Bekannte Tempel

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Bernhard Scheid, „Bekannte Tempel.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.9.2016). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Bekannte_Tempel?oldid=67118
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Goldener Pavillion (Kinkaku-ji)

Tempel (Holz, vergoldet). Muromachi-Zeit, errichtet 1398, 1950 zerstört, 1955 wieder errichtet; „UNESCO Kulturerbe“; im Besitz des Zen-Klosters Shōkoku-ji
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Der Kinkaku-ji ist wahrscheinlich das meist photographierte Bauwerk Kyōtos. Ursprünglich als Teehaus für den Shōgun Ashikaga Yoshimitsu konzipiert, ging er später in den Besitz des Zen-Klosters Shōkoku-ji über. Das Gebäude fiel 1950 einem Brandanschlag zum Opfer und wurde danach originalgetreu wiedererrichtet. Dennoch vermisst man ein wenig die historische Patina.

  Ginkakuji.jpg

Silberner Pavillion

Tempelhalle (Holz). Muromachi-Zeit, 1484–1490; „UNESCO Kulturerbe“, „Nationalschatz“

Der berühmte Silberne Pavillion (Ginkaku-ji), dekorativ beschneit. Ebenso wie der Goldene Pavillion (Kinkaku-ji) war er ehemals ein Teehaus, das Ashikaga Yoshimitsu als Alterssitz errichten ließ. Die Anlage ist auch für die abstrakte Kegelform im Garten des Tempels berühmt, die den Berg Fuji darstellt.

  Steingarten.jpg

Miniatur des Steingartens des Ryōanji-Tempels

Steingarten

Der berühmte Steingarten des Tempels Ryōan-ji wirkt auf Fotos meistens enttäuschend. Daher hier eine Miniatur-Replik, die einmal bei www.presentpicker.com als Geschenkartikel angeboten wurde.

Kinkaku-ji, (li.), Ginkaku-ji (m.), Ryōan-ji (re.)

Wer Tempel tera buddhistischer Tempel; das Wort leitet sich von einem koreanischen Begriff her, der ehemals in etwa tyər ausgesprochen wurdesiehe auch Tempel → Bauten/Schreine sehen will, muss nach Kyōto. Kyōto war bis 1868 nominell die Haupt­stadt Japans und stellte von der späten Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos, eig. Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Grundbegriffe/Shinto→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit bis ins siebzehnte Jahr­hundert, also während der Blütezeit des japanischen Bud­dhis­mus, das politische und kulturelle Zentrum des Landes dar. Alle bud­dhis­tischen Richtungen errichteten hier ein­drucks­volle religiöse Anlagen. Bauwerke wie der Goldene Pavillion (Kinkaku-ji Kinkaku-ji 金閣寺 Goldener Pavillion; Teil der Anlage des Zen-Tempels Shōkoku-ji in Kyōto, ursp. ein weltliches Teehaussiehe auch→ Karte ), der Silberne Pavillion (Ginkaku-ji Ginkaku-ji 銀閣寺 Silberner Pavillion; Teil der Anlage des Zen-Tempels Shōkoku-ji in Kyōtosiehe auch→ Karte ) oder der Steingarten des Ryōan-ji Ryōan-ji 龍安寺 wtl. Tempel des friedlichen Drachens; Zen-Tempel (Teil des Myōshin-ji) mit bekanntem Steingarten in Kyōtosiehe auch→ Karte zählen heute zu den bekanntesten Sehens­würdig­keiten Japans. Macht man sich aber auf die geschichtlichen Spuren des japanischen Bud­dhis­mus, so finden sich auch viele interessante Tempel außerhalb der ehemaligen Haupt­stadt, z.B. in Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr , das im achten Jahr­hundert das Zentrum des Landes darstellte. Im folgenden eine kurze Auswahl von Tempeln, die sowohl baulich als auch historisch von be­son­derem Interesse sind.

