Yamabushi

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Bernhard Scheid, „Yamabushi.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 28.7.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag/Yamabushi?oldid=52095X

Yamabushi yamabushi 山伏 Bergasket, wtl. der in den Bergen schläftsiehe auch→ Bauten/Schreine/Torii→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Matsuri→ Alltag/Matsuri/Feuergang→ Alltag/Moenche → mehr , wtl. „die in den Bergen schlafen“, bilden eine locker or­gani­sierte Kon­fö­dera­tion von Mön­chen und Laien­brüdern mit spe­ziel­len syn­kre­tis­ti­schen Riten. Man­che ihrer Prak­ti­ken las­sen sich höchst­wahr­schein­lich auf ein­heimi­sche, vor-bud­dhis­tische Berg­kulte zurück­führen, die meis­ten sind aber stark vom eso­te­ri­schen Bud­dhis­mus be­ein­flusst. Äu­ßer­lich er­kennt man die Berg­aske­ten an ihrer ei­gen­wil­ligen Mönchs­tracht, bei der als erstes die cha­rak­ter­is­tische, in die Stirn ge­rückte Kopf­be­deckung ins Auge fällt. Darüber hi­naus tragen viele eine bud­dhis­tische Stola (kesa kesa 袈裟 äußerstes Gewand der buddh. Mönchstracht, variiert zwischen einem breiten Wickeltuch und einer dünnen Stola. Besteht der Theorie nach aus Flicken.siehe auch Moenche → Alltag/Moenche/Moenchstracht→ Alltag/Moenche/Wuerdentraeger→ Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi ) mit dicken Bom­meln und ein Muschel­horn, das einen dump­fen, kla­gen­den Ton von sich gibt.

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Älterer Yamabushi

Kyoto
Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2014/2)
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Yamabushi-Prozession im Mibudera

Kyoto
Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2011/7)
. 1 . 2 Yamabushi in Kyōto

Shugendō

Der Orden der yamabushi nennt sich genau ge­nom­men Shugendō Shugendō 修験道 Bergkult, Orden der yamabushisiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Mythen/Tengu→ Ikonographie/Heilige→ Geschichte/Staatsshinto/Shinbutsu bunri und führt sich auf En no Gyōja En no Gyōja 役行者 Legendärer Begründer des Shugendō (um 700); auch: En no Ozunu/Ozunosiehe auch→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Heilige , einen legenden­um­wo­benen Asketen und Magier aus der Asuka Asuka 飛鳥 Asuka Region im Süden des Yamato-Beckens (Nara), wo sich in der Frühzeit die Residenzen der Soga befandensiehe auch Fruehzeit → Geschichtsperioden - und frühen Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga → mehr -Zeit (um 700) zurück. Organisierte Bergasketen tauchen allerdings erst in der Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Alltag/Opfergaben→ Ikonographie/Kannon → mehr -Zeit in den Quellen auf und dürften mit dem damaligen Pilgerwesen auf der Halb­insel Kii, südlich von Nara zusammenhängen. Erst nach und nach breitete sich der Orden in ganz Japan aus. Manche yamabushi-Gruppen schlossen sich formal dem Shingon Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Tempel/Pagoden → mehr -, andere dem Tendai Tendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko → mehr -Bud­dhis­mus an. In jedem Fall war der Einfluss esoterisch-bud­dhis­tischer Riten, vor allem aber der Feuer­kulte des Fudō Myōō Fudō Myōō 不動明王 prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“siehe auch Fudo → Ikonographie→ Alltag/Matsuri/Feuergang→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Myoo → mehr beträchtlich. Da die yamabushi aber auch Schreine für ein­heimische Berg­gott­heiten un­ter­hielten, entstand eine un­trenn­bare Mischung aus Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr - und kami kami japanische Gottheitsiehe auch Shinto → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie→ Alltag/Omairi → mehr -Kulten.

Unter dem Einfluss des Staatsshintō wurde die Tradition des Shugendō in der Meiji Meiji 明治 posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benanntsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Alltag/Jahr→ Alltag/Matsuri→ Alltag/Familie → mehr -Zeit verboten, lebt allerdings in jüngerer Zeit in zahl­reichen ehemaligen Zentren des Berg­asketen­tums (Kumano oder Yoshino auf der Halb­insel Kii, Berg Takao bei Tōkyō, Berg Haguro in Nordjapan) erneut wieder auf.

Asketische und magische Riten

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Yamabushi beim Beten

Bild © Wada Yoshio, 18.2.2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Bergasket (yamabushi) beim takigyō unter einem Wasserfall im winterlichen Niigata, tief in den japanischen Alpen.

. 3 Beten unter eiskaltem Wasserfall
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Feuergang

Yamabushi Zeremonie; Berg Takao
Bild © Wada Yoshio, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Nachdem die Flammen großteils verlöscht sind, bahnen sich die erfahrenen Mönche mit Hilfe von Salz einen Weg durch die Glut. Die Schuhe haben sie natürlich abgelegt.

. 4 Feuergang

Die Riten der yamabushi haben zumeist einen ausgeprägt körper­lichen, oft beinahe sport­lichen Aspekt: es geht um die Über­win­dung von Angst, Schmerzen und physischer Erschöpfung, also in erster Linie um die Aus­lotung kör­per­licher Grenzen. Goma goma 護摩 buddh. Feuerritus, skt. Homa-Riten, bei denen zu Ehren des Fudō Myōō Fudō Myōō 不動明王 prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“siehe auch Fudo → Ikonographie→ Alltag/Matsuri/Feuergang→ Alltag/Yamabushi/En no Gyoja→ Ikonographie/Myoo → mehr ein Feuer entzündet und ein bloß­füßiger Gang durch die glühende Asche ver­an­stal­tet wird, zählen zu den typischen Ak­ti­vi­tä­ten der yamabushi, aber auch das Beten unter eiskalten Wasserfällen (takigyō takigyō 滝行 Beten unter einem Wasserfall; asketische Übung der yamabushi).

