Der Klosterberg Kōya

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Bernhard Scheid, „Der Klosterberg Kōya.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 2.7.2014). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Bekannte_Tempel/Berg_Koya?oldid=36748

Der Klosterberg Kōya Kōya-san 高野山 Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismussiehe auch→ Bekannte Tempel→ Tempel/Tempeltore→ Bekannte Schreine/Nikko→ Friedhof→ Jizo/Osorezan → mehr ist das geistliche Zentrum des Shin­gon Bud­dhis­mus Shingon-shū 真言宗 Shingon Schule, wtl. Schule des Wahren Wortessiehe auch Kukai → Buddhismus Lehre→ Bekannte Tempel→ Ikonographie→ Tempel/Tempeltore→ Tempel/Pagoden → mehr , der zusam­men mit der Tendai Schule Tendai-shū 天台宗 Tendai Schule, chin. Tiantaisiehe auch Dainichi → Bekannte Tempel→ Bekannte Schreine/Nikko→ Yamabushi→ Shaka → mehr zu den bedeu­tendsten bud­dhis­ti­schen Strö­mungen des Alter­tums zählt. Der weit­läu­fige Ge­bäu­de­komp­lex be­fin­det sich in einer ab­ge­le­ge­nen Berg­re­gion süd­lich von Nara, auf der Halbinsel Kii. Die Berge hier sind zwar nicht besonders hoch, doch die Täler sind eng und bieten nur wenig Fläche für Landwirtschaft. Die Anlage von Berg Kōya befindet sich jedoch in einem sanft auslaufenden Hochtal, das nach örtlicher Interpretation von acht Berggipfeln umrahmt wird, die den Blättern der Lotos-Blüte entsprechen.

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Detailansicht des Kōya-san (Kōya-san saiken)

Panoramabild von Asai Koei, Detail. Meiji-Zeit, 1860; 70 x 145 cm
Bild © Japanese Historical Maps, David Rumsey, Berekley. (Letzter Zugriff: 2014/4)

Die Anlage von Berg Kōya aus südlicher Richtung. Rechts oben das Mausoleum Kūkais (Oku-no-in), in der linken Bildhälfte die wichtigsten Tempel. Die einzelnen Gebäude sind alle Tempel, die wie Familienbetriebe geführt werden. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Betreuung der Gräber, die sich in der Nähe von Kūkais Mausoleum befinden. Heute ist die Zahl der Tempel etwas zurück gegangen, viele Hallen sind auch umbenannt oder verschoben worden, die Grundstruktur der Anlage ist jedoch unverändert geblieben.

. 1 Illustrierte Karte der Anlage, 1860

Wie alle großen Klöster in Japan be­steht auch Berg Kōya aus vie­len Ein­zel­tem­peln, deren älteste aus der Heian-Zeit stammen und die zahlreiche wert­volle Kunst­schätze ber­gen. Heute befinden sich auch ein Museum und eine wich­tige buddhis­tische Univer­sität inner­halb der Tempel­anlage. V.a. aber beein­druckt der Tem­pel­berg durch einen riesi­gen Fried­hof, in des­sen hin­ters­tem Teil, dem Oku-no-in Oku-no-in 奥の院 wtl. Innerste [Tempel-] Halle; oft auch Mausoleumsiehe auch→ Bekannte Tempel , sich das Mau­so­leum des Tempel­grün­ders Kūkai Kūkai 空海 Gründer des Shingon Buddhismus, 774–835siehe auch Kukai → Bekannte Tempel→ Pilgerschaft→ Bekannte Schreine/Fushimi→ Mandala → mehr (Kōbō Daishi Kōbō Daishi 弘法大師 Ehrentitel von → Kūkaisiehe auch Kukai → Pilgerschaft→ Myoo/Fudo→ Fruehzeit/Shotoku Taishi→ Heilige ) befindet.

Oku-no-in

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Friedhof Oku-no-in

Friedhofsweg; Tempelberg Kōya
Bild © Simon le nippon, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der Friedhof Oku-no-in, einer der ältesten und größten Friedhöfe Japans, befindet sich inmitten eines alten Zedernwaldes.

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Gorintō

Grabmonumente (Stein)

Typische Grabsteine aus vormoderner Zeit, entlang der Route zum Mausoleum Kukais auf Berg Kōya.

