Die En no Gyōja Legende

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Bernhard Scheid, „Die En no Gyōja Legende.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 6.1.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Alltag:Yamabushi/En_no_Gyoja?oldid=35240
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En no Gyōja

Statue (Holz) von Keishun. 1286; im Besitz des Nara National Museums
Bildquelle: Yukawaya. (Letzter Zugriff: 2011/7)
. 1 En no Gyōja
Statue von Keishun, 1286

En no Ozunu/ Ozuno 役小角, der später den Beinamen En no Gyōja (En no Gyōja 役行者Legendärer Begründer des Shugendō (um 700); auch: En no Ozunu/Ozuno …mehr ⇒) (En, der Asket) erhielt, galt zu Leb­zeiten (um 700) wohl noch nicht als der über jeden Zweifel erha­bene Heilige und Or­dens­grün­der, als der er später von den Berg­aske­ten (yamabushi (yamabushi 山伏Bergasket, wtl. der in den Bergen schläft …mehr ⇒)) ver­ehrt wurde. In frühen Berich­ten wird er oft als ubasoku, dh. als nicht offi­ziell ge­weih­ter bzw. selbst­er­nann­ter bud­dhis­tischer Mönch be­zeich­net. Das bedeu­tet, dass er zu Leb­zeiten ledig­lich eine Außen­seiter­posi­tion inner­halb der bud­dhis­tischen Mönchs­schaft inne hatte.1

Eines der weni­gen histo­risch ver­brief­ten Ele­mente aus der Bio­gra­phie des En no Gyōja ist denn auch seine Ver­ban­nung. Sie könnte letztlich auf den Um­stand zurück­zu­füh­ren sein, dass man von der­arti­gen selbst­er­nann­ten „heiligen Män­nern“, die sich der Kon­trolle der Obrig­kei­ten ent­zie­hen, un­heil­volle Ein­flüs­se auf die Unter­tanen des jungen Tennō (Tennō 天皇jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels …mehr ⇒)-Staates befürchtete.

En taucht erstmals in der zweiten offiziellen Reichs­chronik Shoku nihongi (Shoku nihongi 続日本紀2. offizielle Reichschronik (797), Nachfolger des → Nihon shoki (Nihongi), daher der Name „Fortsetzung des Nihongi) (797) auf und wird dort als E no Kimi Ozunu bezeichnet. Er lebt in der Zeit des Monmu Tennō (r. 697–707) als Ein­siedler auf Berg Katsuragi (Katsuragisan 葛城山Heiliger Berg der → Yamabushi, südwestl. von Nara ) im Süd­westen des Nara Beckens und ist für seine magi­schen Fähig­keiten bekannt. Ein Hof­beamter und Mediziner nimmt eine Zeit lang bei ihm Unter­richt, schließ­lich klagt er aber seinen Meister an, ver­schwöre­rische Umtriebe zu planen, worauf En in die Ver­ban­nung nach Izu geschickt wird. Soweit die Fakten, die heute als glaub­würdig einge­stuft werden. Das Shoku nihongi fügt aller­dings noch hinzu, dass En Götter und Dämonen durch magi­sche Sprüche dazu brachte, für ihn Wasser und Feuer­holz einzu­holen, und sie durch Bann­sprüche fesselte, wenn sie ihm nicht gehorchten.

Fast zeitgleich mit dem Shoku nihongi berichtet die buddhistische Legenden­sammlung Nihon ryōiki (Nihon ryōiki 日本霊異記„Wunder­same Bege­ben­heiten aus Japan“; buddhistische Legendensammlung von Kyōkai (Anfang 9. Jh.) …mehr ⇒) (frühes 9. Jh.) von E no Ubasoku. Hier wird genauer auf die magischen Fähig­keiten des Asketen einge­gangen, die zwar stark an dao­istische Legen­den erinnern, in diesem Text aber seiner Kenn­tnis bes­timm­ter magischer Formeln aus dem Bud­dhis­mus zuge­schrie­ben werden.2 Aus diesen Anfängen entstand im Laufe der Jahr­hunderte eine kom­plexe Erzäh­lung mit viel­fachen Varianten, die folgende Haupt­motive3 beinhaltet:

