobachtung über die Datenaufzeichnung, deren Übersetzung in Matrizen
und die Reorganisation der Datenreihen durch Algorithmen und schlussendlich
deren Projektion in einen Wahrnehmungsraum (Netzwerkvisualisierung).
Um Informationen zu sammeln und Daten zu erheben, können verschiedene
Arbeitstechniken und Methoden zum Einsatz kommen, die sich nicht von denen
anderer Disziplinen unterscheiden. Wie bei anderen Sozialwissenschaften auch,
steht die Beobachtung gewöhnlich am Beginn jeder Untersuchung. Die Datenaufzeichnung
muss allerdings nicht nur Beobachtungsobjekte und deren Eigenschaften enthalten,
sondern zwingend auch Informationen über die Beziehung zwischen den Objekten.
Die systematische Erhebung der Beziehungsaspekte ist ein erstes Kennzeichen
der Sozialen Netzwerkanalyse. Beispiele: A ist befreundet mit B, A spricht
mit B, A und B tauschen Güter und Waren, A und B sind Aufsichtsräte
eines spezifischen Unternehmens, Mitglieder in einem Verein. Diese Informationen
sind deshalb notwendig, weil ein Netzwerk aus vielen tausenden solcher Grundelemente
bestehen kann: Akteure und deren Beziehung oder Nicht-Beziehung. Akteurseigenschaften
und Beziehungseigenschaften werden als zusätzliche Information verzeichnet.4
Visualisierungen können aufgrund veränderter Kommunikationsformen
Wissen anders und vielfältiger kommunizieren als etwa der Text, die Schrift,
die Rede.5 Von Beginn an hat die Fähigkeit, grafische Karten zu produzieren,
die Netzwerkanalyse mit den Intentionen der Bildpädagogik verbunden,
die sozusagen auf Visualisierungen gesellschaftswissenschaftlichen Wissens
beruhte. Die Bildpädagogik wurde von Otto Neurath entwickelt und popularisiert.
Er war in seinen Interessen und Fähigkeiten vielfältig. Er schrieb
über Entscheidungstheorie, über Kriegswirtschaft, über Spenglers
Spekulationen zur Geschichte, über den Klassenkampf, über die Eisenbahnen
am Balkan oder über Protokollsätze, Ethik und vieles mehr. Als zentrales
Projekt betrieb er die Enzyklopädie der Einheitswissenschaft. Die Entwicklung
einer Einheitswissenschaftssprache für die Wissenschaften korrespondiert
der Entwicklung der Bildpädagogik, um wissenschaftliche Ergebnisse an
eine breite Öffentlichkeit kommunizierbar zu machen. Die Öffnung
des wissenschaftlichen Kreises erfolgt über das Bild und damit wird ein
eigenes Programm eröffnet, mit dem wir bereits in die Epoche des Netzwerks
eintreten.
"Ein Bild, das nach den Regeln
der Wiener Methode hergestellt ist, zeigt auf den ersten Blick das Wichtigste
am Gegenstand; offensichtliche Unterschiede müssen sofort ins Auge fallen.
Auf den zweiten Blick sollte es möglich sein, die wichtigeren Einzelheiten
zu sehen und auf den dritten Blick, was es an Einzelheiten sonst noch geben
mag. Ein Bild, das beim vierten und fünften Blick noch weitere Informationen
gibt, ist vom Standpunkt der Wiener Schule als pädagogisch ungeeignet
zu verwerfen."6
Abbildung: Beispiel einer Netzwerkdarstellung bei Otto Neurath aus dem Jahr
1933 (Gesammelte bildpädagogische Schriften, hg. v. Rudolf Haller u.