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Oku-no-in

Friedhof; Berg Kōya
Bild © Molly Des Jardin, 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Der Friedhof auf dem Tempelberg Kōya im Morgenlicht.

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Gorin-tō

Grabmonumente (Stein); Berg Kōya
Bild © MOQOO, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Typische Grabsteine aus vormoderner Zeit, entlang der Route zum Mausoleum Kukais auf Berg Kōya.

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Grab der Matsudaira aus Shimabara/Kyushu

Grabmonumente (Stein); Berg Kōya
Bild © Amy Nakazawa, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Oku-no-in, alte und neue Gräber

Grabmonumente (Stein); Berg Kōya
Bild © Amy Nakazawa, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Daimyō Familiengrab

Grabmonumente (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Amy Nakazawa, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Alte Grabanlagen bedeutender Familien sind oft umzäunt und durch ein Schreintor (torii) zu betreten.

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Grabanlage der Daimyo-Familie Shimazu aus Satsuma/Kyushu

Grabmonumente (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Chantal Dupasquier, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Familiengrab der Date

Grabmonument (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Chantal Dupasquier, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Date waren seit dem berühmten Kriegsherren Date Masamune (1567–1636) die mächtigsten Daimyō in Nordjapan mit Hauptsitz in Sendai.

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Grabanlage der Daimyo-Familie Matsumoto

Grabmonument (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Chantal Dupasquier, flickr 2005. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Grabanlage von Yūki Hideyasu

Grab (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Lonely Trip, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Yūki Hideyasu (1574–1607) war der 2. Sohn von Tokugawa Ieyasu.

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Kōbō Daishi Kūkai

Statue (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Turner, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die Statue befindet sich vor dem Mausoleum Oku-no-in, in dem Kūkai beigesetzt wurde.

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Kannon Bosatsu

Statue (Stein), Detail; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Mike Murrill, flickr 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Jizō umringt von Grabsteinen

Grabmonumente (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya

Auch Jizō Bosatsu darf auf Berg Kōya natürlich nicht fehlen. Auch die kleinen Figuren im Vordergrund repräsentieren diesen wichtigsten Erretter der buddhistischen Totenwelt.

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Mausoleumsbrücke (Gobyō no hashi)

Bogenbrücke (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Amy Nakazawa, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Mönche beim Transport eines rituellen Gegenstandes über die Brücke, die zum Mausoleum Kūkais führt.

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Friedhof im Schnee

Grabmonumente (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Edward Faulkner, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Auf der linken Seite ist noch einmal das Grab von Yūki Hideyasu zu sehen.

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Grab für die Namenlosen (muen-botoke)

Grabpyramide (Stein); Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Molly Des Jardin, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Muen-botoke bedeutet wtl. „Buddhas (= Verstorbene) ohne Bindung (= Angehörige)“. Meist bezieht sich der Begriff auf abgetriebene Kinder. Jeder Verstorbene ist durch eine kleine Gorintō-Stele repräsentiert, manche davon sind mit Lätzchen versehen. Auch einige Jizō-Statuen sind darunter.

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Grabpyramide für muenbotoke

Grabpyramide (Stein), Detail; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Molly Des Jardin, flickr 2008. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Moderne Gräber

Grabmonument; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Trane DeVore, flickr 2006. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Auch einige moderne Gräber mit erstaunlichen Grabmonumenten sind auf Berg Kōya zu finden.

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Familientempel der Tokugawa

Tempelhalle; Oku-no-in, Berg Kōya
Bild © Lonely Trip, 2007. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die wichtigsten Familien der Edo-Zeit errichteten sogar Familientempel innerhalb der Friedhofsanlage. Interessanterweise findet sich im Fall des Tempels der Tokugawa ein torii vor dem buddhistischen Bauwerk.

Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Oku-no-in bedeutet wtl. der „Innerste Tempel“ und kann u.a. den hintersten (innersten) Bereich einer religiösen Anlage be­zeich­nen. Es handelt sich dabei nicht um das nach außen hin re­prä­sen­ta­tivste Bau­werk, doch verbindet man mit Oku-no-in einen beson­ders heiligen und daher ge­schütz­ten, ab­ge­schirm­ten Raum. Im Fall von Berg Kōya ist dies die Grab­stätte oder genauer das Mausoleum des viel­leicht be­deu­tendsten Mönchs des japa­nischen Bud­dhis­mus, Kūkai. Kūkai soll in diesem Gebäude nach wie vor in ewiger Meditation ver­har­rend physisch anwesend sein. Ähnlich wie etwa auch in Nikkō Nikkō 日光 Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schreinsiehe auch Nikko → Shinto→ Ise Izumo/Schreinanlage Ise→ Bekannte Schreine→ Shinto-Goetter → mehr bezeichnet Oku-no-in hier also die letzte Ruhestätte einer „heiligen“ Figur.

Eine Besonderheit des Oku-no-in von Berg Kōya ist die Tatsache, das sich entlang des Zu­gangs­wegs zu Kūkais Mauso­leum noch andere Gräber scharen, die im Schatten der großen Zedern eine beson­ders weihe­volle Aura um sich verbreiten. Viele Einzel­tempel auf Berg Kōya sind mit der Pflege dieser Gräber beschäf­tigt.

Prominentengräber

Um dem heiligen Mann Kūkai möglichst nahe zu sein, wurde es bereits in der Kamakura Kamakura 鎌倉 Stadt im Süden der Kantō Ebene, Sitz des Minamoto Shogunats 1185–1333 (= Kamakura-Zeit)siehe auch Kamakura → Ikonographie→ Bekannte Schreine/Itsukushima→ Jizo→ Shinto-Goetter → mehr -Zeit unter den Familien des Krieger­adels Brauch, ein Grab auf Berg Kōya zu unter­halten. Oft handelt es sich dabei nicht um wirkliche Gräber, sondern um Grab­denk­mäler, d.h. die sterb­lichen Über­reste sind woanders bei­gesetzt. Diese Praxis wurde bis in die Edo Edo 江戸 Sitz der Tokugawa Shogune, 1600–1867 (= Edo-Zeit); heute: Tokyosiehe auch Geschichtsperioden → Buddhismus→ Bekannte Tempel→ Shinto→ Stereotype/Herrigels Zen → mehr -Zeit fortgeführt, aus der die meisten Grab­steine auf den obigen Bildern stammen. Kenner der japa­nischen Geschichte finden praktisch auf jedem Grab einen berühm­ten Namen, wie auch beim An­klicken der obigen Bilder zu erkennen ist.

Die meisten Grabsteine sind im gorintō gorintō 五輪塔 Grabsteinform; „Stupa der Fünf Elemente“siehe auch Friedhof → Friedhof/Gorinto -Stil gestaltet. Besonders auf­fal­lend ist, dass diverse Grab­stätten durch ein torii torii 鳥居 Torii, Schreintorsiehe auch Torii → Schreine→ Shinto→ Schreine/Shimenawa→ Schreine/Schreinbilder→ Tempel/Tempeltore → mehr gekenn­zeichnet sind, wie es heute nur noch vor Shinto Schreinen zu finden ist. Die torii dienen hier als Ein­gänge eines speziellen, meist um­zäun­ten Areals, das den Gräbern einer Familie vor­be­halten ist. In der Regel handelt es sich um bekannte Samurai-Ge­schlech­ter aus der Edo-Zeit.

Darüber hinaus gibt auf dem Kōya-san auch ein Areal, in dem sich Indus­trielle und andere An­ge­hörige des mo­dernen „Geldadels“ bestat­ten ließen. Auch dessen Be­sich­tigung lohnt sich, denn man findet hier die er­staun­lichsten Grab­denk­mäler, unter anderem eines in Form einer Rakete...

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Gesamtansicht des Kōya-san (Kōya-san zenzu)

Panoramabild von Hirata Eikichi, Detail. Meiji-Zeit, 1896; 19 x 120 cm
Bild © Japanese Historical Maps, David Rumsey, Berekley. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Oben das Mausoleum Kukais, im Vordergrund Gräber der Tokugawa und anderer Prominenter aus der Edo-Zeit. Neben den Gräbern sind die Namen der berühmten Verstorbenen eingezeichnet.

. 2 Schematische Darstellung der Anlage von Hirata Eikichi, 1896


Schutzschrein und Gründungslegende

Berg Kōya wurde von Kūkai selbst gegründet. Dies bedurfte Anfang der Heian-Zeit noch einer kaiser­lichen Genehmi­gung, die Kūkai im Sommer 816 erhielt. Zwei Jahre später weihte Kūkai die ersten Tempel­gebäude ein, die unter Anlei­tung seiner Schüler errichtet worden waren. Es gibt zwei Legenden, wie es zur Auswahl des Ortes durch Kūkai kam.

