Torii: Markenzeichen der Kami

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Bernhard Scheid, „Torii: Markenzeichen der Kami.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.8.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Schreine/Torii?oldid=56647X

Torii torii 鳥居 Torii, Schreintorsiehe auch→ Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Schreine/Shimenawa→ Bauten/Schreine/Schreinbilder → mehr sind das markanteste Kennzeichen eines Shintō-Schreins. Trifft man in Japan auf ein Gebäude mit der schlichten sym­bo­lischen Balken­kon­struk­tion davor, so handelt es sich fast immer um ein shin­tō­is­tisches Heilig­tum. Dank ihrer simplen, einprägsamen Form sind torii nicht nur zu einem Emblem des Shintō Shintō 神道 Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kamisiehe auch Shinto → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Grundbegriffe/Stereotype→ Grundbegriffe/Weltbild→ Grundbegriffe → mehr , sondern sogar zu einem Er­kennungs­zeichen der tra­di­tio­nellen japa­nischen Kultur schlecht­hin geworden.

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Shinmei torii

Schreintor, torii (Holz); Eingang des Äußeren Schreins von Ise (Gekū)
Bild © SBA73, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Ein Beispiel für ein torii im einfachen, rustikalen shinmei-Stil.

. 1 Ise, Äußerer Schrein
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Torii an der Uji-Brücke

Schreintor, torii (Holz)
Bild © Courtney Milne, 1989

Torii im shinmei-Stil. Die dahinter sichtbare Uji Brücke ist der Eingang zum Inneren Ise Schrein (Naikū).

. 2 Ise, Innerer Schrein
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Torii in Nikkō

Schreintor, torii (Stein). 1618; Schreinanlage von Nikkō, Tochigi-ken; 9,2 x 13,2 m

Torii in der Schreinanlage von Nikkō.

. 3 Nikkō
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Torii im klassischen myōjin-Stil

Schreintor, torii (Zypressenholz). Um 1920 errichtet, 1966 zerstört, 1975 neu errichtet; Meiji Schrein, Tōkyō; Höhe: 12m, Breite 17m, Durchmesser der Pfosten: 1,2m
Bild © Wikimedia Commons, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/12/2)

Mit einer Höhe von zwölf Metern ist dieses torii das größte hölzerne myōjin torii Japans. Zur Zeit der Errichtung des Meiji Schreins (um 1920) wurde dieses Torii aus einer 1200 Jahre alten taiwanesischen Zypresse (hinoki) hergestellt. Taiwan war damals bekanntlich japanische Kolonie. 1966 wurde das Torii jedoch durch einen Blitzeinschlag beschädigt. Daraufhin suchte man in Japan vergeblich nach entsprechenden Baumriesen. Erst 1975 gelang es, wiederum mit einer Zypresse aus Taiwan, ein neues, ähnlich großes Torii zu errichten. (S. Meiji jingū)

. 4 Meiji Schrein, Tōkyō
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Torii-Tunnel

Schreintore, torii (Holz); Fushimi Inari Schrein, Kyōto
Bild © Kevin Hulsey, 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Torii-Tunnel des Fushimi Inari Taisha.

. 5 Fushimi Schrein, Kyōto
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Miniatur-torii (shobenyoke torii)

Schreintor, torii (Holz)
Bildquelle: Wikimedia Commons (jap.), 2004. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Dieses Miniatur-torii soll als dezente Aufforderung verstanden werden, hier nicht gegen den Zaun eines privaten Grundstücks zu pinkeln. (In Japan funktioniert das!)

. 6 shōben-yoke

Trotz ihrer em­ble­matischen Gestalt liegen die ursprüngliche Funktion und Be­deutung der torii im Dunklen. Zu ihrem rätselhaften Charakter trägt auch die Be­zeichnung „torii“ selbst bei. Das Wort wird mit den Schrift­zeichen für „Vogel“ (tori 鳥) und „sich befinden“ (i[ru] 居) geschrieben und würde demnach soviel wie „Vogel­sitz“ bedeuten. Von Vögeln ist aber auf keinem bekannten torii auch nur die geringste Spur zu erkennen.

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Torii am Haruna See

Photographie, torii (handkoloriert) von Kusakabe Kinbei. 1880; Präfektur Gunma
Bildquelle: Okinawa soba, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Auf dieser Aufnahme ist gut zu erkennen, dass manche torii mit einem schmalen Dach bedeckt sind. Das hier ist allerdings schon zur Hälfte heruntergebrochen.

. 7 Haruna-See, Gunma-ken
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Torii von Miyajima

Schreintor, ryōbu torii (Holz); Miyajima, Präfektur Hiroshima
Bild © Melissa Rose Chasse, flickr 2002. (Letzter Zugriff: 2012/1)

Das berühmte torii von Miyajima steht im seichten Meerwasser und ist gegen die Wellen mit einer speziellen Konstruktion verstärkt. Man nennt diese Bauart ryōbu torii.

. 8 Miyajima, Hiroshima-ken
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Usa torii

Schreintor, torii (Holz); Usa Hachiman Schrein, Oita-ken, Kyushu
Bild © Hitada Hisao, 2001. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Das sog. usa torii des entspricht weitgehend der konventionellen Form, besitzt allerdings keine Mittelverstrebung (gakuzuka) zwischen den beiden Querbalken, dafür aber einen besonders lebhaft hochgezogenen Querbalken. Der berühmte Usa Hachiman-gū dürfte diese Variante geprägt haben.

. 9 Usa Schrein, Kyūshū
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Seltenes Beispiel eines dreiteiligen torii

Schreintor, torii (Holz); Hibara Jinja, Nara-ken
Bild © Miwa no Hihara. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dieses torii besteht aus drei zusammengefügten Toren und ist außerdem mit verschließbaren Türen versehen. Es hütet den Zugang zum dahinter liegenden Berg Miwa, der als Ganzes das shintai (Hauptheiligtum) des Hibara Schreins darstellt.
Der Hibara Schrein ist ein Seitenschrein des (Ō)miwa Schreins, der sich ebenfalls am Fuß des gleichnamigen Berges befindet und diesen als shintai ansieht. Auch im Miwa Schrein gibt es ein dreiteiliges verschließbares torii, das allerdings weniger photogen ist.
Im übrigen soll Amaterasu, bevor sie in Ise verehrt wurde, hier im Hibara Schrein verehrt worden sein, weshalb der Schrein auch den Beinamen Moto-Ise (Ur-Ise) trägt.

. 10 Hibara Jinja, Nara-ken
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Dreiteiliges torii

Schreintor, torii; Mitsumine Jinja, Saitama-ken (im Westen Tōkyōs)
Bild © Bernhard Scheid, 2007

Auch dieses torii ist dem Prototyp aus Miwa (miwa torii) nachempfunden. Miwa bedeutet „Drei Ringe“, Mitsumine „Drei Gipfel“. Möglicherweise ist die Zahl Drei in beiden Schreinnamen ausschlaggebend für die dreiteilige Form.