Robin Kinross, Wien 1991, 375)
Visualisierung bedeutet, nicht nur bei Neurath, Kartierung, Mapping. Für die Wissenschaften sind Karten bedeutende Hilfsmittel zur Darstellung und Interpretation von Daten aus Messungen, Experimenten oder Computersimulationen. Die Aufgabe einer Karte besteht prinzipiell darin, Informationen jeglicher Art in eine Form zu transformieren, die eine verständliche, visuelle Kommunikation ermöglicht. Dabei macht die Karte von unseren Wahrnehmungs- und Kognitionsfähigkeiten Gebrauch, komplexe Zusammenhänge und große Datenmengen grafisch-visuell schneller und exakter erfassen zu können als es verbal oder mit Hilfe von Zahlenwerten möglich ist. Karten entstehen sozusagen zwischen Beobachtung und Beobachter. In Karten werden Evidenzen oder Besonderheiten dargestellt, die sich durch eine Gesetzesformel nicht ausdrücken lassen:
"Warum gibt es keine Karte
der Planetenbewegungen? Weil ein universelles Gesetz ihre jeweilige Position
voraussagt. Was sollten wir mit einer Karte, die voraussagbare Bewegungen
und Positionen aufzeigt? Man braucht sie nur aus dem Gesetz abzuleiten. Dagegen
bestimmt kein Gesetz den Verlauf eines Ufers, das Relief der Landschaften,
den Plan unserer Geburtsstadt, das Profil der Nase oder die Linien des Fingerabdrucks
… das sind Besonderheiten, Identitäten, Individuen, denen jedes Gesetz
unendlich fern ist. Hier geht es um Existenz, sagten die Philosophen, und
nicht um Vernunft."7
Allerdings sind Karten in gewisser Weise subjektiv: "Karten sind wie
Texte oder Bilder Repräsentationen von Wirklichkeit. Karten sprechen
die Sprache ihrer Verfasser, und sie verschweigen das, wovon der Kartograph
nicht spricht oder nicht sprechen kann. Karten sagen mehr als tausend Worte.
Aber sie verschweigen auch mehr, als man in tausend Worten sagen könnte."8
Der Blick des Kartographen ist - wie der des Netzwerk-Visualisierers - konstruktiv
und deskriptiv zugleich.
Die Vielfalt der Anwendungsgebiete von Karten macht es schwieriger, eine allgemeingültige
Definition von Karten zu geben. Während frühere Beschreibungen eine
Karte als zwei-dimensionale grafische Abstraktion bzw. Projektion eines Weltausschnittes
definierten, d.h. Karten ausschließlich im geographischen Kontext betrachteten,
verweisen neuere Arbeiten mehr auf den Aspekt der Karte als Instrument der
visuellen Kommunikation und fassen den Rahmen dessen, was man als Karte bezeichnen
kann, wesentlich weiter. Die Karte eröffnet eine Projektionsfläche,
die Objekte nach Regeln ordnet und ihre Positionen zueinander bestimmt. Relation,
Größe und Farbgebung stehen uns als zusätzliche Sprachdimensionen
zur Verfügung, um präzisere Karten zu produzieren. Die Vielfältigkeit
der Mediatisierung von Informationen verweist zunehmend auf die epistemologische
Ebene der Konstruktion von Darstellungsräumen. The map is the territory!
lautet die bekannte konstruktivistische Antwort9 auf die Warnung The map is
not the territory.10
Analog dazu herrschen auch bei der Frage einer begrifflich eindeutigen Bestimmung
des Netzwerkbegriffs bislang Konfusion und konzeptive Ambiguität. Der
Selbstverständlichkeit auf der phänomenalen Ebene steht eine ziemliche
Unklarheit auf terminologischer Ebene gegenüber. Der Netzwerkbegriff
teilt dieses mit einem ähnlich aufgeladenen Begriff wie dem der Struktur,
mit dem er auch das Schicksal teilt, als "Epochenbegriff" zu fungieren.11
Diese Verbindung zwischen Netzwerk und Struktur wurde bereits von Radcliffe-Brown
hergestellt. In einer Rede als Präsident der Royal Anthropological Society
of Great Britain and Ireland postuliert er 1940 als Aufgabe der Sozialanthropologie
das Studium der Gesellschaft, und nicht der Kultur. Soziale Phänomene
ließen sich als Assoziationsbeziehungen zwischen Individuen definieren.
In der Feldsituation beobachtet der Anthropologe das Verhalten von Menschen,
nicht die Kultur.
"We do not observe a ‚culture', since that word denotes not any concrete reality, but an abstraction, and as it is commonly used a vague abstraction. But direct observation does reveal to us that these human beings are connected by a complex network of social relations. I use the term ‚social structure' to denote this network of actually existing relations."12
Das Soziale stand tatsächlich
am (kanonisierten) Ausgangspunkt der Netzwerkanalyse in Wien und Umgebung.
