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ALLGEMEINES Gesellschaftspolitische und wissenschaftliche Relevanz Der Ostseeraum ist sowohl eine "echte" historisch motivierte Region als auch eine, die neu im Entstehen ist, ein politisch und kulturell integrierendes und somit friedenspolitisches Projekt. In einem Europa der Regionen erstreckt er sich seit 1991 in erweiterter Form - die vom Nordischen Rat definierte "nördliche Dimension" einschließend - nunmehr ostwärts bis zum Uralgebirge. Die wissenschaftliche Relevanz des Ostseeraums besteht bereits in den geschichtlichen und aktuellen West-Ost-Diskursen und der Beschäftigung mit den Zentrum-Peripherie-Fragen, welche durch die wechselnden Grenzen mit neuen Zentren und neuen Peripherien in Nordosteuropa in den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen in und außerhalb dieses Raumes immer wieder neue Aktualität bekommen haben und nicht nur per se interessant sind, sondern in der Gegenüberstellung zueinander noch an Bedeutung gewinnen, besonders wenn sie vergleichbaren Diskursen und Fragestellungen in anderen Regionen, wie etwa in Mittel-, Ost- und Südosteuropa - aber auch im weiteren Osten - gegenübergestellt werden. Außerdem geben die Beziehungen zwischen den Nachbarsprachen und -kulturen sowie die Mehr- und Minderheitenkontexte des erweiterten Ostseeraumes mit seinem komplizierten Geflecht aus Sprache, Kultur, Ethnizität, Geschlecht und mit seiner intensiven Migration auch wissenschaftlich produktive sowie national, europäisch und international zukunftsrelevante geschichtliche, soziologische sowie sprachen- und kulturpolitische Fragestellungen ab. Für viele schon bestehende Forschungsbereiche bietet der Ostseeraum heute eine neue Zugänglichkeit zu Quellen, Methoden und neuer Expertise. Der Arbeitsmarkt und die persönlich-soziale Partizipation an der Internationalisierung setzen heute sowohl europapolitische Kompetenz als auch die Fähigkeit, sich mit neuen Diskursen auseinander zu setzen und interkulturell offen zu sein, voraus. "Alte" Sprachen und Kulturen treten als "neue" hervor und warten darauf gesehen und erforscht zu werden. Neue Gesellschaftsformen entwickeln sich; und nur im Dialog mit diesen können wir unsere eigene geopolitische Lage bewusst einschätzen und die Stellungnahmen zum eigenen Integrationsprozess relativieren. Konkreteres zum Bedarf der Ostseeraumstudien folgt unter "Qualifikationsprofil". Die Universität Wien ist die erste Universität außerhalb des Ostseeraumes, die ein fächerübergreifendes internationales Modul "Ostseeraumstudien" im weitesten Sinne und im kontrastiven Kontext anbieten kann. Somit bricht sie auch die konventionelle Zuordnung der mitteleuropäischen MOE-Staaten zu Österreich und des Baltikums zum zentralen und westlichen Norden auf und bietet viele ergiebige kontrastive Fragestellungen an, sind doch Mitteleuropa und der Ostseeraum sehr vergleichbar, was geopolitische Position sowie die eigene Rolle im europäischen Integrationsprozess, verbunden mit einem hohen Grad an Multikulturalität und West-Ost-Problematik, betrifft. Die Studienrichtung Skandinavistik an der Universität Wien nimmt somit ihren gesellschaftspolitischen Auftrag wahr, auf einen aktuellen Diskurs in der breiten Öffentlichkeit zu reagieren und diesen mit wissenschaftlicher Expertise und Internationalisierung zu ergänzen. Das Modul "Ostseeraumstudien" als empfohlener Studienschwerpunkt Die Einführung des Einfachstudiums mit In-Kraft-Treten der neuen Studienpläne zum Wintersemester 2002/2003 hat einen großen Raum für die freien Wahlfächer - an der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen (GEKU) und der Human- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (HUS) durch Module von bis zu 48 Semesterstunden absolvierbar - geschaffen. Die Erfahrung mit den bisherigen Fächerkombinationen hat gezeigt, dass die Studierenden eine inhaltliche und organisatorische Empfehlung wünschen, wie sie ihr Hauptstudium sinnvoll durch freie Wahlfachstunden ergänzen können. "Ostseeraumstudien" ist das dritte Modul (nach "Gender Studies" und "Kulturwissenschaft und Cultural Studies"), welches die freie Gestaltungsmöglichkeit der freien Wahlfächer dazu nutzt, um einen neuen interdisziplinären Studienschwerpunkt zu schaffen. Das fächer-, fakultäts- und universitätsübergreifende Modul "Ostseeraumstudien" besteht aus Lehrveranstaltungen, die in einem thematischen Zusammenhang miteinander stehen, umfasst wahlweise 12, 24, 36 oder 48 Wochenstunden und wird ab 36 Wochenstunden im Diplomprüfungszeugnis als solches ausgewiesen. |