. 11 Mitsumine Jinja, Saitama-ken
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Torii vor dem Hie (Hiyoshi)-Schrein

Schreintor, torii (Stein); Sakamoto, Shiga-ken

Eingang zum Hiyoshi Schrein am Fuß des (buddhistischen!) Klosterbergs Hiei. Die Hauptgottheit dieses Schreins ist Sannō, wtl. der „Bergkönig“. Das Dreieck am Oberbalken dieses torii stellt eine Anspielung auf diesen Namen dar.

. 12 Hiyoshi Schrein, Shiga-ken

Grundform und Stilvarianten

Die Grundform der torii besteht aus zwei Pfosten und zwei waagrechten Balken. Trotz dieser Einfachkeit kennt die japanische Archi­tektur­geschichte eine stattliche Anzahl von Stil­formen, je nach dem, ob die Pfosten lotrecht stehen oder leicht geneigt sind, ob der Ober­balken gerade oder ge­schwungen ist, und ob der Unter­balken über die Pfosten hin­aus­ragt oder nicht. Dazu kommen noch einige Spezial­konstruk­tionen oder Hybrid­formen. Diese werden zumeist nach den re­prä­sen­ta­tivsten Schreinen benannt, in denen sie zu finden sind.

Myōjin torii

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Der bei weitem häufigste Stiltyp ist das sogenannte myōjin torii myōjin torii 明神鳥居 Stilvariante der torii (Schreintore) : geschwungene Balken, schräge Pfosten. Es besitzt zwei leicht nach innen geneigte Pfosten, einen sanft ge­schwungenen Ober­balken (kasagi kasagi 笠木 Oberer Querbalken eines torii (Schreintors), wtl. „Schirmholz“), der aus mehreren Kanthölzern zusammen­gesetzt ist, und einen Unter­balken (nuki nuki Unterer Querbalken eines torii (Schreintors), wtl. „Durch­stecher“), der an beiden Enden über die ihn tragen­den Pfosten hinausragt. Bei myōjin torii aus Holz ist der Oberbalken zumeist mit einem kleinen Dach ausgestattet. Zwischen Ober- und Unter­balken befindet sich ein vertikales Brett (gakuzuka gakuzuka 額束 Schrifttafel eines torii (Schreintors)), an dem Tafeln mit Inschriften ange­bracht werden können.

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Myōjin torii

Torii
Bild © [Urashimataro Wikimedia Commons ]. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Torii im myōjin-Stil.

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Nakayama torii

Torii
Bild © [Urashimataro Wikimedia Commons]. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Myōjin torii mit kurzem unteren Querbalken.

Usa torii.svg.png

Usa torii

Torii
Bild © [Urashimataro Wikimedia Commons]. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Myōjin torii ohne Mittelverstrebung.

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Inari torii

Bild © Urashimataro Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Myōjin torii mit Ringen unter dem oberen Querbalken.

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Nune torii

Torii
Bild © [Urashimataro Wikimedia Commons]. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Inari torii mit Verstärkung des Mittelstaffels.

Stilvarianten des Myōjin Typs

Shinmei und andere torii

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Die simpelste Form ist das shinmei- shinmei torii 神明鳥居 Stilvariante des torii (Schreintors): gerade Balken, lotrechte Pfosten oder ise torii, bestehend aus lotrechten, runden Pfosten (hashira hashira Pfeiler, Pfosten; auch: Zählwort für Gottheiten (kami)) und geraden Quer­balken ohne gakuzuka. Es findet sich in der antiken Schrein­anlage von Ise Ise 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū)siehe auch Schreinanlage Ise → Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Alltag/Kamidana→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr , wurde aber auch Anfang des 20. Jahr­hunderts, zur Zeit des Staatsshintō, als ver­meint­lich archaische Form gerne verwendet (etwa im Yasukuni-Schrein Yasukuni Jinja 靖国神社 Yasukuni Schrein, Tōkyōsiehe auch Yasukuni → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Mythen/Imaginaere Tiere/Komainu→ Alltag/Yamabushi/Itako→ Geschichte/Staatsshinto → mehr ).

Unter den „hybriden“ Formen ist das sogenannte ryōbu torii ryōbu torii 両部鳥居 Stilvariante der torii (Schreintore): besitzt zur Unterstützung der zwei Hauptpfosten vier kleine Zusatzpfosten das bekannteste. Es ent­spricht im wesent­lichen dem myōjin-Typ, besitzt aber zur Unter­stützung der beiden Haupt­pfosten vier kleinere Zusatz­pfosten. Das berühmte, vom Meer umspülte torii von Miyajima Miyajima 宮島 Schreininsel nahe Hiroshima; s.a. Itsukushima Schreinsiehe auch Itsukushima → Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Karte ist so konstruiert. Ein weiterer Hybrid­typ ist das sannō torii sannō torii 山王鳥居 Stilvariante der torii (Schreintore): myōjin torii mit einem zusätzlichen Giebel mit einem Drei­eck auf dem „Kopf“ oder das miwa torii miwa torii 三輪鳥居 Stilvariante der torii (Schreintore): besteht aus drei myōjin torii, ohne Neigung der Pfosten, das links und rechts von kleineren Seiten-torii flankiert wird.

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Shinmei torii

Torii
Bild © Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Torii im shinmei-zukuri.

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Kashima torii

Torii
Bild © [Urashimataro Wikimedia Commons]. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Shinmei-torii mit seitlich hervortretendem Unterbalken (nuki).

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Sannō torii

Torii
Bild © [Urashimataro Wikimedia Commons]. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Myōjin torii mit dreieckigem „Hut“ (sannō torii).

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Ryōbu torii

Torii
Bild © [Urashimataro Wikimedia Commons]. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Ein myōjin torii mit seitlicher Verstärkung (ryōbu torii).

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Miwa torii

Torii
Bild © [Urashimataro Wikimedia Commons]. (Letzter Zugriff: 2015/8/5)

Dreifaches myōjin torii, miwa torii genannt.

Shinmei und hybride Torii

Der Miwa Schrein Ōmiwa Jinja 大神神社 Ōmiwa Schrein, auch Miwa Schrein, nahe Nara; einer der ältesten Schreine Japanssiehe auch Bekannte Schreine → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Karte , der dem letzteren Typ seinen Namen verleiht, besitzt noch eine weitere torii-Sonder­form: das soge­nannten shime- shimetorii 注連鳥居 Torii (Schreintor) bestehend aus zwei Pfosten und einem Seil; auch chūren torii gelesensiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine oder chūren torii. In diesem Fall sind die zwei tragenden Pfosten lediglich durch ein mächtiges Seil (shimenawa shimenawa 注連縄 shintōistisches „Götter-Seil“siehe auch Shimenawa → Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Stereotype→ Alltag/Opfergaben→ Bauten/Ise Izumo → mehr ) verbunden. Ob man diese Form, die es nur in ein paar wenigen alten Schreinen gibt, überhaupt als torii bezeichnen soll oder nicht, ist unklar. Es könnte sich um eine Früh­form der torii handeln, einen sicheren Beweis dafür gibt es jedoch nicht.

