Sebastian Schindler: Die Nutzung gebietsfremder und einheimischer Pflanzenarten als Nektarressource durch Tagfalter im Ökologisch-Botanischen Garten Bayreuth (2005)

Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wurde in der Vegetationsperiode des Jahres 2004 auf Grundlage einer genauen Bestandsaufnahme der Tagfalterfauna die Nutzung einheimischer und gebietsfremder Pflanzenarten als Nektarressource dieser Insektengruppe im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth untersucht.
Bei 66 standardisierten Transektbegehungen im Zeitraum vom 30. April bis 7. Oktober 2004 wurden insgesamt 35 Tagfalterarten aus 5 Familien im ÖBG nachgewiesen. Die Abundanzen der Tagfalterarten unterschieden sich teilweise sehr stark, einige Arten wurden regelmäßig bzw. in großen Individuenzahlen gesichtet, während viele Arten nur selten bzw. in geringen Abundanzen beobachtet wurden. Sieben der festgestellten Tagfalterarten gelten nach der Bayerischen Roten Liste (2003) als bedroht bzw. stehen auf der Vorwarnliste. Die naturschutzfachliche Wertigkeit des ÖBG ist – im Vergleich zur Wildbienenfauna – für die Tagfalterfauna deutlich niedriger einzustufen.
Die Verteilung der Tagfalter auf die verschiedenen Teilgebiete des ÖBG unterschied sich stark voneinander. Auf den Versuchsflächen wurden die meisten Tagfaltersichtungen verzeichnet. In den Teilgebieten „Europa", „Asien" und „Amerika" wurden im Vergleich dazu deutlich weniger Tagfalteindividuen bzw. -arten nachgewiesen.
Bei den Transektbegehungen konnten insgesamt 463 Nektaraufnahmen von 22 Tagfalterarten an 77 einheimischen und gebietsfremden Pflanzenarten beobachtet werden. Dabei erwiesen sich der Wilde Majoran (Origanum vulgare) und die Wiesenflockenblume (Centaurea jacea) als Nektarpflanzen mit der größten Bedeutung für Tagfalter.
Durch standardisierte Beobachtungen an 29 ausgewählten Pflanzenarten konnte das Besucherspektrum von Tagfaltern quantitativ und qualitativ erfasst werden. Es wurden dabei 441 Nektaraufnahmen registriert. Diese Pflanzen wurden unterschiedlich stark von den Tagfaltern genutzt. Sehr verschieden war ebenfalls das Besucherspektrum an Tagfaltern dieser Pflanzenarten. Es traten keine Unterschiede zwischen einheimischen und gebietsfremden Pflanzenarten in Bezug auf die Nutzungsdauer und Nutzungshäufigkeit auf.
Aufgrund der untersuchten Eigenschaften der Pflanzen bzw. der Tagfalter konnten Ursachen für diese unterschiedliche Nutzung analysiert werden. Es zeigte sich dabei, dass die Saccharosekonzentration des Nektars, die Kelchtiefe der Blüten und die Nektarmenge pro Flächeneinheit einen starken Einfluss auf die Nutzungsintensität der Blütenpflanzen besitzen. Pflanzen mit einer hohen Saccharosekonzentration und höheren Nektarmengen pro Flächeneinheit wurden von Tagfaltern bei der Nektaraufnahme präferiert.
Aufbauend auf den Ergebnissen wurden einige Vorschläge unterbreitet, die eine Erhaltung bzw. Förderung der Tagfalterfauna im ÖBG bewirken können.