Bekannte Pagoden und Stupas außerhalb Japans

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Bernhard Scheid, „Bekannte Pagoden und Stupas außerhalb Japans.“ In: Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 20.1.2013). URL: http://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Bauten:Tempel/Stupa?oldid=33186
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Buddhistische Grabmonumente von Sanchi

Stupa (Ziegel). Indien, 3. Jh. v.u.Z.

Die Stupa-Anlage von Sanchi nahe der Stadt Vidisha in Zentralindien gilt als UNESCO Welterbe. Der größte Stupa soll Reliquien des Buddha bergen und auf Befehl König Ashokas (ca. 273–236 v.u.Z.) errichtet worden sein. Ein kleinerer Stupa enthält angeblich Reliquien von Schülern des Buddha. Die Anlage wurde bis ins 12. Jh. immer weiter ausgebaut.

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Die Grabstupas von Sanchi

Die buddhistischen Monumente von Sanchi (सांचीSāñcī (skt.)Ortschaft im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh ) , nahe der Stadt Vidisha (विदिशाVidiśā (skt., f.)Stadt im Herzen Indiens, 10 km von Sanchi entfernt ) in Indien, gehen auf den legendären Förderer des Bud­dhis­mus, König Ashoka (अशोकAśoka (skt., m.)„Der Unbesorgte“, 304?–232 v.u.Z., König von Nord-Indien …mehr ⇒) (273–236 v.u.Z.) zurück. Dieser soll sieben der acht ersten Stupas (स्तूपstūpa (skt., m.)„Hügel“, Grabmonument ) errichtet haben, darunter auch den Haupt­stupa von Sanchi. Die heutige Form der großen Grab­stupas, in denen auch Reliquien der Buddha (बुद्धBuddha (skt., m.)„Der Erleuchtete“ …mehr ⇒) -Schüler Shariputra (शारिपुत्रŚāriputra (skt., m.)Hauptschüler des Buddha …mehr ⇒) und Maudgalyayana (मौद्गल्यायनMaudgalyāyana (skt., m.)Schüler des Buddha; errettet seine Mutter aus der Hölle …mehr ⇒) bei­gesetzt worden sein sollen, stammt wahr­scheinlich aus dem zweiten Jahr­hundert vor unserer Zeit­rechnung. Während der folgenden tausend Jahre befand sich hier ein großes Zentrum des bud­dhis­tischen Glaubens mit zahl­reichen Tempeln. Im drei­zehnten und vier­zehnten Jahr­hundert erfasste der allgemeine Nieder­gang des indischen Bud­dhis­mus aber auch die Tempel­anlagen von Sanchi, die verlassen und dem natürlichen Verfall prei­gegeben wurden. Außerdem erfuhren die Stupas im Zuge ihrer Wieder­ent­deckung im frühen neun­zehnten Jahr­hundert zahlreiche Schäden durch Plün­derungen und unsach­gemäße archäologische Behandlung. Erst in den Jahren 1912–1919 wurden sie in den heute sichtbaren Zustand gebracht.

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Torana

Tor (Stein); Sanchi, Indien
Bild © Scott Weatherson, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

An den vier Seiten des ältesten buddhistischen Grabstupas in Sanchi befinden sich markante Eingänge, die wie ein reich verziertes torii mit einem dritten Querbalken aussehen. Man nennt diese Tore auf Sanskrit torana. Aufgrund ihrer Ähnlichkeiten in Form und Namen wurden sie von frühen Japanologen als Vorläufer der torii angesehen.

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Torana

Tor (Stein), Detail; Sanchi, Indien
Bild © Scott Weatherson, flickr 2009. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Die detailreichen Skulpturen sprechen dagegen, dass die indischen torana als Vorläufer der japanischen torii anzusehen sind. Sie stammen wahrscheinlich aus dem 1. Jh. u.Z.

