Kasuga Taisha, Der Schrein der Zehntausend Laternen

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Bernhard Scheid, „Kasuga Taisha, Der Schrein der Zehntausend Laternen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 17.8.2015). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Bekannte_Schreine/Kasuga?oldid=55743X

Die meisten Nebengebäude des Kasuga Kasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwarasiehe auch Bekannte Schreine → Bauten/Bekannte Tempel→ Alltag/Opfergaben→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Ikonographie/Mandala → mehr Schreins sind mit un­zähligen metallenen Laternen (tōrō tōrō 灯篭 Laterne, meist Stein oder Metallsiehe auch Schreine → Alltag/Opfergaben ) versehen, während entlang der Zu­gangs­wege zum Schrein eine noch größere Anzahl von Stein­laternen aufgestellt sind. Diese Laternen des Kasuga Schreins sind Spenden von Gläubigen, die sich über die Jahr­hunderte ange­sammelt haben. Nur zweimal im Jahr, zum Fest der Tag- und Nacht­gleiche (setsubun) im Frühling und zur Zeit des Bon-Festes im August, werden alle Laternen an­ge­zün­det.

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Kasuga-Laternen

Bild © Matthias Scommoda, 2004. (Letzter Zugriff: 2005/3)

Metallene Laternen (tōrō) des Kasuga Taisha

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Schreinlaternen

Bild © Rómulo Rejón, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die gold-glänzenden Laternen (tōrō) sind neueren Datums.

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Laterne

Bild © Perrin Lindelauf, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Beleuchtete Kasuga-Laterne (tōrō)

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Kasuga-Laterne

Tōrō; Kasuga Schrein, Nara
Bild © curls&dom, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Kasuga-Laterne (tōrō) mit Chrysanthemen Motiv

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Laterne

Bild © Yamada Ryoko, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der Hirsch als Symbol des Schreins ist auch auf vielen Laternen (tōrō) zu finden.

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Laterne aus dem Jahr Kanbun 6

Laterne. 1666
Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Viele Laternen (tōrō) haben einen Text in das Muster eingebaut, der Namen des Spenders und Datum der Spende enthält.

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Laterne

Bronze
Bild © Owen Murray, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Grundform ist gleich, doch jede Laterne (tōrō) ist ein Einzelstück.

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Laternen

Laterne (Bronze). 1676
Bild © Mark Boucher, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Laterne (tōrō) im Vordergrund hat ein Datum eingeschrieben: Enpō 4

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Bronzelaternen (tsuta-mon)

Laterne (Bronze)
Bild © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Bronzelaternen (tōrō) mit Familienwappen in der Form eines Wilden-Wein-Blattes

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Laternen

Laterne (Bronze)
Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Laternen (tōrō) sind in Seitengängen des Schreins aufgehängt.

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Unbelechtete Laternen

Laterne (Stein)
Bild © Roy Chan, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Unbeleuchtete Kasuga-Steinlaternen (tōrō)

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Steinlaternen (ishi tōrō)

Laterne (Stein); Kasuga Schrein, Nara
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/5)

Steinlaternen (ishi tōrō) des Kasuga Taisha

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Steinlaternen (ishi tōrō)

Bild © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Reh zwischen Steinlaternen (tōrō)

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Steinlaternen

Als Vorbereitung für das Laternenfest werden die Steinlaternen (tōrō) mit Papier verklebt.

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Steinlaternen

Bild © Yvon Liu, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Manchmal wird das auf die Laternen (tōrō) geklebte Papier aber gleich wieder gefressen.

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Hauptgebäude

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Kasuga Schrein

Schreintor
Bild © Japan Trip 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der imposante Eingang zum inneren Bereich des Kasuga Taisha

Der imposante Eingang zum inneren Schreinbereich

Der prachtvolle Haupt­eingang des Schreins steht in merk­würdigem Kontrast zur eher be­scheiden wirkenden vier­fachen Haupt­halle, wo die vier Ahnen­götter der Adels­familie Fujiwara ein­ge­schreint sind. Dieses Haupt­gebäude ist von mehreren Neben­gebäuden so dicht umgeben, dass man es als normaler Besucher gar nicht zu Gesicht bekommt.

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Die vierfache Haupthalle (honden)

Schreinhalle; Kasuga Taisha, Nara
Bild © Shintō jiten, 1994
Die vierfache Haupthalle (honden)
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Kasuga

Schreinanlage, mandara (Seide), Detail

Detaildarstellung des Kasuga Schreins.

