Yamabushi

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Bernhard Scheid, „Yamabushi.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 28.2.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag:Yamabushi?oldid=35645

Yamabushi yamabushi 山伏 Bergasket, wtl. der in den Bergen schläftsiehe auch→ Schreine/Torii→ Pilgerschaft→ Matsuri→ Matsuri/Feuergang→ Moenche → mehr , wtl. „die in den Bergen schlafen“, bilden eine locker or­gani­sierte Kon­fö­dera­tion von Mön­chen und Laien­brüdern mit spe­ziel­len syn­kre­tis­ti­schen Riten. Man­che ihrer Prak­ti­ken las­sen sich höchst­wahr­schein­lich auf ein­heimi­sche, vor-bud­dhis­tische Berg­kulte zurück­führen, die meis­ten sind aber stark vom eso­te­ri­schen Bud­dhis­mus be­ein­flusst. Äu­ßer­lich er­kennt man die Berg­aske­ten an ihrer ei­gen­wil­ligen Mönchs­tracht, bei der als erstes die cha­rak­ter­is­tische, in die Stirn ge­rückte Kopf­be­deckung ins Auge fällt. Darüber hi­naus tragen viele eine bud­dhis­tische Stola (kesa kesa 袈裟 Mönchsumhang, buddhistische „Stola“siehe auch Moenche → Moenche/Moenchstracht→ Moenche/Wuerdentraeger→ Fruehzeit/Shotoku Taishi ) mit dicken Bom­meln und ein Muschel­horn, das einen dump­fen, kla­gen­den Ton von sich gibt.

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Älterer Yamabushi

Kyoto
Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2014/2)
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Yamabushi-Prozession im Mibudera

Kyoto
Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2011/7)
. 1 . 2 Yamabushi in Kyoto

Shugendō

Der Orden der yamabushi nennt sich genau genommen Shugendō Shugendō 修験道 Bergkult, Orden der yamabushisiehe auch→ Bekannte Schreine/Nikko→ Tengu→ Heilige und führt sich auf En no Gyōja En no Gyōja 役行者 Legendärer Begründer des Shugendō (um 700); auch: En no Ozunu/Ozunosiehe auch→ Yamabushi/En no Gyoja→ Heilige , einen legenden­um­wo­benen Asketen und Magier aus der Asuka Asuka jidai 飛鳥時代 Asuka Zeit, 587–710, benannt nach den Residenzen der Soga in der Asuka Regionsiehe auch Frühzeit → Fruehzeit→ Geschichtsperioden - und frühen Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Geschichtsperioden → Bekannte Tempel→ Tempel→ Tempel/Tempeltore→ Ise Izumo→ Bekannte Schreine/Kasuga → mehr -Zeit (um 700) zurück. In seiner Ent­steh­ungs­zeit war der Orden auf die Berge der Halb­insel Kii, südlich von Nara be­schränkt, breitete sich aber mit der Zeit in ganz Japan aus. Manche yamabushi-Gruppen schlossen sich formal dem Shingon Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Tempel/Tempeltore→ Tempel/Pagoden → mehr -, andere dem Tendai Tendai-shū 天台宗 Tendai Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bekannte Tempel→ Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bekannte Schreine/Nikko→ Shaka → mehr -Bud­dhis­mus an. In jedem Fall war der Einfluss esoterisch-bud­dhis­tischer Riten, vor allem aber der Feuer­kulte des Fudō Myōō Fudō Myōō 不動明王 prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“siehe auch Fudo → Ikonographie→ Matsuri/Feuergang→ Yamabushi/En no Gyoja→ Myoo → mehr deutlich erkennbar. Da die yamabushi aber auch Schreine für ein­heimische Berg­gott­heiten unterhielten, entstand eine untrennbare Mischung aus Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Buddhismus→ Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Tempel→ Ikonographie → mehr - und Kami kami japanische Gottheitsiehe auch Shinto → Buddhismus Lehre→ Schreine→ Weltbild→ Ikonographie→ Omairi → mehr -Kulten.

Unter dem Einfluss des Staatsshinto wurde die Tradition des Shugendō in der Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Shinto→ Shinto/Jindo→ Jahr→ Matsuri→ Familie → mehr -Zeit verboten, lebt allerdings in jüngerer Zeit in zahl­reichen ehemaligen Zentren des Berg­asketen­tums (Kumano oder Yoshino auf der Halb­insel Kii, Berg Takao bei Tokyo, Berg Haguro in Nordjapan) erneut wieder auf.

Asketische und magische Riten

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Yamabushi beim Beten

Bild © Wada Yoshio, 18.2.2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Unter einem Wasserfall im winterlichen Niigata, tief in den japanischen Alpen.

