Sensō-ji Der Tempel des niederen Grases

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Bernhard Scheid, „Sensō-ji Der Tempel des niederen Grases.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 2.3.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Bekannte_Tempel/Asakusa?oldid=35696

Wenn man in Tokyo einen traditionellen Tempel besuchen will, so ist der Sensō-ji (Sensō-ji 浅草寺Tempel in Tokyo; auch: Asakusa-dera ), besser bekannt als Asakusa-Tempel, die erste Adresse. Natürlich gibt es noch zahlreiche andere bud­dhis­tische Tempel in Tokyo, aber nur wenige, bei denen das gesamte archi­tek­tonische Ensemble (inklusive Ein­gang, Pagode und Seiten­gebäude) nach wie vor so gut zur Geltung kommt.

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Donnertor (kaminari-mon)

Tempeltor; Asakusa-dera, Tokyo
Bild © Tokyo Views, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Eingang zum Tempelzugangsweg, bewacht von Windgott und Donnergott.

Das Kaminari-mon, südliches Haupttor der Tempelanlage

Dabei ist auch Asakusa nicht von den Kriegs­schäden des 2. WKs verschont geblieben. Die meisten Gebäude fielen Brandbomben zum Opfer und wurden in der Nach­kriegs­zeit — teilweise aus Stahlbeton — wieder aufgebaut. Doch tat dies der Be­liebt­heit des Tempels, der seit alters her für seine vielen bunten Souvenir­läden und für seine mit riesigen Lampions geschmückten Tempeltore berühmt ist, keinen Abbruch. Bereits in der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit war Asakusa ein populäres Zentrum des Kannon (Kannon 観音Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒) Glaubens. Das Haupt­heilig­tum ist eine winzige Kannon­statue, die der Sage nach von drei Fischern in ihren Netzen gefunden wurde.

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Photorundgang

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Das Donnertor mit der dahinterliegenden Straße Nakamise-dōri

Tempeltor; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Bohous Kotal, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Nakamise-dōri

Einkaufsstraße; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Zugangsweg zum Tempel und älteste Shoppingmall Japans aus der Edo Zeit.

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Pagode des Asakusa Tempels

Fünfgeschoßige Pagode, gojū-tō (Stahlbeton). 1973; Sensō-ji, Asakusa, Tokyo; Höhe: 48 m; Sockel 7,5 m
Bild © Edward Hahn, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der berühmte Asakusa Tempel in Tokyo besaß bis zum Zweiten Weltkrieg eine fünfstöckige Holzpagode aus dem Jahr 1648. Sie wurde 1945 zusammen mit den meisten anderen Gebäuden der Anlage zerstört. Die neue Pagode wurde von der rechten auf die linke Seite des Zugangswegs (Nakamise dōri) verlegt.

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Weihrauchbecken vor der Haupthalle

Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Shige's Wallpapers. (Letzter Zugriff: 2011/10)
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Weihrauchbecken vor der Haupthalle

Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Lawrence Ong, 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Mittleres Tor der Nakamise-dōri mit Neujahrsschmuck

Tempeltor (Holz); Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Yewco Kootnikoff, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Asakusa-Schrein

Schreinhalle. 1649; Teil der Anlage des Asakusa-dera, Tokyo
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der dem Tempel zugeordnete Schrein überstand den 2. Weltkrieg unversehrt und ist eines der ältesten Bauwerke der Anlage.

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Haupthalle des Sensō-ji

Tempelhalle; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Shige's Wallpapers. (Letzter Zugriff: 2011/10)
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Seitenansicht der Haupthalle des Sensō-ji

Tempelhalle; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Hidde Wallaart, 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Tempelgründungslegende

Der Tempel mit dem offiziellen Namen Kinryū-zan Sensō-ji (Sensō-ji 浅草寺Tempel in Tokyo; auch: Asakusa-dera ) (Tempel des niederen Grases, Kloster­berg des Goldenen Drachens), besser bekannt als Asakusa-dera (eine andere Lesung der Schriftzeichen Sensō-ji) war bereits ein lokales Heilig­tum lange bevor Tokugawa Ieyasu (Tokugawa Ieyasu 徳川家康1. Tokugawa Shogun, 1543–1616; Reichseiniger …mehr ⇒) seine Residenz nach Edo verlegte (1590) und damit den Grund­stein der heutigen Metropole Tokyo legte. Den Namen „Niederes Gras“ verdankt der Tempel seiner Gründungs­legende: Diese berichtet von der wunder­samen Entdeckung einer Kannon (Kannon 観音Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒)-Statue durch drei Fischer (der Dorfvorsteher Haji no Nakatomo und seine Helfer, die Brüder Hamanari und Takenari), die im Jahre 628 eine lediglich 5cm große reingoldene Kannon-Figur in ihren Netzen fanden. In Ermangelung einer anderen Auf­be­wahrungs­stätte flochten sie der Statue einen Tempel aus Gras. Die Kannon-Statue stellt angeblich noch heute den Haupt­ver­ehrungs­gegen­stand (honzon (honzon 本尊Hauptheiligtum eines Tempels …mehr ⇒)) des Asakusa Tempels dar. Sie ist ein soge­nannter hibutsu (hibutsu 秘仏wtl. „geheimer Buddha“; geheim gehaltene Buddha-Statue ), wtl. ein „geheimer Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) “, und wird daher nicht öffentlich ausgestellt. Tatsächlich soll es sich bei der Kannon-Statue von Asakusa um eine etwa einen halben Meter große Holzstatue handeln.

