Friedhof und Grab

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Bernhard Scheid, „Friedhof und Grab.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 28.7.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Friedhof?oldid=52087X

Wie im Zusammenhang mit den Totenriten besprochen, wird der Körper eines Ver­storbenen meist ver­brannt. Seine Asche wird in einer Urne aufbewahrt und schließlich in einem Familien­grab (haka haka Grab) beigesetzt. Auf dem Grab­stein ist der Name der Familie deutlich ein­graviert, die übliche Aufschrift auf Gräbern lautet: „Grab mehrer Generationen der Familie XY“. Die individuellen Fa­mi­lien­mitglieder sind hin­ge­gen entweder gar nicht, oder nur an der Rück­sei­te des Grab­steins ein­ge­tra­gen. Darin liegt einer der Unter­schiede zwischen Grab­stein und ihai ihai 位牌 Ahnentäfelchensiehe auch Ahnenkult → Alltag/Totenriten→ Alltag/Totenriten/Sogiya→ Mythen/Geister/Kaidan→ Mythen/Jenseits/Totenreich („Totentäfelchen“). Während ihai einem in­di­vi­duellen Ver­storbenen zugeordnet sind, repräsentieren Grab­steine in der Regel eine ganze Familie. Die Fa­mi­lien­zu­ge­hörig­keit folgt der männ­lichen Linie. Frauen werden daher meist im Fa­mi­lien­grab ihres Mannes bei­ge­setzt.

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Traditionelle Gräber

Grab; Friedhof Yanaka, Tōkyō
Bild © Jens Quade, fickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Traditionelles Grab in Tōkyō.

Friedhof in Tōkyō

In Tōkyō sind derartige Fa­mi­lien­gräber meist etwas kleiner als ein durch­schnitt­liches europäisches Grab, ihre An­schaf­fung und Auf­recht­erhaltung bedeutet aber den­noch einen erheblichen Kosten­aufwand. Es gehört zu den tra­di­tionellen Pflichten des ältesten Sohnes, diese Kosten zu übernehmen. Dem ältesten Sohn (ev. Tochter) kommt auch die Leitung der familiären Trauer­feiern beim Tod der Eltern zu.

Grabbesuch

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Ähnlich wie in Europa dienen Gräber dem Gedenken an die Toten in Form von Fried­hofs­besuchen. Beim Grab­besuch (o-haka mairi (o)haka mairi (お)墓参り Grab- oder Friedhofsbesuch) schmückt man das Grab mit Blumen und entzündet Räucher­stäbchen. Zuvor wird der Grab­stein rituell gereinigt, indem man ihn mit Wasser übergießt. Wieder sind es vor allem ältere Menschen, die die Pflege eines Familien­grabs übernehmen. Viele besuchen ihr Grab einmal pro Monat an einem be­stimm­ten Tag, bei­spiels­weise dem Sterbe­tag ihres Vaters oder ihrer Mutter. Zumindest einmal im Jahr, nämlich zum Bon-Fest O-bon お盆 Bon-Fest, s. → Bonsiehe auch Jahr → Alltag/Totenriten , dem Fest der Ahnen, sollte allerdings jeder sein Familien­grab aufsuchen.

Grabformen

Die Geschichte des japanischen Bestattungs­wesens ist äußerst wechselvoll. Auf alten Fried­höfen, beispiels­weise dem Oku-no-in auf Berg Kōya Kōya-san 高野山 Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismussiehe auch Berg Koya → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko → mehr , sieht man noch die ehemals ver­brei­teten Grab­steine in gorintō gorintō 五輪塔 Grabsteinform; „Stupa der Fünf Elemente“siehe auch→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Alltag/Friedhof/Gorinto -Form, die sich als Ab­bilder von bud­dhis­tischen Stupas स्तूप stūpa (skt., m.) „Hügel“, Grabmonument; jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆siehe auch →  Stupa → Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Friedhof/Gorinto→ Ikonographie/Shaka/Buddhas Leben → mehr verstehen, also eigentlich nichts anderes sind als verkleinerte Grab­denk­mäler des Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr (s. Sidepage Gorintō).

An­de­rer­seits bezeichnet man auch die hölzernen Latten, die sich bisweilen als Grab­bei­gaben neben den Gräbern befinden, als sotoba sotoba 卒塔婆 heute: hölzerne Grabbeigabe; abg. von skt. stupa, eig. „Pagode“; in dieser Bedeutung wird sotoba jedoch auf das mittlere Zeichen 塔verkürzt; oder tōba, was wiederum von skt. stupa abgeleitet ist. Diese Latten tragen eine hand­ge­schrie­bene Inschrift, die u.a. den Toten­namen des Ver­stor­benen oder den Namen eines Buddhas, etc. ent­hal­ten kann. Je nach bud­dhis­tischer Richtung können auch Sanskrit­zeichen auf dem Holz ein­ge­tragen sein. Diese Grab­bei­gaben haben im Grunde dieselbe Funktion wie der Grab­stein, allerdings sind sie natürlich nicht von so langer Dauer wie Stein­grab­mäler. Zu­meist werden sie daher am Ende der Trauer­zeit vom Grab ent­fernt und ggf. anlässlich späterer Ge­denk­feiern noch einmal aufgestellt. Der technische Fort­schritt hat im übrigen auch vor sotobas nicht Halt gemacht: Wie die Ab­bil­dung rechts zeigt, können sie heute bereits mit Hilfe eines Computers ausgedruckt werden.

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Grabbeigaben

Sotoba (Holz)

Die Schriftzeichen in stilisiertem Sanskrit auf den sotoba symbolisieren die Fünf Elemente: Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde.

Sotoba
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Buddhistischer Mönch beim Bedrucken von sotoba-Latten

Bild © TTN. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dafür nimmt er einen Laptop und eines eigens für diesen Zweck bestimmten Printer zu Hilfe.

Sotoba Printer

Näheres zu den Jenseits­vor­stellungen, die natürlich bei der Gestaltung der Toten- und Be­gräb­nis­riten eine wichtige Rolle spielen, findet man im Kapitel „Mythen“.

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