Ema — Ansichtskarten für die Götter

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Bernhard Scheid, „Ema — Ansichtskarten für die Götter“ (Stand: 2012-11-16). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag:Opfergaben/Ema?oldid=32789
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Schrein-ema mit dem klassischen Pferde-Motiv

Votivbild (Holz); aus dem Yoshitsune Schrein, Hokkaidō
Bild © Encyclopedia of Shinto, Shinto Museum of Kokugakuin University. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Ema mit Pferde-Motiv, 1712

Votivbild (Holz). Edo-Zeit, 1712; Aomori-ken; 19 x 22 cm 
Bild © The Japan Folk Crafts Museum, (Mingeikan), Tokyo, Meguro-ku. (Letzter Zugriff: 2012/9)

Die Beschriftung enthält das Jahr der Spende (Shōtoku 2 = 1712) und den Namen des Spenders: Nagahachi 長八, sowie am oberen Rand ein buddhistisches Zeichen in Siddham-Schrift. Möglicherweise handelt es sich um die Silbe KYA, die u.a. für Elfköpfiger Kannon oder eine Figur namens Memyō Bosatsu 馬鳴菩薩 steht (vgl. Tobi-Fudo). Letzterer wird häufig auf einem Pferd reitend dargestellt.

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Ema in einem Inari Schrein

Votivbild (Holz)
Bild © indulgence boy, flickr, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Ema des Dazaifu Tenmangū-Schrein

Votivbild (Holz); Kyushu
Bild © Tomo Yun, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Älteres ema für die Bitte um reiche Muttermilch

Votivbild (Holz). Frühes 20. Jh.
Bild © Fowler Museum at UCLA. (Letzter Zugriff: 2012/11)
Gift of Dr. Daniel C. Holtom

Das Bild stammt möglicherweise aus Sendai, wo bei einem Gingko Baum mit Brust-ähnlichen Formen um Muttermilch gebetet wurde.

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Neueres ema für die Bitte um reiche Muttermilch

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Großes ema des Chichibu Schreins im NW Tokyos

Bild © Lostintokyo, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Parodie auf die Drei Weisen Affen, die nicht hören, sehen und sprechen wollen. Hier heißt es „Schauen wir, hören wir, sprechen wir! - Die lebensfrohen Drei Affen“. Mehr dazu...

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Ema des Kanamara Schreins in Kawasaki

Votivbild (Holz)
Bild © deadhippo.com, 2005. (Letzter Zugriff: 2007/4)

Variation des Weise-Affen-Motivs im Dienst der Aidsprävention: „... transmit no evil, receive no evil.“ (Der erste Affe von links bedeckt sein Hinterteil, der zweite sein Geschlechtsteil.)
Der Kanamara Schrein bedeutet wtl. Schrein des Eisenpenis, was auf eine etwas bizarre Legende zurückgeht. Er wird heute gern von Homosexuellen aufgesucht und ist u.a. für seine Transvestiten Umzüge bekannt.

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Ema (ema 絵馬Votivbild; wtl. Bild-Pferd )-Täfelchen werden in den meisten bud­dhis­tischen Tempeln und shintoistischen Schreinen verkauft. Eine Seite der Tafeln ist mit einem vorgedruckten Motiv versehen, auf der anderen können die Gläubigen ihre eigenen Wünsche auf­schreiben. Zumeist gibt es vor Ort auch ein Gestell, um die beschrifteten ema auf­zu­hängen. Einige Tempel und Schreine besitzen noch die tra­di­tio­nellen Hallen für große, oft sehr präch­tigen Votiv­bilder, eine Praxis, die offenbar in der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit weit verbreitet war. Ob große Bilder oder kleine Täfelchen — stets waren ema mit konkreten Wünschen seitens der Gläubigen verbunden. Der etwas rätselhafte Begriff ema („Pferde­bild“) leitet sich wahrscheinlich von der alten Praxis her, Götter mit Pferden und später mit Bildern von Pferden zu beschenken. Nach Auf­fassung einiger Volkskundler spiegelt sich darin aber auch die Vor­stel­lung wider, das Pferd als Trans­port­tier par excellence möge die ent­sprech­enden Wünsche verläss­lich der Gottheit über­bringen.

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Ema, auch englisch beschriftet

Votivbild (Holz); Meiji-Schrein, Tokyo
Bild © Philip Cygan, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Wildschweinwächter und Riesen-ema mit Wildschweinmotiv

Votivbild (Holz)
Bild © VikingSlav, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Aufgenommen im Goō Jinja in Kyoto, in dessen Gründungslegende Wildschweine eine Rolle spielen.