  • En lebt auf dem Berg Katsuragi und durchstreift von dort aus das Bergland von Yoshino und Ōmine (die späteren Zentren der yamabushi).
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En no Gyōja und das Skelett

Bildrolle, emaki (Papier, Farbe), Detail. Muromachi Zeit, 1531; aus Taimadera engi, Rolle 1; Taima-dera, Nara-ken (heute Nara Ntl. Museum); Höhe: 35 cm
Bildquelle: Taima-dera, gokuraku jōdo e no akogare (Ausstellungskatalog). Nara National Museum 2013, Abb. 11, S. 45

En no Gyōja findet im Ōmine Gebirge ein Skelett, dass ein Vajra fest umklammert. Abbildung aus einer illustrierten Ursprungslegende des Taima-dera, der únweit des Berges Katsuragi errichtet wurde, wo En seine spirituelle Basis errichtete. Der Legende nach soll En dem Bau des Tempels ausdrücklich zugestimmt haben.

. 2 En entdeckt ein Skelett
  • Auf Berg Katsuragi hat En eine magische Begegnung mit einem Skelett, das einen Vajra fest umklammert hält und sich als Ens eigener Leich­nam aus einer früheren Existenz heraus­stellt. Miroku (Miroku 弥勒Bodhisattva Maitreya, „Buddha der Zukunft“ …mehr ⇒) (Maitreya (मैत्रेयMaitreya (skt., m.)„Der Freundliche, der Liebevolle“, Buddha der Zukunft …mehr ⇒) ), der Buddha der Zukunft, offenbart En das „Mantra des Pfauen-Königs (Kujaku Myōō)“, um den vajra (वज्रvajra (skt., m.)„Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus …mehr ⇒) aus der Um­klamme­rung des Skeletts zu lösen. Neben­bei erlernt En damit auch die Kunst des Fliegens.
  • En entdeckt den Berg Kinpusen (Kinpusen 金峯山Heiliger Gipfel in den Bergen von Yoshino, südl. von Nara ) (Goldgipfel), der eigentlich ein Teil des Geier­berges (Grdhrakuta (गृध्रकूटGṛdhrakūṭa (skt., m.)„Geiergipfel“, indischer Berg, auf dem Buddha predigte ) ) in Indien ist, wo Buddha Shakyamuni einst das Lotos Sutra predigte, der aber im Jahr 552(!) nach Japan geflogen kam. Auf dem Kinpusen offenbart sich En der furcht­ein­flößende Zaō Gongen (Zaō Gongen 蔵王権現synkretistische Gottheit der → Yamabushi ) (neben Fudō Myōō (Fudō Myōō 不動明王prominentester japanischer Myōō (Mantra-König), wtl. „der Unbewegliche“ …mehr ⇒) einer der Haupt­gott­heiten des Shugendō), den En als persönlichen Schutz­gott annimmt.
  • En plant mit Hilfe einer lokalen Gottheit seines Heimat­berges Katsuragi — Hitokoto­nushi (wtl. Herr oder Herrin4 des einen Wortes) — eine Brücke vom Katsuragi-Gipfel zum Kinpusen zu bauen. Die Gottheit verweigert ihm allerdings den Gehorsam, worauf En sie mithilfe magischer Sprüche fesselt und tief in einem Berg­tal ein­kerkert. Es gelingt der Gottheit allerdings, En no Gyōja zu verleumden, indem sie sich durch ein Medium am Hof des Tenno Gehör verschafft.
  • En wird daraufhin nach Izu, einer Halb­insel nahe des Berges Fuji, verbannt (nachdem seine Mutter in Geisel­haft genommen wurde, um seiner hab­haft zu werden). Nach einer Reihe von Wundern wird klar, dass die Ver­bannung zu Unrecht erfolgte, doch En hat nun mit Japan nichts mehr am Hut und fliegt nach Korea.
  • In Korea gibt sich En einem Mönch, der zu Studien­zwecken nach China reist, zu erkennen, indem er ihn auf Japanisch anspricht.
  • Schließlich erhält En vom großen indischen Mönch Nagarjuna (नागार्जुनNāgārjuna (skt., m.)legendärer Begründer des Mahāyāna-Buddhismus ) das Wasser der Reinen Erkenntnis und verwandelt sich in ein himmlisches Wesen. Er tritt nur noch vereinzelt in Japan auf, wenn jemand versucht, seinen Gegen­spieler Hitokotonushi von den magischen Bann­sprüchen zu befreien, mit denen En ihn fesselte.
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En no Gyōja auf dem Berg Fuji