Die erste Legende berichtet, dass Kūkai, als er noch zu Studienzwecken in China weilte, einen drei­zackigen vajra वज्र vajra (skt., m.) „Donnerkeil“, Ritualinstrument und Symbol des tantristischen/esoterischen Buddhismus; jap. kongō 金剛siehe auch →  Vajrapani → Mandala→ Yamabushi/En no Gyoja→ Mudra→ Dainichi → mehr in Rich­tung Osten also nach Japan schleu­derte. Dort, wo dieser Vajra landete, wollte er ein eigenes Kloster errich­tete. Der Vajra lan­dete in der Krone einer Pinie auf Berg Kōya, die noch heute dort ver­ehrt wird. Diese Legende dürfte wohl auch für den Namen des Haupt­tempels der Anlage, „Tempel des Vajra-Gipfels“ (Kongōbu-ji Kongōbu-ji 日光 Haupttempel auf Berg Kōya, zentrales Heiligtum des Shingon Buddhismus), ver­ant­wort­lich sein.

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Berg Kōya

Querbildrolle, Detail. Kamakura-Zeit, 1296; aus Tengu zōshi; Höhe: ca. 30 cm
Bild © Tokyo National Museum. (Letzter Zugriff: 2014/7)

Die Tempelanlage auf Berg Kōya in einer mittelalterlichen Darstellung. Die Anlage ist hier auf drei essenzielle Bestandteile reduziert: Die Große Pagode (Daitō), die Tempelhalle zu Ehren Kūkais (Miei-dō) und die Kiefer (Sanko no Matsu), auf der der Vajra landete, den Kūkai von China aus in Richtung Japan geschleudert hatte.

. 3 Pagode, Tempelhalle und Vajra-Kiefer auf Berg Kōya (13. Jh.)
 Tenguzoshi_koyasan_okunoin.jpg

Okunoin auf Berg Kōya

Querbildrolle, Detail. Kamakura-Zeit, 1296; aus Tengu zōshi; Höhe: ca. 30 cm
Bild © Tokyo National Museum. (Letzter Zugriff: 2014/7)

Das Mausoleum Kūkais auf einer mittelalterlichen Darstellung. Die Grabkapelle befindet sich links auf dem Bild und ist durch einen Zaun von der Tempelhalle davor getrennt. Entlang des Zugangsweges befinden sich Grabmonumente. Während diese heute zumeist aus Stein sind, handelt es sich auf dieser Darstellung zumeist um hölzerne Stäbe (sotoba).

. 4 Kūkais Mausoleum auf Berg Kōya

Die zweite Legende berichtet, dass Kūkai nach langem Suchen diesen Ort mit Hilfe eines Jägers fand. Das ist insofern be­merkens­wert, als die Jagd ja im Grunde dem bud­dhis­tischen Tötungs­verbot wider­spricht.1 Der Jäger gibt Kūkai seine zwei Hunde mit auf den Weg, die ihm den Ort zeigen. Dort an­ge­kom­men er­scheint eine Dame in könig­lichen Gewän­dern vor Kūkai. Es ist die Berg­göttin, welche über die Gegend herrscht. Sie erklärt, dass der Jäger ihr Sohn sei, und dass beide, sie und ihr Sohn, Kūkai bei der Er­rich­tung seiner Tempel bei­stehen und als dessen Be­schützer fun­gieren wollten. So kam es, dass die beiden Gott­heiten unter dem Namen Niu Myōjin (die Berg­gott­heit) und Kariba Myōjin (wtl. Gott des Jagd­ortes) als Schutz­gott­heiten von Berg Kōya ver­ehrt wurden.2 Ihr Haupt­schrein, zu dem sich später noch zwei weitere weib­liche Gott­heiten, näm­lich Itsukushima Itsukushima 厳島 auch Miyajima, Schrein bei Hiroshimasiehe auch Itsukushima → Bekannte Schreine→ Gluecksgoetter/Benzaiten und die Gott­heit des Kehi Schreins dazu­ge­sellten, be­findet sich etwa zwanzig Kilo­meter ent­fernt in Amano, einem Dorf an dem alten Pilger­weg, der zu Berg Kōya führt. Inner­halb der Tempel­an­lage selbst gibt es aber auch einen Zweig­schrein der Kōya-Gottheiten.

