Kasuga Taisha, Der Schrein der Zehntausend Laternen

Religion-in-Japan > Bauten > Bekannte Schreine > Kasuga
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite zitieren:
Bernhard Scheid, „Kasuga Taisha, Der Schrein der Zehntausend Laternen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 26.4.2016). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten/Bekannte_Schreine/Kasuga?oldid=61967X

Der Kasuga Kasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwarasiehe auch Bekannte Schreine → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Tempel→ Alltag/Opfergaben→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr Schrein ist der bekannteste und repräsentativste Schrein der alten Hauptstadt Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr . Den meisten Touristen bleiben vor allem zwei Eindrücke aus Kasuga in Erinnerung: die zahmen Hirsche, die sich zwischen Kasuga und den benachbarten Tempeln Kōfuku-ji Kōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Narasiehe auch Bekannte Tempel → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Schreine→ Geschichte/Nara→ Geschichte/Saicho → mehr und Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch Bekannte Tempel → Sandkiste→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Dainichi → mehr tummeln, und die vielgestaltigen Laternen, die die Wege und Gebäude der Schreinanlage säumen. Der Schrein ist aber auch aufgrund seiner historischen Verbindung zu den Fujiwara Fujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertumsiehe auch Fruehzeit → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin → mehr , dem mächtigsten Adelshaus des japanischen Altertums, von besonderem Interesse.

Laternen

  kasuga1.jpg

Kasuga-Laternen

Bild © Matthias Scommoda, 2004. (Letzter Zugriff: 2005/3)

Metallene Laternen (tōrō) des Kasuga Taisha

. 1 Laternen an den Schreingebäuden
  kasuga5.jpg

Laternen

Laterne (Bronze)
Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Laternen (tōrō) sind in Seitengängen des Schreins aufgehängt.

  kasuga2.jpg

Schreinlaternen

Bild © Rómulo Rejón, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die gold-glänzenden Laternen (tōrō) sind neueren Datums.

  kasuga7.jpg

Bronzelaternen (tsuta-mon)

Laterne (Bronze)
Bild © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Bronzelaternen (tōrō) mit Familienwappen in der Form eines Wilden-Wein-Blattes

  kasuga6.jpg

Laternen

Laterne (Bronze). 1676
Bild © Mark Boucher, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Laterne (tōrō) im Vordergrund hat ein Datum eingeschrieben: Enpō 4

  kasuga_lanterns3.jpg

Laterne

Bild © Yamada Ryoko, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der Hirsch als Symbol des Schreins ist auch auf vielen Laternen (tōrō) zu finden.

  kasuga4.jpg

Laterne

Bronze
Bild © Owen Murray, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Grundform ist gleich, doch jede Laterne (tōrō) ist ein Einzelstück.

. 6 . 7 Ähnliche Grundform, individuelle Details
  kasuga_dark.jpg

Laterne aus dem Jahr Kanbun 6

Laterne. 1666
Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Viele Laternen (tōrō) haben einen Text in das Muster eingebaut, der Namen des Spenders und Datum der Spende enthält.

  kasuga_lanterns1.jpg

Laterne

Bild © Perrin Lindelauf, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Beleuchtete Kasuga-Laterne (tōrō)

  kasuga_lanterns2.jpg

Kasuga-Laterne

Tōrō; Kasuga Schrein, Nara
Bild © curls&dom, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Kasuga-Laterne (tōrō) mit Chrysanthemen Motiv

. 8. 9. 10
Erleuchtete Laternen
  kasuga3.jpg

Unbelechtete Laternen

Laterne (Stein)
Bild © Roy Chan, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Unbeleuchtete Kasuga-Steinlaternen (tōrō)

  kasuga_toro.jpg

Steinlaternen (ishi tōrō)

Laterne (Stein); Kasuga Schrein, Nara
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/5)

Steinlaternen (ishi tōrō) des Kasuga Taisha

  kasuga_reh.jpg

Steinlaternen

Ishi tōrō
Bild © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Reh zwischen den Steinlaternen (tōrō) des Kasuga Taisha.

  kasuga_manto.jpg

Steinlaternen

Als Vorbereitung für das Laternenfest werden die Steinlaternen (tōrō) mit Papier verklebt.

