Friedhof und Grab

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Bernhard Scheid, „Friedhof und Grab.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 27.2.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag:Friedhof?oldid=35601

Wie im Zusammenhang mit den Totenriten besprochen, wird der Körper eines Ver­storbenen meist verbrannt. Seine Asche wird in einer Urne aufbewahrt und schließlich in einem Familien­grab (haka haka Grab) beigesetzt. Auf dem Grab­stein ist der Name der Familie deutlich ein­graviert, die übliche Aufschrift auf Gräbern lautet: „Grab mehrer Generationen der Familie XY“. Die individuellen Familien­mitglieder sind hingegen entweder gar nicht, oder nur an der Rück­seite des Grab­steins eingetragen. Darin liegt einer der Unter­schiede zwischen Grab­stein und ihai ihai 位牌 Ahnentäfelchensiehe auch Ahnenkult → Totenriten→ Totenriten/Sogiya→ Geister/Kaidan→ Jenseits/10 Koenige („Totentäfelchen“). Während ihai einem individuellen Ver­storbenen zugeordnet sind, repräsentieren Grab­steine in der Regel eine ganze Familie. Die Familien­zu­ge­hörig­keit folgt der männlichen Linie. Frauen werden daher meist im Familien­grab ihres Mannes beigesetzt.

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Traditionelle Gräber

Friedhof Yanaka, Tokyo
Bild © Jens Quade, fickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Friedhof in Tokyo

In Tokyo sind derartige Familiengräber meist etwas kleiner als ein durch­schnitt­liches europäisches Grab, ihre Anschaffung und Auf­recht­erhaltung bedeutet aber dennoch einen erheblichen Kosten­aufwand. Es gehört zu den traditionellen Pflichten des ältesten Sohnes, diese Kosten zu übernehmen. Dem ältesten Sohn (ev. Tochter) kommt auch die Leitung der familiären Trauer­feiern beim Tod der Eltern zu.

Grabbesuch

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Ähnlich wie in Europa dienen Gräber dem Gedenken an die Toten in Form von Fried­hofs­besuchen. Beim Grab­besuch (ohaka mairi (o)haka mairi (お)墓参り Grabbesuch) schmückt man das Grab mit Blumen und entzündet Räucher­stäbchen. Zuvor wird der Grab­stein rituell gereinigt, indem man ihn mit Wasser übergießt. Wieder sind es vor allem ältere Menschen, die die Pflege eines Familien­grabs übernehmen. Viele besuchen ihr Grab einmal pro Monat an einem bestimmten Tag, beispiels­weise dem Sterbe­tag ihres Vaters oder ihrer Mutter. Zumindest einmal im Jahr, nämlich zum Bon-Fest, dem Fest der Ahnen, sollte allerdings jeder sein Familien­grab aufsuchen.

Grabformen

Die Geschichte des japanischen Bestattungs­wesens ist äußerst wechselvoll. Auf alten Fried­höfen, beispiels­weise dem Oku-no-in auf Berg Kōya Kōya-san 高野山 Klosterberg südl. von → Nara; sprituelles Zentrum des → Shingon Buddhismussiehe auch Berg Koya → Bekannte Tempel→ Tempel/Tempeltore→ Bekannte Schreine/Nikko→ Jizo/Osorezan → mehr… , sieht man noch die ehemals verbreiteten Grab­steine in gorintō gorintō 五輪塔 Grabsteinform; „Stupa der Fünf Elemente“siehe auch→ Bekannte Tempel/Berg Koya→ Friedhof/Gorinto -Form, die sich als Abbilder von bud­dhis­tischen Stupas स्तूप stūpa (skt., m.) „Hügel“, Grabmonument; jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆siehe auch →  Stupa → Tempel/Pagoden→ Bekannte Schreine/Nikko→ Friedhof/Gorinto→ Shaka/Buddhas Leben → mehr… verstehen, also eigentlich nichts anderes sind als verkleinerte Grab­denk­mäler des Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Buddhismus→ Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Tempel→ Ikonographie → mehr… (s. Sidepage Gorintō).

Andererseits bezeichnet man auch die hölzernen Latten, die sich bisweilen als Grab­bei­gaben neben den Gräbern befinden, als sotoba sotoba 卒塔婆 hölzerne Grabbeigabe; „Stupa“ oder tōba, was wiederum von skt. stupa abgeleitet ist. Diese Latten tragen eine hand­geschriebene Inschrift, die u.a. den Toten­namen des Ver­storbenen oder den Namen eines Buddhas, etc. enthalten kann. Je nach bud­dhis­tischer Richtung können auch Sanskrit­zeichen auf dem Holz eingetragen sein. Diese Grab­bei­gaben haben im Grunde dieselbe Funktion wie der Grab­stein, allerdings sind sie natürlich nicht von so langer Dauer wie Stein­grab­mäler. Zumeist werden sie daher am Ende der Trauer­zeit vom Grab entfernt und ggf. anlässlich späterer Gedenk­feiern noch einmal aufgestellt. Der technische Fort­schritt hat im übrigen auch vor sotobas nicht Halt gemacht: Wie die Ab­bildung rechts zeigt, können sie heute bereits mit Hilfe eines Computers ausgedruckt werden.

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Grabbeigaben

Sotoba (Holz)

Die Schriftzeichen in stilisiertem Sanskrit symbolisieren die Fünf Elemente: Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde.

Sotoba
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Buddhistischer Mönch beim Bedrucken von sotoba-Latten

Bild © TTN. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dafür nimmt er einen Laptop und eines eigens für diesen Zweck bestimmten Printer zu Hilfe.

Sotoba Printer

Näheres zu den Jenseits­vor­stellungen, die natürlich bei der Gestaltung der Toten- und Be­gräbnis­riten eine wichtige Rolle spielen, findet man im Kapitel „Mythen“.

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