Der shintoistische Hausschrein

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Bernhard Scheid, „Der shintoistische Hausschrein“ (Stand: 2013-01-19). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag:Kamidana?oldid=32979

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Amaterasu ofuda.jpg
o-fuda

Das shintoistische Gegenstück zum butsudan (butsudan 仏壇buddh. Hausaltar …mehr ⇒) ist der kamidana (kamidana 神棚shintoistischer Hausaltar ), der Hausschrein für die Kami (kami japanische Gottheit …mehr ⇒). Meist sind in einem solchen Miniatur­schrein ofuda (o-fuda お札Talisman in Gestalt eines symbolischen Zeichens, meist aus Papier …mehr ⇒) aufgestellt, das sind Papier­schildchen, die bestimmte kami repräsentieren. Kamidana bedeutet „Götter­regal“ — der Haus­schrein wird zumeist auf einem erhöhten Regal­brett (tana) aufgebaut. Kamidana sind zwar nicht ganz so häufig wie bud­dhis­tische Haus­altäre, in ländlicheren Gebieten, wo die Leute mehr Platz haben und über­haupt mehr für Religion und Tradition tun, sind sie jedoch meist ebenso häufig anzutreffen.

Schematische Darstellung

Kamidana.gif

Oft findet man das hier ab­ge­bilde­te Schema: In der Mitte ein ofuda von Amaterasu (Amaterasu 天照Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennō …mehr ⇒), bzw. Ise (Ise 伊勢Schreinanlage von Ise, Präfektur Mie …mehr ⇒), links die Gott­heit (bzw. der Schrein), mit der einen eine ganz be­son­dere, per­sön­liche Über­zeu­gung ver­bin­det, rechts die Gott­heit des lokalen Schreins (ujigami (ujigami 氏神Altertum: Klangottheit; heute: lokale Schutzgottheit )). Kamidana die­nen dem Ge­den­ken an diese Gott­heiten. Ihnen zu Ehren stellt man Opfer­ga­ben vor den Schrein, dem hier ab­ge­bilde­ten Vor­schlag ent­spre­chend Wasser, Reis und Salz. Da­rüber hin­aus kön­nen kamidana mit einem Götter­seil (shimenawa (shimenawa 注連縄Shintoistisches „Götter-Seil“ …mehr ⇒)) oder mit Zick­zack­papier (gohei (gohei 御幣Papieropfergabe, Zickzack-Papier …mehr ⇒)) ge­schmückt wer­den. Manche stellen auch einen kleinen runden Spiegel vor ihren Miniatur­schrein.

toro vase spiegel vase gohei
Ziergegenstände rund um kamidana:
Miniatur-Laterne, Miniaturvasen, Spiegel, gohei-Zickzack Papier (aus Metall)

Kamidana und Butsudan

Kamidana haben sich ebenso wie butsudan erst ab der Meiji (Meiji 明治posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt …mehr ⇒)-Zeit (1868–1912) landes­weit verbreitet. Zu dieser Zeit wurde die Bildung von Gläubigen­gemeinden (ujiko (ujiko 氏子(Mitglied einer) Schrein-Gemeinde )) um lokale Schreine stark forciert. Es gab und gibt auch Versuche, rund um die kamidana eine shin­to­is­tische Form der Ahnen­ver­ehrung zu ent­wickeln. Dem steht allerdings der weit ver­breitete Brauch entgegen, bei einem Todes­fall den shintoistischen Haus­altar mit weißen Tüchern zu verhängen, damit die Kami nicht mit der Un­rein­heit des Todes konfrontiert werden. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass zumindest das Be­gräbnis und davon abgeleitet der gesamte Bereich des Toten­kults eher als Domäne des Bud­dhis­mus als des Shinto angesehen wird. Shinto hat eine starke Tradition, alles was mit dem Tod zu tun hat, als unrein zu erachten und zu tabuisieren. Daher ist der butsudan bei weitem beliebter, wenn es um das Gedenken an die Toten und die Ahnen geht. Da dies, wie schon gesagt, der wichtigste Bereich häuslicher Religion ist, wird dem butsudan meist mehr Bedeutung beigemessen als dem kamidana.

kamidana
Kamidana mit shimenawa, Bild: Wikipedia 2005

Der Gebrauch von butsudan und kamidana kann auch als ein Indiz herangezogen werden, ob und wie sehr sich moderne Japaner zu den traditionellen Religionen Japans hingezogen fühlen. Jüngeren quantitativen Untersuchungen zufolge besitzen 40–50% aller japanischer Haushalte ein kamidana. 35% dieser kamidana werden von ihren Besitzern täglich mit Riten bedacht, während etwa 13% mehr oder weniger als Ziergegenstand ohne rituelle Bedeutung behandelt werden. Die Aufmerksamkeit gegenüber den buddhistischen Altären liegt im Vergleich dazu signifikant höher: 60–80% aller Haushalte besitzen demnach einen butsudan, 56% aller butsudan werden mindestens einmal täglich rituell bedacht, und nur knapp 2% erfahren keine rituelle Zuwendung.[1]

Anmerkungen

  1. Nach Michael Roemer, „Japanese Survey Data on Religious Attitudes, Beliefs, and Practices in the 21st Century“. In: John Nelson und Inken Prohl (Hg.), The Handbook of Contemporary Japanese Religions. Leiden: Brill (im Druck).
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