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Shime-torii vor der Zeremonienhalle

Schreintor, torii (Holz, Reisstroh); Ōmiwa Schrein, Präfektur Nara
Bild © Horohoro, 2004. (Letzter Zugriff: 2009/4)

Shime-torii vor der Zeremonienhalle des Miwa Jinja.

. 13 Shime-torii vor der Zere­monien­halle des Ōmiwa Schreins (Präfektur Nara)


Funktion

Torii dienen im allgemeinen dazu, eine sym­bo­lische Grenze zwischen Heiligem und Profanem zu markieren. Die pro­minentesten torii befinden sich daher zumeist am Zugangs­weg zu einem Schrein, doch auch innerhalb eines Schrein­areals können torii auf­gestellt sein, z.B. um die wichtigsten Schrein­gebäude zu kennzeichnen. Auch werden torii häufig hinter einander auf­gestellt und können sogar zu tunnel­artigen Gebilden zusammen­wachsen. Das extremste Beispiel ist der Fushimi Inari Schrein Fushimi Inari Taisha 伏見稲荷大社 Großschrein der Gottheit Inari in Fushimi, im Süden Kyōtossiehe auch Fushimi → Alltag/Opfergaben→ Bauten/Bekannte Schreine→ Mythen/Verwandlungskuenstler→ Karte in Kyōto, wo ein ganzer Berg von torii-Tunneln überzogen ist.

Torii scheinen bereits im japanischen Altertum als Er­kennungs­zeichen von Kult­stätten der ein­heim­ischen Kami fungiert zu haben. Man könnte sie daher auch als ein Zeichen einer bewussten Unter­scheidung von Shintō und Bud­dhis­mus interpretieren. Allerdings gibt es einige Aus­nahmen, in denen torii auch vom Buddhismus in den Dienst genommen werden.

Torii außerhalb des Shintō

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Torii des Tempels Shitennō-ji

Tempeltor, torii (Stein); Shitennō-ji, Ōsaka
Bildquelle: KENPEI's photo, Wikimedia Commons (jap.),2004. (Letzter Zugriff: 2011/8)

Der Shitennō-ji ist wahrscheinlich das älteste staatlich errichtete bud­dhis­tische Kloster Japans. Es soll im Jahr 593 von Prinzregent Shōtoku Taishi gegründet worden sein. Wann das torii gebaut wurde, ist nicht bekannt, es soll jedoch ursprünglich aus Holz gewesen sein und wurde nach einem Brand im Jahr 1294 durch ein steinernes ersetzt.

. 14 Shitennō-ji, Osaka

Vor dem bud­dhis­tischen Tempel Shitennō-ji Shitennō-ji 四天王寺 Ältester staatlicher buddh. Tempel, gegr. 593 im heutigen Ōsakasiehe auch→ Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie/Waechtergoetter→ Mythen/Symboltiere/Drei Affen→ Geschichte/Fruehzeit/Shotoku Taishi→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten → mehr in Osaka gibt es ein torii aus Stein, das den Haupt­zugang zur Tempel­anlage markiert. Der Shitennō-ji ist nicht etwa irgendein Tempel, sondern das älteste staatlich errichtete bud­dhis­tische Kloster Japans. Es wurde im Jahr 593 von Prinz­regent Shōtoku Taishi Shōtoku Taishi 聖徳太子 574–622; Prinz Shōtoku; kaiserlicher Regentsiehe auch Shotoku Taishi → Bauten/Tempel→ Geschichte/Fruehzeit→ Geschichte/Honji suijaku→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten → mehr gegründet. Wann das torii gebaut wurde, ist nicht bekannt, es soll jedoch ur­sprüng­lich aus Holz gewesen sein und wurde nach einem Brand im Jahr 1294 durch ein steinernes torii ersetzt.

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Grabanlage

Grabmonumente, torii (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Chantal Dupasquier, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Grabanlage (haka mit gorintō) der Daimyō-Familie Shimazu aus Satsuma/Kyūshū auf Berg Kōya.

. 15 Gräber auf Berg Kōya

Obwohl der Totenkult in Japan tradi­tio­neller­weise fest in buddhistischer Hand ist, findet man auf alten Fried­höfen torii vor den Grab­anlagen bedeutender Familien aus der Edo-Zeit. (S. dazu auch Friedhof auf Berg Kōya.)

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Achtarmige (Happi) Benzaiten

Statue, fukujin; Schreininsel Chikubushima im Biwa See
Bild © Wada Yoshio, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Statue des Benzaiten-Heiligtums mit torii als Kopfputz auf der Schreininsel Chikubushima im Biwa See, eine der „Drei Großen Benten“ Kultstätten Japans.

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Kumano Mandala (Kumano kanshin jikkai mandara)

Rollbild, mandara, Detail. Edo-Zeit, 17. Jh.

Der Ausschnitt dieses Mandalas zeigt die japanische Unterwelt (jigoku) nach geläufigen buddhistischen Vorstellungen der Edo-Zeit. Torii dienen zur Abgrenzung der einzelnen Bereiche der Wiedergeburt.

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Torii

Torii (Holz); Ni'noike (auf 2908 m), unterhalb des Ontake Gipfels in den japanischen Alpen
Bild © Stephan Zschiesche, 1994. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Torii vor einer eher buddhistisch anmutenden Drachengottheit an Japans höchstgelegenem See

. 16. 17. 18
Benzaiten; Kumano mandara; torii vor eine Buddha Statue

Die indische Gottheit Sarasvatī सरस्वती Sarasvatī (skt., f.) indischer Fluss; Flussgöttin der Beredsamkeit, der Musik und der Gelehrsamkeit; jap. Benzaiten 弁才天siehe auch →  Gluecksgoetter → Ikonographie/Gluecksgoetter/Benzaiten→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten→ Texte/Sutra/Goldglanz Sutra kam als Beschützerin des Bud­dhis­mus mit diesem nach Japan und wird hier als Benzaiten Benzaiten 弁才天/ 弁財天 Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Bentensiehe auch Benzaiten → Ikonographie→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Alltag/Matsuri/Hadaka matsuri → mehr verehrt. Auf vielen Dar­stellungen trägt Benzaiten auf dem Haupt ein torii, hinter dem eine Schlange mit mensch­lichem Kopf zu erkennen ist.

Bud­dhis­tische Höllendarstellungen aus der Edo-Zeit bedienen sich der torii, um ver­schiedene Bereiche der Hölle von einander ab­zu­gren­zen.

Die synkretistischen Bergasketen (yamabushi yamabushi 山伏 Bergasket, wtl. der in den Bergen schläft; Praktikant des Shugendōsiehe auch Yamabushi → Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Matsuri→ Alltag/Matsuri/Feuergang→ Alltag/Moenche → mehr ) bedienen sich zur Kenn­zeichnung ihrer Heilig­tümer sowohl des torii als auch bud­dhis­tischer Embleme.