Schreinanlage auf einer Darstellung aus dem 14. Jh. (Detail)


Schreingeschichte

Der Kasuga-Schrein ist mit dem Aufstieg der Fujiwara Fujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertumsiehe auch Fruehzeit → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr Dynastie verbunden, deren Ahnherr, Nakatomi no Kamatari Nakatomi no Kamatari 中臣鎌足 614–669; Staatsmann und Ahnherr der Fujiwarasiehe auch Fruehzeit → Geschichte/Heian Zeit/Zoga (614—669), einer der bedeu­tendsten Staats­männer des siebten Jahrhunderts war. Er half im Zuge der sog. Taika Reform dabei mit, das gesamte Land als Eigen­tum des Staates (bzw. des Tennō) zu definieren und die ehe­maligen Regional­fürsten zu Staats­beamten umzu­funktionieren. Zum Dank erhielt er „Privat­land“ (das also nicht dem Tennō gehörte) in der fernen Provinz Hitachi (im Osten des heutigen Tōkyō). Um diesen Deal zu besiegeln, war offenbar die Mit­hilfe der Götter notwendig. Die beiden himm­lischen Hau­degen Takemikazuchi Takemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrtsiehe auch Goetter der Erde → Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Ikonographie/Shinto-Goetter/Kasuga Mandala→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e und Futsunushi Futsunushi 経津主 Mythologischer Schwertgottsiehe auch Goetter der Erde → Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi , die schon bei der Kolonisation Izumos tat­kräftig mit­ge­holfen hatten, erhielten wahr­schein­lich zur Zeit des Kamatari in Hitachi zwei große Schreine. Als dann im achten Jahr­hundert die neue Haupt­stadt Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo → mehr (Heijō-kyō Heijō-kyō 平城京 urspr. Name der Stadt Nara; wtl. Stadt der Friedensburgsiehe auch Nara ) ge­gründet wurde, er­richteten die Fujiwara am Ost­rand der Stadt, am Fuße des Berges Mikasa, den Kasuga Schrein, der in den Quellen erstmals im Jahr 768 auf­taucht, möglicher­weise aber sogar noch etwas älter ist (Grapard 1992). Anlass für die Schrein­gründung war der Legende zufolge, dass die beiden Götter aus Hitachi, Takemikazuchi und Futsunushi, auf Hirschen in die neue Haupt­stadt geritten kamen und hier unter­gebracht werden mussten. Erst später (möglicherweise erst in der Heian Zeit) kamen dann noch die beiden anderen Haupt­götter Ame no Koyane Ame no Koyane 天児屋/天児屋根 mytholog. Gottheit; Ahnengottheit der Fujiwara und seine Gefährtin Himegami Himegami 比売神 wtl. „göttliche Gemahlin oder Tochter“; oft anonymes weibl. Gegenstück zu einer männl. Schreingottheit (oder Hime-no-kami) dazu. Die cha­rak­ter­istische Vierer­form des Haupt­gebäudes stammt jeden­falls aus der frühen Heian Zeit.

Die Blütezeit des Schreins fällt in die spätere Heian-Zeit, als die Fujiwara als erbliche Regenten des Tennō die gesamte politische Macht des Hofes mono­polisierten. Der Schrein war damals mit dem bud­dhis­tischen Tempel Kōfuku-ji Kōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Narasiehe auch Bekannte Tempel → Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Shinto-Goetter/Kasuga Mandala→ Geschichte/Nara→ Geschichte/Saicho → mehr , dem Familien­tempel der Fujiwara, zu einem einzigen Kult­zen­trum ver­schmol­zen. Auch der einstmals wichtigste Tempel des Landes, der in un­mittel­barer Nach­bar­schaft gelegene Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch Bekannte Tempel → Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Dainichi → mehr geriet unter den Ein­fluss des Kōfuku-ji–Kasuga Kom­plexes, bzw. wurde in den Gesamt­kom­plex zu integriert. Kasuga und Kōfuku-ji blieben bis in die Edo-Zeit die religiösen Stützen der Fujiwara Aristokratie, welche wiederum über Jahr­hunderte hinweg die wichtigste Familie des Hofes darstellte. Als Reprä­sentant des höfischen Adels zählte der Kasuga Schrein damals zusammen mit Ise Ise 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū)siehe auch Schreinanlage Ise → Bauten/Schreine/Torii→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Kamidana→ Ikonographie/Shinto-Goetter → mehr (stellvertretend für den Tennō) und Hachiman Hachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochensiehe auch Shinto-Goetter → Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Goetter der Erde→ Mythen/Symboltiere → mehr (stell­ver­tretend für den Krieger­adel) zu den drei be­deu­tend­sten Schreinen Japans.

Siehe auch: Kasuga Mandala

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Ikonographie