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Kōbō Daishi und die beiden Gottheiten Niu und Kōya (Kōbō daishi Niu Kōya ryōmyōjin zō)

Hängerollbild (Seide). Kamakura-Zeit, 14. Jh.; Kongōbu-ji, Berg Kōya; 212 x 127,5cm
Bild © Kūkai mandara: Kōbō Daishi to Kōya-san (Katalog), Reihōkan 2006, S. 39, Abb. 10

Kūkai in der klassischen Darstellung mit Vajra in der rechten Hand, auf dem Sessel eines Tempelabtes, flankiert von den beiden Schutzgöttern von Berg Kōya: Die Göttin Niu-tsu-hime in chinesisch anmutender Tracht und der Jäger Kariba (hier Kōya Myōjin) in klassischer Hoftracht. Oberhalb der drei Gestalten ist undeutlich eine Abbildung von Kūkais Mausoleum, Oku no In, zu sehen, unterhalb eine Abbildung des Amano Niu Schreins am Fuße von Berg Kōya. Das Bild wurde für einen bestimmten Ritus zur Verehrung der Gottheiten angefertigt, der sich mondōkō 問答講, wtl. Frage und Antwort Vortrag, nannte und 1291 begonnen wurde.

. 5 Kūkai und die beiden Gottheiten von Berg Kōya, Kariba Myōjin und Niu Myōjin

Die Schreine und ihre Legenden unter­streichen das Bemühen Kūkais, lokale Gott­heiten in seine neue Form des Bud­dhis­mus einzu­be­ziehen. Offen­bar kam die Er­rich­tung des Klosters einem Ein­dringen in fremdes Gebiet gleich. Kūkais Umgang mit den Gott­heiten ähn­elt einer Ver­hand­lung mit tat­säch­lichen Menschen. Als Kom­pensation für ver­lorenes Terri­torium erhal­ten die lokalen Gott­heiten ein Amt als Wächter und treten mit dem Kloster in einen Aus­tausch von „Schutz“ gegen Riten. Rück­wir­kend wird das ganze Ge­schäft als frommer Akt oder als frei­williger Ver­zicht der Gott­heiten dar­gestellt. Ähn­lich ver­fuhr Kūkai auch mit der Gott­heit Inari Inari 稲荷 Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewachtsiehe auch Fushimi → Bekannte Schreine→ Shinto-Goetter→ Imaginaere Tiere→ Verwandlungskuenstler → mehr , die zu einer Schutz­gott­heit des von Kūkai gelei­teten Tempels Tōji Tōji 東寺 Ost-Tempel in Kyoto, eig. Kyōō Gokoku-ji (Tempel des Königs der Lehre zum Schutz des Landes)siehe auch Myoo → Bekannte Schreine/Fushimi→ Verwandlungskuenstler→ Honji suijaku→ Gluecksgoetter/Bishamonten in Kyoto um­funk­tioniert wurde. Der „Schutz“ der Götter be­stand in der Praxis wahr­schein­lich aus Nah­rung für die Mönche, die die Schrein­ge­meinde bereit­stellte. Jeden­falls gibt es Hinweise, dass eine Gott­heit namens Niu, eben­so wie Inari, auch als weib­liche Nah­rungs­gott­heit verehrt wurde.

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Die zu Kūkais Zeit entstandene Legendensammlung Nihon ryōiki Nihon ryōiki 日本霊異記 „Wunder­same Bege­ben­heiten aus Japan“; buddhistische Legendensammlung von Kyōkai (Anfang 9. Jh.)siehe auch Heian Zeit → Yamabushi/En no Gyoja→ Waechtergoetter/Wind und Donner→ Hoellen/Hoellenbilder→ Verwandlungskuenstler/Kitsune → mehr enthält mehrere Beispiele, wie Jäger für ihr Tun karmisch bestraft werden.
  2. Nicoloff 2008, S. 59–60.