Auf der Suche nach Zusammenhängen zwischen psychischem Wohlbefinden und
sozialen Strukturen entdeckte Jacob L. Moreno jene Kräfte und Gesetzmäßigkeiten,
aus denen er die Soziometrie entwickelte. Als Geburtsjahr der Soziometrie
gilt das Jahr 1916. Moreno arbeitete seit 1915 als Betreuer für die hygienische
Lage (seit 1917 als Arzt) im k.k. Barackenlager in Mitterndorf an der Fischa,
südlich von Wien.13 Zeitweise mehr als 10.000 italienischsprachige Österreicher/innen,
vorwiegend alte Menschen, Frauen und Kinder aus dem Trentino und aus Istrien
(Flüchtlinge, Deportierte, Evakuierte) waren hier interniert. Oberflächlich
betrachtet, schien das Lager gut organisiert. Es gab Infrastruktur- und Gemeinschaftseinrichtungen,
und um Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, wurde eine Schuhfabrik
für 2.000 Arbeiter in das Lager verlegt. Aber gerade dieser gut gemeinte
Schritt führte zu erheblichen Spannungen. Die Leute aus der Schuhfabrik
hielten sich für etwas Besseres als die bäuerlichen Flüchtlinge.
"Eine weitere soziale Schicht wurde über die ursprünglichen
Flüchtlinge gesetzt", beobachtete Moreno.14 Zunehmend interessierten
ihn die wechselseitigen Gefühle und sozialen Spannungen zwischen Bauern
und Arbeitern, Verwaltungspersonal und Lagerinsassen, Männern und Frauen.
Diese Spannungen diagnostizierte er als Hauptquelle der Störungen im
Lagerleben. Er bedauerte, dass soziale und psychologische Aspekte bei der
Planung des Lagers nie in Erwägung gezogen wurden. Moreno schrieb einen
Brief an das Innenministerium und schlug eine Neuordnung des Lagers mit Hilfe
soziometrischer Methoden vor. Sein Vorhaben wurde von der Erfahrung getragen,
dass "die Familien dazu neigten sich gegenseitig zu helfen, wenn die
Leute mit denjenigen zusammenleben konnten, von denen sie sich auf positive
Weise angezogen fühlten."15 Durch seine Bemühungen - er ließ
Familien, die sich mochten, Nachbarschaften bilden - konnte die Zahl der Konflikte
im Lager verringert werden. Seine Arbeit wurde von offizieller Seite zwar
erlaubt, aber vor Ort auch immer wieder behindert. Moreno wanderte 1925 in
die USA aus und konnte seine soziometrischen Arbeiten umfassend erst in den
1930er Jahren fortsetzen. Obwohl Moreno, wie er selbst sagt, in Mitterndorf
eine sehr primitive Form der Soziometrie benutzte, enthält seine Arbeit
in diesem Lager schon alle wesentlichen soziometrischen Grundhaltungen.
Anfang der 1930er Jahre entwickelte Jakob L. Moreno mit Unterstützung
von H. H. Jennings ein soziometrisches Aufzeichnungssystem, das als wissenschaftshistorischer
Vorläufer des Standardverfahrens der SNA gilt.16 Die Soziometrie vermochte
es vor allem, affektive Gruppenstrukturen von Personen aufzudecken. Mittel
dazu war das Soziogramm, in dem die Mitglieder einer Gruppe als Punkte und
die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen als Linien zwischen den Punkten
dargestellt wurden. Dabei entwickelte Moreno auch für die Stellung der
Personen in den Soziogrammen einfache Indizes.17 Bereits in seinen frühen
Arbeiten formulierte Jakob L. Moreno, so Linton Freeman, fünf wichtige
regulative Ideen für die Bildkonstruktion von sozialen Netzwerken:
"Thus, in his early works,
Moreno introduced five important ideas about the proper construction of images
of social networks: (1) he drew graphs, (2) he drew directed graphs, (3) he
used colors to draw multigraphs, (4) he varied the shapes of points to communicate
characteristics of social actors, and (5) he showed that variations in the
locations of points could be used to stress important structural features
of the data." 18
Aber auch "Klassiker" der deutschen Soziologie (zu denen Moreno
