Giordano Bruno: Aber das Bild des Glückes von Diovis (Jupiter) war so.

Philosophy On Stage #2

Orte: Schlosstheater Schönbrunn, KosmosTheater, Theseustempel Wien
Zeit: 17. - 19. Juni 2007, 10.00-14.30 Uhr und 20.00-22.30 Uhr

Lecture Performances an der Schnittstelle von Kunst & Philosophie

Wissen wir überhaupt, was ein Körper vermöchte (Spinoza) –
was er de facto zu denken vermöchte (Nancy) –
wenn ihm von der Macht des herrschenden Diskurses (Foucault) –
einst die Erlaubnis gegeben würde (Butler) –
sich selbst diesseits der Norm asketischer Ideale denkerisch äußeren zu dürfen (Nietzsche)?


Trailer
und Fotos

Philosophy On Stage geht dem „Vergessen“ der Materialität und Körperlichkeit im Korpus der abendländischen Philosophie nach.

 

Historischer Kontext

Judith Butler und Luce Irigaray ist es gelungen, in ihren Werken Körper von Gewicht sowie Macht des Diskurses/Unterordnung des Weiblichen aufzuzeigen, dass der Akt der Ausschließung des „Mater/iellen“ für das Denken der abendländischen Geschichte der Philosophie im Ganzen konstitutiv ist. Er markiert nicht irgendein Ereignis in der Geschichte des abendländischen Denkens, sondern verleiht ihr erst jenen einheitlichen Charakter, der sie insgesamt – und insgeheim – zu einer asketischen Praxis des Lebens macht. Im Zuge der Fragestellung Was bedeuten asketische Ideale?, kann Friedrich Nietzsche in der dritten Abhandlung Zur Genealogie der Moral daher reüssieren. „Es besteht unbestreitbar, so lange es Philosophen gegeben hat (von Indien bis England, um die entgegengesetzten Pole der Begabung für Philosophie zu nehmen), eine eigentliche Philosophen-Gereiztheit und –Rancune gegen die Sinnlichkeit.“ (ebenda, KSA Bd. 5, 350).

Das asketische Ideal, in dem der Ausschluss des Sinnlichen, des Mater/iellen und Körperlichen im Akt des Philosophierens von den Philosophierenden selbst leibhaftig praktiziert wird, stellt auch heute noch eine entscheidende Existenz-Voraussetzung dafür dar, von der Scientific Community als redlicher Forscher (Bacon) wissenschaftlich anerkannt zu werden, so dass wir mit Nietzsche immer noch sagen müssen: „der Philosophische Geist hat sich zunächst immer in die früher festgestellten Typen des contemplativen Menschen verkleiden und verpuppen müssen,… um in irgend einem Maße auch nur möglich zu sein: das asketische Ideal hat lange Zeit dem Philosophen als Erscheinungsform, als Existenz-Voraussetzung gedient, – er musste es darstellen, um Philosoph sein zu können, er musste an dasselbe glauben, um es darstellen zu können.“ (ebenda, 360).
Der fatale Glaube an eine Welt, in der alles Mater/ielle, alles Sinnliche, alles Leidenschaftliche immer nur ein passives Moment der Konstitution einer entkörperten geistigen Welt sein durfte, ist der nüchterne, alles ernüchternde Habitus, der das Geschlecht der Philosophen bisher im Ganzen charakterisiert und in seinem Geruch „Gender gerecht“ normiert hat. Wer diesen Geruch nicht am eigenen Leibe trägt, dünkt dem redlichen Wissenschaftler immer noch suspekt.
Bis heute ist eine nüchterne Maskierung des Philosophen und Wissenschaftlers nötig, die ihm vom Dispositiv der herrschen Macht abgenötigt, erzwungen wird, um ihn in den etablierten Korpus der Wissenschaft aufzunehmen. – Auch heute ist es ihm noch immer nicht erlaubt, diesseits des Ausschlusses der Sinnlichkeit, diesseits der Ausschließung des Mater/iellen, diesseits des Ausschlusses des Weiblichen inmitten des Wissenschaftskorpus’ in Erscheinung treten zu dürfen. „Was bedeutet eben die Macht jenes [asketischen] Ideals, das Ungeheure seiner Macht? Weshalb ist ihm in diesem Maße Raum gegeben worden? – Weshalb nicht besser Widerstand geleistet worden? Das asketische Ideal drückt einen Willen aus: wo ist der gegnerische Wille, in dem sich ein gegnerisches Ideal ausdrückt?“ (Friedrich Nietzsche, ebenda, 395).

Sollte es möglich sein, dem Stattfinden dieses gegnerischen Ideals irgendwo Statt, irgendwo Raum geben zu können?

Philosophy On Stage…
ist unterwegs, dem Kommen eines solchen femininen „counter-ideals“ (Kimerer L. LaMothe) Raum zu geben, in dem an drei Tagen an der Ankünftigkeit einer „écriture féminine“ (Hélène Cixious & Jacques Derrida) gearbeitet wird, die sich diesseits der binären Logik von Mann und Frau, Mann oder Frau, inmitten des Bezugs von beiden, weder im einen, noch im anderen (Sybille Krämer), abspielen wird. Als dem Ort einer „Gay Science“, einer „Fröhlichen Wissenschaft“, in der sich die Lust auf Weisheit, die Liebe zur Weisheit, auf sublime Art und Weise lustvoll äußeren darf.

Arno Böhler, Januar 2007

Symposium

(Ort: Schlosstheater Schönbrunn, 17. + 18 Juni, jeweils von 10.00-14.30)

Anstimmung: Chor Max Reinhardt Seminar, Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien

Philosophie kreuzt Theater
Elisabeth Schweeger (Intendantin; Schauspielhaus Frankfurt)

Negative Präsenz
Dieter Mersch (Universität Potsdam)

Das Ereignis zwischen Eräugnis und Bewägung
Michael Wetzel (Universität Bonn)

Das Denken der Tragödie
Hans-Thies Lehmann (Universität Frankfurt)

Versprochen. Ereignis-Aporien in Tanz und Performance der Gegenwart
Krassimira Kruschkova (Tanzquartier TQ, Wien)

Der Auto-Bio-Graphische Körper
Susanne Granzer (Max Reinhardt Seminar) und Arno Böhler (Universität Wien)

Lecture Performances

(Ort: KosmosTheater Wien, 17. + 18 Juni, jeweils ab 20.00)

Der Sinn des Sinns
Saskia Hölbling (Tanz, Wien) + Volker Gerhardt (Humboldt Universität zu Berlin) + Philipp Hauß (Schauspiel, Wien)
Acts Educate
Milli Bitterli (Tanz, Wien) + Anette Baldauf/Andrea B. Braidt (Universität Wien)

Übersetzungen. Nietzsches Greatest Hits
Susanne Granzer + Arno Böhler (GRENZ-film, Chor Max Reinhardt Seminar + Universität Wien)

Tanz auf Distanz. Über Differenzen, die dazwischen kommen.
Patrick Pulsinger/Paul Skrepek (Musik, Wien) + Georg Christoph Tholen (Universität Basel)

Diskussionsveranstaltung

Ort: Theseustempel, Volksgarten, 19. Juni 2007, 11.00