Verwandte der torii außerhalb Japans

Die frühesten Erwähnungen von torii stammen aus japa­nischen Quellen des zehnten Jahr­hunderts. Ob kami-Schreine davor schon durch „Vogel­sitze“ ge­kenn­zeichnet waren und wie diese aus­gesehen haben könnten, ist un­bekannt. Es wird daher immer wieder die Frage gestellt, ob nicht selbst die torii, diese zutiefst shintō­istischen Identitäts­merkmale, ein Produkt des Bud­dhis­mus sind, oder zumindest einen nicht-japanischen Ursprung besitzen. Für derartige An­nahmen gibt es verschiedene An­halts­punkte, da torii-ähnliche Kon­struk­tionen in vielen asiatischen Kulturen zu finden sind. Im folgenden werden die wichtigsten „Ver­wandten“ der torii, die immer wieder als Pro­to­typen in Betracht gezogen werden, kurz vor­ge­stellt.

Indien

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Torana

Tor, torii (Stein); Sanchi, Indien
Bild © Scott Weatherson, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

An den vier Seiten des ältesten buddhistischen Grabstupas (gorintō) in Sanchi befinden sich markante Eingänge, die wie ein reich verziertes torii mit einem dritten Querbalken aussehen. Man nennt diese Tore auf Sanskrit torana. Aufgrund ihrer Ähnlichkeiten in Form und Namen wurden sie von frühen Japanologen als Vorläufer der torii angesehen.

. 19 Torana in Sanchi

An den vier Seiten des ältesten buddhistischen Grabstupas in Sāñcī सांची Sāñcī (skt.) Ortschaft im indischen Bundesstaat Madhya Pradeshsiehe auch →  Stupa , Indien, befinden sich markante Ein­gänge, die wie ein reich verziertes torii mit einem dritten Quer­balken aus­sehen. Man nennt diese Tore auf Sanskrit toraṇa तोरण toraṇa (skt., n.) „Bogen“, Torbogen, Tor. Die Ähn­lich­keiten in Wort­klang und Aus­sehen bewogen frühe Japanologen (u.a. Aston William George Aston 1841–1911; brit. Diplomat und Pionier der Japanologie; Übersetzer des Nihon shokisiehe auch Phalluskulte → Texte/Mythentexte und Chamberlain Basil Hall Chamberlain 1850–1935, brit. Pionier der Japanforschungsiehe auch→ Texte/Mythentexte ) zu der Annahme, torii stammten von torana ab. Inzwischen sind sowohl von linguistischer als auch von kunst­historischer Seite Bedenken gegen diese Theorie geäußert worden, voll­kommen aus­zu­schließen ist sie jedoch nicht.

Thailand

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Sao Ching Cha, die Große Schaukel

Tor. Thailand; vor dem Tempel Wat Suthat, Bangkok; Höhe: 30 m
Bildquelle: Mattana, Wikimedia Commons, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Sao Ching Cha, die Große Schaukel in Bangkok, welche erstaunliche Ähnlichkeit mit einem torii aufweist.

. 20 Sao Ching Cha, die Große Schaukel (30m) vor dem Tempel Wat Suthat in Bangkok

In Bangkok gibt es die sogenannte Große Schaukel (Sao Ching Cha), ein rituelles Gerät, das auf den ersten Blick (wenn man die Verzierungen einmal beiseite lässt) verblüffende Ähn­lich­keiten mit einem shinmei-torii aufweist. Funktionell ist es jedoch grund­verschieden, denn es handelt sich nicht um einen Durch­gang, sondern wurde ehemals tatsächlich für eine brahmanische Schaukel­zeremonie eingesetzt. Obwohl von frühen Japanologen als Prototyp eines torii in Erwägung gezogen, kommt die Große Schaukel dafür kaum in Betracht, denn zum vol­lständigen Gerät gehört eben auch ein Schaukel­brett (auch wenn es in Bangkok heute fehlt). Das Beispiel zeigt jedoch, dass sich Ähn­lich­keiten auch aus rein kon­struktions­technischen Gründen ergeben können, ohne dass daraus gleich auf eine verwandt­schaft­liche Beziehung geschlossen werden muss.

China

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Eingang zum Tempel des Himmels

Tor. China; Beijing
Bild © Bernhard Scheid, 2008

Eingang zur Stätte durch ein Palasttor (paifang), wo ehemals die chinesischen Kaiser jährliche Opferzeremonien vollzogen.

. 21 Eingang zum Tempel des Himmels, Beijing, wo ehemals die chinesischen Kaiser jährliche Opferzeremonien vollzogen.

In China begegnet man häufig einem Palast­tor namens paifang paifang (chin.) 牌坊 Chinesisches Zeremonialtor, Zeremonialbogen; auch pailou; jap. haibō oder pailou pailou (chin.) 牌楼 Chinesisches Zeremonialtor, Zeremonialbogen; auch paifang; jap. hairō, das — ähnlich wie ein torii — meist keine Türen hat und daher eine rein sym­bo­lische Funk­tion besitzt. An­derer­seits sind pailuo archi­tek­to­nisch sehr auf­wen­dig und vari­an­ten­reich aus­ge­staltet. Häufig findet man drei­tei­lige Kon­struk­tionen, die äußerst bom­bastisch deko­riert sind. Einige Bei­spiele erin­nern aller­dings tat­sächlich an torii, etwa die Tore im Pekinger Tempel des Him­mels (Abb. links), doch stam­men diese archi­tek­to­nischen Varian­ten aus relativ später Zeit.

Es gibt in China außerdem zere­monielle Stelen mit der Be­zeich­nung huabiao huabiao (chin.) 華表 Chinesische Zeremonialstele; jap. kahyō, die ähnlich wie torii zur Kenn­zeich­nung des Zu­gangs­wegs zu einem zere­moniel­len Gebäude (Palast oder Grabmal) dienen. Sie sind zumeist reich dekoriert und tragen an ihrer Spitze ein drachen­artiges mytho­lo­gisches Tier. Äußer­lich haben sie also kaum etwas mit den torii gemein, doch werden sie in einem der ältes­ten Lexika Japans, dem Wamyō ruijushō Wamyō ruijushō 和名類聚抄 Heian-zeitliches Lexikon; zwischen 931 und 938 kompliert von Minamoto no Shitagō aus dem frühen zehnten Jahr­hundert, mit torii gleich­gesetzt. Dies mag ein Miss­ver­ständ­nis der dama­ligen Autoren gewesen sein, hat jedoch schon unter vor­moder­nen japa­nischen Gelehr­ten zu zahl­reichen Speku­lationen über eine chine­sische Herkunft der torii geführt.1

In Taiwan kam es schließlich in der Zeit der japanischen Besatzung (1895–1945) zu Misch­formen, in denen torii und paifang-Elemente kombi­niert wurden. Das unten stehende Beispiel zeigt den Kenkō Schrein Kenkō Jinja 建功神社 Schrein zur Verehrung von jap. Kriegs­helden in Taipei, welcher 1928, in der Zeit der japanischen Besatzung (1895–1945) errichtet wurde, ein japa­nisches Kriegs­helden­monu­ment in Taipei aus jener Zeit.