. 11. 12. 13. 14
Steinlaternen an den Zugangswegen

Die meisten Nebengebäude des Schreins sind mit un­zähligen metallenen Laternen (tōrō tōrō 灯篭 Laterne, meist Stein oder Metallsiehe auch Schreine → Alltag/Opfergaben ) versehen, während entlang der Zu­gangs­wege eine noch größere Anzahl von Stein­laternen aufgestellt sind. Diese Laternen des Kasuga Schreins sind Spenden von Gläubigen, die sich über die Jahr­hunderte ange­sammelt haben. Nur zweimal im Jahr, zum Fest der Tag- und Nacht­gleiche (setsubun setsubun 節分 „Trennung der Jahreszeiten“; trad. letzter Tag einer der vier Jahreszeiten; heute meist letzter Tag des Winters (3. Februar)siehe auch Oni und Kappa → Alltag/Jahr ) im Frühling und zur Zeit des Bon-Festes im August, werden alle Laternen an­ge­zün­det.

Hauptgebäude

 kasuga.jpg

Kasuga Schrein

Schreinhalle (Holz); „UNESCO Kulturerbe“, „Nationalschatz“; Kasuga Taisha, Nara
Bild © Tabi Photo, 2011/12/4. (Letzter Zugriff: 2015/11/15)

Eingang zum innersten Bereich des Kasuga Schreins, normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt.

. 15 Der imposante Eingang zum inneren Schreinbereich

Der prachtvolle Haupt­eingang des Schreins steht in merk­würdigem Kontrast zur eher be­scheiden wirkenden vier­fachen Haupt­halle, wo die vier Ahnen­götter der Adels­familie Fujiwara ein­ge­schreint sind. Dieses Haupt­gebäude ist von mehreren Neben­gebäuden so dicht umgeben, dass man es als normaler Besucher gar nicht zu Gesicht bekommt.

  Kasuga_honden.jpg

Kasuga Haupthallen

Schreinhallen (Holz, Metall); „UNESCO Kulturerbe“, „Nationalschatz“; Kasuga Schrein, Nara

Die vier aneinander gefügten Schreingebäude für die Hauptgötter des Kasuga Taisha. Sie bilden den Grundtyp des sogenannten Kasuga-Stils, der in zahlreichen klein dimensionierten Schreinbauten Anwendung findet.

. 16 Die vierfache Haupthalle (honden)

Schreingeschichte

Kasuga hirschmandala.jpg
. 17 Kasuga Gottheiten

Die Kasuga-Götter verlassen den Kashima Schrein (Kashima tatsu shineizu)

Hängerollbild, shinzō (Tusche und Farbe auf Seide). Muromachi Zeit, 14. Jh.; im Besitz des Nara National Museums; 140,6 x 40,2 cm
Bild © Nara National Museum. (Letzter Zugriff: 2011/11/23)

Auf den Hirschen sind die Götter von Kashima und Katori zu sehen, die sich von der östlichen Kantō-Region auf den Weg zum Kasuga Schrein in Nara machen. Unter ihnen sind zwei Angehörige der Fujiwara Familie zu sehen, welche die Götter begleiteten und in Nara zu Priestern des Kasuga Schreins wurden. Die Legende erzählt genau genommen nur davon, dass Takemikazuchi, der Gott von Kashima, in den Jahren 766–68 auf diese Weise nach Nara übersiedelte, doch da der Kashima Schrein in der Nähe des Katori Schreins liegt und dessen Gottheit Futsunushi auch zu den Göttern des Kasuga Schreins zählt, war es für die mittelalterlichen Künstler offenbar logisch, dass sie die Reise gemeinsam antraten.

