Der Klosterberg Kōya
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Der Klosterberg Kōya (Kōya-san 高野山 — Klosterberg südl. von → Nara; sprituelles Zentrum des → Shingon Buddhismus ) ist das geistliche Zentrum des Shingon Buddhismus (Shingon-shū 真言宗 — Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes …mehr ⇒), der zusammen mit der Tendai Schule (Tendai-shū 天台宗 — Tendai Schule, chin. Tiantai …mehr ⇒) zu den bedeutendsten buddhistischen Strömungen des Altertums zählt. Der weitläufige Gebäudekomplex befindet sich in einer abgelegenen Bergregion südlich von Nara. Wie alle große Tempelanlagen besteht auch Berg Kōya aus vielen Einzeltempeln, von denen einige wertvolle Kunstschätze bergen. V.a. aber beeindruckt der Tempelberg durch einen riesigen Friedhof in dessen hinterstem Teil, dem Oku-no-in (Oku-no-in 奥の院 — wtl. Innerste [Tempel-] Halle; oft auch Mausoleum ), sich das Mausoleum des Tempelgründers Kūkai (Kūkai 空海 — Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835 …mehr ⇒) (Kōbō Daishi (Kōbō Daishi 弘法大師 — Ehrentitel von → Kūkai …mehr ⇒)) befindet.
Oku-no-in
Friedhof Oku-no-in
- Friedhofsweg; Tempelberg Kōya
Bild © Simon le nippon, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der Friedhof Oku-no-in, einer der ältesten und größten Friedhöfe Japans, befindet sich inmitten eines alten Zedernwaldes.
- Grabmonumente (Stein)
Typische Grabsteine aus vormoderner Zeit, entlang der Route zum Mausoleum Kukais auf Berg Kōya.
Oku-no-in
- Friedhof; Berg Kōya
Bild © Molly Des Jardin, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Der Friedhof auf dem Tempelberg Kōya im Morgenlicht.
Gorin-tō
- Grabmonumente (Stein); Berg Kōya
Bild © MOQOO, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Typische Grabsteine aus vormoderner Zeit, entlang der Route zum Mausoleum Kukais auf Berg Kōya.
Grab der Matsudaira aus Shimabara/Kyushu
- Grabmonumente (Stein); Berg Kōya
Bild © Amy Nakazawa, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Oku-no-in, alte und neue Gräber
- Grabmonumente (Stein); Berg Kōya
Bild © Amy Nakazawa, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Daimyō Familiengrab
- Grabmonumente (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Amy Nakazawa, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Alte Grabanlagen bedeutender Familien sind oft umzäunt und durch ein Schreintor (torii) zu betreten.
Grabanlage der Daimyo-Familie Shimazu aus Satsuma/Kyushu
- Grabmonumente (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Chantal Dupasquier, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Familiengrab der Date
- Grabmonument (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Chantal Dupasquier, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die Date waren seit dem berühmten Kriegsherren Date Masamune (1567–1636) die mächtigsten Daimyō in Nordjapan mit Hauptsitz in Sendai.
Grabanlage der Daimyo-Familie Matsumoto
- Grabmonument (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Chantal Dupasquier, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Grabanlage von Yūki Hideyasu
- Grab (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Lonely Trip, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Yūki Hideyasu (1574–1607) war der 2. Sohn von Tokugawa Ieyasu.
Kōbō Daishi Kūkai
- Statue (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Turner, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die Statue befindet sich vor dem Mausoleum Oku-no-in, in dem Kūkai beigesetzt wurde.
- Statue (Stein), Detail; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Mike Murrill, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Jizō umringt von Grabsteinen
- Grabmonumente (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Auch Jizō Bosatsu darf auf Berg Kōya natürlich nicht fehlen. Auch die kleinen Figuren im Vordergrund repräsentieren diesen wichtigsten Erretter der buddhistischen Totenwelt.
Mausoleumsbrücke (Gobyō no hashi)
- Bogenbrücke (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Amy Nakazawa, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Mönche beim Transport eines rituellen Gegenstandes über die Brücke, die zum Mausoleum Kūkais führt.
Friedhof im Schnee
- Grabmonumente (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Edward Faulkner, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Auf der linken Seite ist noch einmal das Grab von Yūki Hideyasu zu sehen.
Grab für die Namenlosen (muen-botoke)
- Grabpyramide (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Molly Des Jardin, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Muen-botoke bedeutet wtl. „Buddhas (= Verstorbene) ohne Bindung (= Angehörige)“. Meist bezieht sich der Begriff auf abgetriebene Kinder. Jeder Verstorbene ist durch eine kleine Gorintō-Stele repräsentiert, manche davon sind mit Lätzchen versehen. Auch einige Jizō-Statuen sind darunter.