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Kenkō Jinja, Taipei

Postkarte (Papier, handkoloriert). Taiwan, 1940
Bild © East Asia Image Collection, Digital Image Collections at Lafayette. (Letzter Zugriff: 2012/10)

Die Errichtung des Kenkō Jinja in Taipei wurde 1925, zur Feier der 30jährigen japanischen Herrschaft über die Insel Taiwan, begonnen und 1928 vollendet. Er diente, ähnlich wie der Yasukuni Schrein in Tōkyō, der Kriegshelden-Verehrung. Nach dem Krieg wurde das Gebäude in eine Bibliothek umgewandelt.

Die Inschrift auf der Postkarte besagt: „Die Heldenseelen der Opfer, die für die Herrschaft über Taiwan gekämpft haben, werden hier verehrt. Über zehntausend Heldenseelen wachen hier in Ewigkeit über diese Insel.“

Die torii im Eingangsbereich kombinieren die Struktur eines dreiteiligen miwa torii mit Elementen des chinesischen paifang-Palasttors.

. 22 Kenkō Jinja, ein Beispiel der japanischen Kolonialarchitektur

Korea

Die wahrscheinlich nächsten Verwandten der torii findet man auf der koreanischen Halbinsel. Hier gibt es genau genommen zwei unter­schiedliche Arte­fakte, die gewisse Ge­mein­sam­keiten mit den torii aufweisen, nämlich das soge­nannte Rote Pfeiltor (kor. hongsalmun) und das sotdae, ein hölzerner Mast, der häufig mit einer einfachen Vogel­skulptur versehen ist.

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Rotes Pfeiltor (hongsalmun)

Tor (Holz). Korea
Bild © Kernbeisser, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Rotes Pfeiltor (hongsalmun) bei den Altären der Erde und Ernte in Seoul

. 23 Rotes Pfeiltor (hongsalmun) bei den Altären der Erde und Ernte in Seoul
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Rotes Pfeiltor (hongsalmun)

Tor (Holz). Korea

Koreanisches Rotes Pfeiltor (hongsalmun) vor einem Königsgrab der Joseon Dynastie

. 24 Pfeiltor (hongsalmun) vor einem Königsgrab der Joseon Dynastie

Das Pfeiltor hongsalmun hongsalmun (kor.) 紅箭門, 홍전문 Koreanisches Zeremonialtor, wtl. „Rotes Pfeiltor“; jap. kōzenmon besitzt bau­tech­nisch große Ähnlich­keiten mit einem torii. Es besteht ebenso aus zwei einfachen Pfosten und zwei Quer­balken. Der vielleicht markanteste strukturelle Unter­schied liegt darin, dass der obere Quer­balken eines Pfeil­tores von den tragenden Pfosten überragt wird, während er im Fall des torii auf den Pfosten lagert. Außer­dem sind die Quer­balken der Pfeil­tore mit zahl­reichen vertikalen Ver­stre­bun­gen oder „Pfeilen“ versehen, die ver­ant­wort­lich für den Namen dieses Tores sind. Die berühmtesten Pfeil­tore finden sich vor den Königs­gräbern der Joseon Dynastie (1392–1910) rund um die koreanische Haupt­stadt Seoul. Ähnlich wie die torii stehen die Pfeil­tore hier frei am Rande einer sakralen baulichen Anlage. Dem entsprechend fungieren sie als symbolischer Durch­gang zwischen Profanem und Sakralem, nicht als ver­schließ­bares Tor. Allerdings gibt es in Korea auch Pfeiltore, die in Zäune oder Mauern integriert sind, was bei torii nur in wenigen Aus­nahmen der Fall ist. Eine gewisse Ver­wandt­schaft ist dennoch nicht un­wahr­schein­lich, doch ist unklar, ob es sich um „Cousins“ handelt, oder ob eines der beiden Tore tatsächlich zur Her­aus­bildung des anderen beigetragen hat.

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Koreanischer „Vogelsitz“

Zeremonielle Stäbe (Holz). Korea

Koreanischer „Vogelsitz“ (sotdae) mit stilisierten Enten

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Sotdae

Zeremonielle Stäbe (Holz). Korea
Bild © hkyoo226. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Koreanische sotdae

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Sotdae und jangseung

Totempfähle (Holz). Korea

Sotdae und jangseung, „Totempfähle“ mit menschlichen Gesichtern

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Sotdae

Zeremonielle Stäbe (Holz). Korea

Koreanische sotdae am Rand eines Feldes

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Sotdae-Wald

Zeremonielle Stäbe (Holz). Korea

Koreanischer sotdae-Wald

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Koreanische sotdae mit Vögeln

Die sotdae sotdae (kor.) 솟대 Zeremonielle Stäbe der koreanischen Volksreligion, meist mit Vogelskulptur wiederum sind Glücksbringer oder schützende Talismane. Tradi­tioneller­weise finden sie sich am Eingang von Dörfern, wo sie in großen Gruppen zusammen mit einer Art Totem­pfahl, dem jangseung, spirituellen Schutz oder reiche Ernte gewähren sollen, ähnlich wie in Japan die Wege­götter (dōsojin dōsojin 道祖神 Wegegott, auch sae no kami; volksrel. Figuren, manchmal in phallischer Formsiehe auch Phalluskulte → Mythen/Tengu→ Mythen/Symboltiere/Drei Affen ). Sotdae können auch eigen­händig angefertigt und temporär (z.B. zu Neujahr) aufgestellt werden. Typischer­weise handelt es sich um lange Stäbe, an deren oberem Ende ein oder mehrere Vogel­figuren angebracht sind. Es können aber auch andere Tiere oder Seile daran befestigt sein.

Sotdae sehen also ganz anders aus als torii und besitzen andere Funktionen, aber sie enthalten einen Hinweis, dass Vögel auf Stäben in Korea eine magisch-religiöse Bedeutung besitzen und bieten damit einen Schlüssel zur rätsel­haften Wort­bedeutung von torii torii 鳥居 Torii, Schreintorsiehe auch→ Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Schreine/Shimenawa→ Bauten/Schreine/Schreinbilder → mehr („Vogelsitz“). Das Wort „sotdae“ selbst enthält jedoch keinen Hinweis auf einen Vogel.

Ähnliche „Vogelsitze“ gibt es im übrigen auch in shamanistischen Stammes­kulturen Chinas, der Mongolei und in Sibirien.