Der Kasuga Schrein ist mit dem Aufstieg der Fujiwara Fujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertumsiehe auch Fruehzeit → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Tenjin → mehr -Dynastie verbunden, deren Ahnherr, Nakatomi no Kamatari Nakatomi no Kamatari 中臣鎌足 614–669; Staatsmann und Ahnherr der Fujiwarasiehe auch Fruehzeit (614—669), einer der bedeu­tendsten Staats­männer des siebten Jahr­hun­derts war. Er half im Zuge der sog. Taika-Reform Taika no Kaishin 大化改新 „Reformen des großen Wandels“; politischer Umschwung unter Kaiser Kōtoku im Jahre 646; Zentralisierung des Landes und Sinisierung des Staatssystemssiehe auch Fruehzeit dabei mit, das gesamte Land als Eigen­tum des Staates (bzw. des Tennō) zu definieren und die ehe­maligen Regional­fürsten zu Staats­beamten umzu­funktio­nieren. Zum Dank erhielt er „Privat­land“ (das also nicht dem Tennō gehörte) in der fernen Provinz Hitachi (im Osten des heutigen Tōkyō). Um diesen Deal zu besiegeln, war offen­bar die Mit­hilfe der Götter not­wendig. Die beiden himm­lischen Hau­degen Takemikazuchi Takemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrtsiehe auch Goetter der Erde → Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e und Futsunushi Futsunushi 経津主 Mythologischer Schwertgottsiehe auch Goetter der Erde → Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi , die schon bei der Kolonisation Izumos tat­kräftig mit­ge­holfen hatten, erhielten wahr­schein­lich zur Zeit des Kamatari in Hitachi zwei große Schreine.

Als dann im achten Jahr­hundert die neue Haupt­stadt Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Nara → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Tempel→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Ise Izumo→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima → mehr (Heijō-kyō Heijō-kyō 平城京 urspr. Name der Stadt Nara; wtl. Stadt der Friedensburgsiehe auch Nara ) ge­gründet wurde, er­richte­ten die Fujiwara am Ost­rand der Stadt, am Fuße des Berges Mikasa, den Kasuga Schrein, der laut Schrein­legende im Jahr 768 gegründet wurde, wahr­schein­lich aber schon länger als Kult­stätte der Fujiwara fungierte.1 Anlass für die Schrein­grün­dung war der Legende zufolge, dass Takemikazuchi, der Hauptgott des Kasuga Schreins, auf einem Hirsch in die neue Haupt­stadt geritten kam und hier unter­gebracht werden musste.2 In späteren Darstel­lungen wird diese Reise von Takemi­kazuchi und Futsu­nushi gemein­sam unter­nom­men, doch die ur­sprüng­liche Fas­sung der Legende macht deutlich, dass Takemi­kazuchi als letzter zu dem Ensemble der vier Haupt­götter von Kasuga stieß.

Man nimmt an, dass sich die Fujiwara durch diese Gott­heit von den Nakatomi Nakatomi 中臣 Adelsgeschlecht der Antikesiehe auch Kami Kulte abheben wollten, also von ihrem Stamm­haus, mit dem sie aller­dings weiterhin die Ahnen­gott­heit Ame no Koyane Ame no Koyane 天児屋/天児屋根 mytholog. Gottheit; Ahnengottheit der Fujiwara und seine Gefähr­tin Himegami Himegami 比売神 wtl. „göttliche Gemahlin oder Tochter“; oft anonymes weibl. Gegenstück zu einer männl. Schreingottheit (oder Hime-no-kami) teilten. Ameno­koyane erfüllt in den Mythen vor allem rituelle Auf­gaben und auch die Nakatomi waren in erster Linie Ritua­listen bei Hof. Mit den beiden Schwert­gott­heiten aus dem fernen Hitachi im En­semble der Ahnen­gott­heiten suchten die Fujiwara offen­bar die Legiti­mation für neue Befug­nisse, also eine politisch aktive Rolle, die sie in der Folge auch erfolg­reich vertei­digten.

