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Die Österreichische Gesellschaft für Literatur (ÖGfL) ist die älteste reine Literaturveranstaltungs- und -vermittlungsinstitution Österreichs. Die Konzeption der ÖGfL stammte nicht alleine von ihrem ersten langjährigen Leiter (1961 bis 1994), dem Journalisten, Lektor und Essayisten Wolfgang Kraus, sondern entsprang in vielerlei Hinsicht den Vorstellungen der offiziellen österreichischen Kulturpolitik. Vor allem in den 1960er Jahren war sie eine im österreichischen Literaturbetrieb konkurrenzlose, international einflussreiche und bestens vernetzte literatur- und kulturpolitische Einrichtung.


1961

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Wolfgang Kraus und Heimito von Doderer im Rahmen der Eröffnung, 18.12.1961. Foto: Helmut Baar

Am 18. Dezember 1961 stellte Wolfgang Kraus, Gründer und künftiger Leiter, die Österreichische Gesellschaft für Literatur (ÖGfL) im Palais Wilczek der Öffentlichkeit vor: „Die ‚Österreichische Gesellschaft für Literatur’ wurde unter der Patronanz und mit der Hilfe des Unterrichtsministeriums gegründet. Sie ist keine neue Vereinigung von Autoren, sondern eine ,Gesellschaft für Literatur’, eine Einrichtung, die auf sehr reale Weise die Arbeit des österreichischen Schriftstellers erleichtern und die Resonanz seiner Werke erhöhen soll.“ Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung las Heimito von Doderer aus dem noch nicht erschienenen Roman Die Merowinger.

Die ÖGfL setzte hauptsächlich in drei Bereichen Aktivitäten: Förderung österreichischer AutorInnen und Literatur, Einladungen von ExilautorInnen nach Wien sowie Aufbau von Verbindungen zu Intellektuellen jenseits des Eisernen Vorhangs, überwiegend aus den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie.
Im Herbst bezog die ÖGfL, welche im Jänner 1961 gegründet worden und bis dahin in der Capistrangasse untergebracht war, neu renovierte Räumlichkeiten im Palais Wilczek in der Wiener Innenstadt. Am Gebäude wurde auch eine Gedenktafel für Franz Grillparzer, der von 1812 bis 1813, und für Joseph von Eichendorff, der von 1810 bis 1813 hier gewohnt hatte, angebracht.

Das Literaturbulletin Literatur aus Österreich, das auch in englischer und französischer Ausgabe unter den Titeln Austrian Literature und Littérature Autrichienne veröffentlicht wurde, entstand unter der Leitung von ÖGfL-Mitarbeiter Kurt Benesch in der Literaturgesellschaft. Auch für die 1955 gegründete Literaturzeitschrift Wort in der Zeit (WidZ) fungierte die ÖGfL als Redaktionssitz. In redaktionellen Angelegenheiten wurde WidZ-Redakteur Gerhard Fritsch zu einer wichtigen Ansprechperson für die ÖGfL.
MitarbeiterInnen der ÖGfL waren im Gründungsjahr Kurt Benesch und Hella Bronold.

• Besondere Veranstaltung
Eröffnung: Wolfgang Kraus, Heimito von Doderer (18. Dezember)


1962

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Wanderausstellung: Österreichische Literatur im XX. Jahrhundert

Die reguläre Veranstaltertätigkeit der ÖGfL begann am 6. Februar mit einer Forumsdiskussion von österreichischen Autoren und Kritikern. Am 19. November fand die erste Veranstaltung des Forums der Jugend statt, einer Diskussionsreihe für junge Literaturinteressierte. In diesem Jahr kamen zahlreiche ExilautorInnen, die vor und während des NS-Regimes geflohen bzw. vertrieben worden waren, auf Einladung der ÖGfL, teilweise erstmals nach ihrer Vertreibung, wieder nach Wien, wie beispielsweise Erich Fried und Manès Sperber. Zudem erinnerte die ÖGfL an verstorbene ExilautorInnen: 1962 wurden Gedenktafeln am Wohnhaus Stefan Zweigs und Hermann Brochs angebracht. Neben Aktivitäten in Österreich propagierte die ÖGfL österreichische Literatur im Ausland. Im Auftrag des Unterrichtsministeriums wurde vom Mitarbeiter Otto Breicha die Wanderausstellung Österreichische Literatur im XX. Jahrhundert konzipiert, die auf Tournee in die Österreichischen Kulturinstitute ging.

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Wort in der Zeit. Manès Sperber, Wolfgang Kraus. Foto: Imagno/Otto Breicha

Ab Dezember 1962 verstärkte sich die Zusammenarbeit mit der Literaturzeitschrift Wort in der Zeit, in der nun auch Otto Breicha  veröffentlichte. Im Auftrag der ÖGfL führte der österreichische Autor Walter Buchebner eine Umfrage zum Thema Was sollen junge Leute lesen? bei österreichischen Intellektuellen durch.