Theorien zum Ursprung der torii

Eine ein­deutige Lehr­meinung, ob torii eine rein japa­nische Erfindung sind oder unter dem Einfluss von anderen Kulturen ent­standen, hat sich derzeit weder in Japan noch außer­halb etabliert. Während man das Thema vor dem Zweiten Welt­krieg lebhaft diskutierte, wurde es danach kaum mehr erörtert und ist erst in jüngster Zeit durch die Archäologie wieder aufgegriffen worden. Einer der umfang­reichsten westlich­sprachigen Aufsätze, „Der Ursprung des Torii“ des Linguisten Otto Karow und des Kunst­historikers Dietrich Seckel aus dem Jahr 1942, enthält zu dieser Frage eine gewagte These: Karow und Seckel zufolge leitet sich der Begriff torii nicht von „Vogel“, sondern von einem Balken ab. Davon aus­gehend folgern die Autoren, dass man im torii das abstrakte Skelett eines Wohn­hauses erblicken muss. Das wichtigste Element des torii sei der Ober­balken, der den First­balken des Hauses symbolisiere. Obwohl diese Theorie sehr weitläufig und gelehrt begründet wird, erscheint mir die darin enthaltene Hypothese, dass torii letztlich aus ver­las­senen Häusern ent­stan­den, die zu den Grab­stätten der darin Ver­storbenen wurden, nicht wirklich plau­sibel.

Karow und Seckel machen aber auch darauf aufmerksam, dass sich in den frühesten schriftlichen Quellen Japans zahlreiche Hinweise auf Vögel im Zu­sammen­hang mit Be­stattungs­riten finden. U.a. erzählen sowohl das Kojiki Kojiki 古事記 „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712)siehe auch Mythentexte → Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Ikonographie/Gluecksgoetter → mehr als auch das Nihon shoki Nihon shoki 日本書紀 Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720)siehe auch Mythentexte → Alltag/Opfergaben→ Bauten/Ise Izumo→ Grundbegriffe/Shinto/Jindo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein → mehr , dass sich der er­oberungs­lustige Prinz Yamato Takeru Yamato Takeru 倭建/日本武 Mythologischer Prinz, Sohn des Keikō Tennō; wtl. der Held/der Tapfere von Yamatosiehe auch→ Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Mythen/Goetter des Himmels/Trickster nach seinem Tod in einen weißen Vogel verwandelte und in dieser Gestalt den Platz für sein Grab­monument auswählte. Dieses erhielt aus diesem Grunde auch den Namen „Weiß­vogel-Grab“ (Shiratori Misasagi Shiratori Misasagi 白鳥陵 Hügelgrab des mythol. Helden Yamato Takeru). Dem Kojiki zufolge wurden Lieder, die auf diese Episode Bezug nehmen, auch bei späteren kaiserlichen Be­gräb­nissen gesungen.2 Zahl­reiche weitere Textstellen der klas­sischen Literatur unter­mauern die auch vom japanischen Volks­kundler Origuchi Shinobu Origuchi Shinobu 折口信夫 (1887–1953), jap. Volkskundler und Religionswissenschaftlersiehe auch→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Ebisu postulierte enge Beziehung zwischen weißen Vögeln und Totenseelen.3

Japan steht jedoch in dieser Hinsicht nicht isoliert da. Der Zusammen­hang zwischen Vogel und Toten­seele ist, wie schon erwähnt, für zahl­reiche, ins­besondere shamanistisch geprägte Kulturen belegt. Die im Zu­sammen­hang mit dem frühen Japan vielleicht über­zeugendste Parallele findet sich in der Kultur der alt­koreanischen Proto-Drei-Reiche Zeit, die ja mit dem damaligen Japan (bzw. mit der Kultur der Wa) in enger Beziehung stand. Das Weizhi Weizhi (chin.) 魏志 Chin. Chronik der Wei Dynastie aus dem 3. Jh. u.Z.; enthält die frühesten Berichte über Japan (Wa)siehe auch Himiko → Alltag/Opfergaben→ Geschichte/Praehistorie , jene chinesische Quelle aus dem dritten Jahr­hun­dert, die die frühesten sys­te­ma­tischen An­ga­ben zur Geschichte Japans und Koreas enthält, berichtet über die Be­stattungs­ritten der Pyeon Jin im Süden der koreanischen Halb­insel: „Sie geben ihren Toten Federn von großen Vögeln mit. Sie wünschen, dass diese von den Toten zum Fliegen benutzt werden.“ 4 Für den gleichen Raum enthält das Weizhi im übrigen auch Hinweise auf Vor­läufer der oben genannten sotdae. Schließlich hat auch die Archäologie in diesem Raum zahlreiche Grab­beigaben mit Vogel­motiven zutage gebracht.5

Aus Japan sind archäologische Funde von Vogelmotiven aus der Yayoi Yayoi 弥生 Yayoi-Zeit (ca. 300 v.u.Z. – 300 u.Z.), jap. Frühgeschichte; Zeit der Entwicklung des Reisanbaussiehe auch Geschichtsperioden → Bauten/Ise Izumo/Schreinanlage Ise - und Kofun kofun 古墳 Hügelgrab der japanischen Frühzeit (ca. 300–700), wtl. „altes Grab“siehe auch Fruehzeit → Geschichtsperioden→ Geschichte/Praehistorie -Zeit ebenso bekannt. Andere Funde deuten wiederum darauf hin, dass es hier am Über­gang von der Yayoi- zur Kofun-Zeit (3. Jh. u.Z.) Grab­stätten von hoch­gestellten Per­sönlich­keiten gab, an deren Eingang zwei Pfosten standen.6 Ob diese Pfosten aber durch Balken verbunden waren, ob Vögel auf ihnen angebracht waren oder ob sie sonst in irgend einer Hinsicht als Vor­läufer der heutigen torii anzusehen sind, konnte bislang nicht geklärt werden. Dennoch ver­dichtet sich aus diesen Indizien ein möglicher Zu­sammen­hang zwischen Toten­kult und Vögeln, der am Beginn der Ent­wicklung von torii gestanden haben mag. Damit wäre auch eine implizite Er­klärung vorhanden, warum an den heutigen torii über­haupt keine Spuren von Vögeln zu finden sind: als Zeichen des Todes könnten sie dem Tabu zum Opfer gefallen sein, das in historischer Zeit die Kulte für die kami kami japanische Gottheitsiehe auch Shinto → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Weltbild→ Ikonographie→ Alltag/Omairi → mehr strikt von jeder Assoziation mit dem Tod fern hielt (s. dazu Kap. Shintō.)

Verweise

Fußnoten

  1. 華表 (kahyō), Wikipedia(ja) [15.1.2012].
  2. Chamberlain 1981, S. 268–69
  3. Karow und Seckel 1942, S. 35–42
  4. Seyock 2004, S. 49; Karow und Seckel 1942, S. 42.
  5. Seyock 2004, S. 96–97.
  6. Seyock 2003.

Bilderläuterungen

  1. Torii geku.jpg

    Shinmei torii

    Schreintor, torii (Holz); Eingang des Äußeren Schreins von Ise (Gekū)
    Bild © SBA73, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Ein Beispiel für ein torii im einfachen, rustikalen shinmei-Stil.

