Kasuga Taisha, Der Schrein der Zehntausend Laternen

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Bernhard Scheid, „Kasuga Taisha, Der Schrein der Zehntausend Laternen.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 19.1.2013). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Bekannte_Schreine/Kasuga?oldid=32969

Die meisten Nebengebäude des Kasuga Kasuga Taisha 春日大社 Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der → Fujiwarasiehe auch Bekannte Schreine → Bekannte Tempel→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Mandala→ Shinto-Goetter → mehr… Schreins sind mit un­zähligen metallenen Laternen versehen, während entlang der Zu­gangs­wege zum Schrein eine noch größere Anzahl von Stein­laternen aufgestellt sind. Diese Laternen des Kasuga Schreins sind Spenden von Gläubigen, die sich über die Jahr­hunderte ange­sammelt haben. Nur zweimal im Jahr, zum Fest der Tag- und Nacht­gleiche (setsubun) im Frühling und zur Zeit des Bon-Festes im August, werden alle Laternen angezündet.

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Kasuga-Laternen

Bild © Matthias Scommoda, 2004. (Letzter Zugriff: 2005/3)
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Die gold glänzenden Laternen sind neueren Datums

Bild © Rómulo Rejón, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Beleuchtete Kasuga-Laterne

Bild © Perrin Lindelauf, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Kasuga-Laterne mit Chrysanthemen Motiv

Bild © curls&dom, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Der Hirsch als Symbol des Schreins ist auch auf vielen Laternen zu finden.

Bild © Yamada Ryoko, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Laterne aus dem Jahr Kanbun 6

Laterne. 1666
Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Viele Laternen haben einen Text in das Muster eingebaut, der Namen des Spenders und Datum der Spende enthält.

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Die Grundform ist gleich, doch jede Laterne ist ein Einzelstück.

Laterne (Bronze)
Bild © Owen Murray, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Die Laterne im Vordergrund hat ein Datum eingeschrieben: Enpō 4

Laterne (Bronze). 1676
Bild © Mark Boucher, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Bronzelaternen mit Familienwappen in der Form eines Wilden-Wein-Blattes (tsuta-mon)

Laterne (Bronze)
Bild © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Die Laternen sind in Seitengängen des Schreins aufgehängt.

Laterne (Bronze)
Bild © Bohuslav Kotal, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Unbeleuchtete Kasuga-Steinlaternen

Laterne (Stein)
Bild © Roy Chan, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Steinlaternen (ishi tōrō)

Laterne (Stein); Kasuga Schrein, Nara
Bild © Ron Reznick, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/5)
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Reh zwischen Steinlaternen

Bild © Salvador Busquets Artigas, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Als Vorbereitung für das Laternenfest werden die Steinlaternen mit Papier verklebt.

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Manchmal wird das aufgeklebte Papier aber gleich wieder gefressen.

Bild © Yvon Liu, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Hauptgebäude

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Der imposante Eingang zum inneren Bereich

Bild © Japan Trip 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der imposante Eingang zum inneren Schreinbereich
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Die vierfache Haupthalle (honden). Bild: Shintō jiten, 1994

Der prachtvolle Haupteingang des Schreins steht in merk­würdigem Kontrast zur eher be­scheiden wirkenden vier­fachen Haupt­halle, wo die vier Ahnen­götter der Adels­familie Fujiwara ein­ge­schreint sind. Dieses Haupt­gebäude ist von mehreren Neben­gebäuden so dicht umgeben, dass man es als normaler Besucher gar nicht zu Gesicht bekommt.

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Schreinanlage auf einer Darstellung aus dem 14. Jh. (Detail)
Bild: Harris 2001, S. 167

