Oya Erdogan     Oya Erdogan, in der Türkei geboren, studierte Philosophie, Anglistik und Orientalistik in Wien. Sie lebt und arbeitet als Kulturmanagerin, Schriftstellerin, Übersetzerin und philosophische Essayistin in Tübingen. Vorträge in Frankreich, Deutschland und der Türkei.

Publikationen (Auswahl):

  • Wasser, Über die Anfänge der Philosophie, Passagen Verlag: Wien 2003
  • Gemeinsam mit Dietmar Koch (Hg.), Im Garten der Philosophie, Wilhelm Fink Verlag, München 2000
  • Philosophy On Stage

    Ort: MQ (Ovalhalle Museumsquartier)
    Zeit: 10. - 12. Nov. 2005, 19.00-21.45 Uhr

    Lecture Performance von Oya Erdogan am 11. Nov.
    Titel: „Sprechakt ‚Wasser’“

    Dialog:
    Oya Erdogan, Elisabeth von Samsonow (Philosophie) & Chor Max Reinhardt Seminar (Schauspiel)

    „Proteus ist ein sprechender Name. Er ist der Erste; ein urzeitlicher Wassergott, der die Tiefen des Meeres kennt und weiß, was ist, war und sein wird. In ihm verkörpert sich literarisch das Gedächtnis des Wassers, hier nimmt die Allwissenheit des Wassers eine sprechende und handelnde Gestalt an.“
    (Oya Erdogan)

    …Gesten des Denkens

    Oya Erdogan wird in Ihrer Lecture Sprechakt „Wasser“ der Frage nachgehen, warum Sprechakttheorien die Taufsituation zwar als Urszene performativer Sprechakte besprechen („Hiermit taufe ich Dich auf den Namen N.N.“), die elementare Rolle, die das Medium „Wasser“ im Ritus „Taufe“ spielt, aber meistens unbesprochen lassen. Zwar wird die Taufzeremonie seit Jahrtausenden im Element Wasser, aber nicht im Namen des Wassers selbst vollzogen. Sollte hier eine Unterbestimmung der materiellen Vollzugsbedingungen performativer Sprechakte in zeitgenössischen Sprechakttheorien überhaupt liegen?

    Im Anklang an die antike Bestimmung des Wassers als Medium der Besprechung und Weissagung – und gebrochen von einem Chor aus 6 SchauspielerInnen des Max Reinhardt Seminars, welche im Hintergrund ihres Vortrags die Genesis des Menschen nach Empedokles beschwören –, wird Oya Erdogan in dieser Lecture-Performance den Proteus-Mythos der Antike schließlich in Hinblick auf eine Theorie der Performanz hin rekontextualisieren, die sich im Namen des Wassers selbst vollzieht.

    „Proteus, der zumeist als Greis erscheint, gibt sein Wissen nicht einfach preis. Es will errungen werden, weshalb Proteus den Suchenden, wenn dieser ihn denn zu fassen bekommt, in einen Ringkampf verwickelt. Es bedarf also – ganz wie der Jäger, der seinem Wild nachstellt – der List und Täuschung, ihn einfangen zu können. Gelingt dies, ist jedoch noch nichts gewonnen, denn in diesem Augenblick wird sich Proteus in alles Mögliche verwandeln, in Wasser oder Feuer ebenso wie in wilde Tiere oder Pflanzen. Wer davor erschreckt und seine Beute loslässt, wird verloren haben. Wer aber seinen Griff nicht lockert, dem wird Proteus sagen, was er wissen will.“ (Oya Erdogan)