Asakusa-dera Der Tempel des niederen Grases
Wenn man in Tokyo einen traditionellen Tempel besuchen will, so ist Asakusa (Asakusa-dera 浅草寺 — Tempel in Tokyo; offizielle (sino-jap.) Lesung: Sensō-ji ) die erste Adresse. Natürlich gibt es noch zahlreiche andere buddhistische Tempel in der alten Holzbauweise, aber nur wenige, bei denen das gesamte architektonische Ensemble (inklusive Eingang, Pagode und Seitengebäude) nach wie vor so gut zur Geltung kommt. Dabei ist auch Asakusa nicht von den Kriegsschäden des 2. WKs verschont geblieben. Die meisten Gebäude brannten dabei ab und wurden in der Nachkriegszeit — teilweise aus Stahlbeton — wieder aufgebaut. Doch tat dies der Beliebtheit des Tempels, der seit alters her für seine vielen bunten Souvenirläden und für seine mit riesigen Lampions geschmückten Tempeltore berühmt ist, keinen Abbruch. Bereits in der Edo (Edo 江戸 — Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit war Asakusa ein populäres Zentrum des Kannon (Kannon 観音 — Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒) Glaubens. Das Hauptheiligtum ist eine winzige Kannonstatue, die der Sage nach von drei Fischern in ihren Netzen gefunden wurde.
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Photorundgang
Donnertor (kaminari-mon)
- Tempeltor; Asakusa-dera, Tokyo
Bild © Tokyo Views, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Eingang zum Tempelzugangsweg, bewacht von Windgott und Donnergott.
Riesenlampion des Donnertors (kaminari-mon)
- Lampion (Papier); Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © don.lee, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der Riesenlampion trägt das Schriftzeichen „Kaminari-mon“ (Donnertor). Die Schriftzeichen am Boden des Lampions verweisen auf seinen Sponsor, die Firma Matsushita Denki (aka. Panasonic), Hersteller von Elektrogeräten. Alles sehr sinnig, besonders wenn man bedenkt, dass der elektrische Strom auf Japanisch wörtlich genommen „Blitzkraft“ bedeutet.
Das Donnertor mit der dahinterliegenden Straße Nakamise-dōri
- Tempeltor; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Bohous Kotal, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Nakamise-dōri
- Einkaufsstraße; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Zugangsweg zum Tempel und älteste Shoppingmall Japans aus der Edo Zeit.
Mittleres Tor der Nakamise-dōri mit Neujahrsschmuck
- Tempeltor (Holz); Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Yewco Kootnikoff, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Pagode des Asakusa Tempels
- Fünfgeschoßige Pagode, gojū-tō (Stahlbeton). 1973; Sensō-ji, Asakusa, Tokyo; Höhe: 48 m; Sockel 7,5 m
Bild © Edward Hahn, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der berühmte Asakusa Tempel in Tokyo besaß bis zum Zweiten Weltkrieg eine fünfstöckige Holzpagode aus dem Jahr 1648. Sie wurde 1945 zusammen mit den meisten anderen Gebäuden der Anlage zerstört. Die neue Pagode wurde von der rechten auf die linke Seite des Zugangswegs (Nakamise dōri) verlegt.
Weihrauchbecken vor der Haupthalle
- Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Shige's Wallpapers. (Letzter Zugriff: 2011/10)
Weihrauchbecken vor der Haupthalle
- Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Lawrence Ong, 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Haupthalle des Sensō-ji
- Tempelhalle; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Shige's Wallpapers. (Letzter Zugriff: 2011/10)
Seitenansicht der Haupthalle des Sensō-ji
- Tempelhalle; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Hidde Wallaart, 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Asakusa-Schrein
- Schreinhalle. 1649; Teil der Anlage des Asakusa-dera, Tokyo
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der dem Tempel zugeordnete Schrein überstand den 2. Weltkrieg unversehrt und ist eines der ältesten Bauwerke der Anlage.
Fest der Drei Schreingötter (Sanja Matsuri)
- Schreinfest; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Tattoo-Beschau beim Sanja Matsuri auf dem Gelände des Asakusa Tempels.
Gedränge beim Fest des Goldenen Drachens (18.März)
- Tempelfest; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © Jens Quade, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Fest des Goldenen Drachens (18.März
- Tempelfest; Asakusa-der, Asakusa, Tokyo
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Traditionelle Federballschläger (hagoita)
- Geschäftslokal; Asakusa-dera, Asakusa, Tokyo
Bild © anchoco, 2006. (Letzter Zugriff: 2011/10)
Verkauf traditioneller Federballschläger (hagoita) zu Neujahr.