Schreingeschichte

Der Kasuga-Schrein ist mit dem Aufstieg der Fujiwara Fujiwara 藤原 mächtigste Adelsfamilie im jap. Altertumsiehe auch Frühzeit → Bekannte Tempel→ Bekannte Schreine→ Bekannte Schreine/Tenjin→ Shinto-Goetter → mehr… Dynastie verbunden, deren Ahnherr, Nakatomi no Kamatari Nakatomi no Kamatari 中臣鎌足 Staatsmann und Ahnherr der Fujiwara, 614–669siehe auch Frühzeit → Fruehzeit→ Heian Zeit/Zoga (614—669), einer der bedeu­tendsten Staats­männer des siebten Jahrhunderts war. Er half im Zuge der sog. Taika Reform dabei mit, das gesamte Land als Eigen­tum des Staates (bzw. des Tenno) zu definieren und die ehe­maligen Regional­fürsten zu Staats­beamten umzu­funktionieren. Zum Dank erhielt er „Privat­land“ (das also nicht dem Tenno gehörte) in der fernen Provinz Hitachi (im Osten des heutigen Tokyo). Um diesen Deal zu besiegeln, war offenbar die Mit­hilfe der Götter notwendig. Die beiden himmlischen Hau­degen Takemikazuchi Takemikazuchi 建御雷 Mythologischer Schwertgott (wtl. Gewittergott); Ahnengottheit der → Fujiwara; u.a. in den Schreinen → Kashima und → Kasuga verehrt.siehe auch Götter der Erde → Waechtergoetter/Wind und Donner→ Shinto-Goetter/Kasuga Mandala→ Goetter der Erde→ Goetter der Erde/Okuninushi und Futsunushi Futsunushi 経津主 Mythologischer Schwertgottsiehe auch Götter der Erde → Goetter der Erde→ Goetter der Erde/Okuninushi , die schon bei der Kolonisation Izumos tat­kräftig mit­ge­holfen hatten, erhielten wahr­schein­lich zur Zeit des Kamatari in Hitachi zwei große Schreine. Als dann im achten Jahr­hundert die neue Haupt­stadt Nara Nara 奈良 Hauptstadt und Sitz des Tenno, 710–784 (= Nara-Zeit); ehemals: Heijō-kyōsiehe auch Geschichtsperioden → Bekannte Tempel→ Tempel→ Tempel/Tempeltore→ Ise Izumo → mehr… (Heijō-kyō) ge­gründet wurde, er­richteten die Fujiwara am Ost­rand der Stadt, am Fuße des Berges Mikasa, den Kasuga Schrein, der in den Quellen erstmals im Jahr 768 auf­taucht, möglicher­weise aber sogar noch etwas älter ist (Grapard 1992). Anlass für die Schrein­gründung war der Legende zufolge, dass die beiden Götter aus Hitachi, Takemikazuchi und Futsunushi, auf Hirschen in die neue Haupt­stadt geritten kamen und hier unter­gebracht werden mussten. Erst später (möglicherweise erst in der Heian Zeit) kamen dann noch die beiden anderen Haupt­götter Ame no Koyane Ame no Koyane 天児屋/天児屋根 mytholog. Gottheit; Ahnengottheit der → Fujiwara und seine Gefährtin Himegami Himegami 比売神 wtl. „göttliche Gemahlin oder Tochter“; oft anonymes weibl. Gegenstück zu einer männl. Schreingottheit (oder Hime-no-kami) dazu. Die cha­rak­ter­istische Vierer­form des Haupt­gebäudes stammt jedenfalls aus der frühen Heian Zeit.

Die Blütezeit des Schreins fällt in die spätere Heian-Zeit, als die Fujiwara als erbliche Regenten des Tenno die gesamte politische Macht des Hofes mono­polisierten. Der Schrein war damals mit dem bud­dhis­tischen Tempel Kōfuku-ji Kōfuku-ji 興福寺 Tempel des Hossō-Buddhismus; einer der Sieben Großen Tempel von Narasiehe auch Bekannte Tempel → Bekannte Schreine→ Shinto-Goetter/Kasuga Mandala→ Nara→ Saicho → mehr… , dem Familien­tempel der Fujiwara, zu einem einzigen Kult­zen­trum ver­schmol­zen. Auch der einstmals wichtigste Tempel des Landes, der in un­mittel­barer Nach­bar­schaft gelegene Tōdaiji Tōdaiji 東大寺 Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempelsiehe auch Bekannte Tempel → Tempel/Tempeltore→ Tempel/Pagoden→ Bekannte Schreine→ Dainichi → mehr… geriet unter den Ein­fluss des Kōfuku-ji—Kasuga Kom­plexes, bzw. wurde in den Gesamt­kom­plex zu integriert. Kasuga und Kōfuku-ji blieben bis in die Edo-Zeit die religiösen Stützen der Fujiwara Aristokratie, welche wiederum über Jahr­hunderte hinweg die wichtigste Familie des Hofes darstellte. Als Reprä­sentant des höfischen Adels zählte der Kasuga Schrein damals zusammen mit Ise Ise 伊勢 vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū)siehe auch Baustil Ise → Schreine/Torii→ Pilgerschaft→ Kamidana→ Shinto-Goetter → mehr… (stellvertretend für den Tenno) und Hachiman Hachiman 八幡 Shinto Gottheit, Ahnengottheit des Tenno und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochensiehe auch Shinto-Götter → Bekannte Schreine→ Shinto-Goetter→ Dainichi/Daibutsu→ Goetter der Erde → mehr… (stell­ver­tretend für den Krieger­adel) zu den drei bedeutendsten Schreinen Japans.

Siehe auch: Kasuga Mandala

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Ikonographie
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