Bilderläuterungen

  1. Koya karte.jpg

    Detailansicht des Kōya-san (Kōya-san saiken)

    Panoramabild von Asai Koei, Detail. Meiji-Zeit, 1860; 70 x 145 cm
    Bild © Japanese Historical Maps, David Rumsey, Berekley. (Letzter Zugriff: 2014/4)

    Die Anlage von Berg Kōya aus südlicher Richtung. Rechts oben das Mausoleum Kūkais (Oku-no-in), in der linken Bildhälfte die wichtigsten Tempel. Die einzelnen Gebäude sind alle Tempel, die wie Familienbetriebe geführt werden. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Betreuung der Gräber, die sich in der Nähe von Kūkais Mausoleum befinden. Heute ist die Zahl der Tempel etwas zurück gegangen, viele Hallen sind auch umbenannt oder verschoben worden, die Grundstruktur der Anlage ist jedoch unverändert geblieben.

  2. Koya1896.jpg

    Gesamtansicht des Kōya-san (Kōya-san zenzu)

    Panoramabild von Hirata Eikichi, Detail. Meiji-Zeit, 1896; 19 x 120 cm
    Bild © Japanese Historical Maps, David Rumsey, Berekley. (Letzter Zugriff: 2011/7)

    Oben das Mausoleum Kukais, im Vordergrund Gräber der Tokugawa und anderer Prominenter aus der Edo-Zeit. Neben den Gräbern sind die Namen der berühmten Verstorbenen eingezeichnet.

  3. Tenguzoshi koyasan daito.jpg

    Berg Kōya

    Querbildrolle, Detail. Kamakura-Zeit, 1296; aus Tengu zōshi; Höhe: ca. 30 cm
    Bild © Tokyo National Museum. (Letzter Zugriff: 2014/7)

    Die Tempelanlage auf Berg Kōya in einer mittelalterlichen Darstellung. Die Anlage ist hier auf drei essenzielle Bestandteile reduziert: Die Große Pagode (Daitō), die Tempelhalle zu Ehren Kūkais (Miei-dō) und die Kiefer (Sanko no Matsu), auf der der Vajra landete, den Kūkai von China aus in Richtung Japan geschleudert hatte.

  4. Tenguzoshi koyasan okunoin.jpg

    Okunoin auf Berg Kōya

    Querbildrolle, Detail. Kamakura-Zeit, 1296; aus Tengu zōshi; Höhe: ca. 30 cm
    Bild © Tokyo National Museum. (Letzter Zugriff: 2014/7)

    Das Mausoleum Kūkais auf einer mittelalterlichen Darstellung. Die Grabkapelle befindet sich links auf dem Bild und ist durch einen Zaun von der Tempelhalle davor getrennt. Entlang des Zugangsweges befinden sich Grabmonumente. Während diese heute zumeist aus Stein sind, handelt es sich auf dieser Darstellung zumeist um hölzerne Stäbe (sotoba).

  5. Kukai koya myojin.jpg

    Kōbō Daishi und die beiden Gottheiten Niu und Kōya (Kōbō daishi Niu Kōya ryōmyōjin zō)

    Hängerollbild (Seide). Kamakura-Zeit, 14. Jh.; Kongōbu-ji, Berg Kōya; 212 x 127,5cm
    Bild © Kūkai mandara: Kōbō Daishi to Kōya-san (Katalog), Reihōkan 2006, S. 39, Abb. 10

    Kūkai in der klassischen Darstellung mit Vajra in der rechten Hand, auf dem Sessel eines Tempelabtes, flankiert von den beiden Schutzgöttern von Berg Kōya: Die Göttin Niu-tsu-hime in chinesisch anmutender Tracht und der Jäger Kariba (hier Kōya Myōjin) in klassischer Hoftracht. Oberhalb der drei Gestalten ist undeutlich eine Abbildung von Kūkais Mausoleum, Oku no In, zu sehen, unterhalb eine Abbildung des Amano Niu Schreins am Fuße von Berg Kōya. Das Bild wurde für einen bestimmten Ritus zur Verehrung der Gottheiten angefertigt, der sich mondōkō 問答講, wtl. Frage und Antwort Vortrag, nannte und 1291 begonnen wurde.

Literatur

Philip Nicoloff
Sacred Kōyasan: A Pigrimage to the Mountain Temple of Saint Kōbō Daishi and the Great Sun Buddha. Albany, NY: State University of New York Press.
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