Markus Plawszewski: Frugivore Tagfalter-Artengemeinschaften fragmentierter Lebensräume in Zentral-Sulawesi (2002)

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Zusammenfassung

Anhand der Tagfaltergilde frugivorer Nymphalidae in drei Kakaoplantagen bzw. an einem Waldrandstandort wurden im Rahmen der vorliegenden Arbeit in Zentral-Sulawesi folgende Aspekte untersucht:

(a) Alpha- und Betadiversität der untersuchten Gilde in den zwei unterschiedlichen Habitatklassen Kakaoplantage und Waldrandzone

(b) Diversität frugivorer Nymphalidae in Abhängigkeit von bestimmten aufgenommenen Habitatvariablen

(c) Bedeutung der Kakaoplantagen für den Erhalt der lokalen Fauna

(d) Bestimmung der Mindestverweildauern und Ortstreue für die häufigsten Arten

 

(a) Die alpha-Diversität der untersuchten Tagfaltergilde war in der Waldrandzone signifikant höher als an den Standorten der Kakaoplantagen. Dabei wurden die Plantagenstandorte hauptsächlich von einer Art (Melanitis leda) dominiert. Es zeigte sich, daß die Entfernung der Plantagen zum Naturwald keinen Einfluß auf die Diversität der Falterzönosen hatte.

Die Ähnlichkeit der Artenzusammensetzung an den verschiedenen Standorten wurde durch die Auftrennung der NESS-Ähnlichkeiten mittels Multidimensionaler Skalierung dargestellt. Dabei zeigte sich eine deutliche Segregation der Waldrandzönosen von den Kakaoplantagen, die ihrerseits nur undeutlich aufgetrennt werden konnten.

Im weltweiten Vergleich der Diversität der frugivoren Nymphaliden kommt die relative Verarmung der Fauna Sulawesis deutlich zum Ausdruck.

(b) Von den getesteten Habitatparametern erklärte ausschließlich die Diversität der Unterwuchsvegetation die Unterschiede in der Diversität der Gilde der frugivoren Nymphalidae an den verschiedenen Standorten. Die Artenzusammensetzung in den beiden Habitatklassen wurde vom larvalen Wirtspflanzenspektrum der Arten bestimmt; dabei fanden sich an den Kakaoplantagenstandorten vor allem solche (polyphage) Arten, die entweder Kulturpflanzen und / oder Gräser als Wirtspflanzen nutzen können. Im Gegensatz dazu blieben Arten, die an Pflanzen des Waldrandes gebunden sind, überwiegend auf die Waldrandstandorte beschränkt.

(c) Über die Hälfte aller an den Waldrandstandorten gefangenen Individuen gehörten endemischen Arten an. Dagegen war die Anzahl der Endemiten unter den gefangenen Individuen der Plantagenstandorten sehr gering. Im Hinblick auf den Anteil endemischer Arten in den Kakaoplantagen und der Waldrandzone zeigten sich fast keine Unterschiede. Die Tatsache, daß der Anteil endemischer Falter an den waldrandnahen Plantagen größer ist als an den entfernt gelegenen Plantagen, deutet darauf hin, daß ein gewisser Anteil endemischer Arten aus dem Quellareal (Naturwald) laufend in die Plantagen dispergiert.

(d) Mittels der Markierungs-Fang-Wiederfang-Methode (MRR) konnten für sechs Arten die Mindestverweildauer und die Residenzrate bestimmt werden. Für die untersuchten frugivoren Nymphalidae zeigte sich auch zwischen Waldrandzone und Kakaoplantage eine große Übereinstimmung hinsichtlich der festgestellten Ortstreue und Mindestaufenthaltdauer an den Standorten. Die erhobenen Daten können zukünftigen MRR-Studien als Vergleichswerte dienen.

 

Summary

In the present study I investigated the guild of frugivorous nymphalid butterflies in Central-Sulawesi by comparing three cocoa plantations with the edge of a natural forest. I addressed the following aspects:

(a) Alpha- and beta-diversity of the investigated guild in cocoa plantations and at the forest edge.

(b) Influence of habitat variables on the diversity of frugivorous nymphalids

(c) Impact of the cocoa plantations on the maintenance of the local fauna

(d) Minimum residence time and site tenacity of the most frequent species

 

(a) Alpha diversity proved to be significantly higher at the forest edge sites compared to the cocoa plantations. Plantation sites were strongly dominated by one species (Melanitis leda). Diversity at the plantations sites was not influenced by their distance to the forest edge. The similarity of the guilds at the cocoa plantations and the forest site was analyzed by multidimensional scaling. The forest edge sites were clearly segregated from all plantation sites, whereas the three plantation sites could not be separated unambiguously.

Compared with data of other nymphalid faunas worldwide the impoverishment of the fauna of Sulawesi is obvious.

(b) From several habitat parameters tested, only the diversity of the understorey vegetation significantly explained the differences in diversity between the sites. Beta-diversity was influenced by the larvae’s host-plant requirements: species thriving in cocoa plantations predominantly feed on crops or grasses. In contrast, species relying on host plants that occur only at the forest edge were rarely present in cocoa plantations.

(c) More than half of all individuals captured at the forest sites belonged to endemic species whereas the proportion of individuals belonging to endemic species was low in plantations. Considering the number of species, the proportion of endemic species was not different between forest edge and plantations. The proportion of endemic species was higher at those plantation sites that were closer to the forest edge sites, suggesting that dispersion of endemic species occurs regularly from the forest (source) to the plantations (sinks).

(d) With the help of mark-release-recaptures (MRR) studies I determined the minimum residence time and the site tenacity for the six commonest species. Both parameters were similar for the forest edge and the plantations. The data may provide reference values for further studies of tropical frugivorous nymphalids.