nur bedingt, wenn überhaupt zu zählen ist) beschäftigten sich
mit Netzen. Für Max Weber bezeichnet ‚Netz' bzw. ‚Vernetzung' vor allem
die Diffusionsbewegung eines sozialen Ideals oder Standards, eines Lebensstils
oder einer Norm, die sich ausbreitet oder Verbindungen aktualisiert, die vielfach
auch als Kommunikationskanäle fungieren.19 Georg Simmel betrachtete die
Wechselwirkungen zwischen Individuen und den daraus entstehenden Dynamiken
als Grundlage für den Aufbau und teilweise auch für den Antrieb
zur Veränderung von Gesellschaft. Als informelle Struktur der Gesellschaft
unterstützten sie den Austausch zwischen größeren Formationen
wie Organisationen oder Milieus. Die Anzahl wie die Verschiedenartigkeit der
"sozialen Kreise", in denen eine Person eingebunden ist, sollten
"Gradmesser der Kultur" sein. Da sich die Einzelnen in unterschiedlichen
sozialen Kreisen bewegten, würden sich auch heterogene Bereiche der Gesellschaft
verbinden. Schwache Beziehungen (weak ties) seien, wie Simmel bemerkt, für
die Überlappung "sozialer Kreise" entscheidend.20 Es geht also
um folgende Fragen: Wie ist das Netzwerk differenziert? Wie knüpfen Akteure
soziale Netze? Und wie prägt und verändert sie ihr Eingebundensein
in ein Netzwerk? Ebenso lässt sich fragen, wie und auf welche Weise durch
ein Netzwerk Ressourcen fließen. Netzwerke können auch eine soziale
Infrastruktur darstellen, die aber zusätzliche Qualitäten, Funktionen
oder Eigenschaften aufweist und deshalb für Soziologie und Geschichtswissenschaft
von Interesse sind. Gleich der materiellen Infrastruktur und ihrer Netzwerke
(Straßen und Verkehrseinrichtungen, Glasfaserleitungen, Energienetze,
Flughäfen etc.) gelten heute die immateriellen (intangiblen) sozialen
Netzwerke einer Gesellschaft als wesentliche Voraussetzungen für gesellschaftliche
Entwicklung.
Trotz der langen Tradition der Netzwerkanalyse blieb ihre Entwicklung diskontinuierlich
und ihre Situation in der Methodenlandschaft über längere Zeit hinweg
randständig. Dies erklärt auch, warum sie immer wieder als "new
science" etikettiert werden konnte.21
Zurück zu den Aufzeichnungssystemen der Netzwerkanalysen. Eine vollständig
selbstständige Notation wurde für die "world city network"-Forschung
entworfen, die den Archipel der Weltstädte aufgrund ihrer geografischen
Position auf Kartogrammen positioniert. 123 Städte werden als gleich
große Knoten, die jeweils eine global city repräsentieren, platziert
und nach dem Ausmaß der Konnektivität zueinander eingefärbt.
Die World City Network-Forscher/innen gehen davon aus, dass die Position und
das Akteurspotenzial der Städte erst durch die Prozesse, die das jeweilige
Netzwerk erzeugen oder erneuern helfen, hergestellt werden. An diese Netzwerkkonsistenz
erinnern Deleuze und Guattari in Tausend Plateaus:
"Die Stadt ist das Korrelat
der Straße. Die Stadt existiert nur im Hinblick auf Verkehr und Kreisläufe;
sie ist ein bedeutender Punkt in den Kreisläufen, von denen sie geschaffen
wird oder die sie schafft. Sie wird durch Ein- und Ausgänge bestimmt,
es muss etwas in sie hineingehen und aus ihr herauskommen. […] Es handelt
sich um ein Phänomen der Trans-Konsistenz, um ein Netz."22
Besondere Aufmerksamkeit hat gerade auch im Zusammenhang mit dem world city
network die Entdeckung des Power Law, des Potenzgesetzes (beruhend auf mathematischer
Potenz) erregt; wie so oft handelte es sich um eine Wiederentdeckung. Das
Potenzgesetz geht zurück auf George Kingsley Zipf, der 1949 eine breit
angelegte Monographie dazu vorlegte.23 Zipf konstatierte in ganz verschiedenen
Domänen, dass sich der Rang eines Elements in einer geordneten Reihe
von Elementen umgekehrt proportional zu seiner Größe verhält.