Der Schrein war von Anfang an eng mit dem bud­dhis­tischen Tempel Kōfuku-ji Kōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Narasiehe auch Bekannte Tempel → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Schreine→ Geschichte/Nara→ Geschichte/Saicho → mehr verwoben, der bereits 720, also zehn Jahre nach Grün­dung der Hauptstadt Nara errich­tet worden war. Auch der Kōfuku-ji diente den Fujiwara als Fami­lien­tempel. Mit der Errich­tung des Kasuga Schreins entstand ein Kultkomplex, inner­halb dessen der Tempel für das Seelen­heil und die Begräb­nisse der jeweiligen lebende Fujiwara zu­ständig war, während der Schrein sich um die Ahnen oder Schutzgötter des Familienklans kümmerte.

Die Blütezeit des Schreins fällt in die Heian Heian 平安 alter Name Kyōtos; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)siehe auch Heian Zeit → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya → mehr -Zeit, als die Fujiwara als erbliche Regenten des Tennō die gesamte politi­sche Macht des Hofes mono­polisier­ten. Auch der einstmals wichtigste Tempel des Landes, der in un­mittel­barer Nach­bar­schaft gele­gene Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch Bekannte Tempel → Sandkiste→ Bauten/Tempel/Tempeltore→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Dainichi → mehr geriet damals unter den Ein­fluss des Kōfuku-ji–Kasuga Kom­plexes bzw. wurde in den Gesamt­kom­plex zu integriert. Ende der Heian-Zeit mussten die Fujiwara ihre domi­nierende poli­tische Stel­lung an die neu aufge­stie­genen Krieger­dynas­tien der Taira Taira Kriegerfamilie, die im 12. Jh. um die pol. Vorherrschaft in Japan kämpftesiehe auch Kamakura → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Schreine→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima und der Minamoto Minamoto Kriegerfamilie, die 1185 eine neue Herrschaftsdynastie begründete: Kamakura Shōgunat, 1185–1333siehe auch Kamakura → Geschichte/Zen→ Geschichtsperioden abgeben. Dies be­deutete auch für den Kasuga Schrein, dass er sich neue Gönner suchen musste und nicht mehr ex­klusiv von den Fujiwara genutzt wurde. Die Er­rich­tung eines fünften Haupt­schreins mit dem Namen Wakamiya (Junger oder neuer Schrein) im Jahr 1135 kann als sicht­bares Zeichen dieses struk­turel­len Wandels ange­sehen werden.3

Trotz des Bedeutungsverlustes von Kaiserhof und Fujiwara blieben Kasuga und Kōfuku-ji bis in die Edo-Zeit die reli­giösen Stützen der alten Aristo­kratie. Diese wiede­rum be­wahrte ihre inter­ne Hierar­chie, der zufolge die Fujiwara die wich­tigste Familie des Hofes dar­stell­ten, auch im Zuge ihres lang­samen Nieder­gangs. Als Reprä­sentant des höfischen Adels zählte der Kasuga Schrein während des japani­schen Mittel­alters zusam­men mit Ise Ise 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū)siehe auch Schreinanlage Ise → Grundbegriffe/Shinto→ Bauten/Schreine/Torii→ Alltag/Pilgerschaft→ Alltag/Kamidana → mehr (stell­ver­tretend für den Tennō) und Hachiman Hachiman 八幡 Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochensiehe auch Shinto-Goetter → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Schreine→ Ikonographie/Dainichi/Daibutsu→ Mythen/Goetter der Erde → mehr (stell­ver­tretend für den Krieger­adel) zu den drei be­deu­tend­sten Schreinen Japans.