  2. Torii uji bridge ise.jpg

    Torii an der Uji-Brücke

    Schreintor, torii (Holz)
    Bild © Courtney Milne, 1989

    Torii im shinmei-Stil. Die dahinter sichtbare Uji Brücke ist der Eingang zum Inneren Ise Schrein (Naikū).

  3. Torii nikko.jpg

    Torii in Nikkō

    Schreintor, torii (Stein). 1618; Schreinanlage von Nikkō, Tochigi-ken; 9,2 x 13,2 m

    Torii in der Schreinanlage von Nikkō.

  4. Torii meiji.jpg

    Torii im klassischen myōjin-Stil

    Schreintor, torii (Zypressenholz). Um 1920 errichtet, 1966 zerstört, 1975 neu errichtet; Meiji Schrein, Tōkyō; Höhe: 12m, Breite 17m, Durchmesser der Pfosten: 1,2m
    Bild © Wikimedia Commons, 2002. (Letzter Zugriff: 2011/12/2)

    Mit einer Höhe von zwölf Metern ist dieses torii das größte hölzerne myōjin torii Japans. Zur Zeit der Errichtung des Meiji Schreins (um 1920) wurde dieses Torii aus einer 1200 Jahre alten taiwanesischen Zypresse (hinoki) hergestellt. Taiwan war damals bekanntlich japanische Kolonie. 1966 wurde das Torii jedoch durch einen Blitzeinschlag beschädigt. Daraufhin suchte man in Japan vergeblich nach entsprechenden Baumriesen. Erst 1975 gelang es, wiederum mit einer Zypresse aus Taiwan, ein neues, ähnlich großes Torii zu errichten. (S. Meiji jingū)

  5. Torii Fushimi.jpg

    Torii-Tunnel

    Schreintore, torii (Holz); Fushimi Inari Schrein, Kyōto
    Bild © Kevin Hulsey, 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Torii-Tunnel des Fushimi Inari Taisha.

  6. Shobenyoke torii.jpg

    Miniatur-torii (shobenyoke torii)

    Schreintor, torii (Holz)
    Bildquelle: Wikimedia Commons (jap.), 2004. (Letzter Zugriff: 2011/8)

    Dieses Miniatur-torii soll als dezente Aufforderung verstanden werden, hier nicht gegen den Zaun eines privaten Grundstücks zu pinkeln. (In Japan funktioniert das!)

  7. Torii kusakabe.jpg

    Torii am Haruna See

    Photographie, torii (handkoloriert) von Kusakabe Kinbei. 1880; Präfektur Gunma
    Bildquelle: Okinawa soba, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Auf dieser Aufnahme ist gut zu erkennen, dass manche torii mit einem schmalen Dach bedeckt sind. Das hier ist allerdings schon zur Hälfte heruntergebrochen.

  8. Miyajima torii2.jpg

    Torii von Miyajima

    Schreintor, ryōbu torii (Holz); Miyajima, Präfektur Hiroshima
    Bild © Melissa Rose Chasse, flickr 2002. (Letzter Zugriff: 2012/1)

    Das berühmte torii von Miyajima steht im seichten Meerwasser und ist gegen die Wellen mit einer speziellen Konstruktion verstärkt. Man nennt diese Bauart ryōbu torii.

  9. Torii usa.jpg

    Usa torii

    Schreintor, torii (Holz); Usa Hachiman Schrein, Oita-ken, Kyushu
    Bild © Hitada Hisao, 2001. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Das sog. usa torii des entspricht weitgehend der konventionellen Form, besitzt allerdings keine Mittelverstrebung (gakuzuka) zwischen den beiden Querbalken, dafür aber einen besonders lebhaft hochgezogenen Querbalken. Der berühmte Usa Hachiman-gū dürfte diese Variante geprägt haben.

  10. Hibara mitsutorii.jpg

    Seltenes Beispiel eines dreiteiligen torii

    Schreintor, torii (Holz); Hibara Jinja, Nara-ken
    Bild © Miwa no Hihara. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Dieses torii besteht aus drei zusammengefügten Toren und ist außerdem mit verschließbaren Türen versehen. Es hütet den Zugang zum dahinter liegenden Berg Miwa, der als Ganzes das shintai (Hauptheiligtum) des Hibara Schreins darstellt.
    Der Hibara Schrein ist ein Seitenschrein des (Ō)miwa Schreins, der sich ebenfalls am Fuß des gleichnamigen Berges befindet und diesen als shintai ansieht. Auch im Miwa Schrein gibt es ein dreiteiliges verschließbares torii, das allerdings weniger photogen ist.
    Im übrigen soll Amaterasu, bevor sie in Ise verehrt wurde, hier im Hibara Schrein verehrt worden sein, weshalb der Schrein auch den Beinamen Moto-Ise (Ur-Ise) trägt.

  11. Mitsutorii.jpg

    Dreiteiliges torii

    Schreintor, torii; Mitsumine Jinja, Saitama-ken (im Westen Tōkyōs)
    Bild © Bernhard Scheid, 2007

    Auch dieses torii ist dem Prototyp aus Miwa (miwa torii) nachempfunden. Miwa bedeutet „Drei Ringe“, Mitsumine „Drei Gipfel“. Möglicherweise ist die Zahl Drei in beiden Schreinnamen ausschlaggebend für die dreiteilige Form.

  12. Sannotorii.jpg

    Torii vor dem Hie (Hiyoshi)-Schrein

    Schreintor, torii (Stein); Sakamoto, Shiga-ken

    Eingang zum Hiyoshi Schrein am Fuß des (buddhistischen!) Klosterbergs Hiei. Die Hauptgottheit dieses Schreins ist Sannō, wtl. der „Bergkönig“. Das Dreieck am Oberbalken dieses torii stellt eine Anspielung auf diesen Namen dar.

  13. Omiwa.jpg

    Shime-torii vor der Zeremonienhalle

    Schreintor, torii (Holz, Reisstroh); Ōmiwa Schrein, Präfektur Nara
    Bild © Horohoro, 2004. (Letzter Zugriff: 2009/4)

    Shime-torii vor der Zeremonienhalle des Miwa Jinja.

  14. Torii shitennoji.jpg

    Torii des Tempels Shitennō-ji

    Tempeltor, torii (Stein); Shitennō-ji, Ōsaka
    Bildquelle: KENPEI's photo, Wikimedia Commons (jap.),2004. (Letzter Zugriff: 2011/8)

    Der Shitennō-ji ist wahrscheinlich das älteste staatlich errichtete bud­dhis­tische Kloster Japans. Es soll im Jahr 593 von Prinzregent Shōtoku Taishi gegründet worden sein. Wann das torii gebaut wurde, ist nicht bekannt, es soll jedoch ursprünglich aus Holz gewesen sein und wurde nach einem Brand im Jahr 1294 durch ein steinernes ersetzt.

  15. Koya5.jpg

    Grabanlage

    Grabmonumente, torii (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
    Bild © Chantal Dupasquier, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Grabanlage (haka mit gorintō) der Daimyō-Familie Shimazu aus Satsuma/Kyūshū auf Berg Kōya.