Dieses Verhältnis lässt sich vereinfacht als y(Rang) ~ (Rang)-a
beschreiben. Im Zusammenhang mit Netzwerken besagt das Power Law, dass Netzwerke
durch sukzessives Wachstum entstehen und die Verteilung der Knotenwahlen dabei
nicht gleich und nicht normal verteilt sei. Die breite Anwendbarkeit der Power
Law-Modells auf alle möglichen Arten von Netzwerken (soziale, biologische,
kulturelle etc.) insinuiert, dass es sich um universelle Struktureigenschaften
emergenter, selbstorganisierender Netzwerke handelt. Die Welt ließe
sich damit am besten als komplexes Netzwerk beschreiben, das folgendem Erzeugungs-
und Bestandsgesetz folgt: Netzwerke erhalten sich durch ein Wachstum, das
als Addition neuer Knoten beschreibbar ist; die neuen Vertices oder Netzwerkknoten
verbinden sich präferenziell mit bereits gut- oder bestverbundenen. Dies
produziert ein dynamisches Organisationsmodell, das Wachstum und Selektion
verbindet. Das Prinzip, dass die Reichen immer reicher werden, nimmt sich
in dieser Perspektive als eine natürliche Systemeigenschaft aus.24 In
gewisser Weise wäre damit eine universelle Dynamik gefunden, die für
alle Wachstums- bzw. Entwicklungsprozesse für Netzwerke gelten sollte,
ohne die mitunter sehr verschiedenen Mechanismen der Netzwerkbildung und die
Beziehungsformen zu berücksichtigen. Das wird bereits deutlich, wenn
man sich auf soziale Netzwerke konzentriert, die aus reziproken persönlichen
Kontakten aufgebaut sind wie etwa Freundschaftsnetzwerke.
Werden - empirisch beobachtbare - Power Laws universalisiert, kann man mit
Foucault auch von einem Dispositivwechsel sprechen, da sich dadurch der Modus
der Normalisierung ändert: Vordem herrschte die Macht der Norm, die -
operierend mit einer Binarisierung von Tauglichem und Untauglichem - eine
möglichst große Anzahl von Individuen an ein Modell oder Ideal
anzupassen und auszurichten versuchte. Bei Foucault heißt es: "(…)
nicht das Normale und das Anormale sind grundlegend für die Normalisierung,
sondern die Norm."25
Wenn wir Power Laws nicht als Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft
(für die es - seit Zipf - genau genommen keine verbindliche Erklärung
gibt), sondern als Norm lesen, verändert sich sofort Kontext und Art
der Analyse. Diese Art von Norm idealisiert die Ausnahme; die Voraussetzung
für diese strategische Operation ist eine epistemologische Verschiebung,
die den Gegenstandsbereich der Normierung, der Produktion von Modellen und
Vorbildern neu ordnet und die Anwendung des Algorithmus Power Law grundlegend
erweitert: Die Ökonomie der Ausnahme gilt nicht mehr nur für einen
abgrenzbaren gesellschaftlichen Bereich mit spezifischer Rationalität,
sondern sie unterwirft immer weitere Bereiche menschlicher Aktivität
einer Ökonomie der Konkurrenz und lässt Selektionsprozesse, beispielsweise
im Namen der "Exzellenz", nach der Devise ‚up or out', immer wieder
über eine immer kleiner werdende Population laufen.
***
Auch die Geschichtswissenschaften
fühlen sich mittlerweile beim Thema Netzwerke und Netzwerkanalyse grundlegend
und in mannigfaltiger Weise angesprochen, nach einer Phase einer längeren
Latenz gewissermaßen, in der historische Arbeiten aus den Bereichen
der Soziologie und Ökonomie geleistet wurden. Ein noch junger ‚Stamm'
von Historiker/innen bewohnt erst seit kurzem die akademischen Territorien26
einer neu definierten Historischen Netzwerkanalyse und profitiert in mehrfacher
Weise von der Sozialen Netzwerkanalyse und von den Konzepten und Metaphern
der Netzwerkforschung, da er hier neue Ressourcen und Perspektiven vorfindet,
da die Bereitschaft zu methodischen Innovationen oder für die Aufnahme
neuer Forschungsgegenstände vorhanden ist. Wir erleben aber nicht nur
methodische oder technische Transformationen, sondern verzeichnen auch auf
dem Feld der Kultur- und Wissenschaftsgeschichte dramatische Erweiterungen
des Gegenstandsfeldes. Und manchmal vermeinen wir geradezu die Geburt eines
eigenen Universums von Termen, Konzepten, Instrumenten verbunden mit neuen
Formen der Kommunikation und der visuellen Präsentation zu erleben.
