Saskia Hölbling
Foto: S. Corriveau
    Saskia Hölbling, international gefragte Choreografin und Österreichische Tanzpreisträgerin 2002, interessiert sich seit längerem für Körperdiskurse. Im Jahre 1995 gründet sie ihr Ensemble DANS.KIAS, arbeitet parallel zu ihren eigenen Projekten mit DANS.KIAS als Tänzerin in Projekten mit Bob Wilson/Brüssel, Cie W. Dorner/Wien und Laurent Pichaud/Montpellier. In ihrer preisgekrönten Choreografie other feature beschäftigte sie sich mit dem körperskulpturalen Einsatz der Tänzerinnen, in your body is the shoreline, ihrem aktuellsten Stück, steht die Begegnung von Körpern und die Frage nach der Intuition für Handlung und Äußerung aus dem Zusammensein im Fokus der Auseinandersetzung. Hölbling lässt in ihrer Arbeit den Gegensatz zwischen formalen, streng choreografierten Szenen und intimen, selbstvergessenen Momenten der Tänzer verschwinden, lässt interne Regungen ihre Form finden.

Choreografien DANS.KIAS

  • “Your body is the shoreline” (2005)
  • “superposition corps” (2004), “exposition corps” (2003)
  • “other feature” (2002)
  • “in.tent//frame 2” (2001)
  • “in.tent//frame 1” (2000)
  • “Chat Gap” (1999)
  • “Distance.Two.Near” (1999)
  • “Do Your Desires Still Burn” (1998)
  • “Duras-Trilogie” (1995-1997)
  • Gastchoreographien für das Wiener Staatsopernballett und das TanzTheaterWien
  • Kollaborationsprojekte

  • Inszenierung “Il combattimento“/Monteverdi & “A-ronne”/Berio (2002) und “Labyrinth” (2004) mit Wolfgang Mitterer (Musik) und Alexej Paryla (Video) beides in Zusammenarbeit mit der Wiener Taschenoper
  • “rrr…” – solo performance (2001) mit Benoit Lachambre/Can und Laurent Goldring/F
  • Internet

  • http://www.dans.kias.at/
  • Philosophy On Stage

    Ort: MQ (Ovalhalle Museumsquartier)
    Zeit: 10. Nov. 2005, 19.00-21.45 Uhr

    Lecture Performances von Saskia Hölbling am 10. Nov.
    Titel Lecture Performance 1: „Der Sinn des Sinns“
    Titel Lecture Performance 2: „Anrufung des Weiblichen“

    Dialog:
    Saskia Hölbling (Tanz) & Volker Gerhardt (Philosophie) & Eva Waniek (Philosophie)

    „Wer von den Heutigen hat noch eine Ahnung davon, dass Denken eine Form des Tanzens sein könnte?“

    (Friedrich Nietzsche)

    …Gesten des Denkens

    In ihrer Auseinandersetzung und Erforschung physischer Innenräume will Saskia Hölbling sensorische und emotionale Erfahrungslandschaften transparent und mittelbar machen, die sich einer schnellen und hinlänglich bekannten Interpretation entziehen.

    Für Philosophy On Stage recherchiert sie die physische Übersetzung philosophischer Texte. In ihrer eigenen Lesart der Vorträge des Philosophen Volker Gerhardt und der Philosophin Eva Waniek ist es der Körper, der reflektiert. Saskia Hölbling agiert aus dem Gedächtnis des Körpers heraus: aus seinem geistigen und physischen Erinnerungsvermögen, aus dem Reservoir seiner Wahrnehmung, Empfindung und Emotion. In ihrer Unmittelbarkeit bleibt sie auf die philosophischen Texte verwiesen, in eins mit ihnen zusammengezogen und verbunden.

    Der Sinn des Sinns
    Volker Gerhardt beschreibt in seinem Text Der Sinn des Sinns die Wege, die das Denken im Produzieren von Gedanken beschreitet. Saskia Hölbling repliziert diese Wege und geistigen Landschaften in ihrer Tanz-Lecture, um die In-tentionalität des Textes räumlich – also ex-tensional – sichtbar werden zu lassen.
    Dabei übersetzt und veräußert sie die Gedankengänge des Textes von Volker Gerhardt, gibt ihnen Raum und Körper, exponiert sie als solche oder konstruiert komplexe gestische Metaphern - spricht den Text, wird zum Text, lässt ihn für sich stehen und konfrontiert ihn mit EigenSinn.

    Anrufung des Weiblichen

    Eva Waniek liest in ihrem Text Anrufung des Weiblichen die traditionelle Lesart von „Frauenkörpern“ quer, während Saskia Hölbling ihr Solo exposition corps mit solchen „Anrufungen“ konfrontiert. Indem sie ihrem Körper Wendungen abringt, die unsere gängige Vorstellung von einem Frauen-Körper durchkreuzen, liest Saskia Hölbling ihren eigenen „Frauen-Körper“ tänzerisch gegen den Strich. Beide durchstoßen damit jene „weibliche“ Oberfläche, die ihnen im Zuge gesellschaftlicher Be-zeichnungsrituale zu-gesprochen und zu-gedacht wurde.

    „Mich interessiert Körperlichkeit jenseits geläufiger Zuordnungen. Jene physisch sinnlichen Zustände, die durch ein ‚Innendenken’ des Körpers entstehen und nicht durch konkrete äußere und schon bekannte Bilder genährt werden. Zustände, die autonom Form annehmen und uns Raum und Bewusstsein in anderer Art und Weise begreifen lassen. Die sich schneller und linearer Interpretationen entziehen. Genau daran liegt das Faszinierende, darin liegt die Poesie. Es ist ein Eindringen in ein wenig erforschtes Universum, das in seiner Ungezähmtheit zart und fragil, weder laut noch provokativ ist – schwer in Worte zu fassen, aber seltsam nahe. Es geht um ein Wagnis, einem anderen Selbstverständnis zu folgen, andere Vorstellungswelten zuzulassen, einer anderen Realität zu vertrauen.“
    (Saskia Hölbling)