Der Itsukushima Schrein und sein Torii

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Bernhard Scheid, „Der Itsukushima Schrein und sein Torii“ (Stand: 2013-01-19). In: ders. (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch (Universität Wien, seit 2001). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Bekannte_Schreine/Itsukushima?oldid=32967
Miyajima torii1.jpg

Das berühmte torii von Miyajima bei Flut

torii; Miyajima, Präfektur Hiroshima
Torii miyajima ebbe.jpg

... und Ebbe

torii; Miyajima, Präfektur Hiroshima
Bild © Breizhoo, 2004. (Letzter Zugriff: 2006/2)
Torii miyajima.jpg

Itsukushima Torii

Schreintor (Holz); Insel Miyajima, Präfektur Hiroshima

Berühmtes torii des Itsukushima Schreins, das im Meer errichtet wurde.

Itsukushima torii meiji.jpg

torii auf Miyajima

torii (Holz); Präfektur Hiroshima
Bild © UNIDAM, Japanologie Wien. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Auf diesem handkolorierten Bild aus der Meiji-Zeit sieht man das torii in unbemaltem Zustand. Dabei erkennt man deutlicher, dass die Hauptpfeiler aus unbehandelten Baumstämmen bestehen.

Itsukushima torii sand.jpg
torii (Holz); Miyajima, Präfektur Hiroshima
Bild © Chiba Akio, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Itsukushima.jpg

Der dazu gehörige Itsukushima Schrein...

Schrein (Holz); Miyajima, Präfektur Hiroshima
Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Itsukushima torii.jpg

torii vom Schrein aus

torii (Holz); Miyajima, Präfektur Hiroshima
Bild © Nihon-Zen. (Letzter Zugriff: 2010/8)
Itsukushima korridor.jpg

Die zahlreichen Gänge des Schreins...

Photographie von Miyoshi Kazuyoshi; „Nationalschatz“; Miyajima, Präfektur Hiroshima
Bildquelle: Japan Foundation. (Letzter Zugriff: 2012/1)
Itsukushima korridor2.jpg

... die ebenfalls auf Pfählen im Wasser stehen.

Miyajima, Präfektur Hiroshima
Miyajima touristgr.jpg

Die dazu gehörigen Touristen bei Sonne...

Miyajima, Präfektur Hiroshima
Miyajima tourists rain.jpg

...und Regen.

Miyajima, Präfektur Hiroshima
Miyajima hirsch.jpg

Ein fotogener Hirsch.

Miyajima, Präfektur Hiroshima
Bild © Chiba Akio, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Der Itsukushima (Itsukushima 厳島auch Miyajima, Schrein bei Hiroshima ) Schrein auf der heiligen Insel Miyajima (Miyajima 宮島Schreininsel nahe Hiroshima; s.a. Itsukushima Schrein ) gilt als eine der drei bedeutendsten Sehens­würdig­keiten Japans und wurde als UNESCO Welt­kultur­erbe aus­ge­zeich­net. Sein vom Meer umspül­tes torii (torii 鳥居Torii, Schreintor …mehr ⇒) darf in keinem Japan-Prospekt fehlen und zählt zusam­men mit dem Berg Fuji und dem Shinkansen zu den bekann­testen Emble­men Japans.

Die Schreininsel Miyajima befindet sich in der Bucht von Hiroshima. Der eigentliche Name des Schreins, Itsukushima, bedeutet wörtlich „Tabu-Insel“, ein Hinweis auf die beson­dere Heilig­keit dieses Ortes. So ist z.B. das Töten von Tieren, aber auch die Bestat­tung von Menschen hier streng verboten. Wie die Anlage des Kasuga Schreins (Kasuga Taisha 春日大社Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der → Fujiwara …mehr ⇒) in Nara ist die ganze Insel von zahmen Hirschen und zahl­losen Affen bevölkert. In alter Zeit soll hier außer­dem ein „Bau-Tabu“ bestanden haben, d.h. es durften keine Bau­werke auf der Insel er­richtet werden. Daher konnte die Schrein­anlage auch nicht auf der Insel selbst stehen, sondern wurde auf Pfählen im Wasser errichtet. Anschei­nend gab es jedoch schon in der Edo (Edo 江戸Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit eine statt­liche Anzahl von Gebäuden auf der Insel selbst (s. Bild unten).

itsukushima_1720.jpg

Schreinanlage von Miyajima

Querbildrolle, Detail. Edo-Zeit, 1720
Bild © S_Minaga. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die Schreinanlage auf einer Edo-zeitlichen Querbildrolle (1720, von Norden)
Miyajima_panorama.jpg

Panorama Bild der Schreininsel Miyajima und der Stadt Hiroshima (rechts oben). Ansicht von Süden.

Querbildrolle. 1926
Bild © Tokushima Bunri University. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Ausschnitt eines Panaromabilds der Regionen Shikoku und Chūgoku von Yoshida Hatsusaburō.