Dieser Band der ÖZG versucht verschiedene Zugänge zu diesem Universum
zu eröffnen und die Historische Netzwerkanalyse als eigentlich gar nicht
so neue Ressource für Historiker/innen vorzustellen;27 als Ressource
deshalb, weil es sich nicht um einen "Streit der Fakultäten"
oder um oppositionelle Bewertungen von Denk- und Arbeitsweisen handelt, sondern
um eine Erweiterung des Möglichkeitsraumes für Historiker/innen
in allen Belangen des Forschungs- und Darstellungsprozesses. Geschichtswissenschaften,
die lebendig sein möchten, sind ein Produkt verschiedenster Denktraditionen,
methodischer Instrumente, paradigmatischer Wenden und Kreuzungen. Und sie
sind vor allem dann erfolgreich, wenn sie dazu bereit sind, theoretische und
methodische Innovationen auf adjazenten Wissenschaftsfeldern rasch adaptierend
zu integrieren.28
Im Folgenden wird bereits das Ergebnis des fruchtbaren Austauschs und der
Kooperation zwischen Netzwerkanalytiker/innen, Sozial- und Kulturtheoretiker/innen
sowie Historiker/innen dokumentiert. Diese drei Gruppen ließen sich
lange Zeit als konkurrierende Clans und isolierte Cliquen beschreiben, die
der Tendenz nach voneinander durch strukturelle Wissensbegrenzungen getrennt
waren, ihre je eigenen subkulturellen Stile besaßen und Diskurse führten,
die als unübersetzbare Sinnprovinzen galten. Erst neuerdings ist der
interdisziplinäre Austausch stärker geworden. Es wurden Konferenzen
abgehalten, Diskussionsforen etabliert und interdisziplinäre Forschungsprojekte
lanciert, welche die Begegnung zwischen der Geschichtswissenschaft und der
Netzwerkanalyse auf eine neuartige und stabile Basis stellten.
Der vorliegende Band steht ganz in diesem Kontext. Er beginnt mit zwei einführenden
Beiträgen (Lemercier, Odella) und demonstriert sodann Anwendungsfälle
verschiedener netzwerkanalytischer Techniken. Der thematische Bogen ist dabei
weit gespannt. Er reicht vom Handel mit Kunst- und Luxusgütern im 17.
Jahrhundert (Hyden-Hanscho), bäuerlichen Gesellschaften vor und während
der NS-Periode (Langthaler), Verfolgungsstrategien der Gestapo (Eumann/März),
Kontinuitätsfragen in der Disziplin Agrarökonomie (Hirte) bis hin
zu Elitenetzwerken im sozialistischen Ungarn auf der Basis von Jagdgewohnheiten
(Bozsonyi, Horváth, Kmetty). Die Herausgeber danken Camilla R. Nielsen,
Marianne Oppel und Marianne Ertl für ihre Unterstützung.
Albert Müller und Wolfgang Neurath, Wien
Anmerkungen
1 University Archives der University
of Illinois, Urbana, Heinz von Foerster papers, Correspondence, file Jane
Kenner. Die alphabetische Liste der kreativen und außergewöhnlichen
Personen lautete in Foersters Version übrigens folgendermaßen:
Ashby, Beer, Bell, Billinger, Brand, Frankl, Fuller, Illich, Kinser, Lilly,
Marurana, McCulloch, Mead, Papanek, Pask, Schlossberg, von Neumann, Wiener,
Wiesenthal, Woods, Zagorski, Zuckmaier.
2 Heinz von Foerster, Hg., Cybernetics of Cybernetics or the Control of Control
and the Communication of Communication, Urbana 1974.
3 Sebastian Gießmann, Netze und Netzwerke. Archäologie einer Kulturtechnik,
1740-1840. Bielefeld 2006.