Tempel und Klöster

Berg Hiei

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Mandala des Sannō Schreins (Sannō-miya mandara)

Hängerollbild, mandara (Farbe und Tusche auf Seide). Muromachi-Zeit, datiert 1447; im Besitz des Nara National Museum; 120,7 x 68,1 cm
Bild © E-Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

Das Motiv dieses Bildes ist der Berg Hachiōji, ein Teil des Hiei-Massivs. Hiei ist der zentrale Klosterberg des Tendai Buddhismus. Es ist vielleicht kein Zufall, dass der dargestellte Berg einem Affen ähnelt, denn auch die Schutzgottheit des Berges, Sannō, wird gelegentlich als Affe dargestellt. Diese Schutzgottheit besitzt einen Schrein am Fuße des Berges, der hier detailreich dargestellt ist. Seine Einzelgottheiten (die kollektiv die Gottheit Sannō bilden) sind in der oberen Bildleiste abgebildet (s. Detailabbildung). Die Schreinanlage ist als shintoistischer Wächter des buddhistischen Klosters konzipiert.

. 1 Berg Hiei mit Hie Schrein

Berg Hiei Hiei-zan 比叡山 Klosterberg Hiei bei Kyōto, traditionelles Zentrum des Tendai Buddhismussiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Jizo/Osorezan→ Mythen/Tengu→ Mythen/Symboltiere→ Geschichte/Saicho → mehr ist ein Kloster­berg im Nordosten Kyōtos mit dem Haupt­kloster Enryaku-ji Enryaku-ji 延暦寺 Haupttempel des Hiei Klosterbergssiehe auch Saicho → Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Geschichte/Honji suijaku→ Geschichte/Kamakura→ Geschichte/Reichseinigung → mehr . Er ist das Zentrum des Tendai Tendai-shū 天台宗 Tendai-Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Yamabushi → mehr Buddhismus und war jahr­hunderte­lang das mächtigste Kloster Japans, das eine gefürchtete Armee von Krieger­mönchen unterhielt und sich als (geistliche und militärische) Schutz­macht der Haupt­stadt ansah. 1571 wurde Berg Hiei allerdings durch den Feld­herrn Oda Nobunaga Oda Nobunaga 織田信長 1534–1582, Kriegsfürst, Reichseinigersiehe auch Reichseinigung → Alltag/Moenche/Wuerdentraeger→ Mythen/Imaginaere Tiere→ Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Nichiren → mehr zerstört und danach nie mehr gänzlich wieder her­gestellt. Die ur­sprüng­liche Struktur der Anlage mit drei großen Tempel­bezirken und un­zäh­ligen Zweig­tempeln, die über das ganze Berg­massiv verstreut sind, besteht jedoch noch heute. Am östlichen Fuß des Berges liegt ein berühmter Schrein (also eine shintōistische Anlage), der Hie Schrein Hie Taisha 日吉大社 Schutzschrein von Berg Hiei bei Kyōto; moderne Aussprache Hiyoshi Taisha; auch: Sannō Schreinsiehe auch Honji suijaku → Mythen/Symboltiere→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Karte , der die Schutz­götter des Tempel­bergs beherbergt. (S.a. Kap. Geschichte, Saichō und Frühe Neuzeit.)

Berg Kōya

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Mönche auf Berg Kōya

Zeremonie. 2008; Berg Kōya, Wakayama-ken
Bild © Rafał Zgódka, flickr, 2008. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Mönche des Tempelberges Kōya in traditioneller Tracht des Shingon Buddhismus rezitieren Gebete vor dem shintōistischen Schutzschrein der Anlage, der sich in der Näher des Haupttempels befindet.

. 2 Mönche auf Berg Kōya

Gorintō

Grabmonumente (Stein)

Typische Grabsteine (gorintō) aus vormoderner Zeit, entlang der Route zum Mausoleum Kūkais auf Berg Kōya.

Der Klosterberg Kōya Kōya-san 高野山 Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismussiehe auch Berg Koya → Bauten/Tempel/Tempeltore→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Alltag/Friedhof → mehr ist das geistliche Zentrum des Shingon Buddhismus Shingon-shū 真言宗 Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Tempel/Pagoden → mehr , der zusammen mit der Tendai Schule zu den be­deu­tend­sten bud­dhis­tischen Strömungen des Altertums zählt. Der weit­läufige Gebäude­komplex befindet sich in einer ab­ge­leg­enen Berg­region südlich von Nara. Wie alle große Tempel­anlagen besteht auch Berg Kōya aus vielen Einzel­tempeln, von denen einige wertvolle Kunst­schätze bergen. V.a. aber be­ein­druckt der Tempel­berg durch einen riesigen Friedhof in dessen hinterstem Teil, dem Oku-no-in Oku-no-in 奥の院 wtl. Innerste [Tempel-] Halle; oft auch Mausoleumsiehe auch Berg Koya , sich das Mau­so­leum des Tempel­gründers Kūkai Kūkai 空海 774–835, Gründer des Shingon Buddhismus; Eigennamen Saeki Mao, Ehrennamen Kōbō Daishisiehe auch Kukai → Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Ikonographie/Mandala → mehr befindet ... (Mehr)