Auf Initiative von Wolfgang Kraus rief die Industriellenvereinigung den Anton Wildgans-Preis ins Leben; der erste Preisträger war Fritz Hochwälder. Mit Herbert Zand und Otto Breicha bekam die ÖGfL zwei neue Mitarbeiter.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Marlen Haushofer, Hans Friedrich Kuhnelt, Harald Zusanek (15. Mai), Präsentation der von Milo Dor herausgegebenen Anthologie Die Verbannten (11. Dezember)
Kommunistisch regierte Staaten: Jugoslawische Lyrik der Gegenwart in deutscher Übersetzung: Wolfgang Gasser, Zlatko Gorjan, Gustav Krklec (23. Februar), Stanisław Jerzy Lec, Roman Karst, Witold Wirpsza (8. Juni)
Exil: Erich Fried (27. April), Manès Sperber (18. Juni), Michael Hamburger (13. September), Jakov Lind (2. November)
Internationale Gäste: W.H. Auden (4. Oktober)


1963

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Tibor Déry, Thomas Bernhard. Foto: Imagno/Otto Breicha

Die erste Lesung des ungarischen Dichters Tibor Déry im Westen nach jahrelanger Gefangenschaft wurde unter anderen von The Times als kulturelle Sensation angekündigt. Neben Déry unterstützte Wolfgang Kraus als zweiten prominenten ungarischen Dichter Julius Háy. Als dieser eine Reise nach Paris plante, wandte sich Kraus an seinen engen Pariser Vertrauten, Manès Sperber, mit der Bitte einen Empfang für den ungarischen Dramatiker zu organisieren. Bei der Ausrichtung von Veranstaltungen arbeitete die ÖGfL partiell mit dem Österreichischen P.E.N.-Club zusammen. So kam beispielsweise die Lesung von František Langer am 12. Mai auf Initiative des damaligen P.E.N.-Präsidenten Franz Theodor Csokor zustande.
Zwei wichtige Romane wurden in diesem Jahr erstmals in der ÖGfL vorgestellt: Frost von Thomas Bernhard und Die Wasserfälle von Slunj von Heimito von Doderer.
In diesem Jahr wurden Gedenktafeln für Hermann Bahr, Egon Friedell und Franz Kafka (in Kierling bei Klosterneuburg) angebracht. Im Rahmen der angestrebten Förderung junger AutorInnen durch die ÖGfL wurden diese motiviert, Manuskripte einzusenden. Die Begutachtung der Texte wurde vorwiegend vom ÖGfL-Mitarbeiter Herbert Zand übernommen.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Thomas Bernhard (15. Mai), Heimito von Doderer (7. Oktober), Präsentation Anthologie Frage und Formel (9. Dezember)
Kommunistisch regierte Staaten: Tibor Déry (14. März), František Langer (12. Mai), Hana Bělohradská, Josef Nesvadba, Jan Großmann (16. Dezember)
Exil: Elias Canetti (28. Februar), Robert Neumann (17. Juni), Martin Esslin (6. Dezember)
Internationale Gäste: John Steinbeck (26. November)


1964

Im Auftrag des Unterrichtsministeriums wurde von Otto Breicha die Ausstellung Grillparzer auf Österreichs Bühnen. Bühnenbild und Kostümentwürfe seit 1945 ausgearbeitet, die in der Akademie der bildenden Künste gezeigt wurde. Mit dem Otto Müller Verlag arbeitete die ÖGfL zudem an einer Georg Trakl-Gedächtnisausstellung, die im November in der Wiener Albertina eröffnet wurde.

In diesem Jahr erhielt die ÖGfL eine Sondersubvention von 23.000 Schilling für die Durchführung umfassender Büchersendungen ins Ausland. Die größten Kontingente gingen in die ČSSR und UdSSR sowie nach Ungarn, Polen, Bulgarien und Belgien. Ein neuer Kooperationspartner auf internationaler, blockübergreifender Ebene wurde der Bonner Verein Inter Nationes, der sich die Herstellung und den Vertrieb von Informationsmaterial über deutsches Kulturgut im Ausland zum Ziel gesetzt hatte.

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Max Brod. Foto: Imagno/Otto Breicha

Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr der Besuch des in Israel lebenden Prager Dichters Max Brod. Aus Platzmangel konnten Hunderte Interessierte den bereits überfüllten Redoutensaal in der Wiener Hofburg, wo Brod auf Einladung der ÖGfL einen Vortrag hielt, nicht betreten. Daraufhin sperrte die Polizei den Zugang. Gedenktafeln wurden für Peter Altenberg, Max Brod und Franz Kafka am Wiener Grabenhotel sowie für Hermann Broch in Seefeld in Tirol errichtet.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Rudolf Henz (25. Februar), Jeannie Ebner, Herbert Eisenreich (19. März), Kurt Benesch, Thomas Bernhard, Ernst Hammer, Andreas Okopenko und Stephan Vajda (14. Mai), Otto Breicha und Gerhard Fritsch (12. Juni), Friedrich Torberg (5. Juni)
Kommunistisch regierte Länder: Julius Háy (28. Jänner)
Exil: Max Brod (6. Oktober), Johannes Urzidil (20. November)
Internationale Gäste: Hans Magnus Enzensberger (5. Mai), Theodor W. Adorno (23. Oktober), Walther Killy (2. November)