Es ist daher nicht weiter ver­wun­der­lich, dass den yamabushi, ähnlich wie den indischen Yogis, in früherer Zeit magische oder para­nor­male Fähig­keiten nachgesagt wurden, z.B. die Kunst des Fliegens. Sie waren eng mit den tengu tengu 天狗 vogelartiger oder geflügelter Kobold, meist in den Bergensiehe auch Tengu → Alltag/Matsuri/Phalluskulte→ Mythen/Goetter der Erde→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Mythen/Tengu/Tengu Motive → mehr assoziiert, jenen un­heim­lichen Kobolden, die ihrerseits meist in der Ordens­tracht der yamabushi dargestellt werden. Die grund­sätzlich am­bi­va­lente Haltung gegen­über den Tengu, die in Sagen und Legenden sowohl als un­heil­volle Böse­wichte als auch als tapfere Schwert­meister auftreten, scheint zugleich die traditionelle Haltung gegen­über den yamabushi aus­zu­drücken: sie waren einerseits wegen ihrer magischen Fähig­keiten gefürchtet, konnten anderer­seits aber als Berg­führer und in krie­gerischen Zeiten als Elite­kämpfer durchaus von Nutzen sein.

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Yamabushi auf Spendensammlung

Bild © Wada Yoshio, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Vor dem Kinpusen-ji in Yoshino, einem religiösen Zentrum in den Bergen südlich von Nara, das u.a. auch für den Shugendō (den Glauben der yamabushi) bedeutend ist. (Der yamabushi im Vordergrund rechts ist im übrigen ein Westler!)

. 5 Yamabushi in Yoshino

Heute haben viele yamabushi Ver­an­stal­tungen einen exotisch-touristischen Aspekt, in entlegeneren Gegenden werden aber auch traditionelle, mit echter körperlicher Heraus­forderung verbundene Riten erneut wieder­belebt. Auch in Europa haben sich unter den zahl­reichen asiatischen Kampf­sport­arten Richtungen etabliert, die mit dem Shugendō in Verbindung stehen.

Shamanismus

Yamabushi werden auch mit dem Sha­ma­nis­mus in Ver­bin­dung gebracht und waren vor allem in vor­mo­der­ner Zeit auf Ge­bie­ten wie Geis­ter­aus­trei­bung oder Wet­ter­vor­her­sage tätig, die man im weitesten Sinne als „sha­ma­nis­tisch“ bezeichnen könnte. Der größte Teil dessen, was man mit Sha­ma­nismus verbindet, nämlich die Kom­mu­ni­kation mit der Welt der Geister, wurde und wird in Japan jedoch von Frauen übernommen. Noch heute gibt es or­ga­ni­sierte Geisterbeschwörerinnen, die sich itako itako イタコ blinde Priesterin oder Shamanin; früher auch ichiko 市子siehe auch Itako → Grundbegriffe/Shinto→ Alltag/Schreinpriester→ Mythen/Geister nennen und vor allem in Nord-Japan zu finden sind. In der Regel handelt es sich um seh­be­hin­derte Frauen. Die Edo-zeitlichen Vorfahrinnen der itako kooperierten eng mit den yamabushi, nicht selten waren sie auch verheiratet.

Verweise

Bilderläuterungen

  1. Yamabushi kyoto2 staud.jpg

    Älterer Yamabushi

    Kyoto
    Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2014/2)
  2. Yamabushi kyoto staud.jpg

    Yamabushi-Prozession im Mibudera

    Kyoto
    Bild © Frantisek Staud, 1999. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  3. Takishugyo.jpg

    Yamabushi beim Beten

    Bild © Wada Yoshio, 18.2.2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Bergasket (yamabushi) beim takigyō unter einem Wasserfall im winterlichen Niigata, tief in den japanischen Alpen.

  4. Yamabushi takao wada5m.jpg

    Feuergang

    Yamabushi Zeremonie; Berg Takao
    Bild © Wada Yoshio, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Nachdem die Flammen großteils verlöscht sind, bahnen sich die erfahrenen Mönche mit Hilfe von Salz einen Weg durch die Glut. Die Schuhe haben sie natürlich abgelegt.

  5. Yamabushi yoshino2.jpg

    Yamabushi auf Spendensammlung

    Bild © Wada Yoshio, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Vor dem Kinpusen-ji in Yoshino, einem religiösen Zentrum in den Bergen südlich von Nara, das u.a. auch für den Shugendō (den Glauben der yamabushi) bedeutend ist. (Der yamabushi im Vordergrund rechts ist im übrigen ein Westler!)

Links

  • Shiozawa seppu matsuri Wada Yoshio (jap.)
    Dokumentation eines winterlichen Wasser­fall-Rituals der yamabushi am Fuße des Makihata-yama in den japanischen Alpen. Auf der Website des Foto­grafen und Amateur­volks­kundlers Wada Yoshio finden sich noch etliche weitere Dokumentationen von Shugendō-Riten.
  • Shugendo Mark Schumacher
    Besonders umfangreiche Seite aus Marks umfangreichen Online-Lexikon.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Juli 2015

Literatur

Royall Tyler und Paul Swanson (Hg.) 1989
Shugendo and Mountain Religion in Japan. Japanese Journal of Religious Studies 16/2-3 1989. [Sondernummer des JJRS.]
Ende des Kapitels „Religion und Alltag“
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