Grabpyramide für muenbotoke
- Grabpyramide (Stein), Detail; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Molly Des Jardin, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Moderne Gräber
- Grabmonumente; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Trane DeVore, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Auch einige moderne Gräber mit erstaunlichen Grabmonumenten sind auf Berg Kōya zu finden.
Familientempel der Tokugawa
- Tempelhalle; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Lonely Trip, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Die wichtigsten Familien der Edo-Zeit errichteten sogar Familientempel innerhalb der Friedhofsanlage. Interessanterweise findet sich im Fall des Tempels der Tokugawa ein torii vor dem buddhistischen Bauwerk.
Oku-no-in bedeutet wtl. der „Innerste Tempel“ und kann u.a. den hintersten (innersten) Bereich einer religiösen Anlage bezeichnen. Es handelt sich dabei nicht um das nach außen hin repräsentativste Bauwerk, doch verbindet man mit Oku-no-in einen besonders heiligen und daher geschützten, abgeschirmten Raum. Im Fall von Berg Kōya soll der vielleicht bedeutendste Mönch des japanischen Buddhismus, Kūkai, nach wie vor in ewiger Meditation verharrend im Oku-no-in physisch anwesend sein. Ähnlich wie etwa auch in Nikkō (Nikkō 日光 — Ortsname; Synonym der Schreinanlage des → Tōshō-gū Schreins, Präf. Tochigi …mehr ⇒) bezeichnet Oku-no-in hier also die Grabstätte oder genauer das Mausoleum einer „heiligen“ Figur.
Eine Besonderheit des Oku-no-in von Berg Kōya ist die Tatsache, das sich entlang des Zugangswegs zu Kūkais Mausoleum noch andere Gräber scharen, die im Schatten der großen Zedern eine besonders weihevolle Aura um sich verbreiten. Viele Einzeltempel auf Berg Kōya sind mit der Pflege dieser Gräber beschäftigt, es gibt aber auch ein Museum und eine wichtige buddhistische Universität innerhalb der Klosteranlage.
Prominentengräber
Um dem heiligen Mann Kūkai möglichst nahe zu sein, wurde es bereits in der Kamakura (Kamakura 鎌倉 — Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit) …mehr ⇒)-Zeit unter den Familien des Kriegeradels Brauch, ein Grab auf Berg Kōya zu unterhalten. Oft handelt es sich dabei nicht um wirkliche Gräber sondern um Grabdenkmäler, d.h. die sterblichen Überreste sind woanders beigesetzt. Diese Praxis wurde bis in die Edo (Edo 江戸 — Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyo …mehr ⇒)-Zeit fortgeführt, aus der die meisten Grabsteine auf den obigen Bildern stammen. Kenner der japanischen Geschichte finden praktisch auf jedem Grab einen berühmten Namen, wie auch beim Anklicken der obigen Bilder zu erkennen ist.
Die meisten Grabsteine sind im gorintō (gorintō 五輪塔 — Grabsteinform; „Stupa der Fünf Elemente“ …mehr ⇒)-Stil gestaltet. Besonders auffallend ist, dass diverse Grabstätten durch ein torii (torii 鳥居 — Torii, Schreintor …mehr ⇒) gekennzeichnet sind, wie es heute nur noch vor Shinto Schreinen zu finden ist. Die torii dienen hier als Eingänge eines speziellen, meist umzäunten Areals, das den Gräbern einer Familie vorbehalten ist. In der Regel handelt es sich um bekannte Samurai-Geschlechter aus der Edo-Zeit.
Darüber hinaus gibt auf dem Kōya-san auch ein Areal, in dem sich Industrielle und andere Angehörige des modernen „Geldadels“ bestatten ließen. Auch dessen Besichtigung lohnt sich, denn man findet hier die erstaunlichsten Grabdenkmäler, unter anderem eines in Form einer Rakete...
Gesamtansicht des Kōya-san (Kōya-san zenzu)
- Panoramabild von Hirata Eijkichi, Detail. Meiji-Zeit, 1896; 19 x 120 cm
Bild © Japanese Historical Maps, David Rumsey, Berekley. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Oben das Mausoleum Kukais, im Vordergrund Gräber der Tokugawa und anderer Prominenter aus der Edo-Zeit. Neben den Gräbern sind die Namen der berühmten Verstorbenen eingezeichnet.
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