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Ema mit Tiger-Motiv

Votivbild (Holz); Buddhistischer Tempel des Bishamonten in Kagurazaka, Tokyo
Bild © Bernhard Scheid, 2007
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ema mit Tengu-Motiv

Votivbild (Holz); Myogi Jinja, Gunma-ken
Bild © indulgence boy, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Neben einer Maske sind hier auch die für Tengu typischen einstegigen Geta-Sandalen zu erkennen.

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Beschriftete und unbeschriftete ema

Votivbild (Holz); Kasuga-Schrein, Nara
Bild © Brian Mcmorrow, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Ema der Yushima Seidō

Votivbild (Holz); Tokyo
Bild © Eckhart Derschmidt, 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Yushima Seidō ist eine Art konfuzianischer Andachtsstätte, die einzige dieser Art in Tokyo. Konfuzius wird hier als Gott der Gelehrsamkeit verehrt. Die ema stammen zum Großteil von Schülern und Studenten und beinhalten die Bitte um Erfolg bei der nächsten Prüfung. Sie tragen die Aufschrift gōkaku: „Bestanden“.

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Ema mit Manga-Motiv

Votivbild (Holz); Washinomiya Schrein, Saitama-ken (nördl. von Tokyo)
Bild © Muza-chan, 2009. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Fünfeckiges Manga-Ema vor einem traditionellen Ema-Motiv. Der Washinomiya Schrein, einer der ältesten Schreine der Kantō Region, erhielt neuen Zulauf, als er zum Spielort des populären Manga Lucky Star auserkoren wurde. Seither gibt es im Schrein auch Ema im Manga-Stil. Auf diesem ist zu lesen: „Ein Leben lang Otaku-krank.“

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Traditionelle Halle für Votivbilder (Gakudō)

Tempelhalle (Holz). 1861; Shinshō-ji (Narita-san), Narita, Chiba-ken
Bild © Toyko Views, flickr 2010. (Letzter Zugriff: 2011/8)
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Wunschmotive

Art und Inhalt der Beschriftung von ema variieren ebenso stark wie die Motive, mit denen sie geschmückt sind. Laut dem englischen Religions­anthropo­logen Ian Reader wird heute ein über­pro­por­tio­nal hoher Anteil von ema von Jungend­lichen und ins­besondere von Mädchen verfasst. Die häufigsten Wünsche beziehen sich auf schulischen Erfolg (Aufnahms­prüfungen), aber auch Themen wie Liebe und Heirat sind oft zu finden. Ältere Menschen thematisieren hingegen vor allem Ge­sund­heit und Geld­nöte. Auffallend ist laut Ian Reader, dass tiefer gehende religiöse Themen, etwa genereller Dank oder Lob an die Gottheiten völlig fehlen. Die japanische Redens­art „in schweren Zeiten wendet man sich den Göttern zu“ (kurushii toki no kamidanomi (kurushii toki no kamidanomi 苦しい時の神頼み„sich in Zeiten der Not an die Götter wenden“; jap. Redensart )), trifft also ganz besonders auf die Praxis der ema-Beschriftung zu. In vielen Fällen ist aber auch der „fun-Faktor“ der modernen ema nicht zu übersehen. In jüngster Zeit haben sich manche Schreine z.B. auf Manga-Fans (otaku) eingestellt und bieten ema mit Manga Motiven an.

Diese unbeschwert-legere Handhabung der ema ist offenbar ein verhältnis­mäßig junges Phänomen. So erschien in den 30er Jahren des zwanzigsten Jahr­hunderts ein Artikel des Shinto-Spezialisten Daniel Holtom über die ema des Hōzan-ji in Ikoma, einem Tempel zwischen Kyoto und Nara, der der ur­sprüng­lich indischen Gott­heit Shōten (aka. Kankiten) geweiht ist. Die meisten Täfelchen ent­hielten mit großem Ernst verfasste Gelübde von Männern, für eine bestimmte Zeit, ggf. auch für immer, ihren Ehe­frauen treu zu sein. Auch ein paar wenige ent­spre­chende Gelübde von Frauen sind dabei. Schließlich gibt es Gelübde, das Rauchen oder andere sinn­liche Genüsse aufzu­geben. In einer neueren Studie zu diesem Thema zeigt Ian Reader, dass die Abfassung von Gelübden eine an­sonsten eher un­typische Art der ema-Beschriftung ist, im Hōzan-ji aber auch fünfzig Jahre später, in den 80er Jahren des zwanzig­sten Jahr­hunderts noch vor­herrschte. Aller­dings nimmt das Thema eheliche Treue nur mehr einen geringen Prozent­satz der Gelübde ein.

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