Kasuga Mandalas

  Kasuga_hirsch.jpg

Kasuga Hirsch Mandala

Hängerollbild, mandara (Seide, Farbe). 14. Jh.; Nara National Museum; 76,5 x 40,5cm
Bild © Nara National Museum. (Letzter Zugriff: 2015/11/14)

Schrein-Mandala des Kasuga Taisha, der hier lediglich durch einen Hirsch, das Botentier der Kasuga-Götter, repräsentiert ist. Aus dem Sattel des Hirsches wächst ein Baum, dessen Zweige die fünf Hauptschreingötter verkörpern.

. 18 Hirsch-Mandala
  Kasuga_miya_mandara.jpg

Mandala des Kasuga Schreins

Schrein, mandara (Seide, Farbe, Tusche). Kamakura-Zeit, 14. Jh.
Bildquelle: Blätter zur japanischen Geschichte und Religion, Niels Gülberg, 2009. (Letzter Zugriff: 2015/11/14)

Schreine von Kasuga Taisha mit den fünf Hauptgöttern in buddhistischer Gestalt (honji). Im Vordergrund die Pagoden des Kōfuku-ji.

. 19 Miya-Mandala

Die mittelalterliche Anlage des Kasuga Schreins und die Vor­stel­lun­gen, die man sich von seinen Göt­tern machte, lassen sich an­hand so­ge­nann­ter Schrein-Mandalas मण्डल maṇḍala (skt., n.) „Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung; jap. mandara 曼荼羅siehe auch →  Mandala → Ikonographie/Dainichi→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Ikonographie/Mandala/Ryogai Mandara→ Ikonographie/Myoo/Vajrapani → mehr rekon­struie­ren, von denen gerade in diesem Fall beson­ders viele und viel­fäl­tige Exemp­lare an­gefer­tigt wurden. Kasuga Man­dalas exis­tieren in ver­schie­denen Ver­sio­nen, die frü­hesten stam­men aus der Kamakura Kamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shōgunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit)siehe auch Kamakura → Ikonographie→ Bauten/Bekannte Tempel/Berg Koya→ Bauten/Bekannte Schreine/Itsukushima→ Ikonographie/Jizo → mehr -Zeit. Wie er­wähnt war der Schrein damals ge­zwun­gen, nach neuen Unter­stüt­zern zu suchen und tat dies, indem er die Ver­eh­rung seiner Götter mit der Ver­eh­rung der ent­spre­chen­den honji Buddhas gleich­setzte und sie in Form vom Man­dalas populari­sierte. Ein solcher Über­gang vom Ahnen­kult zur kami-Ver­eh­rung im Dienst des Bud­dhis­mus ist aller­dings kein ver­einzel­tes Phäno­men, sondern lässt sich bereits in der Heian-Zeit häufig feststellen.

 kasugamandala_1.jpg

Kasuga mandara

Hängerollbild, mandara (Seide), Detail. 14. Jh.; 159,4 x 68,9 cm
Bild © Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167.

Darstellung der Götter des Kasuga Schreins in kami-Form (suijaku), unterste Reihe, und darüber in Buddha-Form (honji). Die oberste Gottheit (ganz oben) wurde offenbar zwei Buddha-Gestalten, Shaka (re.) und Kannon (li.) zugeordnet.

. 20 Kasuga Mandara (Detail), 14. Jh.
Kasugamandala 4.jpg
. 21Kasuga Mandara, Gesamtansicht

Kasuga mandara

Hängerollbild, mandara (Seide). Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 159,4 x 68,9 cm
Bild © Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167.

Schreinmandala (mandara) des Kasuga Taisha.

