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Ein Projekt am Institut für
Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
der Universität Wien
A-1180 Wien, Schopenhauerstr. 32

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Umwelt-Impressionen aus Istanbul
von Kamila Zielinski und Alex Schuller

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Istanbul - eine Stadt, zwei Kontinente, drei Religionen, über 10 Millionen Menschen. Ein einzigartiger Ort, um Erfahrungen zu sammeln: über eine andere Kultur, über ein anderes Universitätssystem, über ein anderes Umweltverständnis. Bei einer stetig wachsenden Einwohnerzahl (zur Zeit etwa 10-12 Mio.) sind Probleme mit dem Verkehr, dem Müll, dem Abwasser und auch der Luftqualität programmiert. Doch nicht alle Umeltprobleme der Türkei und Istanbuls sind hausgemacht.

Der Bosporus, die "Wasserbrücke" zwischen Europa und Asien, war lange Zeit nicht mehr als eine dreckige Brühe, und zu seinen zuverlässigsten "Schmutz-Lieferanten" gehört die Donau. Und es ist besonders schwierig, sinnvolle Maßnahmen am Ende einer Ursachen-Kette zu setzen. Um die Wasserqualität wenigstens im Goldenen Horn zu verbessern, wurde bereits eine Initiative gestartet. Ein großangelegtes Projekt soll den verschmutzten "Halic", wie die Türken das Goldene Horn nennen,  wieder in das "süße Wasser Europas" verwandeln.

Die Stadtväter Istanbuls geben sich große Mühe, die Umweltsituation dieser jahrtausendealten Kulturstadt in den Griff zu bekommen. Der öffentliche Verkehr ist in den letzten Jahren stark ausgebaut worden; Straßenbahnen und Busse befördern täglich Millionen von Menschen. Ein großer Teil des öffentlichen Verkehrs wird über Wasser abgewickelt - Fähren sind in Istanbul genauso alltäglich wie in Wien die U-Bahn. Und an einer Idee könnten sich viele andere Städte ein Beispiel nehmen: der "Dolmus", eine Mischung aus Sammeltaxi und Linienbus. Diese kleinen Busse befördern bis zu 10 Fahrgäste auf vorgegebenen Routen, kleine individuelle Abstecher sind aber durchaus üblich. Das zur Zeit ehrgeizigste Projekt im Rahmen des öffentlichen Verkehrs ist der Bau eines umfassenden U-Bahn-Netzes.

Recycling, so wie wir es kennen, gehört in der Türkei noch nicht zum selbstverständlichen Alltag. Dennoch findet man immer öfter Altglas-Container, und "öffentliche Mistkübel" sieht man in Istanbul auch nicht seltener als in Wien. Was das Recycling angeht, so hat die Türkei eine besondere Tradition, die sich bis heute erhalten hat. Zahlreiche kleine Betriebe reparieren und verwerten Dinge, die wir einfach wegschmeißen würden. Schuhmacher, Kupferschmiede, Fahrradmechaniker usw. betreiben auf diese Weise eine Art "natürliches Recycling". Und die Zeitung von gestern eignet sich hervorragend als Verpackung von heute.

Trinkwasser ist in allen südlichen Ländern Mangelware. In Istanbul bemüht man sich, dieses kostbare Gut nicht nur qualitativ hochwertig, sondern auch noch geschichtsträchtig sprudeln zu lassen. Zahlreiche alte bis antike Trinkwasserbrunnen werden renoviert und wieder zugänglich und - trinkbar gemacht.

Auch klassischer Naturschutz wird in Istanbul betrieben. Besonders alte und ökologisch wertvolle Bäume werden erfaßt, nummeriert und beschildert. Und wer lange genug in Istanbul bleibt, der kennt vielleicht wirklich jeden Baum beim Namen ...

 

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Stand: März 2000