1965

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Round-Table Gespräch: Theater der Gegenwart – Gegenwart des Theaters. Foto: Imagno/Otto Breicha

In diesem Jahr fanden zwei große Round-Table-Gespräche unter Regie der ÖGfL statt: im März Theater der Gegenwart – Gegenwart als Theater und im Oktober Unser Jahrhundert und sein Roman. Die Kongresse wurden in Kooperation mit dem Congress for Cultural Freedom (CCF) durchgeführt, einer von der CIA finanzierten Organisation, die während des Kalten Kriegs versuchte, durch blockübergreifende kulturelle Aktivitäten den Kommunismus zu schwächen. Die Round-Table-Gespräche waren für die ÖGfL von höchster Priorität, da sie das Fundament für eine enge Zusammenarbeit mit dem CCF in Paris bildeten. Neben den beiden Kongressen fanden zwei weitere bedeutende Veranstaltungen statt: Ingeborg Bachmann las erstmals ihr Gedicht Böhmen liegt am Meer, und Václav Havel trat gemeinsam mit Jan Grossman, Paul Kruntorad und Franz Tassié auf.

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Ingeborg Bachmann. Foto: Imagno/Otto Breicha

Auf Anregung der ÖGfL wurde der Österreichische Staatspreis für europäische Literatur vom Unterrichtsministerium gegründet. Die Erstverleihung ging an den polnischen Lyriker Zbigniew Herbert. Ab diesem Jahr stand die ÖGfL mit dem von George C. Minden geleiteten International Literary Center in Kontakt, welches Bücherversendungsprogramme an liberale Intellektuelle in kommunistisch regierte Länder initiierte, um die Regime von innen zu schwächen. Nach den erfolgreich durchgeführten Round Table-Gesprächen traf Wolfgang Kraus im November mit Shepard Stone, einem bedeutenden Förderer des CCFin Wien zu einem Arbeitstreffen zusammen.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen von Wort in der Zeit (9. Februar), Christine Busta (21. April ), Ingeborg Bachmann (10. Mai), Käthe Gold und Eva Zilcher lesen Christine Lavant in Anwesenheit der Autorin (21. Mai), Felix Braun (16. September), Oswald Wiener liest Konrad Bayer (8. Oktober), Ilse Aichinger (7. Dezember)
Kommunistisch regierte Länder: Václav Havel, Jan Grossmann, Paul Kruntorad, Franz Tassié (24. September), Zbigniew Herbert, Wolfgang Gasser liest aus dem Werk (29. Oktober)
Exil: Elias Canetti (4. November), Friedrich Hacker (27. April)
Round-Table-Gespräch: Theater der Gegenwart – Gegenwart des Theaters (22.-24. März), Unser Jahrhundert und sein Roman (25.-27. Oktober)


1966

Im Jänner traf Wolfgang Kraus mit Michael Josselson, CIA-Agent und Sekretär des CCF, und weiteren CCF-Vertrauten wie François Bondy, Konstanty Aleksander Jeleński und Manès Sperber im Pariser Büro des CCF zusammen, um ein weiteres Round-Table-Gespräch zu planen. Das für den Oktober angesetzte dritte Round-Table-Gespräch Literatur als Revolution und Tradition musste jedoch aufgrund des Boykotts einiger kommunistisch regierter Staaten, allen voran Ungarns, abgesagt und verschoben werden. Die ungarischen Behörden hatten den Termin des Round-Table-Gesprächs, der mit dem zehnten Jahrestag des Ungarischen Volksaufstandes am 23. Oktober 1956 zusammenfiel, sowie das Thema des Kongresses zu Literatur und Revolution als Provokation aufgefasst.

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Marcel Reich-Ranicki. Foto: Imagno/Otto Breicha

Zu dieser Veranstaltung war auch Peter Huchel aus der DDR eingeladen worden. Allerdings erfolgte daraufhin nicht einmal eine Rückmeldung des Deutschen Schriftstellerverbandes DDR, wie Marcel Reich-Ranicki im Artikel Wiener Kongreß 1966 abgesagt in Die Zeit kritisierte.
Der Ruin des Stiasny Verlags führte zum Ende der Zeitschrift Wort in der Zeit. An ihrer Stelle erschien nun im Salzburger Otto Müller Verlag die neu gegründete Literaturzeitschrift Literatur und Kritik, deren Herausgeber Gerhard Fritsch, Rudolf Henz und Paul Kruntorad waren. Als Redaktionssitz fungierte zunächst erneut die ÖGfL.