Das oben abgebildete Beispiel zeigt die Haupt- und Neben­götter des Schreins in Nara zusam­men mit den ihnen ent­sprech­enden Ur-Buddhas. Die ver­gleichs­weise realis­tischen Figuren reprä­sentieren die Er­schei­nungs­formen einer Gott­heit als kami (suijaku suijaku 垂迹 wtl. kami-Spur (eines Buddha); buddh. Bezeichnung für → kamisiehe auch Shinto-Götter → Ikonographie/Shinto-Goetter→ Geschichte/Honji suijaku→ Geschichte/Shinto Mittelalter ), die da­rüber schwe­benden Buddha बुद्ध Buddha (skt., m.) „Der Erleuchtete“; jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀siehe auch →  Shaka → Grundbegriffe/Buddhismus→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre→ Bauten/Bekannte Tempel→ Grundbegriffe/Buddhismus Lehre/Vier Wahrheiten→ Ikonographie → mehr -Figuren sind die jewei­ligen buddhis­tischen Urformen (honji honji 本地 (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijakusiehe auch Shinto-Götter → Bauten/Bekannte Schreine/Nikko→ Ikonographie/Shinto-Goetter→ Geschichte/Honji suijaku→ Geschichte/Shinto Mittelalter → mehr ). Die Haupt­gott­heit des Schreins ist in der obers­ten Reihe zu er­kennen. Sie ist hier ledig­lich als „Erster Schrein“ (Ichi-no-miya) aus­ge­wiesen, ihr Eigen­name (Take­mi­kazuchi Takemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der Fujiwara; u.a. in den Schreinen Kashima und Kasuga verehrtsiehe auch Goetter der Erde → Ikonographie/Waechtergoetter/Wind und Donner→ Mythen/Goetter der Erde/Okuninushi→ Mythen/Symboltiere/Namazu-e ) wird nicht ge­nannt. Die Figur „Erster Schrein“ wird von zwei honji Buddhas flankiert, nämlich Shaka Shaka 釈迦 Buddha Shakyamunisiehe auch Shaka → Bauten/Tempel→ Geschichte/Amidismus und Kannon Kannon 観音 auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekanntsiehe auch Kannon → Bauten/Bekannte Tempel→ Bauten/Bekannte Tempel/Asakusa→ Alltag/Pilgerschaft→ Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi→ Bauten/Bekannte Schreine/Nikko → mehr . Direkt darun­ter — von der Mitte nach außen in ab­nehmen­der Rang­folge — erkennt man die Götter der wei­teren Teil­schreine von Kasuga (inklu­sive diver­ser Neben­schreine), jeweils mit den zu­stän­digen Buddhas oder Bodhisattvas बोधिसत्त्व Bodhisattva (skt., m.) „Erleuchtetes Wesen“; jap. bosatsu 菩薩siehe auch →  Buddhismus Lehre → Sandkiste→ Bauten/Tempel→ Ikonographie→ Bauten/Tempel/Pagoden→ Ikonographie/Kannon → mehr darüber.

Im Mittel­teil des Mandalas nimmt die rea­listische Ab­bil­dung des Kasuga Schreins den promi­nen­tes­ten Platz ein. Zwischen der Götter­welt und dem Schrein erkennt man den heili­gen Berg Mikasa, auf dessen Gipfel, etwas her­aus­ver­größert, ein Hirsch zu sehen ist (s. Detailabb. unten). Er ist Bote (o-tsukai o-tsukai お使い wtl. Bote; auch: Götterbote, häufig in Tiergestaltsiehe auch Symboltiere → Bauten/Bekannte Schreine/Fushimi ) und Sinn­bild des Kasuga Schreins. Unter­halb der Schrein­anlage, teil­weise von Wolken verdeckt, ist die Tempel­anlage des Kōfuku-ji Kōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Narasiehe auch Bekannte Tempel → Sandkiste→ Bauten/Bekannte Schreine→ Geschichte/Nara→ Geschichte/Saicho → mehr zu sehen, von dem vor allem die Pagode zu er­ken­nen ist. Der Kōfuku-ji fungierte zwar als eine Art Super­visor des Kasuga Schreins, auf den Man­dalas wird diese Rolle aber unter­schied­lich stark hervor­gehoben.

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Grapard 1992, S. 27–29
  2. Die wichtigsten Auszüge der Legende sind in Grapard 1992, S. 26 in englischer Übersetzung wiedergegeben.
  3. Grapard 1982, S. 11.

