Philosophy On Stage #2

Ort: KosmosTheater
Zeit: 17. Juni 2007, 20.00 Uhr

Lecture Performance
Titel: „Der Sinn des Sinns“
Dialog:
Saskia Hölbling (Tanz) & Philipp Hauß (Schauspiel) + Text Volker Gerhardt (Philosophie)

„Wer von den Heutigen hat noch eine Ahnung davon, dass Denken eine Form des Tanzens sein könnte?“

(Friedrich Nietzsche)

Gesten des Denkens…
Die entscheidende Erweiterung gegenüber der gleichnamigen Lecture-Performance vom Nov. 2005 im Museumsquartier Wien wird darin bestehen, dass der Schauspieler Philipp Hauß (Burgtheater Wien) die Texte des Philosophen Volker Gerhardt (Humboldt Universität zu Berlin) bei Philosophy On Stage #2 nun gemeinsam mit Saskia Hölbling (Tanz) on stage zur Sprache bringen wird. Durch das Performative der beiden Künste Tanz & Theater soll das Verhältnis zum philosophischen Text “Der Sinn des Sinns” neu gewichtet und IN-DIFFERENZ wiederholt werden.

In ihrer Auseinandersetzung und Erforschung physischer Innenräume will Saskia Hölbling sensorische und emotionale Erfahrungslandschaften transparent und mittelbar machen, die sich einer schnellen und hinlänglich bekannten Interpretation entziehen.

Für Philosophy On Stage recherchiert sie die physische Übersetzung philosophischer Texte. Volker Gerhardt beschreibt in seinem Text Der Sinn des Sinns die Wege, die das Denken im Produzieren von Gedanken beschreitet. Saskia Hölbling repliziert diese Wege und geistigen Landschaften in ihrer Tanz-Lecture, um die In-tentionalität des Textes räumlich – also ex-tensional – sichtbar werden zu lassen.

Dabei übersetzt und veräußert sie die Gedankengänge des Textes von Volker Gerhardt, gibt ihnen Raum und Körper, exponiert sie als solche oder konstruiert komplexe gestische Metaphern - spricht den Text, wird zum Text, lässt ihn für sich stehen und konfrontiert ihn mit EigenSinn.

Was in alltäglichen Lebensvollzügen als selbstverständlich und sinnvoll erscheint, gibt philosophisch die größten Rätsel auf. Was aber wäre selbstverständlicher als der Sinn? Will eine Erklärung des Sinns gelingen, so muss man schon das haben und kennen, wonach man fragt. Die Schwierigkeit liegt im Verdeutlichen des Vertrauten. Nicht erst die Antwort, sondern schon die Frage muss sinnvoll sein, um überhaupt als Frage verstanden werden zu können. Und es ist die Besonderheit des Menschen, die Frage nach dem Sinn stellen zu können – auch wenn er selbstverständlich den Sinn und die Sinne mit seinen „evolutionären Nachbarn“ teilt. In alltäglichen Situationen taucht die Frage nach dem Sinn meistens dann auf, wenn dieser gestört oder nicht offenkundig ist; wenn unser Verstehen und Verständnis unterbrochen wird und an seine Grenzen stößt. Selbst dort, wo von einer allgemeinen Sinnlosigkeit gesprochen wird, wo die Welt als Ganze „absurd“ erscheint, kann sich bei näherer Betrachtung erweisen, dass doch nur partielle Sinnbezüge in Frage stehen. Außer Frage steht, dass der Sinn als etwas zu verstehen ist, das menschliches Verhalten leitet, sofern es bewusst ist oder bewusst gemacht werden kann. Der Sinn kann dem Ziel, das jemand zu erreichen sucht, entsprechen. Noch allgemeiner gedacht, stellt er sich überall ein, wo die Möglichkeit des eigenen Verhaltens tangiert ist. „Alles, was immer unsere eigenen Absichten so betrifft, dass wir mit ihnen umgehen können, gehört zur Sinndimension des eigenen Erlebens.“ (Volker Gerhardt) Der Sinn erstreckt sich auf alles, was immer uns bewusst sein kann. Der Sinn lenkt unsere Aufmerksamkeit, er erlaubt unsere Ausrichtung auf ein Etwas, unsere Einstellung auf ein bestimmtes Ziel. „Sofern das Verhalten des Menschen überhaupt seinem Bewusstsein zugänglich ist, untersteht es der Lenkung durch den Sinn. Kurz: Der Sinn des Sinns erfüllt sich in der Selbstbestimmung des Menschen.“ (Volker Gerhardt)