Die „torii“ von Sanchi

Sanchi repräsentiert wahrscheinlich die älteste Form der Stupas, bestehend aus einer halb­kugel­förmigen Kammer und einer dünnen Spitze, die einen oder mehrere Schirme als Zeichen königlicher Macht darstellt. Aus diesen Schirmen entwickeln sich mit der Zeit eine Anzahl von Ringen (in Japan meist neun plus zusätzliche Elemente), die man auch auf der Spitze japanischer Pagoden erkennen kann. Die konkrete Aus­gestaltung ist starken regionalen Unter­schieden aus­gesetzt, aber immer ist die Spitze eines Stupas Gegen­stand eines ausgefeilten Symbolismus. Zu den klassischen Stupas gehört außerdem ein Rundgang, denn das rituelle Um­schreiten des Stupa (im Uhr­zeiger­sinn) ist ein essentielles Mittel, um gutes Karma (कर्मKarma (skt., n.)„Tat“, auch „konse­quente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen …mehr ⇒) zu erlangen. Diese Rund­gänge sind oft, wie z.B. in Sanchi, von einer Mauer eingefasst und durch Ein­gangs­tore zu betreten. Im Fall von Sanchi gab es ursprünglich bei jedem Stupa vier Tore, die in alle vier Himmels­richtungen wiesen. Viele sind noch erhalten und gestatten dank ihrer reichen Aus­gestaltung mit Mosaiken einen guten Ein­blick in die frühe bud­dhis­tische Kunst. Frühere europäische Beobachter waren außerdem der Meinung, dass die Tore bauliche Ähnlich­keiten mit japanischen torii (torii 鳥居Torii, Schreintor …mehr ⇒) aufweisen und möglicher­weise ihre Urform darstellen. Heutige Religions­historiker sind diesbezüglich allerdings eher skeptisch. (S. dazu die Sidepage Torii.)

Dhamekh Stupa

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Dhamekh Stupa

Stupa (Ziegel). Gupta-Zeit, 4.Jh. u.Z.; Sarnath, Indien; Höhe 31,3 m
Bild © Christopher Walker, Wikimedia Commons, 2004. (Letzter Zugriff: 2011/7)
Dhamekh Stupa, Gupta Zeit, Höhe 31,3m

Dieser Stupa befindet sich unweit von Benares in Sarnath (सार्नाथ्Sārnāth (skt.)Stadt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, 10 km nördlich von Benares …mehr ⇒) , dem „Hirschpark“, wo Buddha Shakyamuni angeblich seine erste Predigt hielt. Der Stupa gilt ebenfalls als eine Gründung Ashokas, doch schon vor Ashoka scheint sich hier ein bud­dhis­tisches Kloster befunden zu haben. Heute existiert nur noch die Basis des Bauwerks, auf der sich ­früher noch eine turmartige Spitze befunden haben muss.

Der Swayambunatha Stupa in Kathmandu, Nepal

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Stupa des Tempels Swayambunath

Buddhistisches Monument; Kathmandu, Nepal

Ältester und bekanntester Stupa Nepals, angeblich eine Gründung König Ashokas. Die heutige Form stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde im 17. Jahrhundert weiter ausgebaut. Besonders auffallend die nach allen Richtungen blickenden Augenpaare, Symbol für die allumfassende Wahrnehmungsfähigkeit des Buddha.

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Stupa des Tempels Swayambunath

Buddhistisches Monument, Detail; Kathmandu, Nepal

Ältester und bekanntester Stupa Nepals, angeblich ebenfalls eine Gründung König Ashokas. Die heu­tige Form stammt aus dem vier­zehn­ten Jahr­hun­dert und wurde im sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert weiter aus­gebaut. Be­sonders auf­fallend sind die nach allen Rich­tungen blicken­den Augen­paare, Symbol für die all­um­fas­sende Wahr­neh­mungs­fähig­keit des Buddha.

