HSOZKULT-Bericht über Tagung „Reichskreise und Regionen im frühmodernen Europa“

Tobias Riedl berichtete über die Tagung „Reichskreise und Regionen im frühmodernen Europa“:

… Mit KARL HÄRTER (Frankfurt am Main) wendete sich die Tagung wieder den Reichskreisen als Raum zu. Sein Interesse galt dabei insbesondere dem transterritorialen Ordnungs- und Rechtsraum. Seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts nähme eine nähere Bestimmung des Raumes im Alten Reich zu. Eine nicht unerhebliche Position besetzten dabei die Reichskreise sowie die frühneuzeitliche Policey-Gesetzgebung. Härter exemplifizierte seine These an den Entwicklungen der Vorderen Reichskreise anhand vier zentraler Bereiche: 1. Ordnungsgesetzgebung zu Themen der öffentlichen Sicherheit, 2. Sichheitspoliceyliche Maßnahmen und Institutionen, beispielsweise „Zigeunertafeln“, 3. Gerichts- und Entscheidungspraxis exemplarischer Kreisstände sowie 4. Strafmaßnahmen wie Ausweisung oder Brandmarkung. Abschließend ließ sich ein Modell überlagernder Rechtsräume mit langfristiger Bedeutung festmachen. …

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=3294

Konferenz: The Production of Human Security in Premodern and Contemporary History

Veranstalter: Juniorprofessur für Umweltgeschichte; in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Zeitgeschichte und dem Zentrum für Mittelmeerstudien / Ruhr-Universität Bochum Bochum
Datum, Ort: 08.04.2010-10.04.2010, Veranstaltungszentrum RUB, Conference Room 04/082

Quelle: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=13363

Seit den 1990ern haben Begriff und Konzept der ‚human security‘ in den Sozialwissenschaften, der politischen Theorie und der internationalen Politikpraxis eine immer stärkere Konjunktur erfahren. Ein Teil seiner Durchschlagskraft verdankt der Begriff sicher seiner großen Weite, die in den Dokumenten etwa von UN-Habitat so unterschiedliche Gegenstände wie die klassische internationale Sicherheitspolitik, Sicherheitsprobleme, die von Naturkatastrophen ausgehen und sogar die Sicherheit im Straßenverkehr umfasst. Der Intention seiner Befürworter nach soll das Konzept insbesondere das sogenannte ‚Westfälische System‘ ersetzen, in dem nur souveräne staatliche Akteure internationale Politik betreiben, während Individuen ausschließlich durch die ihnen übergeordnete staatlichen Autorität vertreten werden, die von anderen Staaten und internationalen Akteuren zu respektieren ist.

Vertreter des human-security-Konzepts – nicht zuletzt die Vertreter von UN-Institutionen – stützen sich auf ein historisches Narrativ, wonach die gegenwärtige Erweiterung des Sicherheitsbegriff nichts Neues ist: vielmehr wird es geradezu als eine Rückkehr zu älteren, vormodernen und vor-westfälischen Konzepten von Sicherheit begriffen wie dem scholastischen Begriff der securitas, den Sicherheitszielen aller Art der vormodernen ‚Policey‘-Ordnungen oder der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen modi des Risikomanagements und der Sicherheitsproduktion durch den Staat und durch nicht-staatliche Akteure. Nach diesem historischen Linienschlag wäre die Ära des modernen Nationalstaats mit seinen klaren Unterscheidungen zwischen innerer und äußerer, privater und staatlicher Sicherheit geradezu eine historische Ausnahme.

Auf unserer Konferenz wollen wir das Verständnis von ‚human security‘ historisieren, indem wir die sich wandelnden und dialektischen Beziehungen zwischen den Ängsten der Menschen und der Sicherheitsproduktion in vormoderner und gegenwärtiger Zeit untersuchen.

„Konferenz: The Production of Human Security in Premodern and Contemporary History“ weiterlesen

CfP für das 13. Treffen: „Grenzen“ als Dimensionen von Policey, Strafjustiz und Kriminalität vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Veranstalter: Akademie der Diözese Stuttgart-Rottenburg; Stiftung Berliner Mauer; Centre de recherches interdisciplinaires sur l’Allemagne Paris; Wissenschaftliche Organisation: Falk Bretschneider, Gerhard Sälter, Gerd Schwerhoff, Eva Wiebel
Datum, Ort: 17.06.2010-19.06.2010, Stuttgart-Hohenheim
Deadline: 01.03.2010

siehe auch http://www.univie.ac.at/policey-ak/?page_id=414

HSOZKULT: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=12990

Tagung: Von der Policey zur Polizei. Armut, Fürsorge, Ordnung in Preußen (16.-20. Jh.)

Vom 1.-3. Oktober 2009 wird die Arbeitsgemeinschaft zur preußischen Geschichte e.V. zu ihrer Jahrestagung in den Franckeschen Stiftungen zusammen kommen. Im stadtweiten kulturellen Themenjahr „Arbeitswelten“ beschäftigen sich die Wissenschaftler aus ganz Deutschland mit dem Thema der Sozialfürsorge in Preußen. Thema und Ort sind nicht zufällig gewählt, hatten doch die halleschen Pietisten neue Impulse im Bereich der Sozialfürsorge gesetzt, die von Halle auf ganz Preußen ausstrahlten.

So nahm der preußische König die von August Hermann Francke eingeführte Almosenordnung für Glaucha zur Vorlage für jene Armenordnung, die er für die gesamte Stadt Halle in Kraft setzte. Stadtbekannt war die kostenfreie Abgabe von Medikamenten aus der Waisenhausapotheke an Bedürftige. Auswärtige und städtische Arme suchten zudem die ‚Armensprechstunde‘ in den Glauchschen Anstalten auf. In der Mitte des 18. Jahrhunderts fanden hier pro Monat 1.000 Patienten Hilfe und Aufklärung, wobei es das erklärte Ziel war, die Ursache von Armut durch die Wiederherstellung der Gesundheit und der Arbeitsfähigkeit zu bekämpfen. Und selbstverständlich lässt sich eine Verbindungslinie vom pietistischen Halleschen Waisenhaus ins 19. Jahrhundert zu den Rettungshäusern von Johannes Daniel Falk in Weimar und von hier aus bis zum ‚Rauhen Haus‘ von Johann Hinrich Wichern in Hamburg ziehen.

Die Arbeitsgemeinschaft zur preußischen Geschichte e.V. bemüht sich seit über 30 Jahren um ein kritisches Verständnis der Geschichte Preußens. Der Verein betrachtet es als seine Aufgabe, Forschungen sowie deren Vermittlung in Schule und Öffentlichkeit anzuregen und zu fördern. Die diesjährige Tagung, die von PD Dr. Holger Zaunstöck mit konzipiert wurde, steht unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Thomas Müller-Bahlke und Dr. Jürgen Schmidt und befasst sich mit den Entwicklungsprozessen staatlicher Fürsorge in Preußen seit der Frühen Neuzeit. Den größeren Rahmen dafür bildet dabei der Entwicklungsgang von den frühneuzeitlichen Ordnungsvorstellungen der guten Policey hin zur institutionalisierten Ordnungsformation Polizei im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Tagung wird konkrete Themenfelder wie etwa die sozialpolitischen Überlegungen August Hermann Franckes oder die Straffälligenfürsorge in Preußen um 1900 mit übergreifenden und vergleichenden Fragestellungen, wie jener nach dem Ort der preußischer Armenpolitik im europäischen Vergleich vom 18.-20. Jahrhundert, in Beziehung setzen.

Quelle: http://www.francke-halle.de/main/index2.php?cf=3_3