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Protokolle: erste Ausgabe

Im selben Jahr gründeten Gerhard Fritsch und Otto Breicha eine neue Zeitschrift im Verlag Jugend und Volk, die bis 1997 erscheinen sollte, die protokolle. Diese entstand in den ersten Jahren ebenfalls in der ÖGfL. Herbert Zand, nach wie vor Mitarbeiter der ÖGfL, wurde mit dem Anton Wildgans-Preis ausgezeichnet.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Andreas Okopenko (22. März), Friederike Mayröcker und Ernst Jandl (16. September)
Kommunistisch regierte Länder: Josef Nesvadba (19. Jänner), Georg Rónay, István Mándy (18. Februar), Miroslav Krleža (8. September), Wassilij Aksionow (18. November)
Exil: Johannes Urzidil (20. September)
Internationale Gäste: Ephraim Kishon (29. März), Luise Rinser (26. April), Theodor W. Adorno (18. Mai 1966), Alfred Andersch (8. November), Claudia Magris (5. Dezember)


1967

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Peter Handke. Foto: Imagno/Otto Breicha

Im April fand das lang geplante dritte Round-Table-Gespräch Literatur als Tradition und Revolution statt. Kooperationspartner war erneut der Congress for Cultural Freedom. Trotz der angespannten Kulturbeziehungen der ÖGfL zur DDR plante Kraus gemeinsam mit dem Deutschen Schriftstellerverband DDR eine längere Reise in die DDR. Nach Erscheinen seines Zeitungsartikels Statt Tauwetter Frost im östlichen Kulturleben in der Bonner Rundschau wurde er von Gerhard Henniger vom Deutschen Schriftstellerverband DDR ausgeladen.

Aus der BRD erreichte Wolfgang Kraus in diesem Jahr vom Suhrkamp Verlag der Vorschlag zu einem gemeinsamen Projekt: Siegfried Unseld, der Verlagsleiter, sandte Kraus vertraulich ein Schreiben Martin Walsers, das die Konzeption eines internationalen Ost-West-Jahrbuchs zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution 1917 beinhaltete. Nachdem sich Wolfgang Kraus mit Herbert Zand beraten hatte, lehnte er das Angebot ab.

In diesem Jahr wurden Peter Handkes Der Hausierer und Thomas Bernhards Die Verstörung in der ÖGfL vorgestellt. Gedenktafeln wurden für Heimito von Doderer, der im Vorjahr verstorben war, und George Saiko an deren Wohnhäusern angebracht.

Die Veranstaltungen des Forums der Jugend wurden in diesem Jahr verstärkt durchgeführt, unter anderen sprach Wolfgang Kraus über seinen Essayband Der fünfte Stand, Georg Kreisler trat auf, und Felix Mitterer las aus seinem Stück Man versteht nichts. Die ÖGfL unterstützte in diesem Jahr die Grazer Literaturzeitschrift Manuskripte: Nachdem Alfred Kolleritsch in einen Konflikt mit Grazer Kulturbeamten geraten war, verfasste die ÖGfL im April einen wohlwollenden Brief über die Aktivitäten der Manuskripte.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Forum Stadtpark zu Gast mit Wolfgang Bauer, Gunter Falk, Klaus Hoffer, Alfred Kolleritsch (27. Jänner), Peter Handke (27. Februar),Thomas Bernhard (14. März), Michael Guttenbrunner (9. September)
Kommunistisch regierte Länder: Slowakische Literatur (24. Februar)
Exil: Manès Sperber (17. Jänner), Heinz Politzer (17. Februar)
Internationale Gäste: Walter Jens (21. Februar), Nathalie Sarraute (7. November), Wolfgang Hildesheimer (25. Oktober)
Round Table-Gespräch: Literatur als Tradition und Revolution (24.-26. April)


1968

Das Jahr 1968 war in der ÖGfL von den politischen Entwicklungen in der ČSSR geprägt. Am 18. Juni rief der Prager Germanist Eduard Goldstücker auf Einladung der ÖGfL im Auditorium Maximum der Universität Wien in einer vielbeachteten Rede zum Sturz des kommunistischen Regimes auf. Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes im August unterstützte die ÖGfL mittels offizieller Einladungen und Arbeitsstipendien ČSSR-Flüchtlinge. Dank eines Sonderbudgets vom Bundeskanzleramt und Österreichischen Finanzministerium konnte die ÖGfL kurzfristig an über 50 Personen, darunter Jaroslav Langer und Josef Hiršal, Arbeitsstipendien vergeben.

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Ernst Jandl. Foto: Imagno/Otto Breicha

Ernst Jandl und Friederike Mayröcker wandten sich mit der Bitte an Wolfgang Kraus eine Solidaritätserklärung österreichischer SchriftstellerInnen mit den tschechoslowakischen SchriftstellerInnen zu unterstützen. Die Koordination dieser Aktion wurde schließlich von Gerhard Fritsch von der Literaturzeitschrift Literatur und Kritik übernommen. 79 AutorInnen unterzeichneten die Erklärung, darunter Ilse Aichinger, Otto Basil, Milo Dor, Hans Lebert, Andreas Okopenko, Friedrich Torberg und Hilde Spiel. Anlässlich des Prager Frühlings wurde am 16. Dezember im Rahmen des Forums der Jugend über Václav Havel diskutiert. Neben diesen erfolgreichen Aktivitäten kam es zu einigen unerfreulichen Ereignissen für die ÖGfL. Paul Celan blieb einer zugesagten Lesung am 2. Oktober im Palais Palffy, für die sich 500 Personen angemeldet hatten, fern, ohne die ÖGfL darüber zu informieren. Das Publikum konnte erst vor Ort über das Fernbleiben des Dichters informiert werden.