. 3 Beten unter eiskaltem Wasserfall
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Feuergang

Yamabushi Zeremonie; Berg Takao
Bild © Wada Yoshio, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Nachdem die Flammen großteils verlöscht sind, bahnen sich die erfahrenen Mönche mit Hilfe von Salz einen Weg durch die Glut. Die Schuhe haben sie natürlich abgelegt.

. 4 Feuergang

Die Riten der yamabushi haben zumeist einen ausgeprägt körper­lichen, oft beinahe sport­lichen Aspekt: es geht um die Über­windung von Angst, Schmerzen und physischer Erschöpfung, also in erster Linie um die Aus­lotung körperlicher Grenzen. Goma goma 護摩 buddh. Feuerritus, skt. Homa-Riten, bei denen zu Ehren des Fudō Myōō ein Feuer entzündet und ein bloß­füßiger Gang durch die glühende Asche ver­anstaltet wird, zählen zu den typischen Ak­ti­vi­tä­ten der yamabushi, aber auch das Beten unter eiskalten Wasserfällen.

Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass den yamabushi, ähnlich wie den indischen Yogis, in früherer Zeit magische oder paranormale Fähig­keiten nachgesagt wurden, z.B. die Kunst des Fliegens. Sie waren eng mit den tengu tengu 天狗 Tengu, eine Art Kobold, meist in den Bergensiehe auch Tengu und Oni → Goetter der Erde→ Tengu→ Imaginaere Tiere→ Tengu/Tengu Motive → mehr assoziiert, jenen un­heim­lichen Kobolden, die ihrerseits meist in der Ordens­tracht der yamabushi dargestellt werden. Die grund­sätzlich ambivalente Haltung gegen­über den Tengu, die in Sagen und Legenden sowohl als un­heil­volle Böse­wichte als auch als tapfere Schwert­meister auftreten, scheint zugleich die traditionelle Haltung gegen­über den yamabushi aus­zu­drücken: sie waren einerseits wegen ihrer magischen Fähig­keiten gefürchtet, konnten anderer­seits aber als Berg­führer und in kriegerischen Zeiten als Elite­kämpfer durchaus von Nutzen sein.

Heute haben viele yamabushi Veranstaltungen einen exotisch-touristischen Aspekt, in entlegeneren Gegenden werden aber auch traditionelle, mit echter körperlicher Heraus­forderung verbundene Riten erneut wieder­belebt. Auch in Europa haben sich unter den zahl­reichen asiatischen Kampf­sport­arten Richtungen etabliert, die mit dem Shugendō in Verbindung stehen.

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Yamabushi auf Spendensammlung

Bild © Wada Yoshio, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Vor dem Kinpusen-ji in Yoshino, einem religiösen Zentrum in den Bergen südlich von Nara, das u.a. auch für den Shugendō (den Glauben der yamabushi) bedeutend ist. (Der yamabushi im Vordergrund rechts ist im übrigen ein Westler!)

. 5 Yamabushi in Yoshino

Verweise

Bilderläuterungen

  1. Yamabushi kyoto2 staud.jpg

    Älterer Yamabushi

    Kyoto
    Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2014/2)
  2. Yamabushi kyoto staud.jpg

    Yamabushi-Prozession im Mibudera

    Kyoto
    Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  3. Takishugyo.jpg

    Yamabushi beim Beten

    Bild © Wada Yoshio, 18.2.2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Unter einem Wasserfall im winterlichen Niigata, tief in den japanischen Alpen.

  4. Yamabushi takao wada5m.jpg

    Feuergang

    Yamabushi Zeremonie; Berg Takao
    Bild © Wada Yoshio, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Nachdem die Flammen großteils verlöscht sind, bahnen sich die erfahrenen Mönche mit Hilfe von Salz einen Weg durch die Glut. Die Schuhe haben sie natürlich abgelegt.

  5. Yamabushi yoshino2.jpg

    Yamabushi auf Spendensammlung

    Bild © Wada Yoshio, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Vor dem Kinpusen-ji in Yoshino, einem religiösen Zentrum in den Bergen südlich von Nara, das u.a. auch für den Shugendō (den Glauben der yamabushi) bedeutend ist. (Der yamabushi im Vordergrund rechts ist im übrigen ein Westler!)

Links und Literatur

Royall Tyler und Paul Swanson (Hg.) 1989
Shugendo and Mountain Religion in Japan. Japanese Journal of Religious Studies 16/2-3 1989. [Sondernummer des JJRS.]
  • Shiozawa seppu matsuri Wada Yoshio (jap.)
    Dokumentation eines winterlichen Wasser­fall-Rituals der yamabushi am Fuße des Makihata-yama in den japanischen Alpen. Auf der Website des Foto­grafen und Amateur­volks­kundlers Wada Yoshio finden sich noch etliche weitere Dokumentationen von Shugendō-Riten.
  • Shugendo Mark Schumacher
    Besonders umfangreiche Seite aus Marks umfangreichen Online-Lexikon.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
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