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Ursprung der Kannon-Statue von Asakusa

Blockdruck, nishiki-e (Papier Farbe) von Andō Hiroshige; aus der Serie Tōto kyūseki zukushi (Alle historischen Stätten der Östlichen Hauptstadt), um 1845
Bild © National Diet Library, Tokyo. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Drei Fischer entdecken eine Kannon-Statue in ihren Netzen. Laut Gründungslegende des Asakusa-Tempels soll sich dieses wundersame Ereignis im Jahr 628 im nahe des Tempels gelegenen Fluss Sumidagawa zugetragen haben.

Fund der Kannon Statue von Asakusa
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Jahr-Markt in Asakusa

Nishikie (Blockdruck) von Andō Hiroshige (1797–1858); aus der Serie Rokujūyoshū meisho zue („Sehenswürdigkeiten aus den mehr als 60 Provinzen“), 1853–56
Bild © National Diet Library, Tokyo. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Jahr-Markt in Asakusa, späte Edo-Zeit
Holzschnitte von Hiroshige

Nakamise Shopping Mall

Seine besondere Beliebtheit verdankt die Gegend rund um den Tempel der Tatsache, dass sich in seiner un­mittel­baren Umgebung das Freuden­viertel von Edo, Yoshiwara befand. Schon in der Edo-Zeit war damit nicht nur sinn­liches Ver­gnügen, sondern auch Kauf­rausch verbunden. Die berühmte Einkaufs­straße vor dem Tempel (Nakamise), die man durch das „Donner­tor“ (Kaminarimon (Kaminarimon 雷門Kaminarimon, wtl. Donnertor )) betritt, gab es angeblich bereits in der Genroku-Zeit (erste Blütezeit Edos um 1700). Gegen Jahres­ende, jeweils am 17. und 18. 12., wurde in Asakusa außerdem ein besonderer Markt (toshi no ichi, wtl. „Jahr-Markt“) für Zier­gegen­stände zur Feier des Neujahrs abgehalten, zu dem ganz Edo drängte. Heute kann man derartige Gegen­stände das ganze Jahr über in den Souvenir­läden der Nakamise kaufen, an den ur­sprüng­lichen Jahr-Markts Tagen gibt es aber zusätzlich besondere Feiern für die Glücksgötter Daikoku (Daikoku 大黒Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“ …mehr ⇒) und Ebisu (Ebisu 恵比寿Glücksgott der Händler und Fischer; andere Schreibung: 夷 oder 戎 …mehr ⇒).

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Das Donnergott-Tor des Kinryūzan-Tempels in Asakusa (Asakusa Kinryūzan Raijinmon no zu)

Blockdruck (Farbe, Papier) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Shinpan uki-e (Bilder aus neuer Perspektive), 1790er Jahre; 25.3 x 37 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)
William Sturgis Bigelow Collection

Das Kaminari-mon ist hier ohne Lampion zu sehen, dafür sind die beiden Wächtergötter umso präsenter. Die Bauart des Tors stimmt mit der heutigen Form weitgehend überein, allerdings scheinen die Proportionen ein wenig anders zu sein. Das Bild entstammt einer frühen Periode von Hokusai, in der er mit westlicher Perspektivdarstellung experimentierte.

Kaminari-mon in Asakusa (Sensō-ji). Frühwerk von Katsushika Hokusai, um 1790.
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Das Donnergott-Tor des Tempels Kinryū-san Sensō-ji

Blockdruck (Farbe, Papier) von Keisai Eisen (1790–1848). Späte Edo-Zeit

Die Torwächter, Wind-und Donnergott sind hier gut zu erkennen, dahinter — einst wie heute — die Souvenirläden der Nakamise Dōri. In der linken Bildhälfte bemüht sich der Künstler, die restlichen Hauptgebäude (Mitteltor, Pagode, Haupthalle) in etwas zusammengestauchter Form unterzubringen.

