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'Queer Rrrr...'

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Queer Studies

Queer Studies gehören in den USA und Kanada seit Anfang der 1990er Jahre zu den produktivsten Forschungsrichtungen. Queer Studies und Queer-Theory entstanden aus den Gay- und Lesbian Studies. Gegenstand der Queer Theory ist die Analyse und Subversion gesellschaftlicher Diskurse, die die Heterosexualität zur Norm haben. Theoretikerinnen wie Judith Butler, Eve Kosofsky Sedgwick u. a. entwerfen im Widerstand gegen normative Identitätsmodelle prozessual-unabgeschlossene Entwürfe von Identität, versuchen also, Identität queer zu denken und in diesem Sinne identitätspolitisch zu handeln. Außerdem hinterfragen sie die Integrität des Körpers und stellen neue Denkmodelle zur Disposition, die die Fragmentierung und Dezentrierung des Körpers reflektieren.
An einigen nordamerikanischen Universitäten sind Zentren für Queer Studies eingerichtet. Mittlerweile ist dieser Forschungsbereich auch im deutschsprachigen Raum akademisch rezipiert und anerkannt – wiewohl noch in deutlich geringerem Maße, wovon der nur sehr geringe Grad an Institutionalisierung der Queer Studies zeugt. Einzig die Universitäten in Hamburg und Berlin können als bedeutende Orte der Erforschung und Vermittlung von Queer Theory genannt werden. Auch in Österreich sind Queer Studies Forschung und Lehre verankert. Bislang werden sie jedoch nur vereinzelt und in erster Linie von externen WissenschaftlerInnen betrieben und angeboten.

Queer Studies und Kunst

Die geplante Tagung ist in mehrfacher Hinsicht innovativ: Nicht nur findet erstmals eine Tagung zu Queer Studies an einer österreichischen Universität statt, auch der Fokus auf „Queer Reading“ stellt international eine Novität dar. Zudem wird nicht nur im Rahmenprogramm, sondern vor allem in Workshops die Zusammenarbeit mit KünstlerInnen umgesetzt. Das ist aus mehreren Gründen sinn voll: Gerade die Queer Theory ist aufgrund ihrer historischen Entwicklung im Kontext von emanzipatorischen Bewegungen sehr stark auf die Arbeit von KünstlerInnen (wie z.B. Performance-, Film/Video-, aber auch bildenden KünstlerInnen) bezogen und gewinnt aus künstlerischen Werken viele Anregungen für die Theoriebildung. Umgekehrt beschäftigen sich zahlreiche KünstlerInnen mit den Ideen und Erkenntnissen der Queer Theory, setzen Thesen in andere Medien um, finden neue Kontexte und bilden auf diese Weise gleichsam eine weitere Reflexionsebene und ein innovatives Potenzial auch in Hinblick auf konkrete (politische) Handlungsstrategien. Diese Arbeiten nun in räumlicher Nähe – vor Ort – zeigen zu können, KünstlerInnen in den wissenschaftlichen Kontext explizit einzubeziehen und umgekehrt WissenschaftlerInnen mit künstlerischen Arbeiten zu konfrontieren, ist eine Konsequenz des beschriebenen Naheverhältnisses.
Das Beispiel des Gender- und Queer-Studies-Programms an den Hamburger Universitäten zeigt, wie fruchtbringend die Auseinandersetzung mit künstlerischen Positionen für die wissenschaftliche Diskussion ist.

Queere Kunst und Literatur/Wissenschaft.

Die Themen, mit denen sich KünstlerInnen und TheoretikerInnen in Bezug auf „queer“ beschäftigen, haben wesentlich mit Fragen von Identität und Repräsentation zu tun. Wobei – ähnlich wie in der Literatur – das Thema der Varietät von Leseweisen, die Produktion von Bedeutungen je nach Kontext, ganz zentral ist. Charakteristisch für queere Kunst ist ein „Engagement mit Identität“ – also eine intensive kritische Auseinandersetzung mit den Verfahren, vermittels derer Identitäten hergestellt und naturalisiert werden. Während der wissenschaftliche Diskurs meist ausschließlich mit der Analyse dieser Prozesse befasst ist, vermag es künstlerische Arbeit, über unterschiedliche Methoden diese Fragen ins Bild zu setzen, Wahrnehmungsmuster zu unterlaufen, Irritation hervorzurufen, Blick- und Denkroutinen der Heteronormativität zu subvertieren und auch Alternativen aufzuzeigen.
Das Ziel allerdings einer „Sichtbarkeit“ von Geschlechtlichkeiten und Sexualitäten jenseits von Heteronormativität wird stark kritisiert. Der Topos, wonach Sichtbarkeit ein Mehr an politischer Macht ermögliche, ist jedenfalls als lineare Kausalität schlichtweg falsch. KünstlerInnen und ForscherInnen fragen nun aus verschiedenen Blickwinkeln und z.T. in unterschiedlichen Diskurszusammenhängen, was wie darstellbar ist, z.B. welche Verkörperungen möglich sind, die ein Drittes zu Unsichtbarkeit oder re-normierender Sichtbarkeit bieten. Bilder wie Texte werden dabei als Teil sozialer Praxis verstanden: Uneindeutigkeiten sind daher nicht zuerst eine Eigenschaft des Artefakts, sondern ein Ergebnis von Lesarten. Allerdings zielen diese meist darauf ab, das Widerständige, Unzusammenhängende, Fragmentarische zu verhindern: durch vereindeutigende Sinnproduktion, also Kausalität, Linearität, Geschlossenheit und Reduktion durch binäre Logiken. Die Frage, was queere Kunst, queere Literatur ist und wie Veruneindeutigungen als Strategie gegen hierarchisierte Normbinaritäten (wie weiblich-männlich, homosexuell-heterosexuell) den BetrachterInnen und LeserInnen nahe gelegt werden können, ist damit allerdings nicht hinfällig.
All diese Fragen sind Gegenstand der Tagung „Queer Reading“. Die Möglichkeit Kunst und Wissenschaft gemeinsam nutzbar zu machen, ist der ideale Weg, um die je eigenen institutionellen und diskursiven Beschränkungen zu überwinden und neue Impulse für queere Theorien zu gewinnen.

Ausstellung

Die Ausstellung von Kunstwerken direkt am Veranstaltungsort bietet nicht nur die Gelegenheit, die aktuelle Produktion international renommierter sowie junger österreichischer KünstlerInnen zu präsentieren, sondern diese Arbeiten für die Auseinandersetzung mit dem Tagungsthema fruchtbar zu machen. Bilder, Videos, Texte umgeben die TeilnehmerInnen und werden Impuls für oder Beispiel in der gemeinsamen Diskussion.
Katrina Daschner, Ines Doujak, Mara Mattuschka, Nadja Boris Schefzig, Hans Scheirl, Sabine Sonnenschein, Jakob Lena Knebl, Sabine Schwaighofer, Gabriele Szekatsch haben zugesagt, Ihre Arbeiten zur Verfügung zu stellen.



Achtung: Folgeausstellung zu

"Queer Rrrr..."

"die queerulanten innen/außen"

 im Kunstraum 'auto'

5. Dez. -  19. Dez.

Geöffnet jeden Dienstag+Donnerstag 17h-20h

Löwengasse 7, 1030 Wien




 

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