Buchillustration von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit, 1834; aus der Serie Hundert Ansichten des Fuji, Band 1
Bild © visipix. (Letzter Zugriff: 2011/7)
. 4 En no Gyōja auf dem Berg Fuji (Katsushika Hokusai, 1834)


Verweise

Fußnoten

  1. Im übrigen deutet vieles in Ens frühen Heiligenlegenden darauf hin, dass er eher als Heiliger im Sinne eines daoistischen Unsterblichen denn als erleuchteter Buddhist angesehen werden muss.
  2. Für eine genaue Auseinander­setzung mit dieser Geschichte s. Nihon Ryo-Wiki, Erzählung I-28
  3. Zusammengefasst nach En no gyōja Nara ehon in der Übersetzung von Royall Tyler (Tyler 1987)
  4. Laut Kennan (1999, S. 347) wird Hitokotonushi in späteren Legenden als weibliche Gottheit ausgewiesen. Auch sonst sind japanische Berggottheiten üblicherweise weiblich.

Bilderläuterungen

  1. Ennogyoja keishun.jpg

    En no Gyōja

    Statue (Holz) von Keishun. 1286; im Besitz des Nara National Museums
    Bildquelle: Yukawaya. (Letzter Zugriff: 2011/7)
  2. Ennogyoja skelett.jpg

    En no Gyōja und das Skelett

    Bildrolle, emaki (Papier, Farbe), Detail. Muromachi Zeit, 1531; aus Taimadera engi, Rolle 1; Taima-dera, Nara-ken (heute Nara Ntl. Museum); Höhe: 35 cm
    Bildquelle: Taima-dera, gokuraku jōdo e no akogare (Ausstellungskatalog). Nara National Museum 2013, Abb. 11, S. 45

    En no Gyōja findet im Ōmine Gebirge ein Skelett, dass ein Vajra fest umklammert. Abbildung aus einer illustrierten Ursprungslegende des Taima-dera, der únweit des Berges Katsuragi errichtet wurde, wo En seine spirituelle Basis errichtete. Der Legende nach soll En dem Bau des Tempels ausdrücklich zugestimmt haben.

  3. Zao gongen.jpg

    Zaō Gongen

    Statue (Bronze). Heian Zeit; Höhe: 34.6 cm
    Bild © Metropolitan Museum of Art. (Letzter Zugriff: 2011/7)
    Harry G. C. Packard Collection of Asian Art

    Zaō Gongen ist eine der Hauptgottheiten der yamabushi. Seinem Titel (gongen) nach ist er ein einheimischer Kami, er trägt jedoch die Züge eines buddhistischen Myōō. Ursprünglich hielt er wohl einen Vajra, also ein buddhistisches Ritualinstrument, in der Hand.

  4. Ennogyoja hokusai.jpg

    En no Gyōja auf dem Berg Fuji

    Buchillustration von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit, 1834; aus der Serie Hundert Ansichten des Fuji, Band 1
    Bild © visipix. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Weiterführende Informationen

  • Royall Tyler (Ü.) 1987
    „The wizard in the mountains.“ In: Royall Tyler (Hg.), Japanese Tales. New York: Pantheon Books, S. 127-130.
  • Linda Klepinger Keenan 1999
    „En the Ascetic.“ In: George Tanabe (Hg.), Religions of Japan in Practice. Princeton: Princeton University Press, S. 343-353.
  • Die Pfauenkönigs-Mantra-Weise übend..., Hermann Bohner
    Übersetzung und Materialien der Gyōja-Legende aus dem Nihon Ryōiki, Buch 1, Erzählung 28 (unter Verwendung Bohners Studie aus dem Jahr 1934, für das Internet aufbereitet von Adi Meyerhofer). [Über Internet Archive, 2010/8]
  • Shugendo Mark Schumacher
    Umfangreiche Hintergrundinformationen und Links zu weiteren Quellen.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
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