| Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht |
Indigenous Legal StudiesKoordinator: ao.Univ.-Prof. Dr. René Kuppe "Indigenous law: The world is our classroom" Zum ThemaDieser Wahlfachkorb beschäftigt sich mit den Rechten indigener Völker (Ureinwohnervölker) und deren Bedeutung für die Ausgestaltung zukunftsweisender pluralistischer demokratischer Staatsformen. Die Rechtsordnungen vieler Staaten trugen zur kulturellen Marginalisierung und in der Folge zur sozialen Diskriminierung vieler ethnischer Minderheiten bei. Paradoxerweise hat die weitweite Bewegung indigener Völker in den letzen Jahren unter Berufung auf universelle Gleichheitsstandards diese kulturelle "Schieflage" des Rechts aufgegriffen und das Recht auf Andersartigkeit eingefordert. Der besondere intellektuelle Reiz der hier behandelten Rechtsfragen liegt darin, dass hier praktische Herausforderungen innerhalb weniger Jahre unmittelbar zum Entstehen eines neuen Rechtsgebietes geführt haben, welches in engem Bezug zu methodischen und theoretischen Grundsatzfragen der Rechtswissenschaften steht. Die Praxisnähe verleiht den hier behandelten theoretischen Fragen eine besondere Anschaulichkeit und Griffigkeit. Die eigentliche Bedeutung des indigenen Projekts liegt darin, dass es weit mehr Implikationen für die Ausgestaltung moderner pluriethnischer Demokratien besitzt als lediglich die eng verstandene Anerkennung "indigener Rechte". Zum InhaltSie reicht von Begründungsfragen von Staatlichkeit ("Sozialvertrag" von Individuen oder Gruppen?) über Aspekte der Anwendung intellektueller Eigentumsrechte auf gemeinschaftliches "traditionelles Wissen" bis hin zur Ausgestaltung rechtlicher Repräsentation ethnischer Gruppen oder interkultureller Deutung und Weiterentwicklung von Grund- und Menschenrechten. Der Wahlfachkorb betrifft eine Querschnittsmaterie; in vielen herkömmlichen Rechtsbereichen (von Wirtschaftsrecht bis zu Kulturrecht) werden neue Modelle kollektiver Freiheit und politischer Mitbestimmung ausgebildet, die die Ansätze Rahmen liberal-repräsentativer Demokratie erweitern. ZielgruppeDie Beschäftigung mit den Rechten indigener Völker bietet Orientierungswissen für das Verständnis breiterer juristischer Zusammenhänge. Wegen der vielfältigen Beeinflussungen des "mainstream"-Rechtes durch Rechtsfragen zu indigenen Völkern, aber auch wegen des hohen didaktischen Werts dieses Gebietes ist der Wahlfachkorb daher für eine breitere Zielgruppe von Studierenden der Rechtswissenschaften gut geeignet. Durch die Breitenwirkung der Rechte indigener Völker können viele Vertreter klassischer Juristenberufe, vor allem mit internationalen Tätigkeitsfeldern, mit hier behandelten Rechtsfragen konfrontiert werden. Für einen engeren Kreis von Studierenden der Rechtswissenschaften stellt der Wahlfachkorb eine Nischenausbildung für ein spezifisches Fachgebiet mit guten und attraktiven Einsatzmöglichkeiten, vor allem im internationalen Rahmen dar. Der Wahlfachkorb bietet eine systematische Vorbereitung für juristische und "policy"-Tätigkeiten bei internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen oder im Konsulenten- und Forschungsbereich im speziellen Umfeld zu Rechtsfragen zu indigenen Völkern. Es handelt sich um das einzige derartige akademische Ausbildungsangebot im kontinentaleuropäischen Raum. |