Bilderläuterungen

  1. Kasuga1.jpg

    Kasuga-Laternen

    Bild © Matthias Scommoda, 2004. (Letzter Zugriff: 2005/3)

    Metallene Laternen (tōrō) des Kasuga Taisha

  2. Kasuga5.jpg

    Laternen

    Laterne (Bronze)
    Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Die Laternen (tōrō) sind in Seitengängen des Schreins aufgehängt.

  3. Kasuga2.jpg

    Schreinlaternen

    Bild © Rómulo Rejón, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Die gold-glänzenden Laternen (tōrō) sind neueren Datums.

  4. Kasuga7.jpg

    Bronzelaternen (tsuta-mon)

    Laterne (Bronze)
    Bild © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Bronzelaternen (tōrō) mit Familienwappen in der Form eines Wilden-Wein-Blattes

  5. Kasuga6.jpg

    Laternen

    Laterne (Bronze). 1676
    Bild © Mark Boucher, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Die Laterne (tōrō) im Vordergrund hat ein Datum eingeschrieben: Enpō 4

  6. Kasuga lanterns3.jpg

    Laterne

    Bild © Yamada Ryoko, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Der Hirsch als Symbol des Schreins ist auch auf vielen Laternen (tōrō) zu finden.

  7. Kasuga4.jpg

    Laterne

    Bronze
    Bild © Owen Murray, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Die Grundform ist gleich, doch jede Laterne (tōrō) ist ein Einzelstück.

  8. Kasuga dark.jpg

    Laterne aus dem Jahr Kanbun 6

    Laterne. 1666
    Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Viele Laternen (tōrō) haben einen Text in das Muster eingebaut, der Namen des Spenders und Datum der Spende enthält.

  9. Kasuga lanterns1.jpg

    Laterne

    Bild © Perrin Lindelauf, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Beleuchtete Kasuga-Laterne (tōrō)

  10. Kasuga lanterns2.jpg

    Kasuga-Laterne

    Tōrō; Kasuga Schrein, Nara
    Bild © curls&dom, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Kasuga-Laterne (tōrō) mit Chrysanthemen Motiv

  11. Kasuga3.jpg

    Unbelechtete Laternen

    Laterne (Stein)
    Bild © Roy Chan, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Unbeleuchtete Kasuga-Steinlaternen (tōrō)

  12. Kasuga toro.jpg

    Steinlaternen (ishi tōrō)

    Laterne (Stein); Kasuga Schrein, Nara
    Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/5)

    Steinlaternen (ishi tōrō) des Kasuga Taisha

  13. Kasuga reh.jpg

    Steinlaternen

    Ishi tōrō
    Bild © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Reh zwischen den Steinlaternen (tōrō) des Kasuga Taisha.

  14. Kasuga manto.jpg

    Steinlaternen

    Als Vorbereitung für das Laternenfest werden die Steinlaternen (tōrō) mit Papier verklebt.

  15. Kasuga.jpg

    Kasuga Schrein

    Schreinhalle (Holz); „UNESCO Kulturerbe“, „Nationalschatz“; Kasuga Taisha, Nara
    Bild © Tabi Photo, 2011/12/4. (Letzter Zugriff: 2015/11/15)

    Eingang zum innersten Bereich des Kasuga Schreins, normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt.

  16. Kasuga honden.jpg

    Kasuga Haupthallen

    Schreinhallen (Holz, Metall); „UNESCO Kulturerbe“, „Nationalschatz“; Kasuga Schrein, Nara

    Die vier aneinander gefügten Schreingebäude für die Hauptgötter des Kasuga Taisha. Sie bilden den Grundtyp des sogenannten Kasuga-Stils, der in zahlreichen klein dimensionierten Schreinbauten Anwendung findet.