Auch der im Frühsommer geplante Festakt zur Verleihung des Anton Wildgans-Preises an Thomas Bernhard fiel aus. Das Präsidium der Industriellenvereinigung, die den Preis stiftete, sagte die Verleihung ab, um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, wie er sich im März desselben Jahres im Zuge der Verleihung des Staatspreises an Bernhard ereignet hatte.

Wenig Erfolg hatte die ÖGfL auch, als sie bei Alfred Kolleritsch einen Forum Stadtpark-Abend in der ÖGfL, wie er bereits 1967 stattgefunden hatte, anregte. Der rumänische Schriftsteller Oskar Pastior nutzte in diesem Jahr einen Studienaufenthalt der ÖGfL zur Flucht in den Westen. Der Schriftsteller Herbert Zand, enger Vertrauter von Wolfgang Kraus, beendete aus gesundheitlichen Gründen seine Mitarbeit in der ÖGfL.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Gerhard Rühm (27. September), Gerhard Amanshauser (4. Oktober), Friedrich Torberg (6. Oktober)
Kommunistisch regierte Länder: Hugo Rokyta (26. April), Ivar Ivask (25. September), Tibor Déry (12. November), Abend zur slowakischen Lyrik mit Laco Novomeský, Miroslav Válek, Stanislav Šmatlák (18. November)
Internationale Gäste: Martin Walser (15. Februar), Claudia Magris (3. April), Peter Bichsel (10. Mai), Arthur Koestler (12. September)


1969

Im Mai wurde nach dem Tod von Gerhard Fritsch zu einer Pressekonferenz anlässlich der Gründung der Gerhard Fritsch-Stiftung mit Christine Busta, Jeannie EbnerFranz HieselHilde SpielHans Weigel und Harald Zusanek eingeladen. Der Verein sollte die Förderung von jungen österreichischen SchriftstellerInnen zum Ziel haben. Der Selbstmord Gerhard Fritschs wurde als ein „Alarmzeichen“ für die prekäre Lage von AutorInnen gewertet.

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Václav Havel, Elfriede Jelinek. Foto: Imagno/Otto Breicha

Bei Unterrichtsminister Alois Mock regte Wolfgang Kraus die Schaffung von zumindest zwei neuen Österreichischen Staatspreisen, und zwar für wissenschaftliche Literatur und für essayistische Prosa, an. Die Übergabe des Staatpreises für europäische Literatur an Václav Havel erwies sich als unmöglich, da er keine Ausreisegenehmigung erhielt. Havel wandte sich direkt an den zuständigen Unterrichtsminister Alois Mock und an Kraus, um Interventionen auf politischer Ebene anzuregen. Kraus unterstützte diesen Vorschlag nicht und setzte auf eine diplomatische Lösung. Zu einer öffentlichen Verleihung kam es daraufhin nicht.
Im März 1969 fand erstmals der Tag der Lyrik statt, der mehrere lyrische Veranstaltungen umfasste: Auf eine Matinée im Wiener Akademietheater folgten Lesungen von Christine Busta, Max Hölzer und Vasko Popa. Diese Veranstaltung wurde fortan jährlich durchgeführt und meist von Hans Weigel betreut. Zur Optimierung der Unterbringung von ausländischen Gästen oder im Ausland lebender ÖsterreicherInnen wurden von der ÖGfL zwei Wohnungen in der Wiener Josefstadt angemietet. Die Bücherversendungen in Kooperation mit George C. Minden vom International Literary Center wurden erfolgreich weitergeführt, neue Bücherlisten zwischen Kraus und Minden akkordiert. Reinhard Urbach wurde neuer Mitarbeiter der ÖGfL.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Wolfgang Bauer (18. Februar), Christine Busta (7. März), Ernst Lothar (14. März ), Pressekonferenz zur Gründung der Gerhard Fritsch-Gesellschaft (6. Mai) Elfriede Jelinek, Gert Jonke (13. Mai), Albert Drach (3. Oktober), Hans Flesch-Brunningen (15. Oktober)
Kommunistisch regierte Länder: Vasko Popa (5. März)
Exil: Elias Canetti (12. März), H.G. Adler (23. Oktober)
Internationale Gäste: Lars Gustaffson (28. April), Siegfried Lenz (14. November)


1970

Wolfgang Kraus versuchte kulturpolitische Impulse für die Verbesserung der staatlichen Beziehungen zu den im Ausland lebenden österreichischen AutorInnen zu setzen. Er richtete deshalb im September ein Schreiben an eine Reihe von ihnen, in dem er sie um Vorschläge zur Verbesserung des kulturellen Kontakts zu Österreich bat. Im Schreiben nahm er auf Bundeskanzler Bruno Kreisky Bezug, der den Wunsch geäußert hatte, konkrete Vorschläge zu dieser Agenda zu erhalten. Kraus erhielt daraufhin einige Briefe mit konstruktiven Vorschlägen, beispielsweise von Robert Neumann, sowie einen erbosten Brief von Peter Handke. Die Vorgehensweise des Bundeskanzlers empfand Handke als Provokation, da keine inhaltliche Auseinandersetzung mit AutorInnen seitens der Bundesregierung stattfände.