Gedränge rund um das Kaminari-mon in der späten Edo Zeit. Die Torwächter,
Wind-und Donnergott sind hier gut zu erkennen, dahinter — einst
wie heute — die Souvenirläden der Nakamise Dōri.
Holzblockdruck von Keisai Eisen (1790–1848)

Feste

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Gedränge beim Fest des Goldenen Drachens (18.März)

Tempelfest; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Jens Quade, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Fest des Goldenen Drachens (18.März

Tempelfest; Asakusa-der, Asakusa, Tokyo
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Fest der Drei Schreingötter (Sanja Matsuri)

Schreinfest; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Tattoo-Beschau beim Sanja Matsuri auf dem Gelände des Asakusa Tempels.

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Traditionelle Federballschläger (hagoita)

Geschäftslokal; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © anchoco, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/10)

Verkauf traditioneller Federballschläger (hagoita) zu Neujahr.

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In Asakusa gibt es darüber hinaus mehrere äußerst popu­läre Feste und Feiern. Zu Neujahr ist der Tempel einer der be­lieb­testen Ziele des „ersten Schrein­besuchs“ (hatsumōde (hatsumōde 初詣Schrein-Neujahrsbesuch …mehr ⇒)), unge­achtet der Tat­sache, dass es sich um einen bud­dhis­tischen Tempel und keinen Schrein handelt. Ein wei­teres belieb­tes Fest wird außer­dem jedes Jahr im Mai zu Ehren der drei Finder der Kannon-Statue von Asakusa gefeiert. Es hieß ur­sprüng­lich Asakusa Kannon Matsuri und wurde von dem Tempel zu­ge­hörigen Mönchen und Shinto Priestern gemein­sam ver­an­staltet. Seit der gesetzlich ver­ordneten Tren­nung von Bud­dhis­mus und Shinto (shinbutsu bunri (shinbutsu bunri 神仏分離Trennung von kami und Buddhas …mehr ⇒), 1868) wurde es aber dem Tempel entzo­gen und ledig­lich dem Asakusa Schrein (eigentlich ein Schutz­schrein des Tempels) unter­stellt. In diesem Schrein werden die drei Fischer als Schutz­götter des Tempels verehrt und der Ein­fach­heit halber als Sanja-sama (wtl. Drei Schrein-Götter) bezeich­net. Daher heißt auch das Fest heute Sanja Matsuri (Sanja Matsuri 三社祭Fest der Drei Schrein[Götter], Asakusa, Tokyo ). Bei diesem Matsuri (matsuri religiöses (Volks-)Fest …mehr ⇒) beteiligen sich auch Figuren, die dem ehe­maligen Ver­gnügungs­viertel ent­stie­gen zu sein scheinen. Unter anderem nützen Yakuza-artige Kerle die Möglich­keit, ihre prächtigen Ganz­körper-Täto­wie­rungen vor­zu­führen (s. Abb. oben). Diese Tattoo-Schau lässt sich bereits auf ukiyoe der Edo-Zeit nach­weisen.

Der Tempel selbst ergänzte sein Reper­toire an jährlichen Feiern durch den Tanz des Goldenen Drachens (Kinryū no mai) der 1958 vom Drama­tiker Kubota Mantaro (1889—1963) ins Leben gerufen wurde und seit damals regel­mäßig im März stattfindet.

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Tempelanlage von Asakusa

Photographie von Kusakabe Kinbei. Um 1890; Tokyo; 21 x 26,5 cm
Bildquelle: New York Public Library, flickr, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Pagode befindet sich seit dem Wiederaufbau der Tempelanlage nach dem 2. Weltkrieg auf der anderen Seite des mittleren Tores.

Fotografie der Tempelanlage von Kusakabe Kinbei um 1890.
(Die Pagode befindet sich seit dem Wieder­aufbau nach dem 2. WK auf der anderen Seite des mittleren Tores.)
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Bild des Tempels Kinryū-san Sensō-ji (Kinryū-san Sensō-ji zu)

Blockdruck (Papier, Farbe) von Totoya Hokkei (1780–1850). 1820; 44 x 62 cm
Bildquelle: Japanese Prints, Richard Kruml. (Letzter Zugriff: 2012/4)

Hier ist der Asakusa Tempel aus der Vogelperspektive inmitten des umgebenden Stadtviertels im frühen 19. Jh. zu sehen. Im Hintergrund der Fluss Sumidagawa und der Berg Tsukuba, im NO der Stadt.

Der Tempel Sensō-ji und der Fluss Sumidagawa auf einem Holzschnitt des Jahres 1820.
Bauten: Bekannte Tempel (zurück zum Hauptartikel)
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