4 Wir folgen Wolfgang Neurath, Neue Perspektiven für die Geschichtswissenschaft
durch Soziale Netzwerkanalyse (SNA), in: ÖZG 19/4 (2008), 140-153, hier:
142.
5 Dazu exemplarisch: Karl H. Müller, Symbole Statistik Computer Design.
Otto Neuraths Bildpädagogik im Computerzeitalter, Wien 1991.
6 Otto Neurath, Gesammelte bildpädagogische Schriften, hg. v. Rudolf
Haller u. Robin Kinross, Wien 1991, 257.
7 Michel Serres, Atlas, Berlin 2004, 15.
8 Karl Schlögel, Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte
und Geopolitik, München 2003, 95.
9 Heinz von Foerster, Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen. Eine
Selbst-Erschaffung in 7 Tagen, hg, v. Albert Müller u. Karl H. Müller,
Wien 1997, 220.
10 Alfred Korzybski, Science and Sanity. An Introduction to Non-Aristotelian
Systems and General Semantics, 5th Ed., Brooklyn 1994, 750 (orig. 1931).
11 Wolfgang Neurath/Lothar Krempel, Geschichtswissenschaft und Netzwerkanalyse:
Potentiale und Beispiele, in: Berthold Unfried, Hg., Transnationale Netzwerke
im 20. Jahrhundert: Historische Erkundungen zu Ideen und Praktiken, Individuen
und Organisationen, Leipzig 2008, 59-79, hier: 71.
12 Alfred R. Radcliffe-Brown, On Social Structure, in: The Journal of the
Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland 70/1 (1940),
1-12, hier: 2.
13 Vgl. Reinhard Müller, Marienthal. Das Dorf - Die Arbeitslosen - Die
Studie, Innsbruck 2008, 105 ff.
14 Jacob L. Moreno, Auszüge aus der Autobiographie, Köln 1995, 69.
15 Ebd. 71.
16 Vgl. Sebastian Gießmann, Ganz klein, ganz groß. Jacob Levy
Moreno und die Geschicke des Netzwerkdiagramms, in: Ingo Köster/Kai Schuster,
Kai, Medien in Zeit und Raum. Maßverhältnisse des Medialen, Bielefeld
2009, 267-292.
17 Jacob Levy Moreno/Helen Hall Jennings, Statistics of social configurations,
in: Sociometry 1 (1938), 342-374.
18 Linton C. Freeman, Visualizing Social Networks, in: Journal of Social Structure
1/1 (2000) http://www.cmu.edu/joss/content/articles/volume1/Freeman.html
19 Vgl. Max Weber, Gesammelte politische Schriften. hg. von Johannes Winckelmann,
5. Aufl., Tu¨bingen 1988, 531; Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur
Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, hg. von Marianne Weber, 2. Aufl., Tu¨bingen
1988, 308.
20 Georg Simmel, Soziologie. Untersuchung u¨ber die Formen der Vergesellschaftung,
Frankfurt am Main 1992, 456-511.
21 Albert-László Barabási, Linked. The New Science of
Networks, Cambridge, MA 2002. Gerade Barabási wurde vorgeworfen, er
würde nicht nur die Tradition ignorieren, sondern sie gleich neu erfinden.
Vgl. Christian Stegbauer "Die Invasion der Physiker" - Naturwissenschat
und Soziologie in der Netzwerkanalyse, in: Karl-Siegbert Rehberg, Hg., Die
Natur der Gesellschaft Bd. 2, Frankfurt am Main 2008, 1060-077.
22 Gilles Deleuze/Félix Guattari, Kapitalismus und Schizophrenie. Tausend
Plateaus, Berlin 1992, 599.
23 George Kingsley Zipf, Human Behavior and the Principle of Least Effort.
An Introduction to Human Ecology, Cambridge MA 1949.
24 So etwa Barabási, Linked, 79 ff.
25 Michel Foucault, Geschichte der Gouvermentalität I. Sicherheit, Territorium,
Bevölkerung. Vorlesung am Collège de France 1977-1978, Frankfurt
am Main 2004, 90.
26 Tony Becher/Paul Trowler, P. R. (2001). Academic Tribes and Territories.
Intellectual Enquiry and the Cultures of Disciplines, 2nd Ed., Buckingham
2001.
27 Unseres Wissens stammt der erste technische Hinweis auf die Soziale Netzwerkanalyse
unter HistorikerInnen im deutschsprachigen Raum von Manfred Thaller. Dessen
Programmpaket Kleio, das in den 1980er Jahren Furore machte, sah als eine
der Möglichkeiten die Erfassung von Netzwerkrelationen zwischen
Elementen von Datensätzen vor.
28 Vgl. z. B. Albert Müller, Grenzen der Geschichte?, in: Österreichische
Zeitschrift für Soziologie 28/2 (2003), 6-20; ders., Zu den Methoden
der Geschichtsforschung, in: Theo Hug, Hg., Wie kommt die Wissenschaft zu
Wissen? Bd. 2, Baltmannsweiler 2001, 181-194.
Claire
Lemercier
Formale Methoden der Netzwerkanalyse in den Geschichtswissenschaften:
Warum und Wie?. pp. 16-41
Abstract: Formal network methods in history: why and how? The article presents a critical overview of past and present research in the domain of networks in history, based both on methodological and theoretical perspectives. The author argues that concepts and methods of social network analysis should be taken seriously by historians who can be described as much too often relying on a purely metaphorical use of the term network. The very fact that the use of networks terminology seems to be popular and fashionable at the moment should not hinder more serious approaches within the historical sciences.
Key Words: network methods, methodological
criticism, applied SNA methods in history.
Francesca
Odella
A Network Perspective of Economic
Relations and Markets. pp. 42-71
A review of the research literature applying social network analysis to different aspects of economics (markets, firms and economic organizations, policies and public administration) will be presented. The review will specifically explore the contributions that network analysis has made to the investigation of market relations and interactions between firms either at the level of whole economies or regional areas globalization (chapters 3 and 4), entrepreneurship and social development (chapter 4) and finally, contemporary transformation of economic relations and technological innovation (chapter 5). The introduction describes the methodological perspective of social network analysis and specifically its application to economic and historical sources.
Key Words: SNA, economic relations,
markets, nodes.
Veronika
Hyden-Hanscho
Ego-Netzwerke zwischen Paris und Wien Kulturvermittlung
im 17. Jahrhundert am Fall Bergeret, pp. 72-98
Ego-Networks between Paris and Vienna: Cultural Intermediation in the 17th Century, the Case Bergeret. The socio-centric approach of social network analysis has become an important analytical paradigm in sociology as well as in historiography whereas ego-centric approaches were either used descriptively or simply ignored. The aim of this paper is to demonstrate the value of private correspondence from the 17th century for an ego-centric network analysis. The study will focus on the cultural transmission of the French baroque style mediated by Alexandre Bergeret, valet of the French Dauphine, from Paris to Vienna between 1669 and 1703. The interpretation of Bergerets network rests upon three computed measures. The nodal degree shows Bergeret's social capital. The operating mode and the geographical scope of his network is scrutinized through Bergeret's multiplicity and the clustering coefficient illustrates Bergeret's leadership within his network.
Key
Words: ego-networks, cultural exchange, cultural intermediation, multiplexity,
clustering coefficient.
Ernst Langthaler
In
den Netzen des Entscheidens. Eine empirische Diffusionsstudie in theoretischer
Absicht, pp. 99-125
Key Words: diffusion of innovation, social network analysis, correspondence analysis, discourse analysis, rural society, monetary relations.
Ulrich Eumann / Jascha März
Das
Schneeballsystem der Gestapo bei der Bekämpfung des Widerstands. Eine
Kölner Fallstudie, pp. 126-154
The pyramid scheme of the Gestapo in its fight against the German resistance movement. A Cologne case study. At some moment sooner or later in any of the big investigations and persecutions against the resistance movement conducted by the Gestapo, the German secret police of the Third Reich, they found one suspected person ready not only to reveal his own contribution to the resistance movement but to accuse other participants for their part. From the first testimony on an entire pyramid scheme of mutual allegations by the accused resistants was generated. We tried to analyze this scheme by means of methods and software developed by Social Network Analysts and were able to show how much the Gestapo benefitted from rather ordinary criminological means.
Key Words: Gestapo, resistance movement,
Social Network Analysis, Third Reich, Cologne.
Katrin Hirte
Würdigungs-Netzwerk,
gewolltes Nichtwissen und Geschichtsschreibung, pp. 155-185
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