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Alfred Kolleritsch. Fotos: Imagno/Otto Breicha

Im November verfasste Kraus einen wütenden Brief an Alfred Kolleritsch, der die Wiener Präsentation der Manuskripte nicht in der ÖGfL abgehalten hatte. Im März las der rumänische Dichter Oskar Pastior, der zwei Jahre zuvor eine Einladung der ÖGfL zur Flucht in den Westen genutzt hatte, gemeinsam mit Michael Guttenbrunner wieder in der ÖGfL.

Am 24. März wurde auf Vorschlag der ÖGfL der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur an Eugène Ionesco übergeben, die Planung der Veranstaltung übernahm die ÖGfL. Der ebenfalls von der ÖGfL vorgeschlagene Sławomir Mrożek erhielt den Preis 1972. Kraus regte bei Unterrichtsminister Leopold Gratz die Schaffung eines Staatpreises für Übersetzungen österreichischer Literatur an, dieser wurde allerdings erst 1987 erstmals vergeben. Für den 1937 im Exil verstorbenen Alfred Adler wurde eine Gedenktafel an dessen Geburtshaus angebracht.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Oskar Pastior, Michael Guttenbrunner (2. März), Friedrich Achleitner (5. Mai), H.C. Artmann (18. November)
Kommunistisch regierte Länder: Anatol E. Baconsky (24. April)
Exil: Manès Sperber (5. Februar), Hertha Pauli (19. Oktober)
Internationale Gäste: Christopher Middleton (27. Jänner), Peter Härtling (2. Februar), Marie Luise Kaschnitz (12. Mai), Gershom Scholem (28. Oktober), Rose Ausländer (25. November)


1971

Barbara Frischmuth. österr. Schriftstellerin. Österreichische Gesellschaft für Literatur. Wien. Photographie. 1968. Friederike Mayröcker, österr. Schriftstellerin. Photographie. 1965
Barbara Frischmuth, Friederike Mayröcker. Foto: Imagno/Otto Breicha

Das Bundesministerium für Unterricht und Kunst ernannte das Jahr 1971 zum Jahr der Literatur hinsichtlich der Auslandskulturpolitik. Geplant waren Lesereisen von SchriftstellerInnen, intensivierte Büchersendungen ins Ausland und spezifische Veranstaltungen. Die ÖGfL erhielt eine Sondersubvention von 200.000 Schilling zur Deckung der Kosten für die Bücherversendung. Im Rahmen dieses Schwerpunktjahres reisten u.a. Peter Handke, Ernst JandlAlfred KolleritschPaul Kruntorad und Friederike Mayröcker in die USA, unterstützt von der ÖGfL und in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum in New York. ÖGfL-Mitarbeiter Reinhard Urbach begleitete Barbara Frischmuth auf einer Lesereise nach Jugoslawien.

Der sowjetische Autor Jurij Archipow konnte aufgrund eines Ausreiseverbots die ÖGfL-Einladung nach Wien nicht antreten. Sein Arbeitsstipendium wurde auf seinen eigenen Vorschlag hin in Büchersendungen umgewandelt. Wolfgang Kraus, der sich häufig für die Unterstützung von österreichischen AutorInnen in praktischen Angelegenheiten einsetzte, bemühte sich bei Bundeskanzler Bruno Kreisky in diesem Jahr um die Bereitstellung einer günstigen Wohnung für Ernst Jandl.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Zum Gedenken an Herbert Zand und Gerhard Fritsch (3. März), Erika Mitterer (30. März), Ingeborg Bachmann (19. Mai), Hans Lebert (22. September), Franz Nabl (24. September), Barbara Frischmuth (10. Dezember)
Kommunistisch regierte Länder: Julius Háy (12. Mai)
Exil: Harry Zohn (28. April), Egon Schwarz (13. Mai), Martin Esslin (2. Juni), Robert Neumann (4. Oktober)
Internationale Gäste: François Bondy (4. Februar), Paul Nizon (30. September), Siegfried Unseld (8. November)


1972

Dem DDR-Autor Peter Huchel, der 1966 aufgrund eines strikten DDR-Ausreiseverbotes einer ÖGfL-Einladung nicht hatte folgen können, war 1971 der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur zugesprochen worden. Dieser wurde ihm im Jänner 1972 von Unterrichtsminister Fred Sinowatz verliehen. Auf Druck der West-Berliner Akademie der Künste und des Internationalen P.E.N.-Zentrums konnte Huchel 1971 die DDR verlassen. Bei der Verleihung des Preises, die wie üblich von der ÖGfL organisiert worden war, wies der Autor auf die dramatische Situation von Intellektuellen in der DDR hin: „Ich verließ ein Land, sehr verehrte Damen und Herren, wo für Menschen meiner Art die letzte Freiheit die Einsamkeit ist“.

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François Bondy. Foto: Imagno/Otto Breicha. Otto Breicha. Foto: Christa Breicha

Eine weitere besondere Veranstaltung fand im Oktober im Auditorium Maximum der Universität Wien statt: Neben anderen diskutierten Anatol E. Baconsky, François Bondy und Erich Fried über die Verantwortung des Schriftstellers. Im November las Peter Handke aus Wunschloses Unglück im Neuen Institutsgebäude der Universität Wien. Im Rahmen der Veranstaltungen des Forums der Jugend traten u.a. Alois Brandstetter und Peter Turrini auf.

In diesem Jahr trat Otto Breicha mit Jutta Schwarz eine Vortragsreise zur österreichischen Gegenwartsliteratur durch Italien und Jugoslawien an. Später kündigte Breicha seine Mitarbeit in der ÖGfL auf, um das Kulturhaus Graz aufzubauen. Für den ehemaligen ÖGfL-Mitarbeiter Herbert Zand, der 1970 verstorben war, sowie für ehemalige Schüler des Schottengymnasiums, die Dichter geworden waren, wurden Gedenktafeln angebracht. Die ÖGfL plante auch eine Gedenktafel am Haus von Max Mell, der 1971 verstorben war. Diese war jedoch bereits von der Josef Weinheber-Gesellschaft in die Wege geleitet worden.

Der Herold Verlag schlug Wolfgang Kraus die Anbringung einer Gedenktafel für Karl Kraus an dessen Geburtshaus in Jičín in der ČSSR vor. Wolfgang Kraus sprach sich aufgrund der angespannten politischen Lage gegen das Projekt aus. Die ÖGfL bekam mit Hans Haider einen neuen Mitarbeiter.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Gerhard Roth, Hannes Schneider (25. Jänner), Otto Grünmandl (26. April), Peter Handke, Alfred Kolleritsch (10. November)
Kommunistisch regierte Länder: Veranstaltung über Alexander Solschenizin, mit Lisa Markstein und Pjotr Rawicz (22. Februar), Mehmed Meša Selimović (21. September), Tadeusz Różewicz (3. November)
Exil: Heinz Politzer (20. Jänner), Erich Fried (1. März), Jean Améry (11. April), Jakov Lind (17. November), Peter de Mendelssohn (6. Dezember)
Internationale Gäste: Claude David (29. November), Peter Huchel (26. Jänner)


1973

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W.H. Auden im Palais Wilczek. Foto: Imagno/Otto Breicha

Am 28. September war der amerikanische Dichter W.H. Auden zu Gast in der ÖGfL. Er verstarb in der Nacht nach seiner Lesung im Palais Palffy in einem Hotelzimmer und wurde in Kirchstetten in Niederösterreich begraben, wo er seit 1957 die Sommermonate in seinem Haus verbracht hatte. Die ÖGfL beteiligte sich an der Organisation des Begräbnisses und sorgte dafür, dass die Kosten für Audens Haus künftig seitens öffentlicher Einrichtungen getragen wurden. 1995 wurde dort eine W.H. Auden-Gedenkstätte eingerichtet, die heute der Öffentlichkeit zugänglich ist.

In Kooperation mit dem Steirischen Herbst, dem Forum Stadtpark und dem ORF wurde das Symposion Zweifel an der Sprache in Graz vom 20. bis 22. Oktober durchgeführt, an dem u.a. Erich Fried, Eugen Gomringer und François Bondy teilnahmen.

In diesem Jahr kooperierte die ÖGfL auch mit dem Buchhändler Peter Straka von der Buchhandlung Frick bei der Versendung von Büchern in kommunistisch regierte Staaten. Im Rahmen der Veranstaltungen des Forums der Jugend sprach Barbara Frischmuth über ihr Werk und Gertrude Urzidil berichtete über den Prager Kreis. Die 1969 gegründete neue Literaturzeitschrift Wespennest wurde in der ÖGfL vorgestellt. Die Grazer Autorenversammlung (GAV) wurde unter anderen von Ernst Jandl in Graz als Gegenmodell zum Österreichischen P.E.N.-Club gegründet. Auf anfängliche Kooperationen folgten in späteren Jahren Konflikte.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Hannelore Valencak, Roswitha Hamadani (23. Jänner), Albert Paris Güthersloh (30. Jänner), Reinhard Federmann (15. März), Thomas Bernhard (18. Oktober), Michael Scharang, Helmut Zenker (30. Oktober), Vorstellung Wespennest (27. November)
Kommunistisch regierte Länder: Zbigniew Herbert (7. März)
Exil: Elias Canetti (29. November)
Internationale Literatur: W.H. Auden (28. September), Julien Green (16. Oktober)


1974

Am 15. Jänner 1974 fand die gründende Generalversammlung des Arthur Schnitzler-Instituts statt. Es handelt sich hierbei um die erste von der ÖGfL gegründete literarische Institution, auf die später einige andere, wie die Österreichische Franz Kafka-Gesellschaft (1979), folgen sollten. Vordringlichstes Ziel war die Inventarisierung und Katalogisierung des gesamten Nachlasses Arthur Schnitzlers, der über mehrere Länder verstreut war.

Im selben Jahr wurde auch das Franz Werfel-Komitee gegründet, welches neben der wissenschaftlichen und veranstalterischen Beschäftigung mit dem Autor, die Überführung der sterblichen Überreste Franz Werfels aus den USA in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof initiierte.
Die ÖGfL führte im April eine Karl Kraus-Woche durch, bei der u.a. Friedrich Torberg, Viktor Matejka und Hans Weigel sprachen. Im Rahmen der Veranstaltungen des Forums der Jugend wurden literarische Strömungen wie die Arbeiterliteratur diskutiert.

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Elfriede Gerstl. Foto: Imagno/Otto Breicha

Um die internationalen Bücherversendungen in die kommunistisch regierten Staaten weiter erfolgreich durchführen zu können, kooperierte die ÖGfL in diesem Jahr v.a. mit dem Bonner Verein Inter Nationes und mit der Wiener Buchhandlung Frick. Der ÖGfL-Mitarbeiter Hans Haider verließ die ÖGfL.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Elfriede Gerstl, Hermann Hendrich (26. Februar), Doris Mühringer, Jutta Schutting, Hermann Gail, Wilhelm Szabo, Alois Vogel (6. März), Hans Weigel (19. April), Milo Dor (14. Mai), Georg Kreisler (30. Mai), Gertrud Fussenegger (4. November), Karl Kraus-Woche (22.-26. April)
Kommunistisch regierte Länder: Ota Filip (17. Oktober)
Exil: H.G. Adler (24. Oktober)
Internationale Literatur: Claudio Magris (9. Mai), Alfred Andersch (3. Dezember), Hilde Domin (5. Dezember)


1975

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Erich Fried. Foto: Imagno/Otto Breicha

Das Jahr 1975 wurde von der UNO als das Internationale Jahr der Frau ausgerufen. Im Rahmen der Ausstellung Österreichische Künstlerinnen der Gegenwart, die das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und das Bundesministerium für Unterricht und Kunst veranstalteten, wurde die Literaturgesellschaft mit dem Literaturprogramm betraut. Die geplante Veranstaltung am 3. März mit Barbara Frischmuth, Friederike Mayröcker und Jutta Schutting musste nach offener Kritik an der Ausrichtung der Veranstaltung seitens einiger Teilnehmerinnen kurzfristig wieder abgesagt werden.

Das ein Jahr zuvor gegründete Franz Werfel-Komitee setzte sich für die Übersendung der Urne von Franz Werfel nach Wien ein. Diese wurde im Sommer von Los Angeles nach Wien überführt, die öffentliche Beisetzung am Wiener Zentralfriedhof fand 1976 statt.
Wolfgang Kraus gründete die im Österreichischen Außenministerium angesiedelte Kulturelle Kontaktstelle, die künftig einige Agenden der ÖGfL, wie z.B. einen Teil der Buchversendungen, übernehmen sollte.

Reinhard Urbach erstellte eine Liste relevanter österreichischer Literatur zur Österreichkunde, die in günstigen Ausgaben erschienen war. Diese Liste wurde an österreichische Institutionen im Ausland, wie etwa Kulturforen, geschickt, die zur Vervielfältigung und Verbreitung der Listen angeregt wurden. Im Rahmen des Forums der Jugend sprach Marianne Gruber, die 1992 die Leiterin der ÖGfL werden sollte, über ihr Werk.

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Reinhard Urbach. Foto: Imagno/Otto Breicha

In diesem Jahr verließ Reinhard Urbach als Mitarbeiter die ÖGfL. Nach einer kurzen Anstellung beim neugegründeten Literaturreferat der Stadt Wien gründete er das Literarische Quartier in der Alten Schmiede in Wien, das zur zweiten großen, öffentlich geförderten Literaturveranstalterin Wiens wurde.

• Besondere Veranstaltungen
Österreichische Literatur: Franz Innerhofer (14. Februar und 17. Oktober), Hugo Huppert (6. März), Heinrich Schnitzler liest Arthur Schnitzler (28. Oktober), Paula Grogger (5. Dezember), Rainer Maria Rilke-Woche (10.-14. November)
Kommunistisch regierte Länder: Zbigniew Herbert (5. März), Efim Etkind (12. November)
Exil: Erich Fried (11. November)
Internationale Gäste: Hans Mayer (29. April), Wolfgang Hildesheimer (1. Oktober), Julien Green (7. Oktober)