  17. Kasuga hirschmandala.jpg

    Die Kasuga-Götter verlassen den Kashima Schrein (Kashima tatsu shineizu)

    Hängerollbild, shinzō (Tusche und Farbe auf Seide). Muromachi Zeit, 14. Jh.; im Besitz des Nara National Museums; 140,6 x 40,2 cm
    Bild © Nara National Museum. (Letzter Zugriff: 2011/11/23)

    Auf den Hirschen sind die Götter von Kashima und Katori zu sehen, die sich von der östlichen Kantō-Region auf den Weg zum Kasuga Schrein in Nara machen. Unter ihnen sind zwei Angehörige der Fujiwara Familie zu sehen, welche die Götter begleiteten und in Nara zu Priestern des Kasuga Schreins wurden. Die Legende erzählt genau genommen nur davon, dass Takemikazuchi, der Gott von Kashima, in den Jahren 766–68 auf diese Weise nach Nara übersiedelte, doch da der Kashima Schrein in der Nähe des Katori Schreins liegt und dessen Gottheit Futsunushi auch zu den Göttern des Kasuga Schreins zählt, war es für die mittelalterlichen Künstler offenbar logisch, dass sie die Reise gemeinsam antraten.

  18. Kasuga hirsch.jpg

    Kasuga Hirsch Mandala

    Hängerollbild, mandara (Seide, Farbe). 14. Jh.; Nara National Museum; 76,5 x 40,5cm
    Bild © Nara National Museum. (Letzter Zugriff: 2015/11/14)

    Schrein-Mandala des Kasuga Taisha, der hier lediglich durch einen Hirsch, das Botentier der Kasuga-Götter, repräsentiert ist. Aus dem Sattel des Hirsches wächst ein Baum, dessen Zweige die fünf Hauptschreingötter verkörpern.

  19. Kasuga miya mandara.jpg

    Mandala des Kasuga Schreins

    Schrein, mandara (Seide, Farbe, Tusche). Kamakura-Zeit, 14. Jh.
    Bildquelle: Blätter zur japanischen Geschichte und Religion, Niels Gülberg, 2009. (Letzter Zugriff: 2015/11/14)

    Schreine von Kasuga Taisha mit den fünf Hauptgöttern in buddhistischer Gestalt (honji). Im Vordergrund die Pagoden des Kōfuku-ji.

  20. Kasugamandala 1.jpg

    Kasuga mandara

    Hängerollbild, mandara (Seide), Detail. 14. Jh.; 159,4 x 68,9 cm
    Bild © Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167.

    Darstellung der Götter des Kasuga Schreins in kami-Form (suijaku), unterste Reihe, und darüber in Buddha-Form (honji). Die oberste Gottheit (ganz oben) wurde offenbar zwei Buddha-Gestalten, Shaka (re.) und Kannon (li.) zugeordnet.

  21. Kasugamandala 4.jpg

    Kasuga mandara

    Hängerollbild, mandara (Seide). Kamakura-Zeit, 14. Jh.; 159,4 x 68,9 cm
    Bild © Victor Harris, Shintō (Tōkyō: Seikandō bunko, 2001), S. 167.

    Schreinmandala (mandara) des Kasuga Taisha.

Literatur

Allan Grapard 1992
The Protocol of the Gods: A Study of the Kasuga Cult in Japanese History. Berkeley und Los Angeles: University of California Press 1992.
Victor Harris (Hg.) 2001
Shintō: The Sacred Art of Ancient Japan. London: The British Museum 2001.
Inoue Nobutaka 井上 順孝, e.a. (Hg.) 1994
Shintō jiten 神道事典. Tokyo: Kōbundō 1994.
Royall Tyler 1990
The Miracles of the Kasuga Deity. New York: Columbia University Press 1990.
Susan Tyler 1992
The Cult of Kasuga Seen Through Its Art. Ann Arbor: Center for Japanese Studies, University of Michigan 1992.
Bauten/Bekannte Schreine (zurück zum Hauptartikel)
Ikonographie