Volker Gerhardt
Foto: R. Schmeken
      Volker Gerhardt hat den Lehrstuhl für Praktische Philosophie, Rechts- und Sozialphilosophie an der Humboldt-Universität Berlin; seit 2001 Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Vorsitzender der Nietzsche- und der Kant-Kommission; Mitglied des Senats der Deutschen Nationalstiftung. Seit Juni 2001 Mitglied des Nationalen Ethikrats. Seit September 2002 Mitherausgeber der Kritischen Gesamtausgabe der Werke Friedrich Nietzsches (KGW). Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Union der Akademien; historische Forschungsschwerpunkte: Nietzsche, Kant, Platon.

Publikationen (Auswahl)

  • Immanuel Kant. Vernunft und Leben, Reclam: Stuttgart 2002
  • Individualität, beck´sche reihe, Beck: München 2000
  • Selbstbestimmung. Das Prinzip der Individualität, Reclam: Stuttgart 1999
  • Immanuel Kants Entwurf „Zum Ewigen Frieden’, Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1995
  • Pathos und Distanz, Reclam: Stuttgart 1988
  • Internet

  • http://www2.hu-berlin.de/phil/lehre.htm?/philo/politik/vg.htm
  • Philosophy On Stage

    Ort: MQ (Ovalhalle Museumsquartier)
    Zeit: 10. Nov. 2005, 19.00-21.45 Uhr

    Lecture Performance von Volker Gerhardt am 10. Nov.
    Titel: „Der Sinn des Sinns“

    Dialog:
    Volker Gerhardt (Philosophie) & Saskia Hölbling (Tanz)

    „Wenn einer also dem Selbstverständlichen nachgehen will, genügt es nicht, nach dem Sinn von Sein oder Nichtsein zu fragen, reicht es nicht, nach dem Sinn des Fragens zu fragen, sondern er hat den Sinn selbst in Zweifel zu ziehen. Damit dürfte ihm klar sein, dass die Philosophie nach dem Sinn von Sinn zu fragen hat. Denn der Sinn ist das Selbstverständliche an sich.“
    (Volker Gerhardt)

    …Gesten des Denkens

    Volker Gerhardts Text Der Sinn des Sinns wird von Saskia Hölbling (dans.kias) in eine Tanz-Performance übersetzt werden. Was in alltäglichen Lebensvollzügen als selbstverständlich und sinnvoll erscheint, gibt philosophisch die größten Rätsel auf. Was aber wäre selbstverständlicher als der Sinn? Will eine Erklärung des Sinns gelingen, so muss man schon das haben und kennen, wonach man fragt. Die Schwierigkeit liegt im Verdeutlichen des Vertrauten. Nicht erst die Antwort, sondern schon die Frage muss sinnvoll sein, um überhaupt als Frage verstanden werden zu können. Und es ist die Besonderheit des Menschen, die Frage nach dem Sinn stellen zu können – auch wenn er selbstverständlich den Sinn und die Sinne mit seinen „evolutionären Nachbarn“ teilt.

    In alltäglichen Situationen taucht die Frage nach dem Sinn meistens dann auf, wenn dieser gestört oder nicht offenkundig ist; wenn unser Verstehen und Verständnis unterbrochen wird und an seine Grenzen stößt. Selbst dort, wo von einer allgemeinen Sinnlosigkeit gesprochen wird, wo die Welt als Ganze „absurd“ erscheint, kann sich bei näherer Betrachtung erweisen, dass doch nur partielle Sinnbezüge in Frage stehen.

    Außer Frage steht, dass der Sinn als etwas zu verstehen ist, das menschliches Verhalten leitet, sofern es bewusst ist oder bewusst gemacht werden kann. Der Sinn kann dem Ziel, das jemand zu erreichen sucht, entsprechen. Noch allgemeiner gedacht, stellt er sich überall ein, wo die Möglichkeit des eigenen Verhaltens tangiert ist. „Alles, was immer unsere eigenen Absichten so betrifft, dass wir mit ihnen umgehen können, gehört zur Sinndimension des eigenen Erlebens.“ (Volker Gerhardt)

    Der Sinn erstreckt sich auf alles, was immer uns bewusst sein kann. Der Sinn lenkt unsere Aufmerksamkeit, er erlaubt unsere Ausrichtung auf ein Etwas, unsere Einstellung auf ein bestimmtes Ziel. „Sofern das Verhalten des Menschen überhaupt seinem Bewusstsein zugänglich ist, untersteht es der Lenkung durch den Sinn. Kurz: Der Sinn des Sinns erfüllt sich in der Selbstbestimmung des Menschen.“ (Volker Gerhardt)