Die Schreininsel auf einem Panoramabild (1925, von Süden)
Itsukushima_bird.jpg

Luftbild des Itsukushima Schreins

Photographie von Watanabe Manabu. 2006
Bild © Discovering Japan, Nipponia 37. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die Schreinanlage auf einem Luftbild (2006, von Norden)


Schreingottheiten

torii_miyajima_hiroshige.jpg

torii von Miyajima

Holzschnitt (Papier, Farbe) von Ando Hiroshige; aus der Serie Rokujūyoshu meisho zue (Sehenswürdigkeiten aus den mehr als 60 Provinzen), 1853-56
Bild © hiroshige.org.uk. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Das torii von Miyajima auf einem Holzschnitt von Andō Hiroshige (um 1855)

Der Schrein wurde laut Grün­dungs­le­gende im Jahr 593 unter Kaiserin Suiko gegrün­det und wäre dem­zu­folge einer der ältes­ten Schreine Japans. Die ganze Anlage besteht aus einer Viel­zahl von Einzel­schrei­nen für die unter­schied­lichs­ten Gott­heiten, die Haupt­halle be­her­bergt aber drei weib­liche Gott­heiten, die nament­lich kaum bekannt sind und stets als Trio auftreten (s.u.). In den Neben­schrei­nen werden aber auch be­kann­te mytho­lo­gische Gott­hei­ten wie Ama­terasu (Amaterasu 天照Sonnengottheit, Ahnherrin des Tennō …mehr ⇒) oder Susanoo (Susanoo 須佐之男mytholog. Trickster-Gott; Sturmgott, Mondgott …mehr ⇒) verehrt. In der Edo-Zeit war Itsuku­shima außer­dem als Heilig­tum der Glücks­göttin Benzaiten (Benzaiten 弁才天/ 弁財天Glücksgöttin, Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten …mehr ⇒) bekannt. In einem Sei­ten­tem­pel(!) befindet sich noch immer eine Statue dieser eigent­lich bud­dhis­tischen Gott­heit, die als eine der „Drei Großen Benten“ gilt, aller­dings nur einmal im Jahr zu sehen ist.

Welche Kami (kami japanische Gottheit …mehr ⇒) aber auch immer hier verehrt werden, sie sind zum über­wie­genden Teil weiblich und haben großen Ein­fluss auf das Meer und die Schiff­fahrt. Diesem Einfluss ver­dankt der Schrein wohl auch seine Bedeu­tung. Ende der Heian-Zeit wurde er vom damals ein­fluss­rei­chen Krieger­adels­haus der Taira zum Familien­schutz­schrein erhoben. Selbst nach deren Unter­gang erfreute er sich ebenso großer Ver­ehrung seitens ihrer einstigen Gegner. Die heutige Anlage wurde 1168 unter Taira no Kiyomori errich­tet, brannte jedoch wie viele andere religiöse Gebäude in dieser un­ruhigen Zeit bald wieder ab. 1241 wurde sie restau­riert und hatte in dieser Form offen­bar bis heute Bestand.

Mythologische Ursprünge, Munakata Schrein

Die Hauptgöttinnen von Itsuku­shima heißen Ichikishima-hime (von ihr dürf­te „Itsukushima“ ab­ge­lei­tet sein), Tagori-hime und Tagitsu-hime. Es handelt sich um drei Göttinnen der Schifffahrt und/oder des Meeres, die ihren Hauptschrein ursprünglich in Kyushu, im Groß­schrein von Munakata (Munakata Taisha 宗像大社Großschrein von Munakata, Kyushu …mehr ⇒) nahe der Stadt Fukuoka hatten. Munakata um­fasst genau ge­nom­men drei Schreine: Hetsu-miya an der Küste Kyu­shus, Nakatsu-miya auf einer vor­ge­lagerten Insel und Okitsu-miya auf der 60 km ent­fern­ten Insel Oki. Diese Inseln waren ehe­mals wichtige Stütz­punkte bei der Über­fahrt nach Korea. Ins­be­son­dere die kleine Insel Oki scheint als eine Art Schatz­haus fungiert zu haben, wie Aus­gra­bun­gen in jüngster Zeit be­legen. Obwohl die ganze Insel einer weib­lichen Gott­heit geweiht ist, besteht noch heute ein altes Tabu, dem­zu­folge Frauen die Insel nicht be­tre­ten dürfen. Es leben also nur männ­liche Schrein­priester auf Oki.

Schon in den ältesten Chroniken Japans, Kojiki (Kojiki 古事記Älteste jap. Chronik (712) …mehr ⇒) und Nihon shoki (Nihon shoki 日本書紀Zweitältestes Schriftwerk und erste offizielle Reichschronik Japans (720) …mehr ⇒), sind die drei Göttinnen erwähnt. Sie ent­standen aus einem Schwert des Susanoo, das seine Schwester, Amaterasu, in Stücke schlug und zerkaute (s. Ama­terasus „jung­fräu­liche Emp­fäng­nis“). Die so ent­stan­denen Göt­tin­nen wurden später von Ama­terasu nach Kyushu entsendet, um die Her­ab­kunft ihres Enkels Ninigi (Ninigi 瓊瓊杵mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasus …mehr ⇒) vorzu­berei­ten. Es gibt aber Wider­sprüche inner­halb der Quellen hin­sicht­lich der Frage, welche Gott­heit für welchen Schrein zuständig ist. Dies könnte darauf hin­deu­ten, dass die Ver­bindung zu den Töch­tern Ama­terasus eine nach­träg­liche Kon­struk­tion darstellt, um den Schrein­komplex von Munakata in die of­fiziel­len Mythen der Yamato-Dynastie zu integrieren.

Politisch war die Integration Munakatas jedenfalls erfolgreich. Neben dem Schrein Itsuku­shima gibt es ein über ganz Japan aus­ge­dehntes Netzwerk von Zweig­schrei­nen, die meist ent­weder Munakata oder Itsukishima heißen und den Munakata Schrein als ihren Stamm­schrein ansehen.

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