Tempelgründungslegende
Der Tempel mit dem offiziellen Namen Kinryū-zan Sensō-ji (Sensō-ji 浅草寺 — Tempel in Tokyo; auch: Asakusa-dera ) (Tempel des niederen Grases, Klosterberg des Goldenen Drachens), besser bekannt als Asakusa-dera (eine andere Lesung der Schriftzeichen Sensō-ji) war bereits ein lokales Heiligtum lange bevor Tokugawa Ieyasu seine Residenz nach Edo verlegte (1590) und damit den Grundstein der heutigen Metropole Tokyo legte. Den Namen „Niederes Gras“ verdankt der Tempel seiner Gründungslegende: Diese berichtet von der wundersamen Entdeckung einer Kannon (Kannon 観音 — Bodhisattva Avalokiteshvara, wtl. „der den Klang der Welt erhört“; chin. Guanyin; „Bodhisattva des Mitleids“ …mehr ⇒)-Statue durch drei Fischer (der Dorfvorsteher Haji no Nakatomo und seine Helfer, die Brüder Hamanari und Takenari), die im Jahre 628 eine lediglich 5cm große reingoldene Kannon-Figur in ihren Netzen fanden. In Ermangelung einer anderen Aufbewahrungsstätte flochten sie der Statue einen Tempel aus Gras. Die Kannon-Statue stellt angeblich noch heute den Hauptverehrungsgegenstand (honzon (honzon 本尊 — Hauptheiligtum eines Tempels …mehr ⇒)) des Asakusa Tempels dar. Sie ist ein sogenannter hibutsu (hibutsu 秘仏 — wtl. „geheimer Buddha“; geheim gehaltene Buddha-Statue ), wtl. ein „geheimer Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.) — „Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) “, und wird daher nicht öffentlich ausgestellt. Tatsächlich soll es sich bei der Kannon-Statue von Asakusa um eine etwa einen halben Meter große Holzstatue handeln.
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Ursprung der Kannon-Statue von Asakusa
Drei Fischer entdecken eine Kannon-Statue in ihren Netzen. Laut Gründungslegende des Asakusa-Tempels soll sich dieses wundersame Ereignis im Jahr 628 im nahe des Tempels gelegenen Fluss Sumidagawa zugetragen haben. |
Jahr-Markt in Asakusa
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Holzschnitte von Hiroshige | |
Nakamise Shopping Mall
Seine besondere Beliebtheit verdankt die Gegend rund um den Tempel der Tatsache, dass sich in seiner unmittelbaren Umgebung das Freudenviertel von Edo, Yoshiwara befand. Schon in der Edo-Zeit war damit nicht nur sinnliches Vergnügen, sondern auch Kaufrausch verbunden. Die berühmte Einkaufsstraße vor dem Tempel (Nakamise), die man durch das „Donnertor“ (Kaminarimon (Kaminarimon 雷門 — Kaminarimon, wtl. Donnertor )) betritt, gab es angeblich bereits in der Genroku-Zeit (erste Blütezeit Edos um 1700). Gegen Jahresende, jeweils am 17. und 18. 12., wurde in Asakusa außerdem ein besonderer Markt (toshi no ichi, wtl. „Jahr-Markt“) für Ziergegenstände zur Feier des Neujahrs abgehalten, zu dem ganz Edo drängte. Heute kann man derartige Gegenstände das ganze Jahr über in den Souvenirläden der Nakamise kaufen, an den ursprünglichen Jahr-Markts Tagen gibt es aber zusätzlich besondere Feiern für die Glücksgötter Daikoku (Daikoku 大黒 — Glücksgott; skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“ …mehr ⇒) und Ebisu (Ebisu 恵比寿 — Glücksgott der Händler und Fischer; andere Schreibung: 夷 oder 戎 …mehr ⇒).
Das Donnergott-Tor des Kinryūzan-Tempels in Asakusa (Asakusa Kinryūzan Raijinmon no zu)
- Blockdruck (Farbe, Papier) von Katsushika Hokusai (1760–1849); aus der Serie Shinpan uki-e (Bilder aus neuer Perspektive), 1790er Jahre; 25.3 x 37 cm
Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2011/7)
William Sturgis Bigelow Collection
Das Kaminari-mon ist hier ohne Lampion zu sehen, dafür sind die beiden Wächtergötter umso präsenter. Die Bauart des Tors stimmt mit der heutigen Form weitgehend überein, allerdings scheinen die Proportionen ein wenig anders zu sein. Das Bild entstammt einer frühen Periode von Hokusai, in der er mit westlicher Perspektivdarstellung experimentierte.