Tōdaiji

 Todaiji.jpg

Tōdaiji, Daibutsu-den

Tempelhalle. 745 errichtet, heutige Form seit 1709
Bild © Taelos Katran, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Halle des Großen Buddas (Daibutsu) des Tōdaiji in Nara.

. 3 Tōdaiji

Der Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Alltag/Totenriten/Sogiya→ Ikonographie/Dainichi → mehr (der Große Ost-Tempel) war ursprünglich der mächtigste Tempel der alten Haupt­stadt Nara. Er wurde 745 als Zentrum eines landes­weiten Netzes von Provinz­tempeln (kokubunji kokubunji 国分寺 Provinztempel, Provinzialhaupttempel; in der Nara-Zeit Teil eines landesweiten Tempel-Netzwerkssiehe auch Nara → Ikonographie/Gluecksgoetter/Bishamonten ) gegründet. Sichtbares Zeichen seines Ranges war der Große Buddha (Daibutsu Daibutsu 大仏 Großer Buddha; monumentale Buddha Statuesiehe auch Daibutsu → Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Amida→ Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shaka → mehr ), der 752 vollendet wurde. Er ist noch heute die größte Bronze­statue der Welt. Die Haupt­halle des Tōdaiji, in der der Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr ausgestellt ist, gilt als welt­größtes Holz­gebäude. Der Tempel ist eine der Haupt­sehens­würdig­keiten von Nara und zählt zum UNESCO Welt­kultur­erbe.

Kōfuku-ji

  Kofukuji.jpg

Pagode des Kōfuku-ji

Pagode (Holz). 8. Jh.; Kōfuku-ji, Nara
Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Die alte Pagode () ist das bedeutendste Gebäude des Kōfuku-ji.

. 4 Kōfuku-ji

Der Kōfuku-ji Kōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Narasiehe auch→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Geschichte/Fruehzeit→ Geschichte/Nara→ Geschichte/Saicho → mehr ist ein weiterer wichtiger Tempel in Nara. Er diente der mächtigen Adels­familie der Fujiwara Fujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertumsiehe auch Fruehzeit → Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr als Familien­tempel und liegt in unmittelbarer Nähe des Kasuga Kasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwarasiehe auch Bekannte Schreine → Alltag/Opfergaben→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Bauten/Bekannte Schreine/Kasuga→ Ikonographie/Mandala → mehr Schreins, der ebenfalls von dieser Familie gegründet wurde. Dank der immensen Be­deu­tung dieser Familie während der Heian-Zeit, überflügelte der Kōfukuji den Tōdaiji, fand jedoch in Gestalt des Klosters auf Berg Hiei (s.o.) einen er­bit­ter­ten Kon­kur­ren­ten. Auch der Kōfuku-ji unterhielt eine gefürchtete Armee von Krieger­mönchen (sōhei sōhei 僧兵 Kriegermönch, Mönchssoldatsiehe auch Kamakura ) und war der größte Land­besitzer im Raum Nara. Zwischen Kōfuku-ji, Kasuga Schrein und dem Tōdaiji (dem Tempel des Großen Buddha) befindet sich heute ein großer Park, der von zahmen Hirschen bevölkert ist.

Hongan-ji

  Goeido_higashi_honganji.jpg

Goei-dō

Tempel (Holz). Errichtet 1602, nach Feuerschaden 1895 wiederrichtet, 2008 rennoviert; „Nationalschatz“; Higashi Hongan-ji, Kyōto
Bild © Bernhard Scheid, flickr, 2016. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

Haupthalle des Higashi Hongan-ji, Goei-dō, wtl. Halle des Erhabenen Bildes. Gemeint ist die Hauptstatue, die Ordensgründer Shinran darstellt. Mit einem Grundriss von 76 x 58 m gilt diese Halle als ausladenstes Holzgebäude der Welt. An Höhe wird sie allerdings von der Haupthalle des Tōdaiji übertroffen.

. 5 Higashi Hongan-ji

Der zweigeteilte Hongan-ji Hongan-ji 本願寺 Tempel in Kyōto; Haupttempel der Jōdo Shinshū; seit der Aufspaltung dieser Richtung im 17. Jh. gibt es eigentlich zwei, einen östlichen (Higashi Hongan-ji, Ōtani-ha) und einen westlichen (Nishi Hongan-ji, Honganji-ha)siehe auch→ Geschichte/Amidismus ist das spi­ri­tu­elle Zentrum des Shin Bud­dhis­mus vom Reinen Land (Jōdo Shinshū Jōdo Shinshū 浄土真宗 Shin-Buddhismus, bzw. Jōdo Shin-Buddhismus; wtl. „Wahre Schule des Reinen Landes“siehe auch Amidismus → Alltag/Ahnenkult→ Geschichte/Kamakura→ Geschichte/Zen→ Geschichte/Reichseinigung → mehr ), der zahlen­mäßig stärksten Richtung des japanischen Buddhismus. Sein Name leitet sich vom wichtigsten Gelübde (hongan hongan 本願 „Ureid“; zumeist Gelübde des Buddha Amida, alle Lebewesen zu rettensiehe auch Amidismus → Texte/Jinno shotoki ) des Amida Buddha ab. Hongan-ji gibt es eigentlich zwei, den Westlichen (Nishi Hongan-ji Nishi Hongan-ji 西本願寺 Westlicher Hongan-Tempel in Kyōto; Haupttempel der Honganji-Linie des Jōdo-Shin Buddhismus; s.a. Östlicher Hongan-Tempel (Higashi Hongan-ji)siehe auch→ Geschichte/Amidismus→ Karte ) und den Östlichen (Higashi Hongan-ji Higashi Hongan-ji 東本願寺 Östlicher Hongan-Tempel in Kyōto; Haupttempel der Ōtani-Linie des Jōdo-Shin Buddhismus; s.a. Westlicher Hongan-Tempel (Nishi Hongan-ji)siehe auch→ Geschichte/Amidismus→ Karte ). Beide stehen jeweils an der Spitze riva­lisie­render Fraktionen der Jōdo Shinshū. Für viele Japan­besucher ist der Higashi Hongan-ji (auch O-higashi-san) der erste große Tempel, den sie besichtigen, denn er liegt in un­mittel­barer Nähe des Haupt­bahnhofs von Kyōto. Der etwa gleich große Nishi Hongan-ji (O-nishi-san) liegt nur wenige hundert Meter westlich. Beide besitzen eine mächtige Halle für den Ordensgründer Shinran Shinran 親鸞 1173–1262; Gründer der Jōdo Shin-Schulesiehe auch Kamakura → Geschichte/Amidismus→ Geschichte/Nichiren und eine etwas kleinere Halle für Amida. Dies rührt daher, dass der Name Hongan-ji ursprünglich für ein bescheidenes Mausoleum des Ordensgründers vorgesehen war. In Folge der starken Verfolgungen, denen Shinrans Anhänger ausgesetzt waren, entstanden mehrere Hongan-ji in verschiedenen Landesteilen, u.a. auch in Ōsaka. Die heutigen Haupttempel der Schule entstanden erst zur Zeit der Reichs­einigung um das Jahr 1600. Zunächst bedachte Toyotomi Hideyoshi Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 1537–1598, Feldherr, Diktator; be­kannt als der zweite von drei Reichs­eini­gern am Ende der „Zeit der kämp­fen­den Länder“ (Sengoku Jidai)siehe auch Christentum → Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Mythen/Symboltiere → mehr die Erben Shinrans mit dem Grundstück des heutigen Nishi Hongan-ji, während Tokugawa Ieyasu Tokugawa Ieyasu 徳川家康 1543–1616; 1. Tokugawa Shōgun; Reichseinigersiehe auch Reichseinigung → Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko → mehr im Jahr 1602 einer rivalisierenden Gruppe (der sog. Ōtani-ha) das Grundstück des Higashi Hongan-ji schenkte. Dies geschah mit dem Hinter­gedanken, allfällige Sympathien für Hideyoshi innerhalb der damals auch militärisch starken Glaubens­gemein­schaft durch Teilung der Gemeinde zu schwächen (s.a. Amidismus).

Asakusa Tempel

  Asakusa_nakamise.jpg

Nakamise-dōri

Einkaufsstraße; Asakusa-dera, Asakusa, Tōkyō
Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

Zugangsweg zum Asakusa Tempel und älteste Shoppingmall Japans aus der Edo-Zeit.

. 6 Asakusa Tempel, Nakamise-dōri

Donnertor (kaminari-mon)

Tempeltor; Asakusa-dera, Tōkyō
Bild © Tokyo Views, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Eingang zum Tempelzugangsweg durch das Kaminari-mon des Asakusa Tempels, bewacht von Windgott und Donnergott.

Wenn man in Tōkyō einen tra­di­tio­nellen Tempel besuchen will, so ist Asakusa Asakusa-dera 浅草寺 Tempel in Tōkyō; offizielle (sino-jap.) Lesung: Sensō-jisiehe auch Asakusa → Ikonographie/Kannon→ Geschichte/Zen/Bodhidharma→ Karte die erste Adresse. Natürlich gibt es noch zahlreiche andere bud­dhis­tische Tempel, aber nur wenige, bei denen das gesamte archi­tek­tonische Ensemble (inklusive Eingang, Pagode und Seiten­gebäude) nach wie vor so gut zur Geltung kommt. Dabei ist auch Asakusa nicht von den Kriegs­schäden des Zweiten Welt­krieges verschont geblieben. Die meisten Gebäude brannten dabei ab und wurden in der Nach­kriegs­zeit wieder aufgebaut. Doch tat dies der Be­liebt­heit des Tempels, der seit alters her für seine vielen bunten Souvenir­läden und für seine mit riesigen Lampions ge­schmückten Tempeltore (torii torii 鳥居 Torii, Schreintorsiehe auch Torii → Bauten/Schreine→ Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Schreine/Shimenawa→ Bauten/Schreine/Schreinbilder → mehr ) berühmt ist, keinen Abbruch. Bereits in der Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shōgune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tōkyōsiehe auch Geschichtsperioden → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Shinto→ Grundbegriffe/Stereotype/Herrigels Zen→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit war Asakusa ein populäres Zentrum des Kannon-Glaubens. Das Haupt­heiligtum ist eine winzige Kannon­statue, die der Sage nach von drei Fischern in ihren Netzen gefunden wurde. ... (Mehr)

Kiyomizu Tempel

  Kiyomizu1.jpg

Kiyomizu-dera

Tempelhalle (Holz). Gegr. 778, heutige Form seit 1633; „Nationalschatz“; Kyōto
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

Der Kiyomizu Tempel im Frühling. Besonders eindrucksvoll ist das terassenartige Podest aus Holz, das gänzlich ohne Nägel errichtet wurde.

. 7 Kiyomizu-dera

Der Kiyomizu-dera Kiyomizu-dera 清水寺 Tempel in Kyōtosiehe auch→ Ikonographie/Kannon→ Mythen/Imaginaere Tiere/Komainu→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku→ Karte (eig. Otowayama Kannon-ji) ist ein weiterer Kannon Kannon 観音 auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekanntsiehe auch Kannon → Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Bauten/Schreine/Torii→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi → mehr Tempel und zugleich eine der Top-Sehens­würdig­keiten von Kyōto. Besonders berühmt ist die ter­ras­sen­artige Haupt­halle, aber auch das Eingangstor und die Pagode sind sehr ein­drucks­voll. Außerdem gibt es einen wunder­wirkenden Wasser­fall (Otowa-no-taki), von dem sich der Tempel­name (kiyomizu = „Reines Wasser“) herleitet. Unmittelbar hinter dem Tempel befindet sich der Jishu Jinja Jishu Jinja 地主神社 Schrein des Ōkuninushi beim Kiyomizu Tempel in Kyōto; Ōkuninushi wird hier als enmusubi no kami, als Gottheit für Liebende oder Liebesuchende, verehrtsiehe auch→ Karte , ein Schrein der Gott­heit Ōkuninushi Ōkuninushi 大国主 mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landessiehe auch Okuninushi → Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Ise Izumo/Izumo Schrein→ Ikonographie/Gluecksgoetter→ Ikonographie/Gluecksgoetter/Daikoku → mehr , der Verliebten Glück bringen soll. Der Kiyomizu-dera wurde bereits in der Heian-Zeit ge­grün­det, seine heutige Form stammt aus dem sech­zehnten und sieb­zehnten Jahr­hundert.

Verweise

Bilderläuterungen

  1. Hie mandara.jpg

    Mandala des Sannō Schreins (Sannō-miya mandara)

    Hängerollbild, mandara (Farbe und Tusche auf Seide). Muromachi-Zeit, datiert 1447; im Besitz des Nara National Museum; 120,7 x 68,1 cm
    Bild © E-Museum. (Letzter Zugriff: 2016/9/5)

    Das Motiv dieses Bildes ist der Berg Hachiōji, ein Teil des Hiei-Massivs. Hiei ist der zentrale Klosterberg des Tendai Buddhismus. Es ist vielleicht kein Zufall, dass der dargestellte Berg einem Affen ähnelt, denn auch die Schutzgottheit des Berges, Sannō, wird gelegentlich als Affe dargestellt. Diese Schutzgottheit besitzt einen Schrein am Fuße des Berges, der hier detailreich dargestellt ist. Seine Einzelgottheiten (die kollektiv die Gottheit Sannō bilden) sind in der oberen Bildleiste abgebildet (s. Detailabbildung). Die Schreinanlage ist als shintoistischer Wächter des buddhistischen Klosters konzipiert.

  2. Koya monks.jpg

    Mönche auf Berg Kōya

    Zeremonie. 2008; Berg Kōya, Wakayama-ken
    Bild © Rafał Zgódka, flickr, 2008. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Mönche des Tempelberges Kōya in traditioneller Tracht des Shingon Buddhismus rezitieren Gebete vor dem shintōistischen Schutzschrein der Anlage, der sich in der Näher des Haupttempels befindet.

  3. Todaiji.jpg

    Tōdaiji, Daibutsu-den

    Tempelhalle. 745 errichtet, heutige Form seit 1709
    Bild © Taelos Katran, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Halle des Großen Buddas (Daibutsu) des Tōdaiji in Nara.

  4. Kofukuji.jpg

    Pagode des Kōfuku-ji

    Pagode (Holz). 8. Jh.; Kōfuku-ji, Nara
    Bild © Wada Yoshio. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Die alte Pagode () ist das bedeutendste Gebäude des Kōfuku-ji.

  5. Goeido higashi honganji.jpg

    Goei-dō

    Tempel (Holz). Errichtet 1602, nach Feuerschaden 1895 wiederrichtet, 2008 rennoviert; „Nationalschatz“; Higashi Hongan-ji, Kyōto
    Bild © Bernhard Scheid, flickr, 2016. (Letzter Zugriff: 2016/9/6)

    Haupthalle des Higashi Hongan-ji, Goei-dō, wtl. Halle des Erhabenen Bildes. Gemeint ist die Hauptstatue, die Ordensgründer Shinran darstellt. Mit einem Grundriss von 76 x 58 m gilt diese Halle als ausladenstes Holzgebäude der Welt. An Höhe wird sie allerdings von der Haupthalle des Tōdaiji übertroffen.

  6. Asakusa nakamise.jpg

    Nakamise-dōri

    Einkaufsstraße; Asakusa-dera, Asakusa, Tōkyō
    Bild © Wada Yoshio, 2006. (Letzter Zugriff: 2016/9/18)

    Zugangsweg zum Asakusa Tempel und älteste Shoppingmall Japans aus der Edo-Zeit.

  7. Kiyomizu1.jpg

    Kiyomizu-dera

    Tempelhalle (Holz). Gegr. 778, heutige Form seit 1633; „Nationalschatz“; Kyōto
    Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2016/8)

    Der Kiyomizu Tempel im Frühling. Besonders eindrucksvoll ist das terassenartige Podest aus Holz, das gänzlich ohne Nägel errichtet wurde.

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