  16. Benten chikubushima1.jpg

    Achtarmige (Happi) Benzaiten

    Statue, fukujin; Schreininsel Chikubushima im Biwa See
    Bild © Wada Yoshio, 2003. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Statue des Benzaiten-Heiligtums mit torii als Kopfputz auf der Schreininsel Chikubushima im Biwa See, eine der „Drei Großen Benten“ Kultstätten Japans.

  17. Kumano mandara.jpg

    Kumano Mandala (Kumano kanshin jikkai mandara)

    Rollbild, mandara, Detail. Edo-Zeit, 17. Jh.

    Der Ausschnitt dieses Mandalas zeigt die japanische Unterwelt (jigoku) nach geläufigen buddhistischen Vorstellungen der Edo-Zeit. Torii dienen zur Abgrenzung der einzelnen Bereiche der Wiedergeburt.

  18. Torii ontake.jpg

    Torii

    Torii (Holz); Ni'noike (auf 2908 m), unterhalb des Ontake Gipfels in den japanischen Alpen
    Bild © Stephan Zschiesche, 1994. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Torii vor einer eher buddhistisch anmutenden Drachengottheit an Japans höchstgelegenem See

  19. Torii sanchi.jpg

    Torana

    Tor, torii (Stein); Sanchi, Indien
    Bild © Scott Weatherson, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    An den vier Seiten des ältesten buddhistischen Grabstupas (gorintō) in Sanchi befinden sich markante Eingänge, die wie ein reich verziertes torii mit einem dritten Querbalken aussehen. Man nennt diese Tore auf Sanskrit torana. Aufgrund ihrer Ähnlichkeiten in Form und Namen wurden sie von frühen Japanologen als Vorläufer der torii angesehen.

  20. Bangkok swing.jpg

    Sao Ching Cha, die Große Schaukel

    Tor. Thailand; vor dem Tempel Wat Suthat, Bangkok; Höhe: 30 m
    Bildquelle: Mattana, Wikimedia Commons, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Sao Ching Cha, die Große Schaukel in Bangkok, welche erstaunliche Ähnlichkeit mit einem torii aufweist.

  21. Himmelstempel.jpg

    Eingang zum Tempel des Himmels

    Tor. China; Beijing
    Bild © Bernhard Scheid, 2008

    Eingang zur Stätte durch ein Palasttor (paifang), wo ehemals die chinesischen Kaiser jährliche Opferzeremonien vollzogen.

  22. Kenko jinja.jpg

    Kenkō Jinja, Taipei

    Postkarte (Papier, handkoloriert). Taiwan, 1940
    Bild © East Asia Image Collection, Digital Image Collections at Lafayette. (Letzter Zugriff: 2012/10)

    Die Errichtung des Kenkō Jinja in Taipei wurde 1925, zur Feier der 30jährigen japanischen Herrschaft über die Insel Taiwan, begonnen und 1928 vollendet. Er diente, ähnlich wie der Yasukuni Schrein in Tōkyō, der Kriegshelden-Verehrung. Nach dem Krieg wurde das Gebäude in eine Bibliothek umgewandelt.

    Die Inschrift auf der Postkarte besagt: „Die Heldenseelen der Opfer, die für die Herrschaft über Taiwan gekämpft haben, werden hier verehrt. Über zehntausend Heldenseelen wachen hier in Ewigkeit über diese Insel.“

    Die torii im Eingangsbereich kombinieren die Struktur eines dreiteiligen miwa torii mit Elementen des chinesischen paifang-Palasttors.

  23. Red arrow gate seoul.jpg

    Rotes Pfeiltor (hongsalmun)

    Tor (Holz). Korea
    Bild © Kernbeisser, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Rotes Pfeiltor (hongsalmun) bei den Altären der Erde und Ernte in Seoul

  24. Hongsalmun.jpg

    Rotes Pfeiltor (hongsalmun)

    Tor (Holz). Korea

    Koreanisches Rotes Pfeiltor (hongsalmun) vor einem Königsgrab der Joseon Dynastie

  25. Sotdae.jpg

    Koreanischer „Vogelsitz“

    Zeremonielle Stäbe (Holz). Korea

    Koreanischer „Vogelsitz“ (sotdae) mit stilisierten Enten

  26. Sotdae3.jpg

    Sotdae

    Zeremonielle Stäbe (Holz). Korea
    Bild © hkyoo226. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Koreanische sotdae

  27. Sotdae jangseung.jpg

    Sotdae und jangseung

    Totempfähle (Holz). Korea

    Sotdae und jangseung, „Totempfähle“ mit menschlichen Gesichtern

  28. Sotdae gokseong-gun jeonnam.jpg

    Sotdae

    Zeremonielle Stäbe (Holz). Korea

    Koreanische sotdae am Rand eines Feldes

  29. Sotdae2.jpg

    Sotdae-Wald

    Zeremonielle Stäbe (Holz). Korea

    Koreanischer sotdae-Wald

  30. Ad duerer.jpg

    Monogramm Albrecht Dürers

    Druck (Papier) von Albrecht Dürer (1471–1528). 1528
    Bildquelle: Wilkimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2014/3)

    Das berühmte Monogramm Albrecht Dürers, dessen A einem torii ähnelt. Hier auf dem Titelblatt eines Lehrbuchs zu den menschlichen Proportionen. Der volle Titel des Buches lautet: „Hierin sind begriffen vier bücher von menschlicher Proportion, durch Albrechten Dürer von Nürnberg erfunden und beschriben zu nutz allen denen, so zu diser kunst lieb tragen.“ Natürlich ist ein direkter Zusammenhang zwischen Dürers A und dem torii auszuschließen.

Links

  • Torii (jap.)
    Wikipedia-Artikel
  • Sotdae (en.)
    Wikipedia-Artikel
  • The Making of sotdae, Geumo Folk Museum (en.)
    Informationen und eine kurze Anleitung zum Sotdae - Selberbauen.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010

Literatur

Basil Hall Chamberlain (Ü.) 1981
Kojiki: Records of Ancient Matters. Tokyo: Tuttle 1981. [Erste Auflage 1919, basierend auf einer ersten Übersetzung aus dem Jahr 1882.]
Otto Karow und Dietrich Seckel 1942
Der Ursprung des Torii. Tokyo: OAG 1942. [Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur und Völkerkunde Ostasiens, Band 33/B.]
Barbara Seyock 2003
„The Hirabaru Site and Wajinden Research: Notes on the Archeology of the Kings of Ito.“ Nachrichten der Gesellschaft für Natur und Völkerkunde Ostasiens (NOAG) 73/1–2 (2003), S. 207–225.
Barbara Seyock 2004
Auf den Spuren der Ostbarbaren: Zur Archäologie protohistorischer Kulturen in Südkorea und Westjapan. Münster: Lit Verlag 2004.
Bauten/Schreine (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie