Zur Geschichte der Pazifik-Forschung in Österreich

Die Beschäftigung mit der pazifischen Inselwelt, deren Menschen, Sprachen und Kulturen hat eine lange Tradition in Österreich und im Speziellen am Wiener Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie (vormals Institut für Völkerkunde). Sowohl aus ethnologischer bzw. ethnographischer Sicht, als auch in den Bereichen Migrationsforschung, Sprachwissenschaft und Archäologie sind die Forschungsergebnisse österreichischer Wissenschaftler von nachhaltiger Bedeutung für die internationale wissenschaftliche Gemeinde. Die Wiener Schule der Ethnologie mit ihrer kulturhistorischen Ausrichtung fokussierte unter ihrem Doyen Pater Wilhelm Schmidt u.a. auf linguistische Besonderheiten der austronesischen Sprachfamilie. Sein Gegenspieler war – was die Methode und die Schlussfolgerungen betraf – Robert von Heine-Geldern – jener Österreicher, der den wahrscheinlich nachhaltigsten Beitrag zur Erforschung der Besiedlungsgeschichte der ozeanischen Region geleistet hat mittels konsequenter Anwendung eines diffusionistischen Ansatzes, der Verknüpfung von Ergebnissen aus Archäologie und Sprachwissenschaft sowie ausgedehnten Vergleichen von materiellen Artefakten. Er kam schließlich zur Formulierung der im wesentlichen noch heute gültigen Theorien zu Wanderungsrichtungen, Stationen und zeitlichen Abläufen der Besiedlung Ozeaniens.

Andere Forscher leisteten bezüglich Ozeanien Substanzielles auf dem Gebiet monographischer Studien, wie beispielsweise Hugo Bernatzik, der in den 1930er Jahren auf den Salomonen-Inseln Owa Raha und Owa Riki ausgiebig forschte. In jüngerer Zeit wurden diese Bestrebungen von Karl R. Wernhart fortgeführt, der u.a. eine Monographie über die Insel Huahine, Französisch-Polynesien, verfasste und die Weichenstellungen für den Weiterbestand und den Ausbau der ethnologischen Beschäftigung mit der Region am Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie stellte. Mit Gabriele Weiss wurde der Schwerpunkt engagiert fortgeführt und 1994 nach einer Interimsphase von Hermann Mückler übernommen. In die jüngere Zeit fielen neben einer Intensivierung der Kontakte zu Universitäten und Forschungseinrichtungen im pazifischen Inselraum, die verstärkte Vergabe von Themen für Diplomarbeiten und Dissertationen zu regionalspezifischen Fragestellungen sowie die Gründung der Österreichisch-Südpzaifischen Gesellschaft als Plattform zur Information und Diskussion Pazifik-relevanter Themen.

Mit einer Ausstellung unter dem Titel „Die Entdeckung der Südsee im Spiegel alter Karten und Ansichten“ gemeinsam mit dem Wiener Museum für Völkerkunde sowie dem Erscheinen des ersten Bandes der „Novara – Mitteilungen der Österreichisch-Südpazifischen Gesellschaft“ unter dem Generalthema „Österreicher im Pazifik“ sind die Höhepunkte der jüngsten Tätigkeiten charakterisiert.

Das Herausgabe eines Pazifik-Sammelbandes, die Aktualisierung und der Ausbau der Ozeanien- Website sowie die Herstellung einer CD-Rom zur Reise der „Novara“ sind die derzeitigen Aktivitäten der Gesellschaft – neben den regelmäßigen informellen Treffen und der Abhaltung von jeweils drei Vorträgen pro Semester im Rahmen eines Vorlesungszyklus.

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