Der Stupa-Berg von Borobudur, Java

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Stupa-Berg

Stupa; Borobudur, Java
Bild © Marcello and Anita Tranchini, Borobudur: Golden Tales of the Buddha. Hongkong: Periplus Editions, 1990
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Stupa-Berg

Buddhistisches Monument; Borobudur, Java
Bild © A Visit to the Stupa Borobudur, Jacques Edouard Berger, 1988. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Buddhafigur im Heiligtum

Statue (Stein); Borobudur, Java
Bild © A Visit to the Stupa Borobudur, Jacques Edouard Berger, 1988. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Stupas auf dem Stupa-Berg

Borobudur, Java
Bild © A Visit to the Stupa Borobudur, Jacques Edouard Berger, 1988. (Letzter Zugriff: 2011/7)
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Borobudur ist das größte buddhistische Monument weltweit. Es ist eigentlich eine Kombi­nation von Stupa und Mandala, also eine symbolische Reprä­sen­tation des Kosmos in geometrischer, hier drei­dimen­sionaler Form. Während die einzelnen Stationen eines mandala (मण्डलmaṇḍala (skt., n.)„Kreis“, schematische Dar­stel­lung der kosmischen Ordnung …mehr ⇒) üblicher­weise von einer Buddha­figur einge­nommen werden, sind es hier es hier, zumindest im zentralen Bereich einzelne Stupas. Gleich­zeitig ist die gesamte Anlage von zahlreichen Stein­reliefs geschmückt, die das Leben des historischen Buddha oder Episoden einzelner Bodhisattvas (बोधिसत्त्वBodhisattva (skt., m.)„Erleuchtetes Wesen“ …mehr ⇒) darstellen. Die zentrale Position, ebenfalls durch einen Stupa repräsentiert, nimmt aber der „kosmische Buddha“ Vairocana (वैरोचनVairocana (skt., m.)„Sonne, sonnenhaft“, Buddha-Name …mehr ⇒) (in Japan Dainichi (Dainichi 大日Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“ …mehr ⇒)) ein.

Borobudur wurde unter der buddhistischen Sailendra Dynastie zwischen 750 und 850 errichtet. Etwa zur selben Zeit goss man in Japan den Großen Buddha von Nara. Im zwölften Jahr­hundert verfiel die Anlage und geriet vollkommen in Ver­gessen­heit, bis sie im neunzehnten Jahrhundert wieder entdeckt wurde. Erst 1971–1984 wurde die Anlage unter der Patronanz der UNESCO originalgetreu restauriert.

Wildgans Pagode

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Große Wildgans-Pagode (Dayanta)

Pagode (Ziegel). 652 als fünfgeschoßige Pagode errichtet, heutige Form aus dem 16. Jh.; Xian, Zentralchina; 64 m
Bild © travel.dahangzhou.com. (Letzter Zugriff: 2011/7)

Dayanta (Dayanta 大雁塔 (chin.) — „Große Wildgans Pagode“ in Xian, China, err. 652 ), die „Große Wild­gans Pa­go­de“ der al­ten chi­ne­si­schen Haupt­stadt Chang­an (heute Xian), ist eine der be­kann­te­sten Pa­go­den Chi­nas. Sie be­steht aus sie­ben Stock­wer­ken und ist 64m hoch. Sie wurde im Jahr 652 als fünf­stöckige Pa­gode er­rich­tet, und spä­ter wei­ter aus­ge­baut. Wie deut­lich zu er­ken­nen ist, voll­zog sich im Über­gang des in­di­schen Stupa zur chi­nesi­schen Pa­go­de ein Stil­wech­sel, der auch mit den sich wan­deln­den Funk­tio­nen die­ses Bau­werks zu tun hat. Ob­wohl auch chi­ne­si­sche und ja­pa­ni­sche Pa­go­den be­haup­ten, im Be­sitz von Re­li­quien zu sein, die­nen sie eher als all­ge­mei­ner Schatz­spei­cher, wäh­rend ihre Funk­tion als Grab­mo­nu­ment in den Hin­ter­grund tritt. Die Große Wild­gans Pa­go­de bei­spiels­wei­se wur­de er­rich­tet, um die zahl­rei­chen Sutren und Wert­ge­gen­stände auf­zu­be­wah­ren, die die be­rühmte Pilger Xuanzang (Xuanzang 玄奘 (chin.) — Berühmter chin. Pilgermönch und buddh. Gelehrter (602–664), Autor eines einflussreichen Reiseberichts, der später als „Reise nach dem Westen“ in einen Roman gefasst wurde ) auf sei­ner sieb­zehn­jähri­gen Reise (629–645) durch In­dien und Zen­tral­asien mit­ge­bracht hatte.

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