Philosophy On Stage #2

Ort: Schlosstheater Schönbrunn Zeit: 18. Juni 2007, 10.15 Uhr

Lecture von Hans Thies Lehmann

Titel: „Das Denken der Tragödie“

Mehr als jeder andere hat Aristoteles die Engführung zwischen der Struktur des Dramas und einem Erkenntnisprozess in den Diskurs über Theater getragen. Der Vortrag geht den Implikationen und Folgen dieser für die ästhetische Theorie folgenschweren Geste nach. Zu diskutieren ist zumal die Differenz zwischen dem Ereignis eines Erkennens, das konstitutiv für die tragische Struktur wird, und dem Gewinn einer gegenüber der Performanz des Theaterereignisses autonomen Erkenntnis. Der Vortrag versucht, einige der Kategorien zu beleuchten, die bei Aristoteles die Verwobenheit zwischen dem Ereignis des Theaters, dem dramaturgischen Procedere und dem Ereignis des Erkennens artikulieren (Mathesis, Anagnorisis, Peripetie, Katastrophe, Katharsis) und ihre Bedeutung für die Konstitution des Modells “dramatisches” Theaters der Neuzeit zu bestimmen, von dem postdramatische Theaterformen der Gegenwart sich abzugrenzen suchen. Zugleich wird Bezug genommen auf die neuere Thematisierung dieser Fragen bei Jean-Luc Nancy (z.B. in seinem Text “Theaterereignis”).