Das Kaminari-mon des Kinryū Tempels von Asakusa (Kinryū-san Sensō-ji Kaminari-mon no zu)
- Blockdruck (Farbe, Papier) von Keisai Eisen (1790–1848). Späte Edo-Zeit
Die Torwächter, Wind-und Donnergott sind hier gut zu erkennen, dahinter — einst wie heute — die Souvenirläden der Nakamise Dōri. In der linken Bildhälfte bemüht sich der Künstler, die restlichen Hauptgebäude (Mitteltor, Pagode, Haupthalle) in etwas zusammengestauchter Form unterzubringen.
Wind-und Donnergott sind hier gut zu erkennen, dahinter — einst
wie heute — die Souvenirläden der Nakamise Dōri.
Holzblockdruck von Keisai Eisen (1790–1848)
Feste
In Asakusa gibt es darüber hinaus mehrere äußerst populäre Feste und Feiern. Zu Neujahr ist der Tempel einer der beliebtesten Ziele des „ersten Schreinbesuchs“ (hatsumōde (hatsumōde 初詣 — Schrein-Neujahrsbesuch …mehr ⇒)), ungeachtet der Tatsache, dass es sich um einen buddhistischen Tempel und keinen Schrein handelt. Ein äußerst populäres Fest wird außerdem jedes Jahr im Mai zu Ehren der drei Finder der Kannon-Statue von Asakusa gefeiert. Es hieß ursprünglich Asakusa Kannon Matsuri und wurde von dem Tempel zugehörigen Mönchen und Shinto Priestern gemeinsam veranstaltet. Seit der gesetzlich verordneten Trennung von Buddhismus und Shinto (shinbutsu bunri (shinbutsu bunri 神仏分離 — Trennung von kami und Buddhas …mehr ⇒)) wurde es aber dem Tempel entzogen und lediglich dem Asakusa Schrein (eigentlich ein Schutzschrein des Tempels) unterstellt. In diesem Schrein werden die drei Fischer als Schutzgötter des Tempels verehrt und der Einfachheit halber als Sanja-sama (wtl. Drei Schrein-Götter) bezeichnet. Daher heißt auch das Fest heute Sanja Matsuri (Sanja Matsuri 三社祭 — Fest der Drei Schrein[Götter], Asakusa, Tokyo ). Bei diesem Matsuri (matsuri 祭 — religiöses (Volks-)Fest …mehr ⇒) beteiligen sich auch Figuren, die dem ehemligen Vergnügungsviertel entstiegen zu sein scheinen. Unter anderem nützen Yakuza-artige Kerle die Möglichkeit, ihre prächtigen Ganzkörper-Tätowierungen vorzuführen (s. Abb. oben). Diese Tattoo-Schau lässt sich bereits auf ukiyoe der Edo-Zeit nachweisen.
Der Tempel selbst ergänzte sein Repertoire an jährlichen Feiern durch den Tanz des Goldenen Drachens (Kinryū no mai) der 1958 vom Dramatiker Kubota Mantaro (1889—1963) ins Leben gerufen wurde und seit damals regelmäßig im März stattfindet.
Tempelanlage von Asakusa
- Photographie von Kusakabe Kinbei. Um 1890; Tokyo; 21 x 26,5 cm
Bildquelle: New York Public Library, flickr, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die Pagode befindet sich seit dem Wiederaufbau der Tempelanlage nach dem 2. Weltkrieg auf der anderen Seite des mittleren Tores.
(Die Pagode befindet sich seit dem Wiederaufbau nach dem 2. WK auf der anderen Seite des mittleren Tores.)
Bild des Tempels Kinryū-san Sensō-ji (Kinryū-san Sensō-ji zu)
- Blockdruck (Papier, Farbe) von Totoya Hokkei (1780–1850). 1820; 44 x 62 cm
Bildquelle: Japanese Prints, Richard Kruml. (Letzter Zugriff: 2012/4)
Hier ist der Asakusa Tempel aus der Vogelperspektive inmitten des umgebenden Stadtviertels im frühen 19. Jh. zu sehen. Im Hintergrund der Fluss Sumidagawa und der Berg Tsukuba, im NO der Stadt.
Links
- Asian Historical Architecture, Timothy M. Ciccone (Hg.) (en.)
Diese umfangreiche Website bietet einen ganz genauen fotografischen Eindruck der gesamten Anlage. - Sanja Matsuri, Wada Yoshio (jap.)
Hier findet man zahlreiche fotographische Eindrücke und eine genaue Beschreibung.Letzte Überprüfung der Linkadressen: Aug. 2010
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